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Brisbane, Dalgety's Wharf, about 1911

Die letzte Australienfahrt der „Fürth“

– Reise ohne Wiederkehr –

Am 25. April 1914 verlässt das Dampfschiff „Fürth“ Hamburg zu seiner vierzehnten Australienfahrt.

Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner wissen konnte: die „Fürth“ wird nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Erst 11 ½ Jahre später wird das Schiff, längst mit anderem Eigentümer, unter anderem Namen, unter der Leitung eines anderen Kapitäns und mit anderer Mannschaft, noch einmal in den Hafen Hamburg einlaufen.

Für den Moment bleiben wir aber noch im Frühjahr und Sommer 1914. Während die „Fürth“ auf der Linie 1 der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft nach Melbourne, Sydney und Brisbane unterwegs ist, brauen sich in Europa dunkle Wolken zusammen.

Alle Details zur vierzehnten und letzten Australienfahrt der „Fürth“ jetzt im Blog: Unvollendete Fahrt

Informationen zum Titelbild:

Dalgety’s Wharf, Brisbane, ca. 1911; Verladung von gefrorenem Rindfleisch für London; Quelle: John Oxley Library, State Library of Queensland, https://trove.nla.gov.au/version/167844183

Es lebe die Kühlkette! Der Export von gefrorenem australischem Rindfleisch nach Europa begann übrigens bereits im Jahr 1879.

Die „Fürth“ verfügte übrigens nicht über Kühlräume: Hatte die Fürth eine Kühlanlage?

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Telegrafie per Funk

An der Küste

Das spurlose Verschwinden der „Waratah“ (Suche nach der Waratah) Ende Juli 1909 führte dazu, dass der Ausbau der Funktechnologie an der australischen Küste beschleunigt wurde.

Bereits im August 1909 kam das Thema auf die Tagesordnung:

In view of the Waratah’s disappearance and numerous shipping casualties, the South African Union delegates are consulting the Admiralty with a view to securing the installations of wireless telegraphy along the coast.
Coolgardie Miner, Fr 13. Aug 1909, Seite 3

Und weiter:

WIRELESS TELEGRAPHY.
The Commonwealth Government is anxious to establish wireless telegraphy stations at Sydney and Fremantle, but is in a difficulty as to the particular system that should be adopted. Vice Admiral Fawkos, when consulted by the Federal authorities, said that the Admirality would not object to any system, so long as communication with the Marconi installation on war vessels was possible. Vice-Admiral Poore makes a definite recommendation that the Marconi system should be adopted in Australia. Sir John Quick has opened up communication with the Commonwealth representatives in London as to the best system to be installed. When this question has been settled tenders for Australian stations are to be called. Mr. Deakin has, at the request of the Postmaster-General, cabled to the Commonwealth officer in London, asking him to obtain the best professional and scientific advice on the question whether Australian tenders for wireless installations should be Iimited to the Marconi system or should be made general.
The Daily Telegraph, Sydney, Sa 16. Okt 1909, S. 12.

Bau der Anlagen

Der Bau der Anlagen wurde 1910 begonnen:

Wireless Telegraphy
The tender of the Australian Wireless Limited, of £4150 per station, has been accepted for the erection of wireless stations at Sydney and Fremantle. The range of communication of the accepted system will be 1250 miles in the day time, and probably double that distance at night.
The Inverell Times, Di 5. Apr 1910, S. 2

Der Vorstand der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG), Otto Harms, nahm an, dass Niederländisch Indien „bald folgen würde“.

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Cape Borda, Telegrafenstation, um 1910
Quelle: State Library of South Australia, Referenznummer B8424

Auf den Schiffen

In der Tat machte die neue Technologie zu dieser Zeit große Fortschritte und ein Jahr später waren im Lloyd’s Schiffsregister diejenigen Schiffe gekennzeichnet, die über Telefunken-Anlagen verfügten.

