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Port Pirie, Australia

Bordkonzert in Port Pirie

Das neue Schiff „Australia“ erregt Aufsehen

Nachdem der Frachtdampfer „Fürth“ auf der neunten Australienreise vom 13. bis 15. Juli 1911 zum ersten (und einzigen) Mal im Hafen von Port Pirie in Südaustralien angelegt hatte (Die „Fürth“ in Skandinavien),machte ich mich auf die Suche nach Bildern von diesem Hafen.

Von der „Fürth“ konnte ich leider kein Material finden, dafür aber zwei gute Aufnahmen des Australdampfers „Australia“, die ich hier zeigen will.

Die „Australia“ wurde im Jahr 1912 gebaut und in Dienst gestellt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte sie zu den größten Schiffen der Flotte der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft und auch in Port Pirie erregte die Ankunft dieses großen Schiffes im Februar 1913 einige Aufmerksamkeit.

Port Pirie, Australia

Die „Australia“ in Port Pirie: Aufnahmedatum nicht bekannt; wahrscheinlich zwischen dem 27. Februar und dem 20. März 1913
Quelle: State Library of South Australia, Referenznummer B9524/3

Technische Daten

Zunächst ein paar Fakten zum Schiff:

Schiffbau.
Neuer Hamburger Dampfer. Am Dienstag, den 3. Dezember, trat der für die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg, von der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft gebaute Frachtdampfer „Australia“, Bau-Nr. 326, seine erste Fahrt an. Die Hauptabmessungen des Dampfers sind: größte Länge 500 Fuß, Länge zw. den P. P. 482 Fuß 4 Zoll, größte Breite 62 Fuß 8 Zoll, Seitenhöhe bis Hauptdeck 32 Fuß 1 Zoll. Der Neubau, welcher mit einer Vierfach-Expansionsmaschine von 4500 ind. H. P. ausgerüstet ist, hat eine Tragfähigkeit von ca. 12000 Tons. Den Dampf liefern 4 Einender-Kessel, welche mit künstlichem Zug, System Howden, betrieben werden.
Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle, 04. Dez 1912, S. 48

Zum Vergleich zu unserer „Fürth“ mit ca. 7000 Tonnen Tragfähigkeit also ein für die damalige Zeit gewaltiges Schiff.

Wie außergewöhnlich die Ankunft dieses großen Schiffes in Port Pirie war, belegt die Tatsache, dass am Sonntagnachmittag nach der Ankunft auf dem Schiff, am 2. März 1913, ein Konzert gegeben wurde und die Bevölkerung Gelegenheit hatte, bei dieser Gelegenheit das Schiff auch zu besichtigen.

Australia, Port Pirie

Die „Australia“ in Port Pirie: es ist das Schiff rechts, welches leicht durch eine Schute verdeckt wird, Aufnahmedatum nicht bekannt; wahrscheinlich zwischen dem 27. Februar und dem 20. März 1913
Quelle: State Library of South Australia, Referenznummer B9524/2

Hafenkonzert

CONCERT ON AUSTRALIA.
Capt. Hellerich, the master of the German-Australian steamer Australia, has given permission to the members of the Excelsior Band to hold a concert on his ship on Sunday afternoon. – The Australia is the best equipped and largest steamer that has visited Port Pirie, and an afternoon spent on her should be most interesting. She will be berthed at the Barrier Wharf, and admission will be by silver coin.
Port Pirie Recorder and North Western Mail, Sa 1. Mar 1913, S. 1.

Ein Film wird gedreht

Das Konzert der „Excelsior Band“ war aber noch nicht alles, sogar ein Film wurde an diesem Samstag auf dem Schiff gedreht!

