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Thursday Island, Torres Strait

Nach Hause

Die Geschichte des Dampfschiffes „Fürth“
vom 21. Dezember 1913 bis 7. April 1914

Singapur – Australien – Europa

Über 10 Monate war die „Fürth“ im Dezember 1913 bereits unterwegs, als sie sich von Singapur über Australien und den Suezkanal auf die Heimreise nach Hamburg machte.

In Newcastle (New South Wales) bekam Kapitän Richter zwar keine Kohle, aber dafür Ärger mit der australischen Justiz. In Sydney wurden über 5000 Ballen Wolle, eine große Menge Holz, Erze/Metalle sowie verschiedene andere Produkte geladen. Die Wollmenge wurde in Melbourne noch einmal um über 2000 Ballen erhöht, außerdem wurde dort, in Adelaide und in Fremantle weitere Ladung aufgenommen. Auf direkter Fahrt lief die „Fürth“ dann nach Antwerpen und Hamburg.

Aus Antwerpen gibt es eine detaillierte Importliste und in Hamburg wird die „Fürth“ durch ein schlecht ausgeführtes Verholmanöver durch den Dampfer „Blücher“ beschädigt. Der Schaden konnte jedoch in einer Woche wieder behoben werden.

Der Abschluss der dreizehnten Fahrt der „Fürth“ jetzt im Blog:
Endlich nach Hause!

Bildnachweis zum Titelbild:

Postkarte von Thursday Island (Torres-Straße), 1917, [Five views of Thursday Island, including] Thursday Island from the wharf, Victoria Parade, [view of harbour], native dance, Torres Island, pearling lugger, [ca. 1917 -1920], viewed 25 November 2018; © National Library of Australia http://nla.gov.au/nla.obj-148876221

Thursday Island ist eine kleine Insel in der Torres-Straße, die auf den Fahrten von Südostasien an die australische Ostküste (oder umgekehrt) passiert werden muss. Die Torres-Straße liegt zwischen Australien und Neuguinea.

Wool bales being loaded [B 69729/15]

Wolle und Wollhandel in Australien um 1910

Wichtigstes Exportgut

Auf der elften und zwölften Fahrt der „Fürth“, die von Australien direkt nach zurück nach Europa gingen, hatten wir als Fracht Wolle. Außerdem war Wolle das wichtigste Exportprodukt Australiens überhaupt: Australische Exporte nach Deutschland.
Heute gebe ich daher einen kurzen Überblick über den australischen Wollhandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wolle als Wirtschaftsfaktor

Zunächst ein paar Eckdaten:

Das Wollsaison in Australien beginnt grundsätzlich mit dem 1. Juli und endet mit dem 30. Juni. Das Wolljahr 1911-1912 ist folglich der Zeitraum von Juli 1911 bis Juni 1912. In dieser Zeit wurden von „Australasia“, also Australien und Neuseeland, 2,5 Millionen Wollballen exportiert, wobei davon auf Australien allein 80 % oder 2 Mio. Ballen entfielen.

Der Durchschnittspreis pro Ballen betrug in diesem Geschäftsjahr £ 11/5/5, das heißt 11 Pfund, 5 Shillings und 5 Pennies. Zur Erinnerung: 1 Pfund hatte 20 Shillings und 1 Shilling 12 Pennies. Die deutsche Mark entsprach zu dieser Zeit etwa einem Schilling.

Der Exportwert der Wolle belief sich in dem oben genannten Zeitraum auf insgesamt £ 30,9 Millionen Pfund.

Die Wolle wurde in Jute-Ballen exportiert, die im betrachteten Jahr ein durchschnittliches Gewicht von 331,21 lb., also rund 150 Kg hatten.

Lieferant der Wolle waren in Australien und Neuseeland zusammen ca. 117 Millionen Schafe, wobei die wichtigste Region der Südosten war, also New South Wales.

Angaben nach: THE WOOL SEASON., The Argus, Melbourne, Do. 4. Jul 1912, S. 7

 

Wool barges on the Murray River]

Lastkahn mit Wollballen auf dem Murray-River, südöstliches Australien, Aufnahmedatum unbekannt, ev. 1900-1910, Quelle: Libraries Australia, Referenz 50973283

Der Wollhandel

Am Anfang steht natürlich das Schaf, in Australien vorwiegend das Merinoschaf. Nach der Schur werden die Ballen eines Produzenten von Verkaufsagenten (“wool sales broker“) in Lagerhäusern (“wool receival warehouses“) zu Verkaufslosen ähnlicher Qualität zusammengefasst.

