Schlagwort-Archive: Fürth

The Sun, Sydney, Titel, August 5th, 1914

Die „Fürth“ beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges

Auf hoher See zwischen Australien und Ceylon

30. Juli 1914, Fremantle

Die „Fürth“ verließ den Hafen von Fremantle am Abend des 30. Juli 1914 um 22.30 Uhr. Siehe dazu auch die vierzehnte und letzte Fahrt der „Fürth“ nach Australien: Die letzte Australienfahrt der „Fürth“

Falls Kapitän Richter oder andere Besatzungsmitglieder an diesem Donnerstag eine Zeitung gelesen hatten, konnten sie darin finden, dass Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien den Krieg erklärt hatte. Wie es weiter ging, war noch offen, auch wenn die Vorzeichen schlecht standen. In einem Artikel der Zeitung The West Australian hieß es:

“… The St. Petersburg correspondent of the „Morning Post“ asserts: „The German silence is regarded as the worst omen….”
The West Australian, Perth, 30. Jul 1914, S. 7, EUROPEAN CRISIS.

Kapitän W. Richter wird später in einem Interview sagen, dass er „ohne jegliche Kenntnis“ über den Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und England war.

Das ist nachvollziehbar, denn sonst hätte er sicher Kurs auf Niederländisch-Indien genommen und nicht auf Ceylon.

Fremantle harbour, 1910

Hafen von Fremantle im Jahr 1910. © Schmelzkopf 1984 aus der Sammlung Vonarb. Im Bild vorne zwei in England gebaute DADG-Schiffe, sog. Glattdecker.

30. Juli 1914, Besprechung in Hamburg

Zur gleichen Zeit als die „Fürth“ Fremantle verließ, am späten Abend des 30. Juli 1914 um 22.30 Uhr, war es in Hamburg erst Nachmittag. Um diese Zeit fand im Verein Hamburger Rheder in der Mönckebergstraße eine vertrauliche Besprechung statt.

„Von recht maßgebender Seite wurde hier geltend gemacht, daß England sich noch einige Wochen zurückhalten würde, während von anderer Seite die Überzeugung ausgesprochen wurde, es würde gleich mitgehen.“

Informationen und Zitat aus: Otto Harms, Deutsche-Australische Dampfschiffahrts-Gesellschaft, Hamburg, 1933.

Die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft war offensichtlich skeptisch, was die Zurückhaltung der Briten anging und hat noch am 30. Juli 1914 deutscher Zeit die Meldung nach Sydney geben, alle Schiffe schnell mit Bunkerkohle zu versorgen. Nach Batavia ging die Meldung, alle Schiffe vorläufig zurückzuhalten. Diese Vorsicht der Reederei war angebracht, sollten doch australische Behörden deutsche Schiffe noch vor dem Aussprechen der Kriegserklärung zurückhalten (gleiche Quelle).

Laeiszhof Hamburg, Büro Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft

Der Laeiszhof in Hamburg, hier hatte die DADG ab 26. April 1898 ihre Büroräume, ab Herbst 1911 den ganzen dritten Stock; Quelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:Laeiszhof_(Hamburg-Altstadt).3.12405.ajb.jpg

Überstürztes Auslaufen

Das hastige Auslaufen deutscher Schiffe aus australischen Häfen wird in dem folgenden Artikel beschrieben. Der Kapitän des genannten Schiffes “Ulm” war übrigens C. B. Saegert, langjähriger Kapitän der „Fürth“ (Kapitän C. B. Saegert – eine Würdigung). Der im Artikel angesprochene Hafen ist Newcastle NSW.

“The captain of the Ulm was very anxious to get away from port last night. He went round to his agents late on Saturday afternoon and asked permission to clear. The agents, however, refused to do anything in the matter, as only 2,600 tons of coal had been loaded into the vessel, whereas the contract provided for about 6,000 tons for Batavia and other ports. The captain said to the agents: „She has got to leave to-night,“ but the agents still refused permission. The vessel however cleared at the Customs House late last night, and left port at 4.20 p.m. this afternoon, and took a northerly course.”

Zwei andere Schiffsführer reagierten ähnlich:

“As the three vessels left suddenly, and two of them without completing their loading of coal, it was thought that an order had been received from Germany for the steamers to leave at once for a neutral port. Mr. O. Johansen, Vice-Consul for Germany, when spoken to in reference to the matter last night, said that he knew nothing about it. The three steamers are fitted with wireless apparatus.”

The Daily News, Perth, Mo 3.
Aug 1914, S. 2, GERMAN VESSELS (Auszug).

Bei diesen drei Schiffen war die Meldung aus Hamburg also angekommen. Sie waren alle mit Funk ausgerüstet.

Newcastle Harbour, loading coal

Laden von Kohle im Hafen von Newcastle NSW, das Datum ist leider unbekannt© Royal Australian Historical Society Image Library , File 020/020814

4. August 1914

Von Fremantle nach Colombo sind es 3125 Seemeilen (Berechnung nach searoutes.com). Bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 11 Knoten entspricht das einer Reisedauer von knapp 12 Tagen.

Am 4. August, dem Tag als Großbritannien dem Deutschen Kaiserreich den Krieg erklärte, war die „Fürth“ also auf halbem Weg zwischen Australien und Ceylon mitten im Indischen Ozean.

The Sun, Sydney, Titel, August 5th, 1914

Titelseite der Zeitung „The Sun“, Sydney vom 5. August 1914

Ich kann mir gut vorstellen, dass auf dem Schiff eine gespannte Atmosphäre herrschte. Was würde die Mannschaft im nächsten Hafen erwarten? Wie hatte sich die Lage in Europa entwickelt?

10. August 1914

Die Antwort auf diese Frage sollte die Mannschaft der „Fürth“ am 10. August 1914 erhalten.

Demnächst geht es hier im Blog weiter mit der Kaperung der „Fürth“ durch die „HMS Espiegle“.

