Borobodur, Buruboedoer, 1913

Borobudur

Titelbild:
Die Tempelanlage von Borobudur (Buruboedoer) auf der Insel Java, Ansichtskarte der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg, Aufnahme 1913 oder früher; eigene Sammlung

Eine Tempelanlage der Superlative

Unter den Ansichtskarten der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG) sticht eine Karte heraus. Im Gegensatz zu allen anderen hat sie mit der Geschäftstätigkeit der Reederei scheinbar nichts zu tun. Stattdessen zeigt sie ein bemerkenswertes religiöses Bauwerk: den Tempel von Borobudur. Schauen wir uns diesen heute etwas genauer an.

Anmerkung: Der Name Borobudur exisitiert in mehreren Transkriptionen. Auf der Ansichtskarte wird die niederländische Version gebraucht (Boroboedoer), schließlich war Java zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Teil Niederländisch-Indiens.

Borobudur ist eine der größten buddhistischen Tempelanlagen der Welt. Die Erbauung geht auf die Syailendra Dynastie im achten und neunten Jahrhundert zurück. Der Tempel befindet sich im südlichen zentralen Teil Javas, im Kedutal.

Aufbau des Tempels

Der Tempel besteht aus drei Ebenen: eine pyramidale Basis mit fünf konzentrischen quadratischen Terrassen, ein Kegelstumpf mit drei konzentrischen Plattformen, eine Spitze mit einem monumentalen Stupa.

Am besten ist dieser Aufbau aus der Luft zu erkennen, wie auf dieser Aufnahme, die um 1900 entstanden sein soll:

Borobudur Luftaufnahme

Luftaufnahme von Borobudur, ca. 1900, Fotograf unbekannt; Quelle: Collectie Wereldculturen, Ref.: RV-11678-2; Public Domain (collectie.wereldculturen.nl)

Die Dreiteilung des Tempelaufbaus entspricht genau der buddhistischen Kosmologie, also der buddhistischen Vorstellung vom Aufbau der Welt.

Die Seitenlänge des Tempels wird an Basis mit stolzen 123 Metern angegeben, er ragt 34,5 Meter in die Höhe. Für seinen Bau sollen über zwei Millionen Steinblöcke verwendet worden sein.

Was den Tempel neben seiner religiösen Bedeutung so einmalig macht, sind 1460 bildliche Reliefdarstellungen, die Aufschluss über das Leben Javas zur Entstehungszeit des Temples geben.

Diese Reliefs sind umso wertvoller, da schriftliche Quellen aus dieser Zeit nicht überliefert sind.

Borobudur Reliefdarstellung

Borobudur, Relief aus der Balustrade der ersten Galerie, Fotograf unbekannt; Quelle: Collectie Wereldculturen, Ref.: RV-11678-23; Public Domain (collectie.wereldculturen.nl)

Zu dieser großen Anzahl von Reliefs kommen ursprünglich 504 Buddhastatuen, davon 72 in den kleinen, perforierten Stupas, die den zentralen Stupa im Zentrum umgeben. Ursprünglich waren die Buddastatuen vergipst und in leuchtenden Farben bemalt.

Zur Tempelanlage von Borobodur gehören noch zwei kleinere Tempel, der Mendut- und der Pawontempel. Sie stehen mit Borobodur in einer Achse; zusammen symbolisieren die drei Tempel die Phasen zur Erlangung des Nirvana.

Borobudur 1918

Borobudur, runde Plattform im oberen Teil, ca. 1918, Fotograf unbekannt; Quelle: Collectie Wereldculturen, Ref.: RV-A106-1-33; Public Domain (collectie.wereldculturen.nl)

Sir Raffles

Man vermutet heute, dass die Tempelanlage von Borobodur im 14. Jahrhundert verlassen wurde, eventuell nach einem Vulkanausbruch.

So geriet der Komplex in Vergessenheit, die Struktur wurde von Asche und Erde eingedeckt sowie von einer dichten Pflanzendecke überwachsen.

Es sollte bis in das frühe 19. Jahrhundert dauern, bis Borobodur wieder aus seinem Dornröschenschlaf erwachte.

Die Wiederentdeckung wird Stamford Raffles zugeschrieben. Raffles ist heute hauptsächlich als Gründer des modernen Singapur bekannt. Falls Sie schon einmal dort waren, sind Sie Sir Stamford Raffles im kolonialhistorischen Zentrum Singapurs auf Schritt und Tritt begegnet. Er ist dort allgegenwärtig. Und wenn Sie über das nötige Kleingeld verfügen haben Sie vielleicht sogar im Raffles Hotel übernachtet.

Weniger bekannt ist, dass Raffles vor seiner Zeit in Singapur eine Zeitlang Gouverneur Javas war. Die britische Herrschaft über Java war mit ganzen fünf Jahren allerdings recht überschaubar (1811 – 1816), danach wurde die Insel als Teil Niederländisch-Indiens wieder von den Niederländern verwaltet.

Borobudur 1918

Borobudur, Tor zum Aufstieg auf eine höhere Terrasse, ca. 1918, Fotograf unbekannt; Quelle: Collectie Wereldculturen, Ref.: RV-A106-1-34; Public Domain (collectie.wereldculturen.nl)

Politisch waren die fünf Jahre Raffles in Java wenig erfolgreich, freundlich ausgedrückt. Einen Namen machte er sich jedoch 1817 mit der Publikation seines Werkes The History of Java, über Geschichte, Geographie, Flora und Fauna Javas. Das Buch gilt als eines der ersten europäischen Werke, in denen südostasiatische Kunst und Kultur ausführlich gewürdigt wurde.

Schreiben konnte Raffles dieses Buch, weil er sich auf Java intensiv mit der Geschichte der Insel beschäftigt und ein Expertenteam mit der Suche und Dokumentation historischer Monumente zusammengestellt und über die Insel geschickt hatte.

Zu den in The History of Java beschriebenen Denkmälern gehörten Candi Prambanan, die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens und eben auch Borobodur.

Der von Raffles beauftragte niederländische Ingenieur Cornelius soll mit 200 Mann über sechs Wochen gebraucht haben, um die Tempelanlage von Borobodur wieder freizulegen.

Damit war die Anlage wieder frei zugänglich und viele Wissenschaftler sollten folgen, die Geschichte Borobodurs näher zu erforschen.

Seit 1991 ist Borobodur Teil des UNESCO-Welterbes. Die Tempelanlage wird jährlich von rund vier Millionen Menschen besucht.

Buddha Borobudur

Borobudur, Buddhastatue, ca. 1900-1920, Fotograf N.V. Photografisch Atelier Kurkdjian; Quelle: Collectie Wereldculturen, Ref.: TM-60060088; Public Domain (collectie.wereldculturen.nl)

Collectie Wereldculturen

Die historischen Aufnahmen der Tempelanlage Borobodur stammen aus der Sammlung des niederländischen Nationaal Museum van Wereldculturen.

Unter dem Stichwort „Boroboedoer“ finden Sie dort fast eintausend Objekte, meist Fotografien aus den verschiedensten Zeitabschnitten. Ich habe davon einige wenige aus der Zeit von 1900-1920 für diesen Artikel ausgewählt.

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