Archiv für den Monat März 2019

Crew list, SS Furth, January 19th, 1914, Sydney

Drei Mannschaftslisten der „Fürth“ aus dem Jahr 1914

Viele neue Namen und ein paar alte Bekannte

Mannschaftslisten der „Fürth“ aus dem Jahr 1914 habe ich aktuell von der Hafenpolizei Sydney vorliegen. Dieser Hafen wurde von der „Fürth“ in diesem Jahr dreimal angelaufen: Zunächst am 19. Januar 1914 auf der dreizehnten Fahrt und dann zweimal auf der vierzehnten Fahrt: auf dem Weg nach Brisbane am 29. Juni 1914 und kurz später auf der Heimreise von Brisbane, nämlich am 13. Juli 1914. Die Quelle dieser Aufstellungen ist erneut die äußerst bemerkenswerte Webseite Mariners and Ships in Australian Waters (http://marinersandships.com.au/).

Zusätzlich liegt mir ein Dokument aus dem Hafen von Brisbane vom 10. Juli 1914 vor, dass das Desertieren von vier Besatzungsmitgliedern belegt beziehungsweise belegen soll (siehe unten).

Die Dokumente sind die ersten mir vorliegenden Crewlisten unter dem neuen Kapitän W. Richter. Leider fehlt beim „Master“ des Schiffes wie so oft die Altersangabe.

Dazu müssen wir ältere Mannschaftslisten bemühen, zu Zeiten als Richter noch Offizier war. So war er am 4. Juni 1906, ebenfalls beim Einlaufen in Sydney, 2. Offizier der „Ottensen“. Sein Alter wurde dort mit 37 angegeben, so dass er im Jahr 1914 45 Alter alt gewesen sein muss.

Sydney, 19. Januar 1914

Erster Offizier an Bord ist Alfred Steinorth, der auch schon am 29. Dezember 1910 als erster Steuermann an Bord der „Fürth“ diente (Die Mannschaft der Fuerth). Es sollte seine letzte Fahrt auf der „Fürth“ sein, er wird im Jahr 1914 auf die „Ulm“ zu seinem „alten“ Kapitän C. B. Saegert als erster Steuermann zurückkehren (Kapitän C. B. Saegert – eine Würdigung).

Die anderen Decksoffiziere sind F. Nagel, F. Korfage und Th. Christiansen.

Der Chefingenieur ist J. Hess, der schon 1910 in Fremantle erster Ingenieur war (Die Mannschaft der Fuerth).

Anm.: In der Liste aus Fremantle hatte ich J. Hess zunächst als P.I. Hefs angesprochen, das später aber korrigiert.

P. Meltke, H. Petersen und J. Schmidt sind die anderen Maschinisten.

An Bord waren diesmal insgesamt nur 35 Personen (inkl. Kapitän), darunter 27 Deutsche, 2 Schweden, 2 Holländer, 1 Neuseeländer, 1 Franzose, 1 Norweger und 1 Finne.

Das lässt vermuten, dass auf dieser außergewöhnlich langen Reise ab 15. Februar 1913 einige Seeleute abgesprungen bzw. desertiert sind und nicht vollständig ersetzt werden konnten. Bei vorangegangenen Fahrten war die Mannschaftsstärke jeweils 41 Personen. Auch die hohe Zahl an nichtdeutschen Mannschaftsmitgliedern deutet darauf hin.

Nachweislich sind P.T Hollman und J. Salminen kurz zuvor in Newcastle desertiert (Endlich nach Hause!).

Crew list, SS Furth, January 19th, 1914, Sydney

Mannschaftsliste der „Fürth“, Sydney, 19. Januar 1914; © State Records Authority of New South Wales

crew list, SS Furth, January 19th 1914, Sydney, transcription

Transkription der Mannschaftsliste der „Fürth“ vom 19. Januar 1914; Quelle: Mariners and Ships in Australian Waters, marinersandships.com.au

Sydney, 29. Juni 1914

Die zweite Mannschaftsliste aus Sydney ist vom 29. Juni 1914.

Neuer erster Offizier ist bei dieser Fahrt R. Hoffmann. Der zweite und der vierte Offizier sind unverändert F. Nagel und Th. Christiansen. Als dritter Offizier mit an Bord ist jetzt H. Wodarz.

Bei den Maschinisten ist J. Hess nicht mehr Teil der Mannschaft, Erster Maschinist ist jetzt W. Collier. Die anderen Maschinisten sind ebenfalls neu an Bord: J. Wilkins, A. Herrde, G. Konrad.

Auch alle anderen Mannschaftsmitglieder haben neu angeheuert, der einzige verbliebene Seemann ist der junge erste Stewart Fr. Schwenk.

