Beitragsbild: Die Offiziere der „Harburg“ am 25. Juni 1914 in Savannah, Georgia. Julius Hagenah, der dritte Decksoffizier, ist in der hinteren Reihe in der Mitte, rechts hinter Kapitän Bettaque (vorne in der Mitte)
Steuermann auf der „Harburg“ und Gefangener in Hot Springs, North Carolina
Die schönste Anerkennung für mich als Verfasser dieses Geschichtsblogs über das Dampfschiff „Fürth“, über die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG) und die Internierung deutscher Seeleute während des Ersten Weltkrieges ist es, wenn mir Blogleser persönliche Dokumente anvertrauen und mir erlauben, sie hier im Blog zu veröffentlichen.
In diesem Fall handelt es sich um ein ganzes Fotoalbum mit rund neunzig (!) Aufnahmen, sowie zusätzlichen Dokumenten des Schiffsoffiziers Julius Hagenah, der auf dem Frachtdampfer „Harburg“ seinen Dienst tat, bevor er den Ersten Weltkrieg zuerst als Gestrandeter und später als Gefangener in den Vereinigten Staaten von Amerika verbringen musste.
Doch der Reihe nach.
Die frühen Jahre
Julius Hagenah wurde am 13. Juni 1890 in Kollmar an der Elbe (Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein) geboren.
Nach seiner Schulzeit, die 1906 endete, durchlief er eine klassische Ausbildung auf See als Junge, Leichtmatrose und Matrose. Am 30. Januar 1912 bestand er seine Prüfung als Steuermann und erhielt auch eine Stellung als solcher, bevor er im Oktober des gleichen Jahres in den einjährigen Wehrdienst eintrat.
Am 1. Dezember 1913 schließlich heuerte Hagenah bei der DADG an und wurde vierter Steuermann auf dem Frachtdampfer „Harburg“. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt eines der älteren Dampfer der DADG. Es gehörte zur sogenannten Meißen-Klasse, die sich durch einen doppelten Schornstein von allen anderen Schiffen der Reederei unterschied. Die Schiffe dieser Kleinserie von sieben Frachtern waren bewährt und so sollten noch fünf der sieben „Zweischornsteiner“ bis zum Ersten Weltkrieg bei der DADG in Fahrt sein.
Hagenahs erste Reise auf der „Harburg“ unter Kapitän Stahl dauerte bis zum 28. Mai 1914, insgesamt 4 Monate und 28 Tage. Seine Heuer betrug 110 Mark monatlich.
Hier die Seite der Anmusterung aus Hagenahs Seefahrtsbuch und darunter diejenige der Abmusterung:


Hagenah sollte dem Schiff treu bleiben und wurde jetzt zum dritten Steuermann unter dem neuen Kapitän Bettaque befördert. Seine Heuer stieg leicht auf jetzt 120 Mark.
Viel Zeit in der Heimat blieb Hagenah nicht, denn er musste bereits am 3. Juni seinen Dienst antreten. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, dass es über fünf Jahre dauern sollte, bis er wieder nach Hamburg zurückkehren konnte.

Gestrandet und interniert in den USA
Am 4. Juni 1914 verließ die „Harburg“ in der Nacht um 2.45 Uhr den Hamburger Hafen. In der Zeitungsmeldung wird noch Kapitän Stahl genannt. Es dauerte oft einige Zeit, bis die Kapitänswechsel in den Redaktionen der Hamburger Zeitungen bekannt wurden. Als Reiseziel war Australien angegeben, jedoch sollte die Fahrt der „Harburg“ zunächst in die Vereinigten Staaten gehen und erst von dort um das Kap der Guten Hoffnung in Richtung Niederländisch-Indien und Australien.

Eine auf den 25. Juni 1914 datierte Aufnahme eines Fotografen zeigt die Offiziere der „Harburg“ in Savannah, Georgia (siehe Titelabbildung dieses Blogartikels). Das Schiff dürfte diesen für die DADG durchaus ungewöhnlichen Hafen mit einer Zwischenfracht angelaufen sein, bevor es am 17. Juli 1914 in New York eintraf, um für Java zu laden (Quelle: Harms, 1933). Grundlage für die Linie New York – Java war ein Vertrag mit der Standard Oil Co. über die Lieferung von Petroleum nach Java. Siehe: Im Auftrag Rockefellers.
Der erste Weltkrieg bricht aus
Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges Ende Juli/Anfang August 1914 waren alle deutschen Schiffe in den USA gezwungen, dort zu verbleiben, um nicht im Atlantik von den Alliierten aufgebracht zu werden.

Laut einem Dokument des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg vom 16. Mai 1955 über die „Festsetzung des Diäten- u. des Besoldungsdienstalters für den Hafenlotsen Julius Hagenah“ war Hagenah bis zum 6. April 1917 Offizier auf der „Harburg“. An diesem Tag begann auch seine Internierung in den USA, die bis zum 15. Juli 1919 dauern sollte.
Zunächst wurde Hagenah in das Internierungslager Hot Springs, North Carolina und später nach Fort Oglethorpe, Georgia gebracht.
Hagenah hat diese Zeit in zahlreichen, bisher unveröffentlichten Fotografien festgehalten. Diese spannenden Zeitdokumente kann ich Ihnen in den nächsten Blogbeiträgen präsentieren.
Über seine Zeit bei der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft ist Hagenahs Zeugnis erhalten. Die DADG hatte nach dem Krieg mit der Dampfschifffahrtsgesellschaft Kosmos fusioniert. Mehr dazu hier: Schiffsregister: Löschung des Dampfschiffes „Fürth“

Rückkehr nach Deutschland und Arbeit als Hafenlotse
Viele Seeleute hatten nach dem Ersten Weltkrieg Schwierigkeiten wieder eine Anstellung zu bekommen, schließlich war Deutschland gezwungen, seine Flotte als Reparationszahlung an die Alliierten abzugeben. Hagenah konnte bereits ab August 1920 wieder als Offizier arbeiten und erwarb am 5. Februar 1921 das Befähigungszeugnis zum Schiffer auf großer Fahrt. Er arbeitete in der Folge als Kapitän und erster Offizier auf verschiedenen Schiffen, bevor er am 28. November 1929 als Hilfslotse auf Probe in die Dienste der Hansestadt Hamburg eintrat.
Die Lotsentätigkeit in Hamburg sollte er viele Jahre begleiten. Ein Kuriosum: Bei seiner Pensionierung im Jahr 1955 stellte man fest, dass man über all die Jahre vergessen hatte, ihn zu befördern und so wurde Hagenah erst am Ende seiner Berufslaufbahn offiziell vom Hilfslotsen zum Hafenlotsen.
Hermann Julius Hagenah war verheiratet und hatte zwei Söhne, er starb am 19. November 1976 im Alter von 86 Jahren in Hamburg.
Demnächst im Blog:
Julius Hagenah wurde nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im April 1917 zunächst auf Ellis Island (New York) und anschließend in Hot Springs (North Carolina) interniert.
Er hat dies in bisher unveröffentlichten Aufnahmen fotografisch festgehalten. Einmalige Zeitdokumente hier im Blog! Bleiben Sie dran!
