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Pontons dans le port de Marseille

Der Kapitän der „Fürth“, W. Richter, als Gefangener in Marseille – Teil 2

Ein schwimmendes Gefängnis

Fort Saint-Nicolas

Den ersten Teil der Gefangenschaft musste Kapitän W. Richter, Kapitän des Dampfschiffes „Fürth“, mit seinen vier deutschen Leidensgenossen im Fort Saint-Nicolas verbringen (Der Kapitän der „Fürth“ in Gefangenschaft in Marseille).

Die ebenfalls zunächst im Fort Nicolas festgehaltenen Zivilgefangenen waren auf die Frioul-Inseln oder nach Korsika gebracht worden. Dafür waren am 4. November 1914 deutsche Soldaten als Gefangene in Fort Nicolas eingetroffen.

Kurz darauf wurden die Soldaten und die fünf anderen Gefangenen (vier Seeleute und ein Professor) vom Fort Saint-Nicolas auf ein Ponton gebracht:

Die Zitate sind erneut aus dem Bericht von Kapitän Richter aus den Hamburger Nachrichten vom 16. Dezember 1914, S. 3; Quelle:
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/Hamburger Nachrichten/1914/12/16

Die Lage wird nicht besser

„Wir wurden nun sämtlich durch einen kleinen Dampfer auf einen im Außenhafen verankerten großen Schwimmponton gebracht. Der Zustand einiger Verwundeter hatte sich aber inzwischen so stark verschlimmert, daß sie durch ihre Kameraden getragen werden mußten. Unser neuer Aufenthalt war zwar geräumiger, aber nicht besser. War der alte Raum im Fort doch wenigstens noch gegen den Wind geschützt, so konnte hier die frische und naßkalte Seebrise unbehindert durch den weiten eisernen Aufbau des Pontons, der uns als Wohnraum angewiesen wurde, hindurchfegen, da die Vorderseite nur durch ein Holzgitter abgeschlossen war und die Fenster in der Hinterwand zumeist keine Scheiben mehr hatten. Kurzes Häckselstroh war auf dem Asphaltboden nur dünn aufgestreut. In der Mitte blieb es auf dem Boden nicht liegen, da der Wind es fortwehte und in dem ganzen Raume herumtrieb. Die an den Seitenwänden befindlichen Luftlöcher waren überhaupt nicht verschließbar.“

Marseille, port et pont transbordeur

Marseille. Eingang zum Alten Hafen und das Bassin de la Joliette, Bei genauem Hinsehen erkennt man die filigrane Struktur der Schwebefähre über der Hafeneinfahrt, Postkarte, undatiert, Quelle: https://www.geneanet.org/cartes-postales/view/5042753#0

Kälte, Nässe und Wind

„Am nächsten Tage nach der Überführung erschien der Kommandant, begleitet von einer etwa zwanzig Jahre alten Zivilperson, um sich von der Unterbringung der Gefangenen persönlich zu überzeugen. Ihm gegenüber beschwerten wir uns, hinweisend auf die Verwundeten, bitter über diese neue Unterkunft, die gegen Kälte und Wind auch gar keinen Schutz bot. Er jedoch gab uns zur Antwort, indem er zugleich auf die Zivilperson hinwies: „Dies ist mein Sohn. Er ist in Jena Student gewesen und dort zwei Monate gefangen gehalten worden. Er hat täglich nur zwei Liter Wasser erhalten und dabei auf einer Holzpritsche schlafen müssen. Dieser Aufenthaltsraum ist also gut genug für euch.“ Diesem Hohn setzte der junge Begleiter noch die Krone dadurch auf, daß er uns beim Fortgeben, sich umdrehend, zurief: „Ihr habt es hier ausgezeichnet.“

Marseille, port, vue panoramique

Marseille, Hafen um 1915, Postkarte, Quelle: https://www.geneanet.org/cartes-postales/view/5177212#0