HMS Espiegle

HMS Espiegle, gebaut 1900 als kombiniertes Segel-/Dampfschiff; das Schiff wurde jedoch nie mit Segeln ausgerüstet: Quelle: http://ww1blog.osborneink.com/?p=1921 (downgeloaded am 20.12.2017), The Great War Blog, Your world was born in blood and fire 100 years ago today

steam ship Furth, bielbrief, detail, Hamburg

Der Bielbrief der „Fürth“ und die Eintragung ins Schiffsregister

Originaldokumente aus dem Jahr 1907

Staatsarchiv Hamburg

Im Staatsarchiv Hamburg konnte ich bei den Seeschiffsregisterakten die Akte des „Schraubendampfers Fürth“ ausfindig machen. Die Akte enthält zahlreiche Originaldokumente aus der Registrierungsphase der „Fürth“ sowie den dazugehörigen Schriftverkehr zwischen der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft, dem Kaiserlichen Vermessungsamt und der Schiffsregisterbehörde in Hamburg.

Erleichtert wurde die Einsichtnahme der Akte durch einen Kopierservice, den das Staatsarchiv Hamburg in Kooperation mit den Elbe-Werkstätten, einer gemeinnützigen, anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen, anbietet. Das ist eine gute Alternative zu einer persönlichen Fahrt in den Lesesaal, der von mir aus stolze 1300 Kilometer entfernt ist.

Die Dokumente werde ich hier nach und nach vorstellen.

steamship Fürth, registration documents, Hamburg

Antrag der DADG zum Eintrag der „Fürth“ in das Schiffsregister; © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Das Antragsschreiben

Das hier abgebildete Antragsschreiben der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft ist adressiert an die „Deputation für Handel und Schifffahrt“ in der Schiffsregister-Behörde Hamburg.

Das vom 13. August 1907 datierte Scheiben lautet:

D. “Fürth“
Wir beantragen ergebenst die Eintragung dieses für uns bei der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft in Flensburg gebauten Dampfers und fügen zu diesem Zweck die vorgeschriebene Anzeige und Bielbrief hier bei.
Gleichzeitig ersuchen wir um Ausfertigung eines Schiffs-Zertifikats sowie Auszuges aus demselben und baldmöglichste Überlassung des deutschen Messbriefes.
Hochachtungsvoll

Unterzeichner sind Direktor Harms und ein Prokurist: ppa. Oppermann.

Unter den Unterschriften findet sich ein Zusatz des Adressaten: Unterschriften und Vertretungsbefugnis sind amtlich bekannt.

In der Schiffsregisterakte im Staatsarchiv befinden sich ebenfalls die im Brief erwähnten Anlagen: Die sogenannte Anzeige und der Bielbrief.

steam ship Furth, registration documents, Hamburg

Titelseite der Anzeige für die Eintragung der „Fürth“ ins Schiffsregister; © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Die Anzeige

Bei der sogenannten Anzeige handelt es sich um ein vierseitiges Formular, das bei der Beantragung der Eintragung in das Register für Seeschiffe ausgefüllt werden musste. Es enthält Angaben über die Schiffsgattung („Schraubendampfer“), die Maschinenleistung (2200 indizierte Pferdestärken), das Baumaterial (Stahl), den Namen des Erbauers (Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft), den Erbauungsort (Flensburg), das Erbauungsjahr (1907) und den Heimathafen (Hamburg).

steam ship Furth, registration documents, Hamburg

Seite 2 der Anzeige für die Eintragung der „Fürth“ ins Schiffsregister; © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Als Reederei ist die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft eingetragen mit dem Verweis auf die letzte Registereintragung, den Dampfer „Neumünster“.

Anmerkung: Das Schiff „Neumünster“, ein Schwesterschiff der „Fürth“, wurde drei Monate zuvor, im Mai 1907, an die Reederei abgeliefert.
steam ship Furth, registration documents, Hamburg

Seite 3 der Anzeige für die Eintragung der „Fürth“ ins Schiffsregister; © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Auf der vierten Seite ist ausgewiesen, dass es sich um einen Neubau handelt und es wird auf den Bielbrief vom 3. August 1907 verwiesen (siehe unten).

Im Hinblick auf den Lebenslauf von Kapitän C. B. Saegert, dem ersten Schiffsführer der „Fürth“, ist interessant zu erfahren, dass sein Wohnort mit Rostock angegeben ist. Ein Hinweis, der uns mehr über die Identität des Kapitäns verraten kann (Kapitän C. B. Saegert – eine Würdigung). Außerdem ist die Besatzung der „Fürth“ mit vierzig Personen angegeben und wir erfahren, dass die „Fürth“ zwei Chronometer an Bord hatte.

steam ship Furth, registration documents, Hamburg

Seite 4 der Anzeige für die Eintragung der „Fürth“ ins Schiffsregister; © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Der Bielbrief

Laut Brockhaus‘ Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1, Leipzig 1911, S. 203 ist ein Bielbrief oder Beilbrief bzw. Bylbrief ein „obrigkeitliches Zeugnis über Ursprung (gesetzmäßig ausgeführten Bau), Gattung, Größe und Tragfähigkeit eines Schiffs“ (Quelle: http://www.zeno.org/nid/20000957712)

Im Bielbrief der „Fürth“ bescheinigt die Werft, die Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft, den Neubau des Dampfers und dessen Eigentumsübergang an die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft.

Dabei wird das Baumaterial angegeben (Stahl), die Dimensionen des Schiffs und die Bauzeit. Die Tragfähigkeit der „Fürth“ wird in einem anderen Dokument angegeben, dem Messbrief, auf den wir noch zurückkommen.

Unterzeichnet wurde der Bielbrief vom Direktor der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft, Thomas Bredsdorff und dem Prokuristen Adolf Jacobsen in Anwesenheit des Notars Christian Petersen, einem Notar aus Flensburg im Bezirk des Königlich Preußischen Oberlandesgerichts zu Kiel. Das Unterzeichungsdatum ist der 3. August 1907. Er ist damit derzeit das älteste von der „Fürth“ vorliegende Original-Dokument.

steam ship Furth, Bielbrief, registration documents, Hamburg

Bielbrief der „Fürth“; © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Die Notargebühren für die Beurkundung des Bielbriefes der „Fürth“ gehen aus einem Rechnungsstempel in der linken unteren Ecke der Urkunde hervor: 57,40 Mark laut geltender Gebührenordnung, 1,50 Mark als Stempelgebühren und 10 Pfennig Schreibgebühren, was sich zu Notargebühren in Höhe von 59,00 Mark addierte.