Aus allen Ballen eines Loses entnimmt der Agent Muster, die auf Merkmale getestet werden, die für die Verarbeitung wichtig sind (Faserdurchmsser, Gehalt an pflanzlichem Material, Reißfestigkeit von Wollbüscheln (“staple strenght“), Faserlänge der Wollbüschel (“staple lenght“), potentielle Ausbeute und Farbe. Ein detaillierter Testbericht verbleibt bei den Ballen.

Die Wolle wurde damals und auch noch heute überwiegend auf Auktionen (“open-cry auction system“) verkauft, heute sind das etwa 90% der australischen Wolle.

Bei einer Wollauktion werden die Testbericht zusammen mit Stichproben (“grab samples“) ausgelegt, so dass die Käufer vor dem Bieten die Wolle begutachten können. Die einzelnen Verkaufslose werden dann an den Meistbietenden versteigert.

Je nach Qualität können dabei einzelne Verkaufslose sehr unterschiedliche Preise erzielen, was auch einleuchtet: Ein Ballen, aus dem beispielsweise ein hochwertiger, maßgeschneiderter italienischer Herrenanzug entstehen soll, wird deutlich mehr kosten, als ein Ballen, aus dem ein grober Wollfaden gesponnen werden soll.

Heute werden diese Auktionen von der Australian Woll Exchange Ltd. (AWEX) in Sydney, Melbourne und Fremantle organisiert. Wer sich für diesen sehr spannenden Markt näher interessiert, dem sei zur Einführung ein (25-seitiges) PDF der AWEX empfohlen: http://www.awex.com.au/media/1693/wool-buying-in-australia-2014.pdf (in Englisch).

Loading bales of wool onto a ship, Queensland, about 1910

Verladung von Wollballen auf ein Schiff, Queensland, ca. 1910
Quelle: State Library of Queensland, Referenz: 147203

Transport von Wollballen

Für die anschließende Verschiffung der Ballen bedeutet der Verkauf auf Versteigerungen aber auch, dass jeder einzelne Ballen identifizierbar sein muss: „Bei Wolle muß jeder einzelne Ballen nach Marke und Gegenmarke und Nummer ausgesucht werden.“ (Zitat: Otto Harms, Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, 1933)

Bei der elften Fahrt der „Fürth“ war das noch relativ einfach, es waren 950 Wollballen von sechs Wollhändlern für die Bestimmungsorte Hamburg, Blumenthal (bei Bremen) und Antwerpen an Bord.

Bei der zwölften Fahrt mussten dann schon über 13.500 Ballen von drei Verschiffungshäfen, einer deutlich größeren Zahl von Händlern auf mehrere Bestimmungshäfen einzeln zugeordnet werden. Eine „schöne“ Aufgabe für den, für die Ladung verantwortlichen, Schiffsoffizier.

Heute ist natürlich alles ganz anders. Die Wolle ist nicht mehr in Jute verpackt, sondern in Nylon, sie wird vor dem Transport zusätzlich verdichtet (“dumped“) und dann in Container verpackt (“containerised“), so dass pro Container etwa 100 bis 115 Ballen roher Schafwolle (“farm bales“) transportiert werden können. Diese rohe Schafwolle wird auch als auch Schweißwolle (“greasy wool“) bezeichnet. Sie macht den Hauptanteil des Wollexports aus. Daneben wird auch noch Wolle als Halbfertigprodukt verschifft (zum Beispiel als gewaschene Wolle, “scoured wool“).

wool sales broker Winchcombe Carson

Anzeige eines Wollhändlers (Wool Sales Broker), Quelle: The Sydney Stock and Station Journal, Fr. 4. Okt 1912, S. 12

Die Wollhändler

Die Größe und Bedeutung des Wollmarktes in Australien spiegeln sich in der Zahl der vor Ort tätigen Händler wider. So waren allein in Sydney für die Wollauktionen der Saison 1913-14 über 190 Wollhändler zugelassen, die für eine große Zahl an Unternehmen tätig waren.