LOCAL PICTURES.
On Saturday last Mr. A. Parker took a moving picture of shipping subjects on the Australia, and on Sunday got an interesting view of about one hundred bathers, diving, swimming, etc. In the afternoon a short picture was exposed on the s.s. Australia and Barrier Wharf during the Excelsior Band concert. The film, which is completed in Adelaide, was promised for Wednesday night, but owing to the hot weather and rush of business, the Adelaide firm wired that the picture, which was satisfactory, will not reach here till tonight midnight and therefore cannot be shown till Thursday night. The picture will also be shown on Fry and Saturday nights.
Port Pirie Recorder and North Western Mail, Mi 5. Mar 1913, S.1.

Das finde ich sehr beachtlich, den immerhin war die „Australia“ nur ein Frachtschiff und kein Passagierdampfer!

500 Fuß und 4500 PS

Neben den Informationen über die sonntäglichen Vergnügungen lieferte die lokale Presse aber auch technische Informationen zum Schiff:

Shipping News
THE WHARFS MORE BUSY.
ARRIVAL OF THE AUSTRALIA.
After a fairly long period of depression, the shipping trade has considerably brightened up during the past few days. Seven steamers and three sailing vessels are now berthed at the wharfs. Among the former are two of the finest cargo steamers engaged in the Australian trade. These are the German-Australian liner Australia and the Ajana. Both are fitted with wireless.

A Fine Steamer.
An interesting. arrival on Thursday was the German-Australian line cargo steamer Australia, the latest addition to the fleet, on her maiden trip. She is the largest vessel which has ever berthed alongside of a Port Pirie wharf. The Australia is one of the biggest and best equipped cargo steamers in the Australian trade. She was built at Flensburg. With a gross tonnage of 7,485 tons, she can carry 12,500 tons dead weight, and is fitted with quadruple- expansion engines of 4,500 horsepower, which can develop a speed of 13 knots on a single screw. She is 500 ft. in length, with a breadth of 63 ft., and moulded depth of 42 ft. The new steamer has a double bottom, and carries 1,946 tons of water ballast. She has 14 winches, each of five tons lift, and one of 30 tons capacity for lifting big objects from the. No. 2 hold. In latitude 47 deg. S and longitude 103 deg. E the vessel ran into a terrific storm on her voyage from Hamburg to Melbourne, but she proved an excellent seaboat, and rode through comparatively untroubled. The gale lasted 36 hours. The Australia is in charge of Capt. J. Hellerich, who has with him as chief-officer Mr. F. Hinz, and as chief engineer Mr. M. Waldheier. It is possible that the Australia will lift the heaviest cargo ever taken out of a Commonwealth port, and so far as is at present known from 11,000 to 11,500 tons of concentrates will be placed into her holds. Elder, Smith and Go. are the agents; but the ore is being shipped by the Australian Metal Company and F. H. Snow. The Australia is fitted with wireless.
Port Pirie Recorder and North Western Mail, Sa 1.
Mar 1913, S. 1, Shipping News.

Port Pirie, Australia

Die „Australia“ in Port Pirie, eigene Montage aus den beiden vorangegangenen Fotos Quelle: State Library of South Australia, Referenznummer B9524/2 und B9524/3

Rennpferde

Eine interessante Zusatzinformation gibt die Zeitung „The Advertiser“:

„… There were 22 racehorses aboard for Melbourne, but, although three of the stalls were smashed by the seas which broke over the decks, none of them were injured.”
The Advertiser, Adelaide, Mi 5. Feb 1913, S. 14, SHIPPING NEWS.

Anm.: Diese Meldung erschien nach der Ankunft in Melbourne im Februar, also bevor Port Pirie angelaufen wurde.

Über 10.000 Tonnen Erz

Für eine weitere Ankunft der „Australia“ in Port Pirie etwa ein Jahr später habe ich eine Frachtliste gefunden, die zeigt, welch große Mengen das Schiff transportieren konnte: 10.647 Tonnen Erze und Konzentrate

April 22.—Australia, str., 4686, J. Hellerich, for Antwerp via Durban, with 2003 tons zinc concentrates, shipped; by F. 11. Snow; 4011 tons ore, shipped by Australian Metal Co., and 4633 tons do., shipped, by Elder, Smith & Co., total 10,647 tons. Elder, Smith & Co., agents.
Port Pirie Recorder and North Western Mail, Fr 24.
Apr 1914, S. 2, SAILED.