Zum Vergleich: Ein Bauarbeiter in Kiel hatte 1907 einen Wochenlohn von 27,00 Mark bei einer Arbeitswoche von wohlgemerkt 54 Stunden (Quelle: Arbeitslohn und Arbeitszeit in Europa und Amerika 1870–1909, Rene Kuczynski, S. 693, abgerufen über books.google.fr).

steam ship Furth, bielbrief, notary's stamp, Hamburg

Bielbrief der „Fürth“, Notarstempel; © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Bevor die „Fürth in das Register für Seeschiffe eingetragen werden konnte, musste allerdings noch ein weiteres Dokument vorliegen: Der Messbrief.

Mehr zu den Messbriefen und dem Unterscheidungs-Signal der „Fürth“ demnächst hier im Blog!

German Australian liner FURTH, detail, collection A. Kludas

Ein Foto der „Fürth“

Das Dampfschiff „Fürth“ im Portrait

Ich hatte bereits darüber berichtet, dass Fotoaufnahmen von Frachtschiffen vor dem ersten Weltkrieg relativ selten sind. Eine wahre Fundgrube für Fotos von Dampfschiffen der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft ist dagegen ein Buch, dass ich mir neulich antiquarisch besorgt habe.

Es trägt den Titel der Gesellschaft, also „Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg 1888 – 1926.“ Der Autor ist der Schifffahrtsexperte Reinhart Schmelzkopf in Cuxhaven, der den Titel 1984 im Eigenverlag als Magazin in seiner Serie „Strandgut“ veröffentlicht hat. Die Reihe ist nie im Buchhandel vertrieben worden, das Buch hat deshalb auch keine ISBN-Nummer.

In der Strandgut-Reihe gibt es eine große Fülle an Informationen zur deutschen (Handels-) Schifffahrt. Das Historische Marinearchiv hat im Oktober 2018 ein Inhaltsverzeichnis online gestellt:
https://www.historisches-marinearchiv.de/sonstiges/inhaltsverzeichnisse/Strandgut.php

Reinhart Schmelzkopf, 1984, Strandgut

Titelseite des Buches von R. Schmelzkopf, 1984, Eigenverlag (Strandgut-Publikation)

Liste aller Austral-Dampfer

Nach einer relativ kurz gehaltenen Geschichte der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft, werden im Hauptteil des Buches alle Schiffe kurz vorgestellt, angefangen mit einer kurzen Übersicht der technischen Daten und einem stichpunktartigen Lebenslauf der Dampfer.

Die Daten der „Fürth“ hatte ich hier im Blog ganz am Anfang im Artikel über den Stapellauf bereits veröffentlicht. Hier ist nochmal der Link: Bau, Stapellauf und Probefahrt der Fürth

Was den Lebenslauf der „Fürth“ angeht, habe ich im Blog die ersten dreizehn Fahrten bereits ausführlich vorgestellt. Diese Dienstzeit der Schiffe ist übrigens im Buch von Schmelzkopf nicht beschrieben, nur das Datum der Indienststellung. Dann geht es bei ihm bereits mit dem Schicksal der einzelnen Schiffe bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs weiter.

Auf die Kriegsereignisse rund um das Dampfschiff „Fürth“ wird ab März/April 2019 hier im Blog noch sehr detailliert eingegangen.

Das Portraitfoto der „Fürth“

Insgesamt enthält das Buch von Schmelzkopf knapp einhundert Fotos von Dampfschiffen aus der Zeit von 1888 bis 1926. Alle Fotos sind im Querformat mit den groben Abmessungen 17 cm (Breite) bei einer Höhe von ca. 9 bis 12 cm. Alle Fotos? Nein! Ein einziges Foto ragt aus der Menge heraus. Das Foto der „Fürth“! Eine Porträtaufnahme, also Hochformat, mit dem seitenfüllenden Format von ca. 24,5 cm (Höhe) mal ca. 17 cm, was dem Satzspiegel des Buches entspricht. Hier das vollständige Bild:

German Australian liner FURTH, collection A. Kludas

Der Frachtdampfer « Fürth », © R. Schmelzkopf, Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg 1888 – 1926, S. 30, Eigenverlag (Strandgut), Cuxhaven 1984, Aufnahme aus der Sammlung A. Kludas.

Angaben zum Bild

Zu der Aufnahme gibt es leider keine Erklärung, nur den Titel: Der Frachtdampfer „Fürth“. Aufnahmedatum und -ort werden nicht genannt. Das Schiff liegt an einem Kai in einem Hafen, im Hintergrund sind auf der anderen Seite eines Hafenbeckens andere, eher kleinere Schiffe und ein Gebäude zu erkennen, dahinter eine flache Landschaft, eventuell ein Wald.

Diese kargen Details machen eine Zuordnung zu einem Ort geradezu unmöglich. Für das Aufnahmedatum ist ebenfalls keine präzisere Angabe als 1907 bis 1915 möglich, wobei ich es für sehr unwahrscheinlich halte, dass die Aufnahme aus dem Jahr 1915 stammt. Sie wäre dann in England noch vor der Umbenennung des Schiffes entstanden.

Die Sammlung Arnold Kludas

Neben dem Titel des Bildes ist noch die Quelle angeben: „Sammlung A. Kludas“

Arnold Kludas ist sicher unbestritten der bedeutendste deutsche Schifffahrtshistoriker der Nachkriegszeit. Eine ausführliche Vita und eine Übersicht seiner vielen Veröffentlichungen finden Sie bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_Kludas.

Kludas ist inzwischen 89 Jahre alt.

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum

Seine umfangreiche Fotosammlung hat Kludas dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven vermacht. Dieses Museum befindet sich gerade in einer Umzugs- und Renovierungsphase. Der Umzug des Archives sollte im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein. Ich werde versuchen, dann mehr über das Foto der „Fürth“ zu erfahren und hier im Blog über das Ergebnis auf dem Laufenden halten.

DSM Bremerhaven

Deutsches Schifffahrts-Museum, Bremerhaven, Logo

Die Webadresse ist: www.dsm.museum

Weitere Aufnahmen der „Fürth“?

Das schöne Fundstück eines Fotos der „Fürth“ ist allerdings kein Grund, die weitere Suche nach Fotos des Dampfschiffes „Fürth“ einzustellen. Mit der Zeit wird sicher noch das ein oder andere Fundstück dazukommen. Alles neue wird exklusiv hier im Blog veröffentlicht!