WIRELESS TELEGRAPHY.
The increasing extent to which wireless telegraphy and submarine signalling are being used in passenger steamers is shown by the fact that there are now recorded in Lloyd s Register Book 702 vessels fitted with wireless telegraphic installations and 459 with submarine signalling apparatus.The Sydney Morning Herald, Mi 16 Nov 1910, S. 10, WIRELESS TELEGRAPHY.

Die Zuverlässlichkeit der Anlagen weltweit und ihre Reichweite wurde immer besser.

WIRELESS TELEGRAPHY
The Norddeutscher Lloyd is fitting 15 of their steamers engaged in the Far Eastern trade with Telefunken wireless installations. Some of the wireless installations are now in Hongkong and will be installed on those vessles which do not make the home trip. It is expected that the Coblenz, Prinz Sigismund, and Prinz Waldemar will be equipped at Hongkong. The telefunken system is said to be one of the best wireless systems in the world, and recent installations on some of the German steamers have made record despatches.
The longest distance was covered by the German mail steamer Klist, which sent a message from the Mediterrean Sea to North Sea, across the Alps of Switzerland, 2500 kilometers distant. Another steamer, the A(?)*, of the Roland Line, of Bremen, has made another record by sending a message from Valparaiso across the Andes to Buenos Ayres.
Newcastle Morning Herald and Miners‘ Advocate, Sa 13. Aug 1910, S. 4.
*Name des Schiffes unleserlich

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Morsetaste für Funktelegrafie, ca. 1899
© Museums Victoria (Australien), https://collections.museumvictoria.com.au/items/404170

Die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG)

Auch die DADG stattete ab 1911 ihre Schiffe mit Anlagen zur „drahtlosen Telegraphie“ aus:

„Der erste unserer Dampfer, welcher sie erhalten hatte, war „Adelaide“, 13. Juli 1911. Im Mai 1912 waren es sieben. Auf den ersten Reisen waren die Schiffe auf 2400 Seemeilen Entfernung mit Südafrika in Verbindung. Das war mehr als die Hälfte des Abstandes von beiden Kontinenten und damit war die Brauchbarkeit dargetan.“

Aber nicht nur alle neuen Schiffe erhielten Funkanlagen, sondern auch ältere wurden nachgerüstet:

„Es wurden dann nicht nur alle Neubauten mit den Anlagen ausgerüstet, sondern auch nach und nach die älteren Schiffe, soweit es ohne erhebliche Mehrkosten anging.“

Nach anderen Informationen im Buch waren es aber zahlenmäßig nur wenige der älteren Schiffe, die noch eine Funkanlage erhielten, zum Beispiel „Wismar“, „Eßlingen“ oder „Fremantle“, Schiffe die im Zeitraum zwischen November 1910 und Mai 1911 an die Reederei abgeliefert wurden.

Das Dampfschiff „Fürth“

Das Dampfschiff „Fürth“ wurde von der Reederei nicht nachgerüstet. Inwieweit dies beim Kriegsausbruch 1914 Konsequenzen hatte, kann heute nicht mehr beantwortet werden. Wir werden aber noch einmal darauf zurückkommen.

Ungekennzeichnete Zitate aus dem Buch von Otto Harms: Fundstueck

 

Die Fuerth in australischer Werbung

Jas. Marshall & Co.

Eine für uns heute sehr ungewöhnliche Anzeigenwerbung machte der erfolgreiche Kaufmann James Marshall in Adelaide. In seinen beiden Kaufhäusern verkaufte er Textilien, Eisenwaren und Möbel.

In der abgebildeten Anzeige kündigte er neue Waren für seinen Frühjahrsverkauf an (zur Erinnerung: in Adelaide auf der Südhalbkugel beginnt der Frühling im September). Er listete darin Schiffe auf, mit denen er neue Produkte geliefert bekommen hatte und nannte pro Schiff die Ladungsmenge. So hatte er von der kurz zuvor (am 30. August 1909) in Adelaide eingelaufenen „Fürth“ 32 Kisten neue Ware für seinen „SALE“ bekommen.

