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Fort Oglethorpe, Orgelsdorf, interment camp, entrance gate, 1919

Abrupter Szenenwechsel – Das Lager Fort Oglethorpe („Orgelsdorf“)

Titelbild: Gefangenenbaracken und Haupttor zum Lager Fort Oglethorpe, Georgia. Das Gelände ist mit einem doppelten Stacheldrahtzaum von etwa 3 Metern Höhe umgeben; Fotograf: Sgt. McGarrigle, United States Army Signal Corps, Aufnahmedatum: 3. Mai 1919; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fort_Oglethorpe_POW_camp_entrance.jpg

Das Ende des Krieges ist nicht das Ende der Gefangenschaft

Julius Hagenah war seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges in den Vereinigten Staaten: Zunächst von August 1914 bis April 1917 auf seinem Schiff, der „Harburg“ der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG), welches die USA nicht mehr verlassen konnte. Dann im Lager Hot Springs (Juni 1917 bis August 1918) und ab August 1918 bis Juli 1919 in Fort Oglethorpe.

Seinen Aufenthalt in Hot Springs hat Hagenah in zahlreichen Fotografien festgehalten und dokumentiert. Siehe dazu die vergangenen Blogbeiträge:

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Hochwasser in Hot Springs 1917/18 – Auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

In Fort Oglethorpe konnte er dies nicht mehr tun. Wahrscheinlich hatte man ihm seine Kamera abgenommen. Für die Rekonstruktion seiner Gefangenschaft in Fort Oglethorpe greife ich auf andere Text- und Bildquellen zurück.

Die Auflösung des Lagers in Hot Springs (Nord Carolina)

Im Frühjahr 1918 entschied die amerikanische Regierung, alle Zivilgefangenen dem Verteidigungsministerium zu unterstellen. Für das Lager Hot Springs, das vom Arbeitsministerium geleitet worden war, bedeutete dies die Auflösung noch vor Kriegsende.

Alle Gefangenen sollten dann im Sommer 1918 nach Fort Oglethorpe (Georgia) gebracht werden. Den Internierten war klar, dass sie dort nicht die angenehmen Rahmenbedingungen vorfinden würden, wie in Hot Springs.

Ein Typhusausbruch verzögerte die Verlagerung und so dauerte es bis zum 31. August 1918, als alle deutschen Seeleute mit Ausnahme der Erkrankten nach Fort Oglethorpe gebracht worden waren. Insgesamt waren in Hot Springs 26 Todesfälle durch Typhus zu beklagen, 13 weitere Gefangene starben an anderen Ursachen.

German sailors 1917 transported from philadelphia to Fort Oglethorpe
Seeleute der Kaiserlichen Marine auf dem Weg von Philadelphia in die Lager Fort McPherson und Fort Oglethorpe, Ga.; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Enemy_Activities_-_Miscellaneous_-_German_sailors_off_for_detention_camp._Germain_sailors_from_interned_ships_at_Philadelphia_en_route_for_detention_camps_at_Fort_Oglethorpe_and_Fort_McPherson,_Georgia_-_NARA_-_31479799.jpg

Die Seeleute der Kaiserlichen Marine

Im Gegensatz zu den deutschen Seeleuten der Handelsmarine, die den Status von Zivilgefangenen (Enemy Aliens) hatten, waren die deutschen Seeleute der Kaiserlichen Marine Kriegsgefangene (POW, Prisoners of War). Sie waren nach Kriegseintritt der USA direkt in die beiden Militärlager Fort McPherson und Fort Oglethorpe gebracht worden, beide im Bundesstaat Georgia. Fort McPherson liegt am Stadtrand von Atlanta, Fort Oglethorpe 110 Meilen nordwestlich davon.

In Fort McPherson wurden bis zu 1400 Personen festgehalten, in Fort Oglethorpe etwa 4000. Zwei untenstehende Bilder zeigen die Verlagerung von Zivilgefangenen von Fort McPherson nach Fort Oglethorpe.

baggage of German sailors transported to Fort Oglethorpe 1917
Das Gepäck der Seeleute der Kaiserlichen Marine auf dem Weg von Philadelphia in die Lager Fort McPherson und Fort Oglethorpe, Ga.; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Enemy_Activities_-_Miscellaneous_-_Preparing_to_move_interned_German_sailors_from_Philadelphia_to_Georgia_-_NARA_-_31480196.jpg

700 internierte Seeleute der Kaiserlichen Marine wurden am 26. März 1917 von den beschlagnahmten Schiffen nach Fort McPherson und Fort Oglethorpe gebracht. Bei den Schiffen handelte es sich um SMS-Prinz Eitel Friedrich und SMS-Kronprinz Wilhelm. Beide ehemaligen Passagierdampfer waren zu Hilfskreuzern umgerüstet worden und wurden 1915 in den USA interniert und 1917 beschlagnahmt. Zu den Kriegsgefangenen gehörte auch die deutsche Prisenmannschaft des englischen Transatlatikliners „Appam“.