Angaben zum Titelfoto:
Der Frachtdampfer « Fürth », Ausschnitt, © R. Schmelzkopf, Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg 1888 – 1926, S. 30, Eigenverlag (Strandgut), Cuxhaven 1984, Aufnahme aus der Sammlung A. Kludas.
German Australian Line, steamships in Hamburg

25 Jahre Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft

Ein beachtliches Jubiläum

Laudatio von Dr. Peter Stubmann

Der folgende Artikel zum 25. Jubiläum der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft erschien in der führenden Hamburger Zeitung für die Schifffahrt „Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle“ am 18. September 1913 auf S. 33.

Der Autor ist Dr. Peter Stubmann, ein ausgewiesener Schifffahrtsexperte der damaligen Zeit. Er publizierte zahlreiche Bücher und Artikel zu den Themen Ökonomie und Seefahrt, unter anderem das Buch „Gegenwart und Zukunft der Seeschiffahrt“ (1916). Stubmann war später auch Senator in Hamburg.

Zum besseren Verständnis werde ich einige Passagen im Text kommentieren. Aber lassen wir zunächst Dr. P. Stubmann zu Wort kommen:

„Eine der für die deutsche Volkswirtschaft wichtigsten Hamburger Rhedereien, die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, kann am 16. September auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Der Werdegang der Linie ist geradezu typisch für die Hamburger Arbeitsweise; auf der einen Seite eine außerordentlich bedächtige und vorsichtige Ausnutzung aller derjenigen Möglichkeiten, die sich im Auf und Ab der Konjunktur boten, und andererseits eine kraftvolle Initiative, sobald die Entwicklung Australiens eine vorausschauende Investierung neuer Mittel verlangte.

Die Rhederei, die heute ihrer Tonnage nach unter den Hamburger Schiffahrtsgesellschaften an dritter Stelle steht, ist aus kleinen Anfängen heraus zu einem wichtigen Instrument nicht nur der Hamburger Schiffahrtsbeziehungen, sondern auch der deutschen Volkswirtschaft und des deutschen Außenhandels geworden.“

Die HAPAG als Platzhirsch

Die größte Hamburger Reederei war die HAPAG (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft), an zweiter Stelle stand die Hamburg Süd (Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft), die etwa gleich viele Schiffe wie die DADG, aber eine höhere Gesamt-Tonnage hatte. In Bremen gab es ebenfalls zwei Reedereien, die größer als die DADG waren: der Norddeutsche Lloyd und die DDG Hansa. Die DADG war also im Ranking deutscher Reedereien auf dem fünften Platz.

„Indirekt verdankt sie ihre Entstehung der Einleitung deutscher Weltpolitik Mitte der achtziger Jahre. Auf die Inauguration der deutschen Kolonialpolitik durch Bismarck folgte damals bekanntlich die Einrichtung einer vom Reich subventionierten Postdampferlinie nach Ostasien und Australien. Eine Hamburger Rhederei, die in diesen Jahren eine Verbindung mit Australien unterhielt, die Australia-Sloman-Linie, stellte ihre Fahrten ein, als unter Bremer Flagge im Juli 1866 der erste Postdampfer nach Australien abfuhr. Infolge dessen regte sich sehr bald in Hamburg der Wunsch, an die Stelle der eingegangenen australischen Linie eine neue Rhederei zu setzen. Die Gründung erfolgte am 18. September 1888, und der erste Dampfer der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft konnte am 24. Juli 1889 Hamburg verlassen.“

Hausflagge, Kontorflagge, Reedereiflagge

Die Hausflagge der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft
German-Australian Steam Ship Co., house flag

Die Anfangsjahre

Der erste Dampfer war die „Elberfeld“. Dieser oder das Schwesterschiff „Barmen“ sind auf einem Plakat der DADG aus den Anfangsjahren abgebildet. Sie zeichnen sich noch durch eine zusätzliche Besegelung aus, die die Dampfmaschinen unterstützt haben: siehe Plakatwerbung

„An der Gründung waren die ersten Schiffahrtsfirmen Hamburgs, darunter die bekannte Firma F. Laeisz beteiligt. Das Aktienkapital der neuen Rhederei betrug 4 Millionen M. Der Schiffspark bestand zu Anfang aus 7 Dampfern mit zusammen 19149 Brutto-Register-Tons. Daß das neue Unternehmen in erster Linie aufgebaut war auf den Hoffnungen, die man auf die Entwickelung des deutschen Handels mit Australien gesetzt hatte, ergibt sich daraus, daß von Anfang an das Anlaufen englischer Häfen ausgeschlossen war. Ausgangshäfen waren Hamburg und Antwerpen. Die Route der Linie führte in den ersten Jahren durch den Suezkanal.“

Hauptaktionär bei der Gründung der DADG war allerdings die Hamburger Filiale der Deutschen Bank, die allein 1,5 Millionen Mark Anteile hielt. Carl Alphons Brödermann von der Fa. Sloman hatte als zweitgrößter Aktionär für 300.000 M Anteile gezeichnet.

Aufgrund der hohen Kanalgebühren für die Durchquerung des Suezkanals war die DADG bereits ab November 1891 dazu übergegangen, alle ausgehenden Fahrten über Südafrika zu leiten.

Passagierfahrt ohne Fortune

„Neben der Beförderung von Frachtgütern nahm die Rhederei die Beförderung von Zwischendeckern auf, in der Voraussetzung, daß ein so entwicklungsfähiges Land wie Australien in absehbarer Zeit auch eine erhebliche Auswanderung nach sich ziehen müsse. Diese Erwartung hat sich nicht verwirklicht; vielmehr sah sich die Rhederei im Jahre 1893 genötigt, infolge mangelnder Rentabilität die Beförderung von Passagieren gänzlich einzustellen. Als Ersatz bot sich ihr die Möglichkeit an der Hand eines größeren Kontraktes mit der Dynamit-Aktiengesellschaft im Jahre 1894 regelmäßige Fahrten nach Südafrika aufzunehmen.“

Über die anfängliche Passagierfahrt und den Vertrag mit der Dynamit AG hatte ich ebenfalls in dem bereits oben erwähnten Artikel berichtet: Plakatwerbung. Als Zwischendecker wurden Passagiere bezeichnet, die ohne Komfort in Gemeinschaftsunterkünften auf dem Zwischendeck reisten. Auf dem Weg zurück wurde das Zwischendeck wieder als Lagerraum genutzt. Die Auswanderung von Hamburg nach Australien war in der Tat stark rückläufig. Nach der Jahrhundertwende stand ein anderes Land im Fokus: Amerika. Die Auswanderung von Hamburg dorthin erreichte 1913 ihren Höhepunkt mit über 190.000 Personen.