Darunter finden wir zahlreiche deutsche Firmen, wie
Frederick Betz & Co.
Dewez, Leonhard und Co., Leipzig
Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, Delmenhorst
Ostermeyer, van Rompaey und Co., Leipzig
G. Hardt und Co., Berlin
Georg Schönbach und Co., Leipzig
Lohmann und Co., Bremen
Dohnert, Müller, Schmidt und Co., Leipzig
Kammgarnspinnerei Kaiserslautern
Sachs, Strauss und Co.
A. Weber und Co., Leipzig
Quelle: The Sydney Wool and Stock Journal, Fr. 29. Aug 1913, S. 12, Wool Buyers Operating in the Sydney Market (Auszug).

Unter diesen Firmen sind reine Wollhändler, aber auch große Verarbeiter, die ihre eigenen Einkäufer vor Ort hatten, wie zum Beispiel die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, Delmenhorst, kurz „Nordwolle“ genannt, damals einer der größten Wolle verarbeitenden Betriebe Europas.

Stark vertreten waren natürlich auch die Engländer, vor allem aus der Stadt Bradfod, dem britischen Wollhandelszentrum. Dort befand sich die Wollbörse (“wool exchange“) und auch das damals für die Beurteilung der Wollqualität übliche System wurde hier entwickelt: Der Bradford Count oder auch English Worsted Yarn Count System genannt.

Mit einer Vielzahl von Händlern waren ebenfalls die Franzosen präsent, hier fallen drei Städte besonders ins Auge: Reims (damals noch « Rheims » geschrieben) und die beiden Zentren der französischen Textilindustrie in Nordfrankreich: Roubaix und Tourcoing.

ferrier's wool presses, advertising 1912

Anzeige für Wollpressen, Quelle: The Sydney Stock and Station Journal, Fr 8. Nov. 1912, S. 8

Masurel Fils

Einer der französischen Händler, der Wolle an Bord der „Fürth“ hatte, war das Traditionshaus Masurel Fils und zwar am 30. November 1912 ab Sydney: 503 Ballen für den Zielhafen Antwerpen und 135 Ballen für Hamburg.

Masurel Fils wurde 1846 in Roubaix gegründet und gehörte zu einem Industrieimperium der Familie Masurel, die neben dem Handel auch in der Wollverarbeitung (“topmaking“) und der Spinnerei tätig war.

So gründete einer der Gesellschafter von Masurel Fils, François Masurel-Pollet, mit seinem ältesten Sohn im Jahr 1877, die Spinnerei „François Masurel et fils“ in Tourcoing, die später in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „François Masurel Frères“ (F.M.F.) umgewandelt wurde, wobei die Anteile jedoch in der Familie blieben. Schon in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts waren zu der Spinnerei auch eine Färberei und eine Strumpfwirkerei („bonneterie“) hinzugekommen. Vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte F.M.F. über 1.000 Mitarbeiter.
Quelle: Alain Lottin, Histoire de Tourcoing, 1986, abgerufen unter books.google.fr am 31.10.2018

François Masurel Frères, Tourcoing

Die Spinnerei von François Masurel Frères in Tourcoing, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Usine_Masurel.gif

Masurel Fils war als Wollhändler mit Sitz in Nordfrankreich in Australien, Neuseeland und Südafrika aktiv. Erst im Jahr 1975 wurde das Unternehmen von einem anderen großen Namen des Wollhandels übernommen, von Antoine Segard & Cie.

Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen SEGARD MASUREL (“wool since 1846“) und ist weltweit anerkannter Partner von Züchtern und der Textilindustrie.

Quelle: Unternehmenswebseite www.segardmasurel.com

sheep remedy 1912

Anzeige für ein Wurmmittel für Schafe, Quelle: The Sydney Stock and Station Journal, Di 26. Nov 1912, S. 5

Bildnachweis zum Beitragsbild:
Verladung von Wollballen auf ein Frachtschiff, um 1910,
Quelle: State Library of South Australia, Referenznr. B-69729/15
Rosamund - First hippopotamus in Melbourne Zoological Gardens

Ein Hippopotamus für Melbourne und 13500 Ballen Wolle für Europa

Die zwölfte Fahrt der „Fürth“ nach Australien vom 14. September 1912 bis 2. Februar 1913:

Ungewöhnliche Fracht gibt es vom Tierpark Hagenbeck für den Zoo in Melbourne: Capybaras, Agutis, Affen und ein Flusspferd.