Eisige Nächte

„Wir richteten uns so gut wie möglich auf dem Schwimmponton ein. Jeder, der über seine gesunden Glieder verfügte, sprang seinen kranken und verwundeten Kameraden hilfreich bei. Besonders taten sich hierbei zwei deutsche Unteroffiziere hervor, die in zivilen Verhältnissen Lehrer gewesen waren. Sie sorgten für Ordnung und besondere Pflege für die Kranken, die noch von einem zufällig mitgekommenen Sanitätsunteroffizier, einem Württemberger, auf das aufopferndste gepflegt wurden. Das Leben in den Nächten war geradezu entsetzlich. Klappernd vor Frost konnte niemand schlafen. Durch Umhergehen suchte man sich zu erwärmen, wovon die Verwundeten keinen Gebrauch machen konnten. Sie krochen dicht zusammen, um sich gegenseitig warmzuhalten. Der anbrechende Tag brachte erst die Erlösung von den Qualen der Nacht, da mit ihm die Hoffnung auf etwas wärmenden Sonnenschein kam. Aber auch er stellte sich leider nur zu häufig nicht ein.“

Selbsthilfe

„Auf uns fünf Zivilisten wirkten diese nächtlichen Szenen erschütternd. Wir sammelten kurz entschlossen unter uns, da wir genügend Geldmittel besaßen, eine bedeutende Summe, für die wir eine große Anzahl Decken, eine größere Menge Verbandsstoff und Medikamente herbeischaffen ließen. Der hilfreiche Sanitätsunteroffizier, Paul Poschart aus Reutlingen, – es sei, da er Tag und Nacht unermüdlich in der Ausübung seiner Liebestätigkeit war, sein Name hier genannt, – griff nun energisch ein und wirkte segensreich unter den Verwundeten, die mit großer Liebe an ihm hingen. Waschwasser gab es überhaupt nicht. Wer sich waschen wollte, schöpfte sich mit seinem Eßnapf aus dem Trinkwassereimer etwas Wasser und begoß sich damit Gesicht und Hände. Aus der zur Verfügung stehenden Kantine wurde nur sehr wenig gekauft, da die Preise fast unerschwinglich hoch waren, Aufenthalt im Freien war nur bei günstiger Witterung, und dann auch nur zwei Stunden am Nachmittag, auf dem oberen Deck des Pontons gestattet.“

Marseille - Le Phare Sainte Marie

Hafeneinfahrt in Marseille mit dem Leuchtturm Sainte-Marie; Postkarte (gelaufen 1906), eigene Sammlung.

Verzögerte Freilassung

„Am 18. November winkte die Erlösung aus diesem scheußlichen Gefängnis. Die Soldaten wurden eingeschifft und soviel uns bekannt wurde, nach Tunis gebracht. Wir blieben aber zurück, da am gleichen Tage die Nachricht von Paris gekommen war, das unserer Beschwerde beim englischen Gesandten Folge gegeben sei und wir nun nach einem neutralen Lande entlassen werden sollten. Am folgenden Tage wurden wir abgeholt und zur Polizeiwache gebracht. Dort wurden wir wie Verbrecher photographiert und gemessen. Frei waren wir jedoch noch nicht. Wir wurden wieder in einem Gefangenenwagen nach dem Hafen zurückgebracht und mußten unterwegs die Verhöhnungen und tätlichen Beleidigungen der Straßenpassanten ertragen. Am 21. November wurden wir wieder von dem Schwimmponton abgeholt. Unter militärischer Bewachung machten wir auf der Suche nach dem spanischen Dampfer Barzella, mit dem wir nach Genua fahren sollten, Irrfahrten im Hafen von Marseille umher und fanden den Dampfer nicht, da er überhaupt nicht im Hafen lag. Wohl oder übel mußten wir unseren elenden Wohnaufenthalt wieder aufsuchen, den wir erst am 25. November endlich für immer verlassen konnten. Auf mein Gesuch hin, uns doch zur italienischen Grenze zu bringen, wurden wir an dem Tage unter militärischer Bewachung bei Ventimiglia über die französische Grenze geschoben. Von diesem kleinen italienischen Städtchen aus begaben wir uns nach Genua, wo unser Professor, dessen Nerven gänzlich zusammengebrochen waren, vorerst zu seiner Erholung blieb. Wir drei Kapitäne und mein dritter Offizier aber dampften schleunigst in die teure Heimat hinein. Eine schwere Zeit voll böser Eindrücke, die uns wie ein übler Traum bedrückten, lag hinter uns.“

An dieser Stelle endet der Augenzeugenbericht von Kapitän W. Richter in den Hamburger Nachrichten.