Insgesamt sind 40 Mann an Bord, alle sind Deutsche.

crew list SS Fuerth, Sydney June 29th, 1914

Mannschaftsliste der „Fürth“, Sydney 29. Juni 1914, © State Records Authority of New South Wales; 40 Crewmitglieder, keine Passagiere

Furth, crew list, June 29th, 1914, Sydney, transcription

Transkription der Mannschaftsliste der „Fürth“ vom 29. Juni 1914; Quelle: Mariners and Ships in Australian Waters, marinersandships.com.au

Sydney, 13. Juli 1914

Die dritte Crewliste ist vom 13. Juli 1914. Diese nur gut zwei Wochen später erstellte Liste kommt dadurch zustande, dass die „Fürth“ auf dieser Australienfahrt die Linie 1 der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft bediente. Bei dieser Linie wurden Melbourne, Sydney und Brisbane angefahren und von Brisbane ging es dann über Sydney und Melbourne auch wieder zurück nach Europa.

Nun läge die Vermutung nahe, dass beide Listen identisch sein müssten. Dem ist aber nicht so.

Es fehlen fünf Mannschaftsmitglieder:

K. Kiewitt (1. Bootsmann), M. Potschka (Seemann), M. Röder (Heizer), R. Hunger (Heizer), A. Raber (Heizer)

Dafür sind neu an Bord:

W. Kreinacker (Seemann), J. Montegue (Heizer), E. Lemburg (Trimmer)

Insgesamt sind jetzt noch 38 Personen an Bord, 35 Deutsche, 1 US-Amerikaner und 2 Schweden (Der Trimmer Podsionek war im Juni als Deutscher ausgewiesen, in der Liste vom Juli als Schwede).

crew list, SS Fuerth, Sydney July 13th, 1914, shipping master's office

Einreisedokument der „Fürth“, Hafenpolizei Sydney, 13. Juli 1914, © State Records Authority of New South Wales, via Mariners and Ships in Australian Waters (marinersandships.com.au)

crew list SS Fuerth, Sydney, July 13th 1914, transcription

Transkription der Mannschaftsliste der „Fürth“ vom 13. Juli 1914; Quelle: Mariners and Ships in Australian Waters, marinersandships.com.au

Anm.: Achtung, die Transkriptionslisten sind nicht immer korrekt, Umlaute in den Namen werden regelmäßig unterschlagen. Der zweite Offizier war H. Nagel (in der dritten Liste als H. Norgel ausgewiesen). Zur Namenssuche daher immer auf die Originallisten zurückgreifen!

Brisbane, 10. Juli 1914

Im Australischen Nationalarchiv habe ich ein weiteres Mannschaftsdokument gefunden, es ist eine Ausreiseliste der „Fürth“ aus dem Hafen von Brisbane vom 10. Juli 1914. Das Dokument ist leider nicht sehr aussagekräftig, da es nur den Hinweis „as per inward list“ enthält, also auf die Einreiseliste verweist, die mir nicht vorliegt, aber keine Namen auflistet.

Verwirrend wird die Angelegenheit dadurch, dass das Dokument folgenden Zusatz enthält: „with the exception of“: Max. Lehman, U. Brundt, Ch. Kuppe, A. Leiffert (deserted)

Port of Brisbane, list of crew SS Furth, July 10th 1914

Ausreisedokument der Hafenpolizei Brisbane vom 10. Juli 1914 (Ausschnitt); © National Archives of Australia, Barcode 20359771

Diese vier Mannschaftsmitglieder wurden also als Deserteure eingetragen. Alle vier Namen waren jedoch nicht in der Mannschaftsliste vom 29. Juni 1914 in Sydney verzeichnet.

Noch stutziger macht mich die Tatsache, dass die Kurzsignatur des Kapitäns unten rechts im Dokument nicht mit der Handschrift Kapitän Richters übereinstimmt. Deshalb gehe ich davon aus, dass es sich bei diesem Dokument um ein anderes Schiff handelte und nicht um die „Fürth“ auch wenn das Dokument den Namen des Dampfschiffes im Titel trägt.

signatures crew list, outward Brisbane, SS Fuerth, July 10th 1914

Ausreisedokument der Hafenpolizei Brisbane vom 10. Juli 1914, Unterschriften, © National Archives of Australia, Barcode 20359771

Wurden hier die Listen zweier (deutscher) Schiffe verwechselt? Das liegt zumindest nahe.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich auf einige Namen der Besatzung zurückkommen.

Brisbane, Dalgety's Wharf, about 1911

Die letzte Australienfahrt der „Fürth“

– Reise ohne Wiederkehr –

Am 25. April 1914 verlässt das Dampfschiff „Fürth“ Hamburg zu seiner vierzehnten Australienfahrt.

Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner wissen konnte: die „Fürth“ wird nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Erst 11 ½ Jahre später wird das Schiff, längst mit anderem Eigentümer, unter anderem Namen, unter der Leitung eines anderen Kapitäns und mit anderer Mannschaft, noch einmal in den Hafen Hamburg einlaufen.