Vom australischen Zoll beanstandet wird eine Lieferung Kinematographen und Laterna-Magicas. Wenn diese nicht aus Fürth oder Nürnberg kommen!

Auf dem Rückweg wird die „Fürth” in allen australischen Häfen mit Wolle beladen, rund 13500 Ballen sind es insgesamt.

Es ist außerdem die erste Fahrt der „Fürth” unter dem neuen Kapitän W. Richter.

Alle Infos jetzt im Blog: Ein Nilpferd und viel Wolle

Bildquelle: The Australasian, Melbourne, Sa 23. Nov 1912, S. 66, The Hippopotamus,
Bildunterschrift: Fine specimen of the hippopotamus at the Melbourne Zoological-gardens, the first one that the society has had.

Loading bales of wool onto a ship, Queensland, about 1910

Abschied und Reparatur

Die elfte Fahrt der „Fürth“ nach Australien ist jetzt online

Linie 1, vom 16. März – 23. August 1912

Es ist die letzte Fahrt von Kapitän C. B. Saegert auf der „Fürth“ und gleichzeitig die erste, auf der eine bedeutende Menge Wolle auf der „Fürth“ nach Europa transportiert wurde. Neu ist ebenfalls Bombay als Hafen auf der Rückreise.

Außerdem musste die „Fürth“ schweres Wetter durchstehen und nach der Rückkehr nach Hamburg in die Werft von Heinrich Brandenburg zur Reparatur.

Viel Neues gibt es also entdecken, am besten gleich unter Schwere See im Blog!

Bildnachweis: Loading bales of wool onto a ship, Queensland, ca. 1910,
Quelle: State Library of Queensland, Referenz: 147203
wool was by far the most important export product from Australia

Australische Exporte nach Deutschland

Wolle als wichtigste Handelsware

Vor einigen Wochen haben wir uns die deutschen Exporte nach Australien zu Beginn des 20. Jahrhundert angeschaut: Deutsche Exporte nach Australien 1908. Heute geht es um die Waren, die Australien nach Deutschland exportiert hat. Viele davon haben wir bereits als Ladung auf der „Fürth“ gesehen oder werden sie bei den nächsten Fahrten noch antreffen.

In einer Ausgabe der Australischen Zeitung von 1907 finden wir folgende veröffentliche Handelsstatistik:

Handel zwischen Australien und Deutschland im Jahr 1905
„gemäß den genauen statistischen Aufstellungen, die von der deutschen Regierung veröffentlicht und uns [der Australischen Zeitung] vom Kaiserlich Deutschen Generalkonsulat zugestellt worden sind“.

Wichtigste Güter aus Australien (Wert in £)

  1. Wolle und Wollenwaren, 5.724.750
  2. Erze, Metalle, Asbest usw., roh u. verarbeitet, 1.089.000
  3. Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, 378.800
  4. Blei und Bleiwaren, 165.500
  5. Holz und Holzwaren, 144.250
  6. Edel- und andere Steine, roh, geschliffen und gefaßt, 81.200
  7. Zinn und Zinnwaren, 73.200
  8. Oele und Fette, 54.800
  9. Kupfer und Kupferwaren, 33.450
  10. Häute und Felle, 31.750
  11. Kohlen, Koks und Petroleumschiefer, 26.900
  12. Tierische Erzeugnisse, 26.150
    Sonstiges, 79.150
    Zusammen: 7.908.900

Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12. Jun 1907, S. 10

Cartering Wool, Hahndorf, 1901

Mit Wolle beladenes Fuhrwerk in Hahndorf bei Adelaide; Hahndorf ist eine der ältesten deutschen Siedlungen Australiens, Aufnahme 1901, © State Library of South Australia, B-18258.

Wolle, Erze und Getreide

Wolle war also das mit großem Abstand wichtigste Handelsgut, dass nach Deutschland exportiert wurde, gefolgt von Erzen, Metallen und Getreide (überwiegend Weizen). Allerdings sind die Belege für Wolle als Handelsware auf der „Fürth“ vergleichsweise selten. Ganz anders ist dies für Erze und Metalle.

Die Einfuhren australischer Güter nach Deutschland haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts die deutschen Exporte wertmäßig stark überwogen, es gab also einen großen Handelsüberschuss, der nach den deutschen Quellen (s.o.) für das Jahr 1905 £ 5.566.400 betrug.

