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wool was by far the most important export product from Australia

Australische Exporte nach Deutschland

Wolle als wichtigste Handelsware

Vor einigen Wochen haben wir uns die deutschen Exporte nach Australien zu Beginn des 20. Jahrhundert angeschaut: Deutsche Exporte nach Australien 1908. Heute geht es um die Waren, die Australien nach Deutschland exportiert hat. Viele davon haben wir bereits als Ladung auf der „Fürth“ gesehen oder werden sie bei den nächsten Fahrten noch antreffen.

In einer Ausgabe der Australischen Zeitung von 1907 finden wir folgende veröffentliche Handelsstatistik:

Handel zwischen Australien und Deutschland im Jahr 1905
„gemäß den genauen statistischen Aufstellungen, die von der deutschen Regierung veröffentlicht und uns [der Australischen Zeitung] vom Kaiserlich Deutschen Generalkonsulat zugestellt worden sind“.

Wichtigste Güter aus Australien (Wert in £)

  1. Wolle und Wollenwaren, 5.724.750
  2. Erze, Metalle, Asbest usw., roh u. verarbeitet, 1.089.000
  3. Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, 378.800
  4. Blei und Bleiwaren, 165.500
  5. Holz und Holzwaren, 144.250
  6. Edel- und andere Steine, roh, geschliffen und gefaßt, 81.200
  7. Zinn und Zinnwaren, 73.200
  8. Oele und Fette, 54.800
  9. Kupfer und Kupferwaren, 33.450
  10. Häute und Felle, 31.750
  11. Kohlen, Koks und Petroleumschiefer, 26.900
  12. Tierische Erzeugnisse, 26.150
    Sonstiges, 79.150
    Zusammen: 7.908.900

Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12. Jun 1907, S. 10

Cartering Wool, Hahndorf, 1901

Mit Wolle beladenes Fuhrwerk in Hahndorf bei Adelaide; Hahndorf ist eine der ältesten deutschen Siedlungen Australiens, Aufnahme 1901, © State Library of South Australia, B-18258.

Wolle, Erze und Getreide

Wolle war also das mit großem Abstand wichtigste Handelsgut, dass nach Deutschland exportiert wurde, gefolgt von Erzen, Metallen und Getreide (überwiegend Weizen). Allerdings sind die Belege für Wolle als Handelsware auf der „Fürth“ vergleichsweise selten. Ganz anders ist dies für Erze und Metalle.

Die Einfuhren australischer Güter nach Deutschland haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts die deutschen Exporte wertmäßig stark überwogen, es gab also einen großen Handelsüberschuss, der nach den deutschen Quellen (s.o.) für das Jahr 1905 £ 5.566.400 betrug.

Dies sollte sich auch den nächsten Jahren nicht ändern, wie eine Quelle aus dem 1910 belegt:

„Nach den jüngsten in den Besitz des hiesigen deutschen Konsuls Herrn H.C.E. Mücke gelangten Handelsberichten ist Australiens Ausfuhr nach Deutschland gerade ungefähr viermal so groß als Deutschlands Einfuhr nach der Commonwealth. Die Einfuhr australischer Waren nach Deutschland betrug während der von dem Bericht behandelten zwölf Monaten £ 15 092 600, die Einfuhr deutscher Waren nach der Commonwealth dagegen nur £ 4 482 394.“
Australische Zeitung, Adelaide, Mi 3. Aug 1910, S. 14

the steamer Furth often transported ores from Australia to Europe

Die „Fürth“ transportierte regelmäßig Erze von Australien nach Europa

Gold

Einen großen Anteil an diesem Ungleichgewicht hatten die großen Edelmetall-Einfuhren des Deutschen Kaiserreiches aus Australien. So bezog Deutschland im Jahr 1910 Gold- und Silberbarren im Wert von £5.799.150 von Australien, oder mengenmäßig betrachtet 53 Tonnen (gleiche Quelle).

Auf diese Gold- und Silberimporte kommen wir noch einmal gesondert zurück. Interessant ist auch, dass die Edelmetalle in der eingangs zitierten Statistik des Deutschen Generalkonsulates nicht ausgewiesen wurden.

Eine weitere Frage ist, wie das Gold transportiert wurde. Auf Handelsschiffen in großen Kisten mit der Aufschrift „GOLD“? Sicher nicht. Weiß jemand dazu mehr?

Unterschiedliche Zahlen

Wenn man einen Blick in die Exportstatistiken des Commonwealth wirft, fällt sofort ins Auge, dass dort die Exportzahlen deutlich niedriger sind. Zum Beispiel für das Jahr 1905:

Während das deutsche Generalkonsulat die australischen Einfuhren nach Deutschland mit £7.908.900 beziffert, weist die Commonwealth-Statistik für das gleiche Jahr nur einen Wert von £3.888.170 aus, also nur etwa die Hälfte.