German Australian Line, poster, 1891/1892

Plakat der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft aus dem Jahr 1891 oder 1892 (Reproduktion), eigene Sammlung

Dividende und Kapitalerhöhungen

„Die Schwierigkeiten der Anfangsjahre, die sich bis 1895 geltend machten und die Gesellschaft an der Verteilung einer Dividende bis zum Jahre 1895 verhinderten — lediglich im Jahre 1890 war eine Dividende von 5 pZt. ausgeschüttet worden, konnten endgültig überwunden werden, als mit dem Jahre 1896 eine bessere Konjunktur des gesamten Schiffahrtsgeschäftes einsetzte. Die Dividende der Gesellschaft steigerte sich bis zum Jahre 1900 auf 12 pZt., ging dann allerdings in den folgenden Jahren wieder zurück. Immerhin hat die Rhederei seinen Aktionären seitdem regelmäßig eine Dividende zukommen lassen können. In den letzten Jahren bekanntlich unter Steigerung des Dividendensatzes auf 9 pZt. (1910), 11 pZt. (1911), 14 pZt. (1912). Das Kapital der Rhederei ist im Jahr 1897 von 4 Millionen auf 6 Millionen, im Jahre 1899 auf 9 Millionen, zu Beginn des Jahres 1901 auf 12 Millionen, im Jahre 1907 auf 16 Millionen und zu Beginn des Jahres 1912 auf 20 Millionen M gesteigert worden, da die wachsenden Ansprüche des Verkehrs eine durchgreifende Verstärkung der Betriebsmittel notwendig machten.“

Die beschriebenen Schwierigkeiten der Anfangsjahre waren auf wenig geeignete Schiffe, wie die „Barmen“ und die „Elberfeld“ zurückzuführen, die bereits 1894 wieder abgestoßen wurden. Dann kam 1894 noch ein Totalverlust hinzu: Die „Erlangen“ strandete bei den Malediven. Außerdem hatte die DADG bei Passagieren und Mannschaften keinen guten Ruf (ich komme im Blog zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurück).

In den Jahren ab der Jahrhundertwende ging es mit großen Wachstumsraten bis in das Jahr 1914, lediglich im Krisenjahr 1908 war ein deutlicher wirtschaftlicher Rückgang zu verzeichnen.

55 Dampfschiffe mit 281 000 Bruttoregistertonnen

„Die Rhederei war genötigt, nicht nur zu größeren und schnelleren, somit kostspieligeren Schiffstypen überzugehen, sondern sie mußte, um den Anforderungen der erheblich gewachsenen Handelsbeziehungen und der von ihr neu eingerichteten Linien gerecht zu werden, auch ihren Schiffspark erheblich vergrößern. Besonders die zweite Hälfte des Vierteljahrhunderts, das hinter ihr liegt, hat hier bedeutsame Fortschritte gebracht. Während im April 1901 die Flotte noch aus 24 Dampfschiffen mit 103000 Brutto-Register-Tons einschließlich der im Bau befindlichen Schiffe bestand, beträgt heute die entsprechende Zahl 55 Dampfer mit rund 281000 Brutto-Register-Tons. Die Rhederei unterhält heute eine Anzahl Linien, davon sieben von Hamburg ausgehend, mit denen sie den Verkehr zwischen Europa und Südafrika, Australien, Niederländisch-Indien, Singapore, Colombo, andererseits von nordamerikanischen Häfen der Ostküste mit Australien und Niederländisch-Indien vermittelt.“

Die Vergrößerung der Flotte und die Zunahme der Abfahrten lassen sich sehr gut an den Fahrplänen verfolgen, die ich jeder Australienfahrt der „Fürth“ vorangestellt habe. Im September/Oktober 1913 wurden erneut vier Dampfer bestellt und auch im Jahr 1914 noch deren drei, die allerdings alle nicht mehr zum Einsatz kamen.

German Australian Steam Ship Co., advertisement Hansa May 1909

Anzeige der DADG in der Zeitschrift HANSA, Mai 1909

Abruptes Ende

 „Der Erfolg, den die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in den ersten 25 Jahren ihres Bestehens gehabt hat, darf als bedeutender Gewinn für die Entwicklung der weltwirtschaftlichen Interessen des deutschen Reiches und vor allem auch für die Machtstellung Hamburgs verzeichnet werden. Mögen ihr gleiche Erfolge auch fernerhin zuteil werden zum Ruhme der Hamburger Flagge!“

Die Wünsche, die Dr. Peter Stubmann zum Ausdruck brachte, sollten sich jedoch nur noch kurze Zeit erfüllen. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung wurde nicht einmal zwölf Monate nach diesem Jubiläum durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges jäh unterbrochen.

Australdampfer am Kai – Ein Foto mit sechs Dampfschiffen

Das Titelbild des Beitrags ist dem Buch von Otto Harms über die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft entnommen. Es enthält 8 Abbildungen. Sieben der Abbildungen zeigen einzelne Schiffe der Gesellschaft, aber nur ein einziges mehrere davon.

Dieses Bild im Hamburger Hafen wurde am 25.7.1913 aufgenommen, also knapp zwei Monate vor dem Jubiläum der DADG. Ob es mit dem Jubiläum in Zusammenhang steht, ist nicht überliefert, ich kann lediglich vermuten, dass es für Werbezwecke in Zusammenhang mit dem 25. Jubiläum angefertigt worden sein könnte.

Eines der Schiffe auf dem Bild ist ein Schwesterschiff der „Fürth“. Die „Reichenbach“ befindet sich links im Vordergrund und ist daher auf dem Foto am besten zu erkennen. Gut zu sehen auch eine große Anzahl von Schuten, die die beiden Schiffe vorne links wasserseitig be- oder entladen.