Dies sollte sich auch den nächsten Jahren nicht ändern, wie eine Quelle aus dem 1910 belegt:

„Nach den jüngsten in den Besitz des hiesigen deutschen Konsuls Herrn H.C.E. Mücke gelangten Handelsberichten ist Australiens Ausfuhr nach Deutschland gerade ungefähr viermal so groß als Deutschlands Einfuhr nach der Commonwealth. Die Einfuhr australischer Waren nach Deutschland betrug während der von dem Bericht behandelten zwölf Monaten £ 15 092 600, die Einfuhr deutscher Waren nach der Commonwealth dagegen nur £ 4 482 394.“
Australische Zeitung, Adelaide, Mi 3. Aug 1910, S. 14

the steamer Furth often transported ores from Australia to Europe

Die „Fürth“ transportierte regelmäßig Erze von Australien nach Europa

Gold

Einen großen Anteil an diesem Ungleichgewicht hatten die großen Edelmetall-Einfuhren des Deutschen Kaiserreiches aus Australien. So bezog Deutschland im Jahr 1910 Gold- und Silberbarren im Wert von £5.799.150 von Australien, oder mengenmäßig betrachtet 53 Tonnen (gleiche Quelle).

Auf diese Gold- und Silberimporte kommen wir noch einmal gesondert zurück. Interessant ist auch, dass die Edelmetalle in der eingangs zitierten Statistik des Deutschen Generalkonsulates nicht ausgewiesen wurden.

Eine weitere Frage ist, wie das Gold transportiert wurde. Auf Handelsschiffen in großen Kisten mit der Aufschrift „GOLD“? Sicher nicht. Weiß jemand dazu mehr?

Unterschiedliche Zahlen

Wenn man einen Blick in die Exportstatistiken des Commonwealth wirft, fällt sofort ins Auge, dass dort die Exportzahlen deutlich niedriger sind. Zum Beispiel für das Jahr 1905:

Während das deutsche Generalkonsulat die australischen Einfuhren nach Deutschland mit £7.908.900 beziffert, weist die Commonwealth-Statistik für das gleiche Jahr nur einen Wert von £3.888.170 aus, also nur etwa die Hälfte.

Zur Erklärung des Unterschieds beider Statistiken hier das Zitat aus dem Originaltext.

„Wie schon früher erklärt, ergibt sich der Unterschied der beiden statistischen Aufstellungen aus der Miteinschließung von indirekt angekauften oder verkauften Waren, denn Deutschland kauft einen erheblichen Teil seiner australischen Einfuhr auf den Londoner Auktionen usw., und Australien erhält einen Teil seiner deutschen Waren durch Vermittlung Londoner Verschiffer. Der Unterschied der beiden statistischen Einschätzungen stellt daher den Wert des indirekten Handels zwischen beiden Ländern dar. Gleichviel wie man die obigen Aufstellungen vergleicht, ergibt sich die unwiderlegliche Tatsache, daß Deutschland um rund 5 Millionen mehr von Australien kauft, als es an Australien verkauft, und daß dieser gewaltige Unterschied von Jahr zu Jahr zunimmt.“
(Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12.Jun 1907, S. 10)

Der deutsch-australische Handel floriert

Zusammenfassend bleibt festzustellen: Der deutsch-australische Handel hat sich im Zeitraum vor dem Ersten Weltkrieg prima entwickelt. Das belegt auch ein Blick in das australische statistische Jahrbuch:

Für den Zeitraum 1902-1906 sind für Großbritannien inklusive aller Besitzungen 71,20% aller australischen Exporte ausgewiesen, als wichtigste nicht britische Exportnation ist Frankreich mit 7,59% gelistet, dann folgt Deutschland mit 6,17%.

Bemerkenswert sind dann die Zahlen für 1908: Alle britischen Exportländer machen dann nur noch 60,22% der Exporte aus und Nummer zwei wird Deutschland mit einem Sprung auf 14,32%, also mehr als eine Verdoppelung. Frankreich ist nur noch dritte Exportnation auf wenig veränderten 8,01%.

Quelle: Official Year Book of the Commonwealth of Australia No. 3 – 1910. Australia. Commonwealth of Census and Statistics, 1201 S.

Diese positive Entwicklung wird erst durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 jäh unterbrochen.

Bild: Pixabay