Für den Moment bleiben wir aber noch im Frühjahr und Sommer 1914. Während die „Fürth“ auf der Linie 1 der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft nach Melbourne, Sydney und Brisbane unterwegs ist, brauen sich in Europa dunkle Wolken zusammen.

Alle Details zur vierzehnten und letzten Australienfahrt der „Fürth“ jetzt im Blog: Unvollendete Fahrt

Informationen zum Titelbild:

Dalgety’s Wharf, Brisbane, ca. 1911; Verladung von gefrorenem Rindfleisch für London; Quelle: John Oxley Library, State Library of Queensland, https://trove.nla.gov.au/version/167844183

Es lebe die Kühlkette! Der Export von gefrorenem australischem Rindfleisch nach Europa begann übrigens bereits im Jahr 1879.

Die „Fürth“ verfügte übrigens nicht über Kühlräume: Hatte die Fürth eine Kühlanlage?

German Australian Line, poster, 1891/1892

GESUCHT – WANTED – RECHERCHĒ

Jahrbuch der DADG – German Australian Line Yearbook – L’annuaire de la Société Maritime Germano-Australienne

Internationaler Fahndungsaufruf

Verschiedene Quellen belegen, dass die DADG jährlich ein Handbuch für ihre Kunden herausgegeben hat. Hier eine davon:

Die Deutsch-Australische Dampfschiffahrts-Gesellschaft hat ihren zahlreichen Geschäftskunden wieder ihr bekanntes Jahrbuch für Südafrika, Australien und Neu-Seeland zugestellt. Ein ausgezeichnetes Nachschlagebuch, allerdings nur für die Bedürfnisse der Gesellschaft, aber von einer Übersichtlichkeit und Klarheit, die vorbildlich ist und deshalb auch die Beliebtheit des Buches rechtfertigt.
HANSA, Nautische Zeitschrift, 49. Jahrgang (1912), S. 90

Ab 1903

Aus dem Buch von Otto Harms über die DADG geht hervor, dass dieses Jahrbuch ab 1903 publiziert wurde und auch eine englische Version existierte. Einige Bücher wurden von Eiffe & Co., dem Agenten in Antwerpen, auch ins Französische übersetzt.

„Handbücher.
Seit 1903 sind für die Kundschaft des ausgehenden Verkehrs jedes Jahr Handbücher – deutsch und englisch – herausgegeben, enthaltend Fahrpläne, Frachttarife, Lade- und Löschplätze, Agenten und sonstige nützliche Angaben. Das erste Buch war 42 Seiten stark, 1911 umfaßte es 106 Seiten und Niederländisch Indien wurde für sich behandelt. 1914 ist auch Südafrika abgetrennt worden und es waren dann die Bücher:
für Australien und Neu Seeland, 60 Seiten
für Südafrika, 74 Seiten
für Niederländisch Indien, 58 Seiten stark.
Einige Auflagen sind von den Antwerpener Agenten ins Französische übersetzt worden.“
Otto Harms, Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, 1933, S. 49.

Gibt es noch Exemplare?

Die große Frage ist natürlich, ob ein solches Handbuch noch irgendwo existiert. Bis zum jetzigen Zeitpunkt bin ich leider nicht fündig geworden, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Da die Bücher jedoch ausschließlich für Geschäftskunden bestimmt waren, dürften die Auflagen nie sehr hoch gewesen sein. Ich vermute eine Auflage von wenigen hundert Exemplaren pro Ausgabe, für die französische Version sicher noch weniger.

Vielleicht haben ja einige Exemplare die Wirren der Zeit überlebt und warten darauf, wiederentdeckt zu werden. Schauen Sie doch mal auf ihrem Dachboden!

Für sachdienliche Hinweise im Voraus herzlichen Dank!

Summary:

I’m looking for copies of the German Australian Line Yearbook, published from 1903 onwards in English and German for shipping customers of the line (outgoing travels). In 1914, there were there different yearbooks according to the company’s business areas: South Africa, Australia/New Zealand, Netherlands Indies.

Thank you in advance for all information leading to an existing copy!

Résumé:

Je suis à la recherche des Annuaires de la Société Maritime Germano-Australienne, publiés à partir de 1903. Les annuaires ont étés imprimés en anglais et allemand. En plus, l’agent commercial de la société à Anvers, la société Eiffe & Co., a traduit quelques annuaires en français.

Toutes informations concernant des copies encore existantes sont bienvenues !

Anmerkung: Das Beitragsbild zeigt das Plakat der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft aus dem Jahr 1891/1892. Die Titelseite der Jahrbücher zeigte sicher modernere Schiffe.

 

Hausflagge, Kontorflagge, Reedereiflagge

Die Hausflagge der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft German-Australian Steam Ship Co., house flag