Hier der Originaltext zum Bild:

6 Austral-Dampfer am und beim Australia-Kai. 25.7.1913. „Reichenbach“ „Elmshorn“ „Essen“ „Ottensen“ „Magdeburg“ „Elbing“

Demnach wären die Schiffe am Kai von vorne nach hinten die „Reichenbach“, dahinter die „Elmshorn“ und die „Essen“. Das vierte Schiff am Kai, die „Ottensen“, ist nur durch den allerobersten Teil seines Schornsteins erkennbar, ansonsten aber komplett verdeckt.

Die rechten beiden Schiffe, die „Magdeburg“ und die „Elbing“ liegen an Dalben und nicht am Kai. Für sie war am Kai schlicht kein Platz mehr.

Warum gerade diese Schiffe für die Aufnahme ausgewählt wurden, weiß ich nicht. Es handelte sich zum Zeitpunkt der Aufnahme im Jahr 1913 bei den meisten Schiffen um ältere Dampfer. Die zu dieser Zeit größten und neuesten Schiffe der Gesellschaft, die Schiffe der sogenannten „Adelaide“-Klasse sind nicht im Bild. Im Einzelnen:

„Reichenbach“, Baujahr 1906
„Elmshorn“, Baujahr 1910
„Essen“, Baujahr 1912
„Ottensen“, Baujahr 1904
„Magdeburg“, Baujahr 1900
„Elbing“, Baujahr 1898

Hier noch der Hinweis auf ein interessantes Detail auf dem Foto, das wir aus unserer heutigen bunten Medienwelt gar nicht mehr kennen: Das Bild ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme, die nachträglich koloriert wurde. Diese Kolorierung beschränkt sich allerdings auf die Schornsteine von fünf Schiffen, bei denen die Kamine mit einem roten und weißen Rechteck ergänzt wurden, um die Schornsteinmarke der Reederei nachzustellen. Beim sechsten, fast komplett verdeckten Schiff erhielt der Schornstein keine Kolorierung.

Frachtdampfer

Unser Dampfschiff „Fürth“ war übrigens am Tag der Fotoaufnahme, dem 25. Juli 1913, im Nordatlantik in Richtung New York unterwegs, wo es am 29. Juli am Vormittag um 9:20 Uhr eintraf. Siehe dazu auch: Im Auftrag Rockefellers

Der Laeiszhof in Hamburg

Der Laeiszhof in Hamburg, gebaut 1897/98. In diesem herrlichen Gebäude hatte die DADG auf der dritten Etage ihre Geschäftsräume. Quelle: commons.wikimedia.org; Laeiszhof (Hamburg-Altstadt).3.12405.ajb.jpg

Brooklyn Bridge, New York, 1915

Im Auftrag Rockefellers

– Das Dampfschiff „Fürth” in Manhattan

– Die „Fürth” kam am 29. Juli 1913 nach dreizehn Tagen Fahrt in New York an. Am 16. Juli war sie in Newcastle-on-Tyne/Shields abgefahren. Siehe dazu: 6000 t Weizen für England. Warum das Dampfschiff von der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft nach New York beordert wurde, möchte ich in diesem Artikel darstellen.

New York – Australien

Bereits im Jahr 1907 hatte sich die Hamburger Reederei mit zwei Partnern darauf verständigt, eine regelmäßige Dampferverbindung zwischen New York und den Hauptplätzen Australiens und Neu-Seelands einzurichten.

Diese Linie bekam den Namen „The United Tyser Line“, wie wir der folgenden Meldung entnehmen können:

United Tyser Line

Artikel über die Linie New York – Australien in der Zeitschrift Hansa, März 1907

An dieser Kooperation war Tyser in London mit 50 % und die beiden deutschen Reedereien mit jeweils 25 % beteiligt. Die Abfahrten nach Australien erfolgten dreiwöchentlich, so dass die DADG alle 12 Wochen ein Schiff nach Australien zu stellen hatte. Aufgrund eines entstehenden Konkurrenzkampfes mit einer anderen Gruppe, wurde das Geschäft jedoch bereits im Dezember 1908 neu organisiert. (Quelle: Otto Harms, 1933, Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft).

New York – Java

Eine zweite Linie ab New York, auf der auch die „Fürth” eingesetzt werden sollte, bestand nach Java. Diese wurde gemeinsam mit der Bremer Reederei „Hansa“ betrieben. Eine dritte Linie von Australien nach Boston und New York wurde nur saisonal zur Zeit der australischen Wolle-Verschiffungen durchgeführt.

Grundlage für die Linie New York – Java war ein Vertrag mit der Standard Oil Co. über die Lieferung von Petroleum nach Java. Es waren „ungefähr“ monatliche Abfahrten vereinbart und die DADG stellte im April 1911 den ersten Dampfer auf dieser Linie, die „Flensburg“. Allerdings erwartete man kein großes Geschäft:

„Große Frachterträge waren nicht zu erwarten. Der Hauptzweck war, zu verhindern, daß fremde Dampfer aufgenommen wurden, welche für das Heimgeschäft störend werden konnten.“

Anm.: Zitat aus dem oben zitierten Buch von Otto Harms, mit „Heimgeschäft“ bezeichnet er die Fahrten von Australien nach Europa.

Der Vertrag mit der Standard Oil Co., dem Unternehmen Rockefellers, wurde nach einem Jahr allerdings bereits auf 8 Fahrten jährlich reduziert und im Jahr 1913 verlangte die Gesellschaft, „die Petroleumtins unverpackt zu verschiffen, was abgelehnt worden ist.“ (Zitat aus der gleichen Quelle).

Eine neue Organisation dieser Fahrt sollte in Kooperation mit niederländischen Linien stattfinden, was allerdings wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nicht mehr realisiert werden konnte.