Jas. Marshall & Co. advertisement September 1909

Anzeige von Jas. Marshall & Co in: The Express and Telegraph, Adelaide, Fr 3. Sep 1909, S. 3.

Der Erfolg gab ihm recht: Der schottische Einwanderer hatte das größte Geschäft seiner Art in Südaustralien und beschäftigte bis zu 800 Mitarbeiter, quasi der „Gustav Schickedanz von Adelaide“. Für Nicht-Fürther: Gustav Schickedanz war der Begründer des Kauf- und Versandhauses Quelle in Fürth.

Außerdem war James Marshall Stifter und Wohltäter und engagierte sich in zahlreichen sozialen Einrichtungen seiner Stadt. Er verstarb im Jahr 1925 und hinterließ ein Vermögen von damals stattlichen £26.000.

Quelle: Marshall, James Waddell (1845-1925), Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, http://adb.anu.edu.au/biography/marshall-james-waddell-4158/text6673, published first in hardcopy 1974, online abgerufen am 10. April 2018.

View looking down a street, with horse-drawn vehicles parked along the curb and pedestrians walking along the footpath. A sign on a building reads: 22. James Marshall & Co. 24-26.

Bild in die Rundle Street, Adelaide. Rechts vorne am Gebäude steht 22. James Marshall & Co. 24-26.
Quelle: State Library Victoria, Image H86.98/435, ca. 1900-1910

Am Straßenrand sehen wir parkende Pferdefuhrwerke und Verkaufsstände. Der aufmerksame Leser stellt fest: die Hausnummern in der Anzeige (34-38) stimmen nicht mit den Hausnummern am Gebäude überein (22-26).

In der Tat hat Jas. Marshall & Co. am 7. Dezember 1908 neue Verkaufsräume in der Rundle Street eröffnet, das oben stehende Foto muss also älter sein.

Rundle Street with shops, department stores and street traffic. Some of the shops from the extreme left are: Barlows Shoes; Coudrey's Chemist; E.S.Wigg & Son, Stationers; The Coliseum, Donaldson's and James Marshall department stores. People are patronising the street fruit and vegetable barrows and strolling past the shop windows. There is one motor car to be seen amongst the horse-drawn traffic (in front of Marshall's). [On back of photograph] 'Rundle street, looking east from King William Street / Nov. 1909 / Near side of Barlow's (on extreme left) is 30 yards east of King William St.'

Rundle Street, Adelaide, Aufnahme Nov. 1909. Quelle: State Library of South Australia, B3542.

In der zweiten Aufnahme der Rundle Street vom November 1909 ist das Kaufhaus von Jas. Marshall & Co. am neuen Ort und zwar einige Häuser weiter. Laut Angaben zum Foto ist das einzige Auto, das wir auf dem Foto im Hintergrund am linken Straßenrand sehen, vor dem Geschäft der Fa. Marshall geparkt. Es ist das Gebäude mit der imposanten Kuppel, das ehemalige Globe Hotel in Adelaide.

Aktenzeichen ungeloest! – Wo ist die Waratah?

Ungewöhnliches Medienecho erregte die Ankunft der „Fürth“
am 22. August 1909 in Fremantle.

Zeitungen in vielen Ländern bringen eine Meldung über die Ankunft der „Fürth“ in Australien.

Unavailing research, "Waratah", TARANAKI HERALD, VOLUME LV, ISSUE 13990, 23 AUGUST 1909

Zeitungsmeldung vom 23. August 1909 über die erfolglose Suche der „Fürth“ nach der „Waratah“, TARANAKI HERALD, Neuseeland, VOLUME LV, ISSUE 13990, 23 AUGUST 1909

Warum ist das so? Lesen Sie die ganze Geschichte jetzt im Blog: Die fünfte Australienfahrt der „Fürth“  vom 3. Juli bis zum 27. November 1909: Suche nach der Waratah

Außerdem:
Missgeschick in Adelaide: Die „Fürth“ läuft auf Grund!