Die anderen Kapitäne waren zwei Kapitäne der Bremer Dampfschiffs-Gesellschaft Hansa, deren Schiffe ebenfalls in Colombo geblieben waren:  F. H. R. Gronau, Kapitän des Dampfers „Rappenfels“ und W. Müller, Kapitän der „Moltkefels“ (Die „Fürth“ in Colombo: 11. bis 18. August 1914).

Zu Prof. Kahle siehe den Blogbeitrag: Die abenteuerliche Reise des Kapitäns der „Fürth“, W. Richter, auf der „Koningin Emma“.

Der genannte dritte Offizier der „Fürth“ war H. Wodarz.

Nächste Woche im Blog: Kapitän W. Richter – Heimkehr nach Hamburg und Tod

Pontons dans le port de Marseille

Marseille, Alter Hafen, im Bild erkennt man einige Pontons, allerdings ohne Aufbauten; Postkarte, undatiert, Quelle: https://www.geneanet.org/cartes-postales/view/5936029#0

Forrt Nicolas, Château d'If

Der Kapitän der „Fürth“ in Gefangenschaft in Marseille

Kapitän W. Richter schildert seine Erlebnisse

Dieser Beitrag schließt an die Fahrt Kapitän Richters von Colombo nach Marseille auf dem niederländischen Postschiff „Koningin Emma“ an. Siehe: Die abenteuerliche Reise des Kapitäns der „Fürth“, W. Richter, auf der „Koningin Emma“

Den Zeitungsartikel habe ich in Absätze untergliedert, um ihn an heutige Lesegewohnheiten anzupassen und habe auch einige Kapitelüberschriften beigefügt. Im Original ist es ein (fast) durchgehender Fließtext. Die zitierten Passagen sind in Kursivschrift wiedergegeben (Quelle: Hamburger Nachrichten, 16. Dezember 1914, S. 3, theeuropeanlibrary.org).

Kurz vor der Weiterfahrt der „Koningin Emma“ nach Amsterdam wurden die fünf deutschen Passagiere in Marseille von Bord geholt und in das Fort Saint-Nicolas gebracht:

Fort Saint-Nicolas

„Dieses Fort liegt am Hafen von Marseille auf einer felsigen Höhe und diente früher schweren Verbrechern und Deserteuren als Gefängnis. Dort wurden uns Messer, Scheren, Instrumente, Briefschaften sowie überhaupt sämtliche beschriebenen Papiere abgenommen. Alles Gepäck, das wir noch besaßen, wurde unter Verschluß genommen, und dann wurden wir in einen Raum eingesperrt, in dem sich bereits etwa 200 bis 250 Zivilgefangene befanden, es waren zumeist Militärpflichtige, die von neutralen Schiffen heruntergeholt worden waren.“

Gefangene aus dem Elsass

„Ferner war dort eine Reihe gefangener Elsässer, die wegen Spionageverdacht verhaftet und von der deutschen Grenze dorthin verschleppt waren, unter ihnen waren Förster, Eisenbahn- und Kommunalbeamte, die nur notdürftig bekleidet waren, da man sie aus den Betten geholt hatte. Sie waren ohne jede Mittel und hatten auch keine Wäsche. Über den Verbleib ihrer zurückgelassenen Angehörigen waren sie völlig im Unklaren. Unter ihnen befanden sich einige, die man hatte erschießen wollen. Sie hatten bereits ihr eigenes Grab ausschaufeln müssen, waren dann aber im letzten Augenblick nach Marseille in das Fort St. Nicolas abgeführt worden.“

Fort Nicolas Marseille

Aurelles-Kaserne und Fort Saint-Nicolas in Marseille, Postkarte, Quelle: https://www.geneanet.org/cartes-postales/view/5961915#0

Enge Verhältnisse

„Der Raum, in dem wir lagen, war früher der Arbeitsraum für die Verbrecher gewesen und für die jetzt untergebrachte Menschenmenge viel zu klein. Auch war das Dach nicht dicht, so daß der Regen eindrang. Der Boden bestand aus Asphalt, auf dem häckselartiges Maschinenstroh als Lager ausgebreitet war. Durch langen Gebrauch und durch den eindringenden Regen war das Stroh vollständig verfault und saß voll Ungeziefer. Decken gab es nicht. Die Notdurft mußte in im Raume aufgestellte offene Gefäße verrichtet werden, deren Dünste den Aufenthalt wahrlich nicht angenehm gestalteten. Überhaupt herrschten in hygienischer Beziehung entsetzliche Zustände. Des Morgens bekamen wir zusammen nur eine Stunde Zeit, um uns in einem kleinen Nebenraum zu waschen. Hier befand sich nur eine Brauseanlage, die aber meistenteils kein Wasser gab, da es angeblich nur schwer in das Fort hinaufgepumpt werden konnte, Und lief dann einmal das Wasser, so war die zur Verfügung stehende Zeit zu kurz, um sich einzeln bei einer so großen Menge Menschen gründlich zu waschen.“