Zusammentreffen mit der „Fürth“

Auf das Dampfschiff „Australia“ werden wir noch zurückkommen, spätestens wenn es mit der „Fürth“ im August 1914 (unfreiwillig) im Hafen von Colombo zusammentreffen wird.

Die „Australia“ als Schulschiff

Viel später, am Ende ihrer Karriere, war die „Australia“ in den 30er Jahren Schulschiff (cadet ship) der British India Steam Navigation Company. Auch das wird hier noch thematisiert, gibt es doch aus dieser Zeit Fotos, einen Augenzeugenbericht und sogar zwei Ölgemälde. Aber alles zu seiner Zeit!

wool was by far the most important export product from Australia

Australische Exporte nach Deutschland

Wolle als wichtigste Handelsware

Vor einigen Wochen haben wir uns die deutschen Exporte nach Australien zu Beginn des 20. Jahrhundert angeschaut: Deutsche Exporte nach Australien 1908. Heute geht es um die Waren, die Australien nach Deutschland exportiert hat. Viele davon haben wir bereits als Ladung auf der „Fürth“ gesehen oder werden sie bei den nächsten Fahrten noch antreffen.

In einer Ausgabe der Australischen Zeitung von 1907 finden wir folgende veröffentliche Handelsstatistik:

Handel zwischen Australien und Deutschland im Jahr 1905
„gemäß den genauen statistischen Aufstellungen, die von der deutschen Regierung veröffentlicht und uns [der Australischen Zeitung] vom Kaiserlich Deutschen Generalkonsulat zugestellt worden sind“.

Wichtigste Güter aus Australien (Wert in £)

  1. Wolle und Wollenwaren, 5.724.750
  2. Erze, Metalle, Asbest usw., roh u. verarbeitet, 1.089.000
  3. Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, 378.800
  4. Blei und Bleiwaren, 165.500
  5. Holz und Holzwaren, 144.250
  6. Edel- und andere Steine, roh, geschliffen und gefaßt, 81.200
  7. Zinn und Zinnwaren, 73.200
  8. Oele und Fette, 54.800
  9. Kupfer und Kupferwaren, 33.450
  10. Häute und Felle, 31.750
  11. Kohlen, Koks und Petroleumschiefer, 26.900
  12. Tierische Erzeugnisse, 26.150
    Sonstiges, 79.150
    Zusammen: 7.908.900

Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12. Jun 1907, S. 10

Cartering Wool, Hahndorf, 1901

Mit Wolle beladenes Fuhrwerk in Hahndorf bei Adelaide; Hahndorf ist eine der ältesten deutschen Siedlungen Australiens, Aufnahme 1901, © State Library of South Australia, B-18258.

Wolle, Erze und Getreide

Wolle war also das mit großem Abstand wichtigste Handelsgut, dass nach Deutschland exportiert wurde, gefolgt von Erzen, Metallen und Getreide (überwiegend Weizen). Allerdings sind die Belege für Wolle als Handelsware auf der „Fürth“ vergleichsweise selten. Ganz anders ist dies für Erze und Metalle.

Die Einfuhren australischer Güter nach Deutschland haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts die deutschen Exporte wertmäßig stark überwogen, es gab also einen großen Handelsüberschuss, der nach den deutschen Quellen (s.o.) für das Jahr 1905 £ 5.566.400 betrug.

