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Hot Springs North Carolina, Bridge over Fench Broad River, Flooding Winter 1917/1918

Hochwasser in Hot Springs 1917/18 – Auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Titelbild: Hochwasser des French Broad River in Hot Springs (North Carolina), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

In amerikanischer Gefangenschaft

Während seiner Internierung im Lager Hot Springs in North Carolina fertigte der Schiffsoffizier Julius Hagenah zahlreiche Aufnahmen an. Dieser Artikel setzt die fotografische Dokumentation seiner Gefangenschaft fort – diesmal mit Bildern eines Hochwasser-Ereignisses im Winterhalbjahr 1917/1918. Die Links zu weiteren Aufnahmen Julius Hagenahs, die ich hier im Blog zeigen konnte, finden Sie am Ende dieses Beitrages.

Regelmäßige Hochwasser

Der kleine Ort Hot Springs in North Carolina wird häufig von Überschwemmungen heimgesucht. Der French Broad River, an dem Hot Springs liegt, ist bekannt für seine zerstörerischen Hochwasserereignisse. Vor dem Bezug des Internierungslagers hatte im Jahr 1916 eine Jahrhundertflut den Nordwesten Carolinas heimgesucht.

Die Naturkatastrophe hatte am 6. Juli 1916 begonnen, als es sechs Tage lang ununterbrochen regnete. Der Boden war komplett mit Wasser gesättigt, als kurze Zeit später, am 14. Juli 1916, ein Hurricane auf North Carolina traf und es in einigen Gegenden in 24 Stunden zwischen 38 und 56 Zentimeter Wassersäule regnete.

Etwa 80 Menschen wurden Opfer der Fluten und der auf heutige Verhältnisse projizierte Schaden wird auf 480 Millionen Dollar geschätzt.

Hurricane Helen

Eine andere Jahrhundertflut ereignete sich in diesem Jahrhundert. Im September 2024 zerstörte der Hurricane Helen große Teile der Region North West North Carolina. Der Fluss French Broad River, der im September normalerweise einen Durchfluss von 2.000 Kubikfuß pro Sekunde hat, soll auf einen Durchfluss von in der Spitze unglaublichen 111.000 Kubikfuß pro Sekunde angeschwollen sein. Siehe: https://www.frenchbroadrafting.com/about/heartbreak-and-hurricane-helene

Hochwasser im Winter 1917/1918

Das Hochwasserereignis von 1917/1918, dass der Schiffoffizier Julius Hagenah dokumentiert hat, scheint ein recht „normales“ Hochwasser gewesen zu sein. Zumindest habe ich keine Quellen dazu finden können und auch eine Nachfrage vor Ort brachte zu diesem Hochwasser keine Informationen.

Das soll aber nichts von der Dramatik der Bilder nehmen, die eindrucksvoll die veränderte Landschaft am Fluss zeigen. Nachdem den Laubbäumen die Blätter fehlen, können wir das Ereignis auf Winter/Frühjahr 1917/1918 datieren. Nur in diesem Winter bestand das Camp. Es wurde bereits im Sommer 1918 wieder geräumt.

Die Fotodokumente des Julius Hagenah

Das Titelbild dieses Beitrags zeigt die Brücke über den French Broad River in deren Verlängerung die Bridge Street das Lager in zwei Hälften teilte. Zur Veranschaulichung dazu nochmal diese Panorama-Aufnahme Hagenahs.

Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Ausschnitt des Lagerbereichs mit Barracken und dem Hotelkomplex (rechts oben) in Hot Springs, Bildvergrößerung aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf der folgenden Aufnahme ist der French Broad River am Lager über die Ufer getreten. Nachdem das Bild von der gegenüberliegenden Flussseite aufgenommen wurde, konnte der Fotograf dazu das Lager verlassen. Vielleicht hat ihn eine Wache begleitet.

Rechts im Hintergrund das Mountain Park Hotel und eine Lagerbaracke. Davor hängt Wäsche zum Trocknen auf zwischen Bäumen gespannten Leinen. Eine kleine Hütte im unteren Lagerbereich ist nicht mehr trockenen Fußes zu erreichen. Ganz im Hintergrund sehen wir die Brücke über den Fluss.

Hot Springs North Carolina, Flooding Winter 1917/1918
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf dem folgenden Foto ist die kleine Hütte bereits zur Hälfte im Wasser versunken. Rechts angeschnitten erkennen wir den verglasten Eingangsbereich des Badehauses des ehemaligen Hotels.

Hot Sprins North Carolina, Flooding Winter 1917/1918
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Jetzt steht das Badehaus komplett im Wasser und im Hintergrund ist ebenfalls „Land unter“ im „Deutschen Dorf“ des Lagers (siehe dazu ausführlich den Artikel Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah).

Hot Springs North Carolina, Winter 1917/1918, flooding
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf der nächsten Aufnahme sehen wir zahlreiche Schaulustige, die sich das Hochwasser aus der Nähe betrachten. Es ist eine bunte Mischung aus Herren in Seemannsuniform und Männern in Zivil.