Lagerroutine und Verpflegung

„Bewegung war uns täglich nur von 8 bis 10 Uhr vormittags und von 2 bis 4 Uhr nachmittags auf einem winzig kleinen Hofe gestattet, der so eng war das, wir uns fast gegenseitig auf die Füße traten. Des Morgens gab es eine kleine Tasse Kaffee, um 10 Uhr eine Brotsuppe, aus der sich, wer Glück hatte, ein winziges Stückchen Fleisch fischte um 4 Uhr nachmittags eine ähnliche Suppe, in der sich ein paar Bohnen oder Erbsen oder auch Linsen vorfanden, Brot wurde genügend gereicht. Es war aber auch das einzig Gute an dem ganzen Essen.“

Kantine und Trinkwasser

„Wer so glücklich war, Geld zu besitzen, hatte die Möglichkeit, aus der Kantine Wurst, Käse, Marmelade und Butter geliefert zu bekommen, jedoch waren die Preise fast unerschwinglich hoch, Trinkwasser konnte man nur an einer Zapfstelle erhalten, die aber für diesen Zweck nicht angelegt worden war, da hier zu lesen war: Kein Trinkwasser!

Es mußte jedoch getrunken werden, da kein anderes zu haben war. Wir von Bord der Königin Emma eingelieferten Deutschen erhielten, nachdem wir bereits fünf Tage in dem Stalle gehaust hatten, auf unsere Bitten unser Gepäck und unsere Bettdecken wieder ausgehändigt, jedoch hatte man vorher eine Menge Gebrauchsgegenstände wie Uniformen, Ferngläser, Sextanten, daraus fortgenommen.“

Ein österreichischer Arzt

„Wir konnten uns also bei der Kälte, die in dem stickigen Raume herrschte, in der Nacht wenigstens notdürftig zudecken und erwärmen. Unter den Gefangenen befand sich ein österreichischer Arzt, der sich um die vielen Erkrankten sehr bemühte. Er stellte unter ihnen mehrfach hohes Fieber, Influenza, sogar Anzeichen von Thyphus fest. Medikamente gab es nicht, und auf seine Bitten, ihm solche zu überlassen, erhielt er die Antwort, daß im Fort überhaupt keine Medikamente vorhanden wären. Am 2. November wurden plötzlich die bei unserer Ankunft bereits vorhandenen Zivilgefangenen abgeführt, um teils nach Korsika, teils nach der im Hafen von Marseille liegenden Insel Ferrol gebracht zu werden. Die für die Insel Ferrol bestimmten Gefangenen bestanden aus der französischen Sprache mächtigen Elsässern, denen dadurch eine Bevorzugung zuteil werden sollte. Dorthin wurden auch viele gefangen gesetzte Frauen und Kinder gebracht, die in einem Nebenraum im Fort St. Nicolas sich befunden hatten. Unter diesen Elsässern wurde von den Franzosen eifrig für die Fremdenlegion geworben, von denen dem auch unter dem Druck der schrecklichen Verhältnisse leider sich einige anwerben ließen.“

Anm.: Wahrscheinlich sind mit der „Insel Ferrol“ die Frioul-Inseln gemeint (Archipel de Frioul). Dort befand sich eine alte Quarantänestation mit Krankenhaus. Die Inselgruppe liegt einige Kilometer vor Marseille.
Hafen Marseille mit Fort Nicolas und Schwebefähre

Der Alte Hafen mit Fort Saint-Nicolas im Hintergrund. Rechts im Bild erkennt man einen Pfeiler der Schwebefähre; Postkarte, Quelle: https://www.geneanet.org/cartes-postales/view/5518843#0

„Wir fünf waren nun allein in dem jetzt großen Raume zurückgeblieben, da man anscheinend nicht wußte, was man mit uns anfangen sollte.“

Laut des vorangegangenen Teils des Berichts von W. Richter waren die fünf Deutschen:

Kapitän W. Müller, Frachtdampfer „Moltkefels“,
Kapitän Gronau, Frachtdampfer „Rappenfels“,
Beides Schiffe der Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa, Bremen, die nach Ausbruch des Krieges ebenfalls im Hafen von Colombo auf Ceylon lagen.
Siehe: Die „Fürth“ in Colombo: 11. bis 18. August 1914
Prof. Kahle (wahrscheinlich Prof. Dr. Paul Kahle, Theologe und Orientalist): Siehe dazu auch den Artikel: Die abenteuerliche Reise des Kapitäns der „Fürth“, W. Richter, auf der „Koningin Emma“
H. Wodarz, dritter Offizier der „Fürth“
Kapitän W. Richter, Kapitän der „Fürth“,
Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg

„Wir hatten nämlich beim englischen Gesandten in Paris darüber Beschwerde erhoben, daß wir entgegen dem von der englischen Behörde in Ceylon ausgestellten Paßvermerk in Frankreich an der Weiterreise in ein neutrales Land gehindert waren. Nun wartete man wohl ab, wie die Sache in Paris aufgenommen würde. So harrten denn wir der Dinge, die da kommen würden, und wir sollten noch schlimmeres erleben.“

Neuankömmlinge

„Da traf am 4. November ein neuer Gefangenentransport ein. Er bestand aus deutschen Soldaten in einem geradezu erbarmungswürdigen Zustand. Es waren verwundete, in Kriegsgefangenschaft geratene Soldaten, die nur notdürftig geheilt, aus den französischen Lazaretten entlassen waren und nun interniert werden sollten. Kaum die allernotwendigsten Kleidungsstücke hatten sie auf dem Leibe. Die zumeist noch in der Heilung begriffenen Wunden waren wieder ausgebrochen und in einem bösen Zustande. Sie waren zum größten Teil in Eiterung übergegangen. Viele konnten sich nur mit Hilfe der Kameraden fortbewegen. Mit Sacktüchern oder Hemdfetzen waren die Gliederstümpfe verbunden. Es war traurig anzusehen, wie die Tapferen eingeliefert wurden. Es folgten weitere Trupps, aber unverwundete deutsche Krieger. Sie waren bei Ausführung irgend einer Patrouille aufgehoben worden. Auch ihnen fehlten die notwendigsten Kleidungstücke. Kokarde und Knöpfe waren ihnen durch die Gendarmen und den Pöbel während des Transports abgerissen worden. Offiziere sollen sich sogar an dieser Beschimpfung der deutschen Uniform beteiligt haben, wie die Soldaten erzählten. Sie teilten nun mit uns das faulige Strohlager auf dem harten Asphalt innerhalb des einen Raumes. Auch ihnen wurden keine Decken geliefert. Wir gaben ihnen die unserigen, die den Ärmsten unter ihnen doch noch etwas Behaglichkeit in der Nacht gaben. Ärztliche Hilfe gab es nicht. Der österreichische Zivilarzt war ja mit seinen Leidensgenossen bereits nach Korsika verschleppt worden. Als nun nach Ansicht des Fortkommandanten genügend Gefangene in dem fast überfüllten Räume beisammen geschleppt waren, da hieß es plötzlich: weiter. Wir wurden nun sämtlich durch einen kleinen Dampfer auf einen im Außenhafen verankerten großen Schwimmponton gebracht.“

Über den zweiten Teil der Gefangenschaft in Marseille auf einem Ponton im Hafen, berichte ich im nächsten Blogartikel.

Alle Zitate aus: Hamburger Nachrichten, 16. Dezember 1914, S. 3
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/Hamburger Nachrichten/1914/12/16

Forrt Nicolas, Château d'If

Blick über das Fort Saint-Nicolas zu den Frioul-Inseln, Postkarte, gelaufen 1942, Quelle: https://www.geneanet.org/cartes-postales/view/5042815#0

 

Hafen Marseille

Le blog du vapeur Furth, 1907-1933

Résumé du blog en langue française

Anm.: Heute eine kurze Zusammenfassung des Blog-Inhalts in Französisch. Ich bin noch auf der Suche nach einigen Informationen in Frankreich und Belgien, bei denen mir eventuell französischsprachige Quellen/Leser weiterhelfen können. Nächste Woche geht es dann wieder wie gewohnt in Deutsch weiter.

