Strandkai Hamburg 1905

Der Strandhöft im Jahr 1905

Eine alte Ansicht aus dem Hamburger Hafen

Ein lieber Freund und treuer Blogleser, der historische Papiere und Postkarten sammelt, versorgt mich von Zeit zu Zeit mit alten Postkarten, von denen er weiß, dass sie zu meinem Blogthema passen.

So kann ich Ihnen heute eine Hafenpartie aus dem Hamburger Hafen präsentieren. Hergestellt wurde die Karte von Knackstedt & Näther, Lichtdruckerei, Hamburg im Jahr 1905.

Soweit die spärlichen Informationen auf der Rückseite der Karte.

Knackstedt & Näther

Wilhelm Georg Ludwig Knackstedt hatte das Unternehmen 1889 mit Hermann Gustav Näther gegründet. Näther verließ die Firma bereits in den frühen 90er Jahren, aber der Name wurde beibehalten.

Um die Jahrhundertwende erlebten Postkarten eine absolute Blüte und so sollen 1906 bei Knackstedt & Näther 290 Mitarbeiter etwa 100 Millionen Karten produziert haben. Der Exportanteil lag bei 60 %, Hauptabnehmer waren die USA.
Quelle: http://www.guestrow-history.de/knackstedt-naether

Allein in Hamburg hatte das Unternehmen drei Standorte, einen weiteren in Cuxhaven.

Der Firmeneintrag im Hamburger Adressbuch von 1905 lautet wie folgt:

Knackstedt und Näther 1905

Firmeneintrag Knackstedt & Näther, Hamburger Adressbuch, 1905; Quelle: https://agora.sub.uni-hamburg.de/

Lichtdruck

Der Lichtdruck war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein gängiges Druckverfahren, wurde jedoch bald vom wirtschaftlicheren Offsetdruck abgelöst.

Einer der wenigen Orte, an dem dieses Flachdruckverfahren noch angewendet wird, ist das Druckkunst-Museum in Leipzig.

Zur Geschichte und Qualität des Lichtdrucks sagt das Leipziger Museum:

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Lichtdruck im Zuge der Erfindung der Fotografie entwickelt. Der Münchener Hoffotograf Joseph Albert brachte dieses Druckverfahren nach 1855 zur industriellen Reife. Hauptsächlich wurde der Lichtdruck für professionelle Reproduktionszwecke genutzt. Dies geschah aus gutem Grund, denn das Druckverfahren ermöglicht die Herstellung von Faksimiles, die ihrer Vorlage täuschend ähnlichsehen. Selbst Experten haben Probleme, das Original von einem Lichtdruck zu unterscheiden.
Quelle: https://www.druckkunst-museum.de/de/lichtdruck.html

Das Museum nennt den Lichtdruck daher auch die „Königin der Drucktechniken“.

Warum die Qualität so außerordentlich ist, erklären uns ebenfalls die Spezialisten aus Leipzig:

Das „Geheimnis“ des Lichtdrucks ist das sehr feine, natürliche Runzelkorn, das bei der Druckformherstellung von der Gelatineschicht gebildet wird. Es verkörpert die technologische Substanz des Verfahrens und übertrifft mit seinem Auflösungsvermögen auch elektronische Feinraster. Mit keiner anderen Technik können bis heute so feine Linien und Verläufe in allen Tonwerten in einem Druckgang hergestellt werden. Die tiefsten Schatten bleiben durchzeichnet, die Halbtöne echt, die Lichter zart bis spitz. Auch die Farbechtheit des Lichtdrucks wird von keinem anderen Druckverfahren erreicht.
Quelle: https://www.druckkunst-museum.de/de/lichtdruck.html

Der Rückseitendruck auf der abgebildeten Karte lautet Serie „Luxusdruck“. Ein Hinweis, dass Knackstedt & Näther die Karte zu einem Preis angeboten haben, der über dem Durchschnitt gelegen haben dürfte.

Über die hohen Kosten des Verfahrens und eventuell auch der so hergestellten Karten brauchen wir uns heute nicht mehr kümmern, wir können uns einfach an der historischen Ansicht erfreuen.

Strandhöft und Strand-Hafen

Die Karte zeigt den Strandhöft (links im Bild) und den Strand-Hafen (Bildmitte). Höft bezeichnet im Norddeutschen eine Landspitze, in diesem Fall die Landspitze zwischen dem Strand- und dem Grasbrook-Hafen.

Schräg links hinter dem Betrachter liegt der Kaiserspeicher mit dem Zeitball (Kaiserhöft, heute der Standort der Elbphilharmonie). Links neben dem Strandhöft ist (außerhalb des Fotos) die Einfahrt zum Grasbrook-Hafen (siehe Abbildung unten).

Strandkai 1911 Hamburg

Ausschnitt aus Richters Großer Plan von Hamburg, Altona-Ottensen und Wandsbek. Herausgegeben von der Verlagsanstalt und Druckerei GmbH, Hamburg, 1911. Quelle: http://www.christian-terstegge.de; dort finden Sie noch viele weitere schöne Pläne und Fotos aus der Geschichte Hamburgs

Rechts von dem imposanten Kopfbau am Strandhöft ist ein Schild mit der Aufschrift „Jollenführer“. Der Jollenführerdienst war ein Zubringerdienst zu den an den Duckdalben liegenden Seeschiffen. Auf der Karte ist in der Mitte ein Jollenführer zu sehen, der seine Jolle durch das Hafenbecken wriggt. Außerdem ist ein kleiner Schlepper auf dem Weg in den Strandhafen.

Am rechten Bildrand liegen einige Überseedampfer an Duckdalben. Am Schiff vorne links, einem Woermann-Dampfer können wir intensive Ladetätigkeit erkennen, einige beladene Schuten liegen längs des Dampfschiffs. Das Schiff rechts daneben dürfte ein HAPAG-Schiff sein. Viellicht gibt es einen Spezialisten unter den Lesern, der beide Schiffe identifizieren kann? Ich freue mich auf fachkundige Kommentare!

Heute ist von den Gebäuden auf der Postkarte nichts mehr erhalten, am Strandkai entstehen derzeit (2021) exklusive Wohnungen im obersten Preissegment. Aber der Blick auf den Hafen ist natürlich auch erstklassig.

Im untenstehenden Bild ist der Strandhöft ganz im Hintergrund rechts neben dem Kaiserspeicher zu sehen.

Über den auf der Turmspitze des Kaiserspeichers befindlichen Zeitball und seine Funktionsweise hatte ich in diesem Blogartikel berichtet: Tagebuch der „Fürth“ (3): Bunkern und Laden im Hamburger Hafen

Kaiserspeicher Hamburg Zeitball 1900

Hafen Hamburg, Kaiserspeicher mit Zeitball um 1900, im Hintergrund der Strandhöft; Quelle: Der Hamburger Hafen um 1900. Daguerrotypien von Franz Schmidt und Otto Kofahl, Dölling & Galitz, Hamburg 2019 (erstveröffentlicht als Mappenwerk „Hafen von Hamburg im Bild“, Otto Meissners Verlag, Hamburg 1908); https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kaiserspeicher_Hamburg_um_1900.jpg

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