In der linken Bildmitte sehen wir einen großen, flachen und fensterlosen Schuppen, den wir auf den Bildern vom „deutschen Dorf“ bislang nicht erkennen konnten. Vielleicht ein Lagerplatz für Baumaterial und Werkzeuge.

German sailors in the German Village, Hot Springs, Winter 1917/1918, flooding
Schaulustige im Lagerdorf besehen sich das Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auch im Lagerdorf stieg das Wasser weiter an und erreichte bedrohliche Ausmaße. Die Kirche hatte die Seeleute offenbar auf einer kleinen Erhebung gebaut, so wie dies auch in vielen „echten“ Dörfern gemacht worden war.

German Village in Hot Springs, high water in winter 1917/1918
Land unter im Lagerdorf, Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Das Rätsel der Brücke

Auf einem Foto von Adolph Thierbach, der ebenfalls Aufnahmen in Hot Springs machte, ist eine zerstörte Brücke über den French Broad River zu sehen, an der Männer an einem Wiederaufbau arbeiten. Nach der Bauart der Stützpfeiler und der Bebauung im Hintergrund, dürfte es sich um die gleiche Stelle am Fluss handeln, die auf der Titelabbildung dieses Blogbeitrages zu sehen ist.

Die Aufnahme Thierbach ist allerdings nicht zeitgleich zu den Aufnahmen Hagenahs: die Vegetation zeigt dichte Belaubung.

Wahrscheinlich ist, dass die Aufnahme Thierbachs vorher entstanden ist und die Fotografien Hagenahs eine neue Brücke zeigen, die von den Deutschen oder mit Hilfe der Deutschen errichtet wurde. Eine Rückfrage beim Touristenoffice in Hot Springs konnte den Sachverhalt jedoch nicht endgültig klären.

Weitere Bilder des Hochwassers oder dessen Folgen hat Thierbach nicht gemacht bzw. sind nicht überliefert.

Die zerstörte Brücke ist hier zu sehen: https://www.ibiblio.org/ww1gd/Bridge_Wrecked_G0026.html

So sind Hagenahs Aufnahmen die einzigen Zeitzeugen vom Hochwasser 1917/1918 im Camp von Hot Springs.

Im nächsten und letzten Beitrag über das Lager Hot Springs sehen wir uns an, wie die Baracken gebaut wurden, in denen die Mannschaften untergebracht waren. Sie hatten definitiv nicht den Komfort des ehemaligen Hotels, das den Offizieren vorbehalten war.

Bleiben sie dran!

Weitere Artikel über das Lager Hot Springs finden Sie hier:

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Einen einführenden Artikel über das amerikanische Internierungslager Hot Springs finden Sie hier:

Angelpartie in Hot Springs

Hot Springs internment camp 1917
Angelpartie, Hot Springs, North Carolina, Aufnahme vermutlich aus dem (Spät-)Sommer 1917, Press Illus. Service über commons.wikimedia.org
Originaltext: A beautiful river forms the western boundary of the camp affording the German fishermen to try their luck.
runners at the starting line, camp Hot Springs, North Carolina 1917/1918

Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Titelbild: Läufer am Start, Sportfest in Hot Springs, NC; Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Der Beitrag setzt die Serie von Artikeln, die das Leben im Internierungslager Hot Springs, North Carolina, auf den Aufnahmen des Schiffsoffiziers Juluis Hagenah dokumentieren, fort.

Zur Erinnerung: Nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg waren im Frühjahr 1917 die deutschen Seeleute von in amerikanischen Häfen liegenden deutschen Schiffen geholt und interniert worden. Die Seeleute der deutschen Handelsmarine in Hot Springs, North Carolina.

Die Links zu den vorangegangenen Berichten aus Hot Springs finden sie am Ende dieses Beitrages.

Sport und Sportfeste

Für Männer, die regelmäßige und zum Teil schwere Arbeit gewohnt waren, war die erzwungene Untätigkeit des Lageralltags eine Strafe. Die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit stand daher für viele Seeleute im Mittelpunkt des Lagerlebens.

Auf der folgenden Abbildung sehen wir eine Männergruppe, die an einem improvisierten Reck trainieren.

gymnast at the high bar, Hot Springs, North Carolina, Internment Camp 1917/1918
Turnübungen am Reck, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Die sportliche Betätigung gipfelte in Sportfesten, die neben den Beteiligten auch eine große Zuschauerschar anzogen.

sports festival, Hot Springs internment camp, 1917/1918
Sportfest mit vielen Zuschauern und Hund, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Theater und Kabarett

Komödien und Schwänke standen bei den Theateraufführungen im Vordergrund. Sehr beliebt, und das nicht nur in Hot Springs, sondern auch in allen anderen Internierungslagern während des Ersten Weltkrieges über die ich hier berichtet hatte, waren die Stücke von Gustav Kadelburg.

Auf dem folgenden Foto sehen wir eine Szene aus seinem Schwank in einem Akt „In Civil“.