Ballast

„Diese Reisen von New York brachten die große Unbequemlichkeit, die Schiffe von hier aus zu stellen und, soweit es nicht gelang, Ladung von diesseitigen Häfen zu erhalten, sie in Ballast über den Ozean zu senden.“

In Ballast fuhr auch die „Fürth” von Newcastle-on-Tyne/Shields nach New York:

„Steamer Furth (Ger), Shields July 16, to Funch, Edye & Co. in ballast, Arrived at the Bar at 9:20 am.“
New-York Tribune, 30. Juli 1913, S. 9 (Quelle: Library of Congress, Washington DC)

New York Skyline 1911

New York Skyline 1911, Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C., Digital ID: pan 6a36601 //hdl.loc.gov/loc.pnp/pan.6a36601; cph 3c28089 //hdl.loc.gov/loc.pnp/cph.3c28089

Amerikanisches Öl für Niederländisch-Indien

Die Exporte von Öl aus den Vereinigten Staaten nach Niederländisch-Indien begannen bereits im Jahr 1865. Der Erfolg der amerikanischen Exporte lag in der Verpackung, die auslaufsicher war und ihnen gegenüber niederländischen Produkten einen Marktvorteil verschaffte:

„Therefore American exporters developed a special “package” which is still standard today. This was a sturdy pine case measuring ten by fifteen by twenty inches. This enclosed two tin cans (plated with Indonesian or Malayan tin, of course) were extremely popular all over the Orient for use as containers for vegetable oil or water….
The full case weighing 65 pounds was easy to handle, and its square shape prevented shifting of cargo and saved shipping space. These export packages were originated by Samuel Downer for export of coal oil from his refinery in Boston. They were adopted by the other companies which became prominent in the Indonesian market: Devoe’s and Atlantic.”
Quelle: Americans in Sumatra, American Enterprise in Indonesian Oil Development, James W. Gould, 1961, abgerufen am 21.11.2018 unter books.google.fr

Devoe's, Sylvan Arrow

Anzeige für Petroleum-Kanister in Het Nieuws van den dag voor Nederlandsch-Indië, 02. Jan 1913

Das etwas günstigere Sylvan Arrow wurde speziell für den Markt in Niederländisch-Indien produziert:

„Standard also introduced to the Dutch East Indies a cheaper grade of kerosene manufactured at the Richmond refinery since 1904 called petrolite, and marketed under the name of “Sylvan Arrow.”
(gleiche Quelle)

Anm.: Der Begriff “kerosene”, der im amerikanischen Englisch verwendet wird, entspricht dem deutschen Wort Petroleum.

Petroleum war zur Zeit unseres Dampfschiffes „Fürth“ hauptsächlich als Leuchtmittel für Petroleumlampen im Gebrauch („Lampenöl“). Erst später ersetzte die elektrische Beleuchtung das Petroleum.

Standard Oil, Oil Stoves

Anzeige für Petroleum-Herde in De Preanger-Bode, 11. Nov. 1913

Funch, Edye & Co., Inc.

Der Agent der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft in New York war die Firma Funch, Edye & Co., Inc., ein seit 1847 bestehender renommierter Schiffs-Makler. Christian Funch hatte 1869 Henry W. O. Edye als Geschäftspartner aufgenommen und den Namen in Funch, Edye & Co. geändert. Dieser schottische Geschäftsmann lebte lange in Hamburg und kannte sich mit den Verhältnissen dort bestens aus. Außerdem kam 1873 der gebürtige Deutsche, Paul Gottheil, als Buchhalter zu Funch, Edye & Co. und stieg 1888 zum Partner des Unternehmens auf. Kein Wunder also, dass sich Funch, Edye & Co. zu einer der ersten Adressen für die deutschen, aber auch für die anderen europäischen Reedereien in New York entwickelte. Das Geschäft lief bestens:

„World trade has reached its peak just prior to the outbreak of World War I, as there were few international barriers, and the volume of freights booked by Funch, Edye & Company through foreign trade channels was huge.”

Informationen über Funch, Edye & Co. und das abschließende Zitat aus: A century of ship agency and brokerage: the story of Funch, Edye & Co. Inc., 1847 – 1947;
University of California, abgerufen über Hathitrust Digital Library,  (babel.hathitrust.org)

New York Harbor, Statue of Liberty

Freiheitsstatue, New York, Hafen, zwischen 1910 und 1920, Quelle: Library of Congress (Detroit Publishing Company photograph collection), Digital Id: det 4a24907 //hdl.loc.gov/loc.pnp/det.4a24907

Bildnachweis zum Titelbild dieses Artikels: Brooklyn Bridge, New York City, 1915, Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C., digital ID: cph 3b21874 //hdl.loc.gov/loc.pnp/cph.3b21874
Large stacks of bagged wheat waiting for transportation from a receiving post in South Australia; exact location not known., Approximately1911.

Weizenernte in Australien

73.723 Säcke Weizen auf dem Dampfschiff „Fürth“

Weizenernte in Australien vor dem Ersten Weltkrieg

Auf der Rückfahrt des ersten Teils der dreizehnten Australienreise der „Fürth“ im Jahr 1913, hat das Dampfschiff die beachtliche Menge von 73.723 Säcken nach Europa, genauer gesagt nach Newcastle-on-Tyne transportiert. 6000 t Weizen für England

Der Sack als Transporteinheit

Die Maßeinheit „Sack“ ist erst einmal ein sehr abstrakter Begriff. Schauen wir uns einen dieser Säcke deshalb einmal etwas genauer an.

Der Sack war damals eine einheitliche Verpackungsgröße und fasste gemäß folgendem Zitat die Menge von drei Bushel (Scheffel) bei einer Länge von 3 Fuß, also etwa 90 cm und einer Breite von 1 Fuß und 10 Inches, also etwa 55 cm. Die Säcke waren aus Jute und wurden in der Regel aus Indien importiert.

„The wheat bag was a very handy, useful and versatile object around the farm and the homestead, gone out of fashion now since wheat is bulk-handled, but back in the years 1900 to 1950, wheat was put in 3 bushel Indian jute bags, 3 feet long and 1 foot 10 inches wide. Filled with grain, hand stitched and stacked in piles at railway stations ready to be transported south to flour mills, or ships for export. The bag size was governed by weight – the weight that a man could lift!”
https://greataustralianstory.com.au/story/mighty-wheat-bag

Die Aussage, dass so ein Sack handlich ist, lasse ich einmal dahingestellt, denn es bedarf schon eines sehr kräftigen Australiers, diese zu bewegen.

Men working with bagged grain waiting to be loaded on to cargo ships docked at Queen's wharf, Port Adelaide, South Australia. Approx. 1911

Verschiffung von Weizensäcken, Queen’s Wharf in Port Adelaide um 1910, Quelle: State Library of South Australia [PRG 280/1/44/202]

Bushel/Scheffel

Die im Getreidehandel übliche Maßeinheit eines Bushels ist ein sogenanntes Hohlmaß. Das Gewicht des Bushel ist daher von der Getreidesorte abhängig, die transportiert wird.