Zwei Eisbären

Die Eisbären der „Fürth“

Auf der zweiten Australienfahrt hatte die Fürth ungewöhnliche Passagiere an Bord: zwei Eisbären und zwei Nandus. Begeben wir uns auf Spurensuche:

Der Zoo in Adelaide ist der zweitälteste in Australien nach Melbourne. Die Anschaffung von Eisbären als Besucherattraktion wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts überlegt, dann aber aus Geldgründen wieder verworfen. So dauerte es bis 1907, bis erneut darüber diskutiert wurde und Bären gekauft wurden:

POLAR BEARS FOR THE ZOO.
At a meeting of the Zoological Society on Friday a letter was received from Mr. C. Hagenbeck, of Hamburg, offering various kinds of animals and birds. Among the former is a pair of Polar bears. The council being of opinion that a pair of these bears would be a great attraction in the gardens. The finance committee, with Messrs. H. Chesson and J. M. Reid, were asked to visit the Gardens with the view to select a site for their housing. Mr. Hagenbeck stated in his letter that be hoped to forward shortly a male cheetah as a mate for the one now in the Gardens.
The Register, Adelaide, Mo 17. Jun 1907, S. 4

Polar Bears Taronga Park Zoo Sydney 1925

Eisbären im Taronga Park Zoo in Sydney 1925, aus dem Zoo in Adelaide habe ich leider keine Eisbärenfotos gefunden; Foto ca. 1925
© State Library of South Australia, Ref. B 58973/150.

Ein neues Bärenhaus

Auch über das neue Gehege können wir etwas lesen:

„The polar bear house was finished on Thursday morning, and two of those white animals which love the ice and the snow arrived in the afternoon to occupy the swell abode. The new stonehouse, which, adjoins the cage which contains the brown bear, is 18 ft. 7 in. square. It has tiled arched walls and a magnificent ferro-concrete dome. The bath in the centre is 9 ft. 6 in. square and 3 ft. 6 in. dep. There is a shower which will sprinkle the walls when hot weather prevails, and two retiring houses. The Polar bears, which are half-grown, are a male and a female, and were purchased from Hagenbeck, Hamburg. The house cost £550 and the bears landed £170.”
The Register, Adelaide, Fr 17. Apr 1908, S. 4, TWO POLAR BEARS FOR THE ZOO.

Anm: 18 ft. 7 in. square entspricht ca. 32 m2; 9 ft. 6 in square sind knapp 8,5 m2

Dass es sich um Männchen und Weibchen handelte, war wohl verbunden mit der Hoffnung auf Nachwuchs, entsprach aber nicht Realität, denn in letzten Meldung (s. u.) heißt es „Both were males“.

Bear (?) pit and refreshment rooms Adelaide Zoo, Fotograf: Trengove, Arthur M, © State Library of South Australia [PRG1480/4/29]

Zoo Adelaide, es handelt sich eventuell um das Bärenhaus, diese Angabe ist aber mit einem Fragezeichen versehen; © State Library of South Australia [PRG1480/4/29]

Tragischer Zwischenfall

1920 kam es zu einem tragischen Zwischenfall, als die Bären einen Wärter attackierten, der unvorsichtigerweise versucht hatte, beim Reinigen des Geheges einen darin hineingeratenen Wasserschlauch zurückzuholen. Dabei wurde er von einem Bären angegriffen, der ihm den Arm am Ellbogen abriss:

ATTACK BY POLAR BEAR.
Keeper’s Arm Torn Off.