Am bekanntesten von Kadelburg ist sein mit Oscar Blumenthal verfasstes Lustspiel „Im weißen Rössl“ aus dem Jahr 1898. Das liegt sicher auch daran, dass das Stück später als Vorlage für ein Singspiel (1930) diente und mehrfach verfilmt wurde.

theater in Hot Springs, North Carolina 1917/1918
„In Civil“, Theater im Lager Hot Springs, NC; Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Neben Theaterstücken erfreuten sich Kabarettabende großer Beliebtheit. Im folgenden Foto mit „Timur Dar und seiner Truppe“, die die Zuschauer für eine kurze Zeit in die Welt des Orients entführten.

Cabaret in Hot Springs, North Carolina, 1917/1918
Kabarett im Lager Hot Springs, NC; Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

An Silvester 1917/1918 hatten die Seeleute Spaß mit einer bayerischen Trachtengruppe:

cabaret in Hot Springs, North Carolina, New Year's Eve 1917/1918
Silvester 1917/1918, Kabarettabend im Lager Hot Springs, NC; Foto aus dem Album von Julius Hagenah; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Nicht im Bild festgehalten hat Julius Hagenah die Konzerte im Lager: Neben den vielen Seeleuten war nämlich auch das komplette kaiserliche Orchester des dritten Seebataillon aus dem chinesischen Protektorat Tsingtao im Jahr 1918 in Hot Springs angekommen. Ihre Konzerte brachten den Gefangenen einige Abwechslung, waren aber auch bei der einheimischen Bevölkerung äußerst beliebt (die den Konzerten von der Plattform des Bahnhofs außerhalb des Lagers zuhören und zusehen konnten). In dem kleinen Ort, der aus nicht einmal 500 Einwohnern bestand, dürfte es sonst nur wenig kulturelle Angebote gegeben haben.

Mündlich ist von Julius Hagenah überliefert, dass im Lager auch Vorträge über Musik gehalten wurden. Der Orchesterleiter des Seebataillons könnte diese organisiert haben.

Ebenfalls hat Hagenah mitgeteilt, dass Unterricht in Seefahrtskunde im Camp stattfand. Nachdem die USA in ihren Häfen 94 deutsche Dampfschiffe beschlagnahmt hatten (Quelle: The New York Herald, 7.4.1917) bestand an Lehrern wahrlich kein Mangel. Nach Aussage Hagenahs haben ihm die Stunden im Lager später bei seiner Ausbildung und Prüfung in Hamburg sehr geholfen.

Swimmingpool und Speiseeis

Zwei Überraschungen liefern uns die beiden folgenden Bilddokumente.

Das erste zeigt uns einen Mann neben einem ausgehobenen Becken. Wie die Männer ein solch großes Becken bauen konnten und welche Hilfsmittel ihnen dabei zur Verfügung standen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

Der Pool könnte natürlich auch schon zu Hotelzeiten bestanden haben, auch wenn die Beschreibung des Mountain Park Hotels ihn nicht ausdrücklich nennt und später von den Seeleuten reaktiviert worden sein. Auf jeden Fall eine beachtliche Leistung.

Das es sich bei dem hier leeren Becken wirklich um ein Schwimmbad handelte, beweist eine Aufnahme von Adolph Thierbach, auf der drei Männer im Becken schwimmen und ein vierter auf einem Sprungbrett steht. Umgeben sind die vier von etwa zwanzig Schaulustigen. Hier der Link: https://www.ibiblio.org/ww1gd/Swimming_Pool_G0012.html

swimming pool, Hot Springs North Carolina, internment camp, 1917/1918
Schwimmbad im Lager Hot Springs, NC; Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Das zweite Foto zeigt uns eine Schlange von sommerlich gekleideten Männern vermutlich vor der Lagerkantine.

ice cream at the camp canteen, Hot Springs 1917 or 1918
Eisverkauf in der Kantine, Lager Hot Springs, NC; Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Dass es sich nicht um eine normale Essensausgabe handelt, sehen wir in einer Bildvergrößerung: Der erste Mann in der Schlange hat eindeutig eine Waffel mit einer Kugel Eis in der Hand. Die verantwortlichen Schiffsköche dürften sich mit dieser Aktion viele Freunde gemacht haben.

ice cream in the camp canteen, Hot Springs, North Carolina, 1917 or 1918
Eisverkauf in der Kantine, Ausschnitt, Lager Hot Springs, NC; Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Hochwasser in Hot Springs

im folgenden Beitrag mit Bildern aus dem Album von Julius Hagenah sehen wir das Lager bei Hochwasser. Weite Teile des Internierungslagers stehen unter Wasser.

Hagenah hat dieses Ereignis in einer Serie von sechs Aufnahmen festgehalten. Bleiben Sie dran und seinen Sie bei den ersten, die diese unveröffentlichten Aufnahmen zu Gesicht bekommen!

Links

Hier die Links zu den vorangegangenen Artikel über den Schiffsoffizier Julius Hagenah:

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Einen einführenden Artikel über das amerikanische Internierungslager Hot Springs finden Sie hier:

Angelpartie in Hot Springs