Ce blog

Ce blog documente l’histoire d’un navire à vapeur allemand, qui a reçu le nom de ma ville d’origine Fürth (en Baviere) et c’est pourquoi ce blog existe (par ailleurs, la ville de Fürth est jumelée avec Limoges).

J’ai fait cette introduction en français, parce que les traces de ce bateau et de ses hommes ont touchés plusieurs fois les ports de la France et de la Belgique, en espérant de recevoir quelques informations concernant cette partie de l’histoire du navire par des Internautes.

Anvers, Marseille et Le Havre

A partir de 1907, ce navire marchand était en service de ligne entre Hambourg et l’Australie pour une compagnie de navigation à Hambourg (société des navires à vapeurs germano-australienne, DADG). Pendant ces voyages le « Fürth » a fait escale à l’aller à l’Anvers pour charger de la marchandise supplémentaire pour l’Australie. Par contre, au retour de l’Australie et de l’Asie du Sud-est, Marseille était en général le premier port d’ancrage en Europe après le passage au canal de Suez et avant le retour à Hambourg (des passages au Havre étaient plus rares).

Le « Fürth » a déchargé à Marseille et au Havre par exemple du coprah, des peaux, des ores, de la viande, des noix d’ivoire, etc. Une question, pour laquelle je n’ai pas encore des réponses : A Marseille sont arrivés des peaux bovins d’Australie en grande quantité : Qu’est ce qu’on a produit de ces peaux et où ? Même question pour la laine.

Anwerp, port, stereophoto

Photo stéréoscopique du port d’Anvers, 1905; © Stadsarchief Antwerpen, http://www.felixarchief.be, Ref. GP#8722

Le « Kerman »

Capturé par les Britanniques en août 1914 aux alentours de Ceylan, le « Fürth » a subi le destin d’une prise maritime et a été vendu aux enchères par la Couronne britannique à l’»Anglo Persian Oil Company » (actuellement connu sous le nom BP, British Petroleum), pour laquelle elle était en service à partir de 1915 au nouveau nom « Kerman ». Pour Septembre 1916 des arrivées à Paulliac et à Bordeaux sont documentés en livrant du sucre de New Orleans (Etats-Unis).

Le « Sultania »

Le navire « Kerman », « ex-Fürth » a été vendu de nouveau en 1920 à une société en Inde britannique et rebaptisé « Sultania ». Un dernier changement de propriétaire suit en 1930 avant d’être mise à la ferraille en 1933.

Merci de vos contributions

Donc, j’espère de trouver plus d’incidences sur la vie du navire « Fürth » grâces à des Internautes dans le monde entier pour compléter son histoire peu à peu… Pas tous est encore en ligne, le blog a débuté en mars 2018 et sera complété par la suite en ordre chronologique.

L’equipage du « Fürth »

Emprisonnement à Marseille

L’histoire du « Fürth » est aussi l’histoire de son équipage. En 1914, après le déclenchement de la Grande Guerre, les traces nous mènent de nouveau à Marseille. Le capitaine du «Fürth » (capitaine W. Richter) et son troisième officier qui étaient du retour du Colombo sur le navire néerlandais « Konigin Emma » ont été arrêtés par l’aviso-torpilleur français « Casabianca » (classe d’Iberville). Ensuite les deux marins ont été emprisonnés au Fort Saint Nicolas (19 octobre 1914) et après sur un ponton dans le port de Marseille jusqu’au 25 novembre 1914, le jour ils pouvaient passer la frontière italienne à Vintimille pour joindre Gênes. Pour l’instant les traces de beaucoup d’autres membres de l’équipage se perdent au Ceylan…

Hafen Marseille

Carte postale stéréoscopique du port de Marseille, autour de 1900; collection privée

Pour toutes informations pour compléter l’histoire du « Fürth » à l’avance un grand merci !

Ce blog et 100 % privé réalisé comme loisir sans aucun intérêt commercial. Il est fait avec beaucoup de soin, mais des erreurs ne sont pas exclues. Il cherche de documenter les plus d’informations possibles, mais il ne serait jamais complet.

La plupart des informations est en allemand/anglais (par nature des routes du bateau), n’hésitez pas de me contacter si vous auriez besoin de quelques traductions, il serait un plaisir d’entrer en contact avec d’autres amateurs de l’héritage du passé !