„Scheffel, Bushel: Gewichtseinheit für Getreide und Ölsaaten. Weil es sich dabei um ein Hohlmass handelt, ist ein Bushel Mais (25,401 Kilogramm) leichter als ein Bushel Soja oder Weizen (jeweils 27,215 Kilogramm).“
Quelle: https://www.fuw.ch/term/scheffel-bushel/

Anm.: In der Geschichte gab es sehr viele Scheffel mit sehr unterschiedlichen Volumeneinheiten. In dem Zusammenhang mit dem Dampfschiff „Fürth“ interessiert uns das „Imperial Bushel“ dass im Commonwealth üblich war.

Für einen Sack von drei Busheln heißt das wiederum, dass das Gewicht sehr stark variieren kann. Ich würde mich für Hafer (oats) entscheiden! Dieser hat allerdings nur einen ganz kleinen Bruchteil der australischen Getreideernte ausgemacht.

“The weight of bags varied with the crop. Three bushel bags filled with wheat weighed 180 pounds (80 kg); barley weighed 150 pounds (68 kg) while oats weighed 120 pounds (54 kg).”
Quelle: Transporting the Crop, Royal Agricultural & Horticultural Society of South Australia Incorporated, 175 th Anniversary.

Das Nähen

Auf den Weizenfeldern wurden die Säcke befüllt und zu Gruppen zusammengestellt. Spezialisierte „Sacknäher“ haben dann oft in der Abenddämmerung die Säcke auf den Feldern mit Hanffäden per Hand vernäht und zu Lagerplätzen gebracht.

„Bags were sewn manually by teams of bag-sewers using hemp twine. Often the bag-sewers worked as teams in the summer twilight after finishing their regular jobs. Two men could load sewn bags from the ground into a trolley or truck using between them a pick-handle on which they tipped the bag, lifting it end over end for a third person to position on the load. Bags were carried on the backs of the “lumpers” at the storage terminals.
Quelle: Transporting the Crop, nähere Angaben siehe oben.

Das Vernähen der Säcke folgte einem festen Schema, geradeso, dass keine Körner aus dem Sack fallen konnten und mit zwei seitlichen „Ohren“, um den Sack durch die Arbeiter („lumper“) besser handhaben zu können.

„When the grain was stripped and fed into the grain box on the header/harvester, it could be fed into bags hooked to the mouth opening in the box – this latter was done by hand, so the bag was dumped and filled to the right level. The bags are left in groups in the paddock for the bag sewers to stitch them up, using jute twine and large bag needles, with a bag filler to ram the bags quite full. As you began stitching, you formed an „ear“ (handy for the wheat lumper), and then stitched across firmly, about 22 stitches was the standard – no grain could escape; finishing off with another „ear“, and a knot. Most bag sewers carried a small leather guard in the palm of their sewing hand to push the needle through if the bags were tough, if they had been put out in the sun for long enough. The bags came in bundles of 50 or 100, circled with baling iron.“
https://greataustralianstory.com.au/story/mighty-wheat-bag

Railway trucks stacked with bagged grain waiting for transport from the railway station at Port Adelaide. Approximately 1910

Zugladungen mit Weizensäcken in Port Adelaide warten auf die Verschiffung, um 1910; Quelle: State Library of South Australia [PRG 280/1/44/212]

Millionen Säcke

Dass die Weizenernte damals vielen Beschäftigung brachte und eine wichtige Verdienstquelle war, veranschaulichen die folgenden Zahlen:

THE SEASON’S SHIPMENTS.
The total quantity of wheat shipped from New South Wales since the wheat season started, December 1. 1912, has amounted to 13,258,998 bushels, as compared with 8,451,826 bushels last year.
The Sydney Stock and Station Journal, Fr 21. Nov 1913, S. 10.

Zu beachten ist, dass die angegebenen Mengen nur für Neusüdwales, also den Südosten Australiens gelten und nur für die verschiffte Menge, also ohne den Eigenverbrauch Australiens. Über 4,4 Millionen Säcke Weizen wurden also in der Weizensaison in Neusüdwales von den Feldern zu den Zwischenlagern und dann per Boot, Eisenbahn oder LKW zu den Verschiffungshäfen transportiert und dort wiederum sackweise auf die Schiffe verladen.

Eine bessere Lösung

Den australischen Produzenten war vor dem Ersten Weltkrieg durchaus schon bewusst, dass der Weizentransport mit den Säcken keine Zukunftslösung sein konnte. Erste Versuche, den Weizen als Schüttgut, also lose, zu transportieren wurden bereits gemacht und etwas neidisch blickte man nach Kanada, wo die Weizenerzeuger schon weiter fortgeschritten waren.

Der Transport von Weizen als Schüttgut sollte in Australien aber erst nach dem ersten Weltkrieg richtig Fahrt aufnehmen. In Zusammenhang mit unserem Dampfschiff „Fürth“ spielte er noch keine Rolle.

Beitragsbild: Gestapelte Weizensäcke warten auf den Abtransport, Südaustralien, genauer Ort unbekannt, um 1911, Quelle: State Library of South Australia [PRG 280/1/44/367]

 

New York Harbor, Statue of Liberty

Die „Fürth“ in New York

Über Sydney nach England und New York

Die dreizehnte Fahrt der „Fürth“ ist eine ganz außergewöhnliche, sie dauert vierzehn Monate.

Zunächst ist die „Fürth“ auf einer Direktfahrt nach Sydney eingesetzt, dann transportiert sie 6000 Tonnen Weizen von Australien über Teneriffa nach Newcastle-on-Tyne (Nordengland) und zu guter Letzt fährt das Dampfschiff „Fürth“ über den Nordatlantik nach New York.

Was macht ein Schiff der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft in New York? Warum läuft die „Fürth“ erstmals Teneriffa und Newcastle-on-Tyne an? Interessante Einblicke in die erste Phase der Globalisierung gibt es jetzt im Blog: 6000 t Weizen für England

Beitragsbild: Freiheitsstatue, New York, Hafen, zwischen 1910 und 1920, Quelle: Library of Congress (Detroit Publishing Company photograph collection), Digital Id: det 4a24907 //hdl.loc.gov/loc.pnp/det.4a24907