ADELAIDE, Sunday.
Samuel May, aged 65 years employed at the Adelaide Zoological Gardens as a keeper, had a sensational and painful experience this morning. At about 7 o clock he was engaged in hosing out the polar bears‘ house from outside the enclosure. The attention of the director (Mr. A. C. Minchin) and others was attracted by terrible screams. Mr. Minchin rushed to investigate and found May lying on the cement flooring outside the quarters of the two large white bears with his right arm torn off at the elbow. The unfortunate man was taken to hospital in the police ambulance. He subsequently explained that he was hosing when one of the bears, which were in the exercising yards, grabbed the hose and his hand and, pulling him against the iron bars, tore his arm asunder. May has been at the Zoo for 36 years, and was regarded as a capable man with wild animals. He is a widower with a family. His arm above the elbow was badly lacerated. The other part could not be found. The bathing pool was emptied, but in vain. It was reported from the hospital to-night that May’s condition was serious, and that he was suffering from shock. It is not yet known whether the remaining portion of the man’s arm will have to be amputated.
The Argus, Melbourne, Mo 16. Feb 1920, S. 6,  ADELAIDE ZOO SENSATION.

Ein Todesfall

Noch in einer Meldung vom gleichen Tag erfahren wir, dass der Wärter die Attacke nicht überlebte:

ADELAIDE, Monday.
Samuel May, whose arm was torn off at the elbow yesterday morning by a polar bear while hosing out the cage, died early this morning. He was a widower with a family.
The Herald, Melbourne, Mo 16. Feb 1920, S. 7,  Victim of Polar Bear

General view of the Adelaide Zoo, approx. 1910. State Library of South Australia, Ref. B 68807.

Ansicht des Zoos in Adelaide, ca. 1910, © State Library of South Australia, Ref. B 68807.

1933

Wieder dauert es lange, bis wir von den Bären neues erfahren, und zwar bis 1933, als einer der beiden starb. Offensichtlich wurde der kurze Artikel von einem Journalisten der Wirtschaftsredaktion verfasst, denn der Verlust wird sofort in Pfund beziffert:

POLAR BEAR DIES
ADELAIDE. Friday.
A Polar bear at the Adelaide Zoological Garden died to-day after 25 years in captivity. It was worth at least £50.

Newcastle Morning Herald and Miners‘ Advocate, Sa 4. Mrz 1933, S. 10

Etwas ausführlicher diese Meldung, in der noch einmal auf den tragischen Zwischenfall von 1920 eingegangen wird und in dem mitgeteilt wird, das nur drei Bären länger in Gefangenschaft überlebt hätten.

Death of Aged Polar Bear
ADELAIDE, Friday
One of the Polar bears in Adelaide Zoo died last night after having been in captivity for 25 years. It is believed that it died in its sleep. During the bear’s long stay at the Zoo, it had never been ill and had taken food regularly. – There is still one Polar bear left at the Zoo. Twelve years ago the two were responsible for the death of a keeper named May. He had been cleaning out their cage when one of the bears took hold of a hose. May put his hand inside to regain the hose, and quick as lightning one of the animals ripped an arm off. May died shortly after from the injury. According to records only three other bears have lived longer in captivity. The oldest died in London Zoo after 33 years and two others lived in captivity for 27 and 26 years respectively.
Recorder, Port Pirie, Sa 4. Mrz 1933, S. 1

Tückisch, jähzornig und unsympathisch – „Tiger und Löwen sind freundlich dagegen“

Im Jahr 1934 gibt es einen weiteren Bericht über den Zoo. Das Prewalski-Pferd Jimmy wird als ältester Zoobewohner vorgestellt, gefolgt von dem zweitältesten Zoobewohner, dem verbliebenen Eisbären der „Fürth“.

Der Zoodirektor Minchin äußert sich über den Charakter der Bären und beschreibt sie als tückisch, jähzorning und unsympathisch. Kein Wunder, neben dem Vorfall mit den zwei Eisbären gab es Adelaider Zoo noch einen Vorfall mit einem Schwarzbären, der ebenfalls einen Wärter angefallen hatte und daraufhin erschossen wurde.