Zur Erklärung des Unterschieds beider Statistiken hier das Zitat aus dem Originaltext.

„Wie schon früher erklärt, ergibt sich der Unterschied der beiden statistischen Aufstellungen aus der Miteinschließung von indirekt angekauften oder verkauften Waren, denn Deutschland kauft einen erheblichen Teil seiner australischen Einfuhr auf den Londoner Auktionen usw., und Australien erhält einen Teil seiner deutschen Waren durch Vermittlung Londoner Verschiffer. Der Unterschied der beiden statistischen Einschätzungen stellt daher den Wert des indirekten Handels zwischen beiden Ländern dar. Gleichviel wie man die obigen Aufstellungen vergleicht, ergibt sich die unwiderlegliche Tatsache, daß Deutschland um rund 5 Millionen mehr von Australien kauft, als es an Australien verkauft, und daß dieser gewaltige Unterschied von Jahr zu Jahr zunimmt.“
(Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12.Jun 1907, S. 10)

Der deutsch-australische Handel floriert

Zusammenfassend bleibt festzustellen: Der deutsch-australische Handel hat sich im Zeitraum vor dem Ersten Weltkrieg prima entwickelt. Das belegt auch ein Blick in das australische statistische Jahrbuch:

Für den Zeitraum 1902-1906 sind für Großbritannien inklusive aller Besitzungen 71,20% aller australischen Exporte ausgewiesen, als wichtigste nicht britische Exportnation ist Frankreich mit 7,59% gelistet, dann folgt Deutschland mit 6,17%.

Bemerkenswert sind dann die Zahlen für 1908: Alle britischen Exportländer machen dann nur noch 60,22% der Exporte aus und Nummer zwei wird Deutschland mit einem Sprung auf 14,32%, also mehr als eine Verdoppelung. Frankreich ist nur noch dritte Exportnation auf wenig veränderten 8,01%.

Quelle: Official Year Book of the Commonwealth of Australia No. 3 – 1910. Australia. Commonwealth of Census and Statistics, 1201 S.

Diese positive Entwicklung wird erst durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 jäh unterbrochen.

Bild: Pixabay

Auf dem Weg nach Newcastle (New South Wales, Australien)

Die dritte Fahrt der „Fürth“ nach Australien vom 8. August 1908 bis 1. Januar 1909 ist jetzt im Blog online.

Das erste Mal ist die „Fürth“ Newcastle angelaufen, den bedeutendsten Kohle-Exporthafen Australiens. Passend dazu werden wir der Frage nachgehen, wie viel Kohle unser Frachtdampfer „Fürth“ auf seinem Weg nach Australien verbraucht hat.

Was meinen Sie? Wie viel Kohle brauchte die „Fürth“ oder ein anderes Dampfschiff in der damaligen Zeit, also um das Jahr 1910, um einmal von Hamburg nach Australien zu fahren:

50 Tonnen, 500 Tonnen oder vielleicht sogar mehr als 1500 Tonnen? Die Antwort lesen Sie hier: Die Sache mit der Kohle

Loading Coal, Newcastle Harbour NSW, about 1900-1910

Verladung von Kohle im Hafen von Newcastle NSW, aufgenommen ca. 1900 – 1910,
© State Library of New South Wales, REFERENCE CODE 413801, CALL NUMBER PXE 711/480

Bau, Stapellauf und Probefahrt der „Fürth“

Der Bau der Dampfschiffes „Fürth“

Die erste Erwähnung der „Fürth“ habe ich bislang im Bericht über das Betriebsjahr 1906 der Deutsch-Australischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, Hamburg, gefunden. Darin heißt es:

… Diese Schiffe genügen aber noch nicht, um den von uns zu erfüllenden Aufgaben gerecht zu werden, und wir haben uns daher entschliessen müssen, vier weitere Neubauten in Auftrag zu geben. Davon sind drei Schwesterschiffe des „Hagen“ bei der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft und eins, ein vergrösserter „Goslar“, bei der Firma Swan, Hunter & Wigham Richardson Ltd. in Newcastle on Tyne bestellt. Diese Schiffe sollen „Fürth“, „Osnabrück“, „Hanau“ und „Worms“ genannt werden. …
(Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle,
23. März 1907, S. 21)

Der Stapellauf der „Fürth“

Das Datum des Stapellaufes ist ebenfalls dokumentiert, es war der 20. Juli 1907:

„Aus der Elb- und Hafengegend.
Der für die Deutsch-Australische Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Flensburg neuerbaute, am 20. Juli zu Wasser gelassene Frachtdampfer „Fürth“ traf am Sonntag im hiesigen Hafen ein und vertäute am Australienkai. Die Führung des 2646,40 Netto Register-Tons großen Dampfers liegt in den Händen des Kapt. Saegert.“
(Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle, Mo 19. Aug 1907)

