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Gambir und Eucalyptusrinde

Natürliche Gerbstoffe

Heute geht es um zwei natürliche Gerbstoffe, die von Australien beziehungsweise von Niederländisch-Indien nach Europa transportiert wurden.

Zur Einführung

„Gerbstoffe“ sind die Chemikalien, mit denen der Gerber den Zerfall der Kollagenfasern des Leders durch Anbindung der Gerbstoffe verhindert. Die Häute würden sonst verwesen. Zur Gerbung werden die unterschiedlichsten Gerbstoffe verwenden. Am weitesten verbreitet sind die Pflanzengerbstoffe, Chrom III und synthetische Gerbstoffe. Das fertige Leder besteht zu 8 bis 45% aus Gerbstoffen.“
https://www.leder-info.de/index.php/Gerbstoff

Und weiter:

„Als Gerbung bezeichnet man den langfristigen Konservierungsprozess der Tierhaut mit oder ohne Haare mittels Gerbstoffe“, https://www.leder-info.de/index.php/Gerben

Wer genauer wissen möchte, wie Leder hergestellt wird und die nötige Zeit mitbringt, kann sich zum Beispiel unter oben zitierten Seiten schlauer machen.

Pflanzliche Gerbstoffe

Zwei wichtige pflanzliche Gerbstoffe, die von der „Fürth“ transportiert wurden, waren Eucalyptusrinde („mallet bark“) und Gambir.

Eucalyptusrinde

Eucalyptusrinde war als Gerbstoff noch relativ neu auf dem europäischen Markt, hat aber auf Grund seiner starken Wirkung schnelle Verbreitung gefunden.

„Mallet bark is one of the more important of the many tanning materials that have appeared in European commerce during recent years, and though considerable doubt existed for a time as to its botanical origin, its value as a tanning agent was readily recognized.”

Weiter heißt es in der gleichen Quelle:

“Procter adds that there is no question that ‚it is one of the strongest natural tanning materials we have had through our hands.‘ ”

Quelle: Mallet Bark. (Eucalyptus occidentalis, Endl., var. astringens, Maiden.), in: Bulletin of Miscellaneous Information (Royal Botanic Gardens, Kew), Vol. 1911, No. 2 (1911), pp. 114-117, abgerufen unter: https://www.jstor.org/stable/4111731?seq=1#page_scan_tab_contents am 11. Okt 2018

Hauling loads of mallet bark near Kojonup, 1906 (?), State Library of Western Australia, Ref: BA2824/34

Transport von Eucalyptusrinde bei Kojonup (West-Australien), ca. 1906, Quelle: State Library of Western Australia, Ref: BA2824/34

„Der zitierte Professor H. R. Procter ist „in der ganzen Welt als „Vater der Gerbereichemie“ wohlbekannt, seine Werke über Lederfabrikation waren in den vergangenen 35 Jahren die führenden.“
Die moderne Chemie in ihrer Anwendung in der Lederfabrikation, NA Wilson, NA Loewe, abgerufen am 11. Okt 2018: https://books.google.fr/books?id=4V-1BgAAQBAJ&dq=professor+H+R+Procter&hl=de&source=gbs_navlinks_s

Also jemand, der genau Bescheid weiß!

Gambir

Gambir (auch Cachou genannt) war ebenfalls ein Gerbstoff, darüber hinaus aber auch noch ein Farbstoff zum Einfärben von Stoffen.

Der Gambir ist ein Farb- und Gerbstoff, der – ähnlich dem Katechu – aus den Blättern des kletternden Strauches Nauclea Gambir in Hinterindien gewonnen wird. Beide, Catechu und Gambir, liefern eine schöne braune Farbe meist für Baumwolle und Catechu auch eine schwarze Farbe für Seide. http://www.chemie.de/lexikon/Gambir.html

Die Begriffe Catechu/Katechu und Gambir waren im Handel nicht immer klar zu trennen, wie folgendes Beispiel zeigt:

Handelsprodukte: Man unterscheidet 1. den echten oder den Block-Catechu von der Acacia catechu bzw. mimosa und 2. den Gambir-(Gambier-) oder Würfelcatechu aus den Blüten, Blättern und Zweigen von Uncaria-Gambir. Ersterer kommt in verschieden großen, bis zu 100 kg schweren Blöcken oder Ballen (in Stroh- oder Palmblättersäcken) als eine knetbare Paste, letzterer in kleinen, braungelben Würfeln auf den Markt. Bezüglich der Bezeichnung „Gambir“ und „Gambir-Catechu“ herrscht keine Übereinstimmung, insofern als im überseeischen Handel unter Gambir und Gambir-Catechu auch Block-Catechu verstanden wird.“
Enzyklopädie der textilchemischen Technologie, P. Heermann (Hrsg.), Springer-Verlag (1930), https://books.google.fr/books?id=mz_PBgAAQBAJ&dq=gambir&hl=de&source=gbs_navlinks_s

nach der gleichen Quelle: „die wichtigsten Bestandteile des Catechus sind 1. das Catechin (oder die Catechusäure) und 2. die Catechugerbsäure. Dem Catechin kommt die färbende, der Catechugerbsäure die gerbende… Wirkung zu.“

Uncaria gambir

Gambir (Uncaria gambir), Quelle commons.wikimedia.org, Köhler–s Medizinal-Pflanzen-275.jpg

Betelnuss

Eine andere Verwendung der Pflanze Areca catechu oder auch Gerber-Akazie wird klar, wenn man ihre andere Bezeichnung, Betelnusspalme kennt. Deren Nüsse werden im asiatischen Raum als Droge verwendet.

Heutzutage wird Leder vielfach mit synthetischen Gerbstoffen bearbeitet.

Tannine

Eine andere Art, mehr über Gerbstoffe zu erfahren, besteht darin, eine Flasche Wein zu öffnen, falls dieser im Holzfass gereift ist. Tannine sind auch nichts anderes als pflanzliche Gerbstoffe. Meistens kommen sie in diesem Fall aus dem umgebenden Eichenholz, in dem der Wein gelagert wurde.

Zuviel Weinfass-Romantik sollten Sie sich aber nicht hingeben, denn heute übernehmen in vielen Winzereien Holzschnitzel oder edler ausgedrückt, Eichenchips, die gleiche Funktion:

„Eichenchips sind für den Winzer ökonomisch gesehen dem Barriquefass klar überlegen. Für den gleichen Effekt, den man mit einem 700 Euro-Eichenfass erreicht, zahlt man bei Holzchips gerade mal 7 bis 20 Euro.“
https://www.wein.de/de/deutsche-weine/anbau-ausbau/eichenchips-im-weintank-von-der-eu-erlaubt-ein-statement/

Lassen Sie sich Ihren Wein und die darin enthaltenen Gerbstoffe trotzdem schmecken!

Beitragsbild: State Library of South Australia, Men working at a tannery [PRG 280/1/44/262], The interior of a workshop at a tannery in South Australia where men are working at skins spread out on large tables. About 1910
leather suitcase 1913

Ein fertiges Produkt: Lederkoffer, 1913, Copyright National Museum of Australia / CC BY-SA 4.0. http://collectionsearch.nma.gov.au/object/69260