Wenn der Name Minchin in allen Zooartikeln wieder erscheint, ist dies darauf zurückzuführen, dass diese Familie 1934 schon in vierter Generation den Zoo leitete.

The oldest inhabitant of the Zoo at present is the wild horse, Prjevalski—Jimmie for short—who has been an inmate for 26 years, and is still a wild horse, permitting no familiarities. Next to him in point of long residence is the Polar bear, which arrived in 1908.
Animal Temperament
„Of all animals I have ever dealt with,“ said Mr. Minchin „the most treacherous and evil-tempered and unlikeable is the Polar bear. Tigers and lions are friendly in comparison. The only fatal accidents we have known in the gardens were attacks by bears—a Polar bear that ripped an attendant’s arm out one morning while he was feeding it, and a black American bear that mauled one of the keepers—leaving him unrecognisable – aghastly business that I shall never forget. The bear had to be shot before we could come to the man’s assistance, and then it was too late.“
The Advertiser, Adelaide, Do 14. Jun 1934, S. 19,  BIRDS AND BEASTS IN ADELAIDE ZOO

A bear in a cage at the Adelaide Zoological Gardens, ca. 1915, © State Library of South Australia [B 61609]

Bär im Zoo Adelaide, ca. 1915; es muss sich um den im Text beschriebenen amerikanischen Schwarzbären handeln, der einen Wärter anfiel.

1935

Die letzte Meldung betrifft dann den Tod des zweiten Eisbären der „Fürth“. Der Bär war zum Zeitpunkt des Todes jetzt der älteste Zoobewohner in Adelaide und der dokumentiert drittälteste Eisbär in Gefangenschaft, allerdings seit einiger Zeit nicht mehr in guter gesundheitlicher Verfassung.

LOSS TO ZOO.
ZOO’S POLAR BEAR DIES
Brought To Adelaide In 1908
The polar bear, the oldest inhabitant of the Adelaide Zoo, died yesterday morning. It lived for 27 years at the Zoo—a period of captivity which ranks high in the world’s zoological records. The director of the Zoological Gardens (Mr. Ron Minchin) said that the bear arrived from Hagenbach’s (sic) animal park, Hamburg, on April 18, 1908. The animal was then about two years old and was thus about 29 years of age at its death. The bear had not been well for some time: its teeth had decayed and generally it was not in good condition. The other bear, which came out at the same time, died on March 3, 1933. Both were males. The record age for a polar bear living in captivity was 33 years, this age having been attained by one at the London Zoo. Another had lived at the Dublin Zoo for 27 years. The local animal had attained third place with regard to longevity, and in view of the warm climate of Australia, the zoo had attained an excellent record. The oldest animal in the zoo is now the wild horse of Mongolia, which arrived in Adelaide in February, 1910, and was presented by the Duke of Bedford, the only person who had tried to cross the wild horse with the domestic animal.
The Advertiser, Adelaide, Di 15. Okt 1935, S. 14

Damit endet die Geschichte der Eisbären, die im Jahr 1908 mit dem Dampfschiff „Fürth“ nach Adelaide kamen.

Eisbären für Adelaide

Die zweite Fahrt des Frachtdampfers „Fürth“ ist jetzt online!

Warum Eisbären an Bord der „Fürth“ waren, erfahren Sie hier:
Eisbären für Adelaide

Delivering a crated animal at Port Adelaide [B 61924] • Photograph,about 1910. State Library of South Australia, Ref. B 61924.

Verladung einer Kiste mit einem Wildtier im Hafen von Adelaide (Port Adelaide), Foto um 1910. Bildquelle:  © State Library of South Australia, Ref. B 61924.

Die Angaben zum Foto sind vage. Warum soll das Bild also nicht von 1908 sein (das wäre auch noch um 1910) und in der Kiste zwei Eisbären aus Hamburg? Zumindest hat die Verladung der großen Kiste damals einige Schaulustige angezogen und nicht nur Hafenarbeiter.