Anmerkung: die Mehrzahl Tons (statt Tonnen) war damals eine gebräuchliche Angabe. Der 20. Juli war ein Samstag, der im Text erwähnte Sonntag der 18. August, was auch die Hamburger Nachrichten vom 19. August 1907 in der Rubrik „Hamburger Hafen, Eingehende Seeschiffe“ (S. 4) bestätigen.
boiler telegraph

Kesseltelegraf auf der Brücke – Bild symbolisch

Die Probefahrt der „Fürth“ und ihre Überführung nach Hamburg

Ein Dokument von der Probefahrt der „Fürth“ ist der Bericht der Berliner Börsenzeitung, vom Dienstag, den 20. August 1907, Seite 15:

Flensburg, 19. August.
Unter Beteiligung einiger Hamburger sowie hiesiger Herren trat am Sonnabend Morgen kurz vor 11 Uhr der von der Flensburger Schiffsbaugesellschaft für die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg erbaute Frachtdampfer
Fürth“ seine Probefahrt an. Die während der Fahrt unternommenen eingehenden Versuche in Bezug auf Leistungsfähigkeit von Schiff und Maschine erzielten ein in jeder Hinsicht vorzügliches Resultat. Das Schiff ist vollständig aus S. M.-Stahl erbaut und gehört seiner Klassifikation nach zur ersten Klasse des Brit. Lloyd. Es besitzt folgende Abmessungen: Grösste Länge 400′ 0″, Breite 50′ 10″. Tiefe (moulded) 27′ 9″, Tragfähigkeit ca. 7000 to. Eine Dreifach-Expansions-Maschine von 2200 ind. P.S. verleiht dem Schiffe eine Geschwindigkeit von ca. 12 Knoten in der Stunde. — Nach Beendigung der Probefahrt und Abnahme des Dampfers von seiten der anwesenden Vertreter der Reederei, setzte derselbe, unter Führung des Kapt. C. B. Saegert seine Reise durch den Kanal nach seinem Heimatshafen Hamburg fort.“

Anm.: Der angesprochene Kanal ist der Kaiser-Wilhelm-Kanal, der heutige Nord-Ostsee-Kanal.

Die „Fürth“: 118 Meter lang, 15,5 Meter breit und 8,5 Meter tief

Die Länge der „Fürth“ ist nicht ganz richtig wiedergegeben, hier verlassen wir uns lieber auf die Angaben der Reederei:

Am Schlusse des Geschäftsjahres hatten wir folgende 7 Dampfer-Neubauten in Auftrag: …
3. Stapel-Nr. 273, S. S. „Fürth“, 4 . Stapel-Nr. 274. S. S. „Osnabrück“, und 5. Stapel-Nr. 275. S. S. „Hanau“, drei Frachtdampfer von 387 Fuss Länge, 50 Fuss 10 Zoll Breite und 27 Fuss 9 Zoll Tiefe sind uns von der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg in Auftrag gegeben. Der Dampfer „Fürth“ konnte inzwischen, und zwar am 17. August d. J., seine Probefahrt ausführen, sodass die Abnahme seitens der Rhederei am demselben Tage erfolgte.
(Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft, Flensburg, Geschäftsbericht für das Betriebsjahr 1906/1907, in: Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle,
06. Sep 1907, S. 15)

Anm: Reederei wurde damals noch „Rhederei“ geschrieben, S. S. steht für steam ship, die international gängige Abkürzung für Dampfer, manchmal auch S/S, „s.“ oder „str“ für steamer, in den deutschen Quellen kurz D. (Dampfer).
Hausflagge, Kontorflagge, Reedereiflagge

Die Hausflagge der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft; German-Australian Steam Ship Co., house flag

Zu den technischen Daten des Schiffes zu einem späteren Zeitpunkt mehr, auch über den ersten Kapitän der „Fürth“, Kapt. C. B. Saegert, später noch mehr Informationen.

Dass das Schiff – wie anzunehmen- auf dieser Fahrt ohne Ladung nach Hamburg fuhr, belegt eine Meldung über die Passage durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal mit dem Zusatz „leer“ (Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle, 19. Aug 1907, S. 24 („Fürth“ ausgehend Brunsbüttelkoog am 18. August).

Die „Fürth“ war also am Sonntag, den 18. August 1907 im Hamburger Hafen am Australiakai angekommen und vertäut. Nach nur sechs Tagen Liegezeit in ihrem Heimathafen ist die „Fürth“ dann am 24. August 1907 zur Jungfernfahrt nach Australien ausgelaufen (siehe Jungfernfahrt).