Dies sollte sich auch den nächsten Jahren nicht ändern, wie eine Quelle aus dem 1910 belegt:

„Nach den jüngsten in den Besitz des hiesigen deutschen Konsuls Herrn H.C.E. Mücke gelangten Handelsberichten ist Australiens Ausfuhr nach Deutschland gerade ungefähr viermal so groß als Deutschlands Einfuhr nach der Commonwealth. Die Einfuhr australischer Waren nach Deutschland betrug während der von dem Bericht behandelten zwölf Monaten £ 15 092 600, die Einfuhr deutscher Waren nach der Commonwealth dagegen nur £ 4 482 394.“
Australische Zeitung, Adelaide, Mi 3. Aug 1910, S. 14

the steamer Furth often transported ores from Australia to Europe

Die „Fürth“ transportierte regelmäßig Erze von Australien nach Europa

Gold

Einen großen Anteil an diesem Ungleichgewicht hatten die großen Edelmetall-Einfuhren des Deutschen Kaiserreiches aus Australien. So bezog Deutschland im Jahr 1910 Gold- und Silberbarren im Wert von £5.799.150 von Australien, oder mengenmäßig betrachtet 53 Tonnen (gleiche Quelle).

Auf diese Gold- und Silberimporte kommen wir noch einmal gesondert zurück. Interessant ist auch, dass die Edelmetalle in der eingangs zitierten Statistik des Deutschen Generalkonsulates nicht ausgewiesen wurden.

Eine weitere Frage ist, wie das Gold transportiert wurde. Auf Handelsschiffen in großen Kisten mit der Aufschrift „GOLD“? Sicher nicht. Weiß jemand dazu mehr?

Unterschiedliche Zahlen

Wenn man einen Blick in die Exportstatistiken des Commonwealth wirft, fällt sofort ins Auge, dass dort die Exportzahlen deutlich niedriger sind. Zum Beispiel für das Jahr 1905:

Während das deutsche Generalkonsulat die australischen Einfuhren nach Deutschland mit £7.908.900 beziffert, weist die Commonwealth-Statistik für das gleiche Jahr nur einen Wert von £3.888.170 aus, also nur etwa die Hälfte.

Zur Erklärung des Unterschieds beider Statistiken hier das Zitat aus dem Originaltext.

„Wie schon früher erklärt, ergibt sich der Unterschied der beiden statistischen Aufstellungen aus der Miteinschließung von indirekt angekauften oder verkauften Waren, denn Deutschland kauft einen erheblichen Teil seiner australischen Einfuhr auf den Londoner Auktionen usw., und Australien erhält einen Teil seiner deutschen Waren durch Vermittlung Londoner Verschiffer. Der Unterschied der beiden statistischen Einschätzungen stellt daher den Wert des indirekten Handels zwischen beiden Ländern dar. Gleichviel wie man die obigen Aufstellungen vergleicht, ergibt sich die unwiderlegliche Tatsache, daß Deutschland um rund 5 Millionen mehr von Australien kauft, als es an Australien verkauft, und daß dieser gewaltige Unterschied von Jahr zu Jahr zunimmt.“
(Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12.Jun 1907, S. 10)

Der deutsch-australische Handel floriert

Zusammenfassend bleibt festzustellen: Der deutsch-australische Handel hat sich im Zeitraum vor dem Ersten Weltkrieg prima entwickelt. Das belegt auch ein Blick in das australische statistische Jahrbuch:

Für den Zeitraum 1902-1906 sind für Großbritannien inklusive aller Besitzungen 71,20% aller australischen Exporte ausgewiesen, als wichtigste nicht britische Exportnation ist Frankreich mit 7,59% gelistet, dann folgt Deutschland mit 6,17%.

Bemerkenswert sind dann die Zahlen für 1908: Alle britischen Exportländer machen dann nur noch 60,22% der Exporte aus und Nummer zwei wird Deutschland mit einem Sprung auf 14,32%, also mehr als eine Verdoppelung. Frankreich ist nur noch dritte Exportnation auf wenig veränderten 8,01%.

Quelle: Official Year Book of the Commonwealth of Australia No. 3 – 1910. Australia. Commonwealth of Census and Statistics, 1201 S.

Diese positive Entwicklung wird erst durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 jäh unterbrochen.

Bild: Pixabay