German civilian internees 1917, Fort McPherson, Georgia
Deutsche Zivilgefangene verlassen das Lager Fort McPherson, Ga. auf dem Weg nach Fort Oglethorpe, Ga.; Fotograf unbekannt, Aufnahme undatiert (1917/1918); https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Enemy_Activities_-_Internment_Camps_-_Fort_McPherson,_Georgia_-_War_prison_barracks_number_1,_Fort_McPherson,_Georgia._Civilian_prisoners_leaving_for_Fort_Oglethorpe_-_NARA_-_31479619.jpg

German internees leaving Fort McPherson for Fort Oglethorpe 1917/1918
Deutsche Zivilgefangene verlassen das Lager Fort McPherson, Ga. auf dem Weg nach Fort Oglethorpe, Ga.; Fotograf unbekannt, Aufnahme undatiert (1917/1918); https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Enemy_Activities_-_Internment_Camps_-_Fort_McPherson,_Georgia_-_Civilian_prisoners_leaving_for_Fort_Oglethorpe_-_NARA_-_31479573.jpg

Das Lager Fort Oglethorpe („Orgelsdorf“)

Das Lager Fort Oglethorpe lag 110 Meilen nordwestlich von Atlanta in Georgia in unmittelbarer Nähe zur Grenze nach Tennesse und südlich der Stadt Chattanooga. Die Seeleute gaben dem Lager schnell den Spitznamen „Orgelsdorf“.

Das große baumlose leicht wellige Areal von etwa einer Quadratmeile war von einem doppelreihigen, etwa drei Meter hohem Stacheldrahtzaun umgeben. Wachtürme um das Lager waren von Soldaten besetzt und verfügten über Maschinenpistolen, eine Telefonverbindung und Suchscheinwerfer, die die Lagergrenzen nachts regelmäßig absuchten.

Das Lager hatte drei Camps (A, B und C), die jeweils durch Stacheldraht zu den anderen Lagerteilen getrennt waren. Zwischen Lager A und B gab es tagsüber Durchgänge, die ab 17.30 Uhr geschlossen wurden.

Camp A erhielt den Spitznamen „Millionaires‘ Camp“, da die Gefangenen zahlreiche Privilegien genossen. Etwa 90 internierte zahlten hier für ihren Aufenthalt, sei es durch eigene Mittel oder durch Unterstützung von außen. Das sicherte ihnen bessere Verpflegung, komfortablere Unterkünfte und befreite sie von Arbeitseinsätzen. Sie konnten sogar andere Gefangene für sich arbeiten lassen.

In Camp B, dem größten Lagerteil, war die Tagesroutine streng geregelt. Weckruf um 5:30 Uhr, 6.30 Uhr Appell und anschließend Frühstück. Arbeit und Mahlzeiten zu festlegten Zeiten, Nachtruhe (Licht aus!) um 22 Uhr. Unterbringung in Baracken zu je 100 Männern.

Camp C schließlich war das Lagergefängnis für Störenfriede, Gefangene, die als politisch radikal eingestuft waren oder die Arbeit verweigerten. Hier sollen sich etwa 10 Prozent der Internierten bei halben Rationen befunden haben, teilweise auch in Einzelhaft.

Prominente Gefangene

Die in Fort Oglethorpe internierten Deutschen (und Männer aus Österreich-Ungarn) waren sehr heterogen zusammengesetzt: zu der großen Gruppe der Seeleute der deutschen Handelsmarine sowie der Kaiserlichen Marine kamen in Amerika lebende Deutsche. Eine Verdächtigung oder Denunziation reichte aus, um in den Fokus amerikanischer Behörden zu kommen. Sabotage, Spionage oder Äußerungen nationalistischer Natur oder gegen das Gastgeberland waren Grund, um nicht mehr als freier Mensch in den USA leben zu können. Wissenschaftler oder Ingenieure wurden wegen ihres Wissens aus dem Verkehr gezogen, damit sie ihre Kenntnisse nicht dem Feind andienen konnten. Bei Geschäftsleuten konnte eine Denunziation einen unliebsamen Konkurrenten deutscher Herkunft ausschalten. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Prominente Gefangene in Fort Oglethorpe waren zum Beispiel die Dirigenten Dr. Karl Muck (Leiter des Boston Symphony Orchestra) und Dr. Ernst Kunwald (Leiter des Cincinnati Symphony Orchestra), der Schriftsteller, Journalist sowie Kunst- und Literaturkritiker Graf von Montgelas, der Biologe und Genetiker Professor Richard Goldschmidt und der Physiker und Funkpionier Jonathan Zenneck.

Oglethorpe University

Die Eintönigkeit des Lagerlebens und die hohe Dichte der Belegung waren für viele Gefangene eine große Belastung. Dieser psychische Stress konnte zum „Barbed Wire Desease“ führen, die erstmals 1919 von dem Schweizer Arzt Adolf Lukas Vischer als „Stacheldraht-Krankheit“ beschrieben wurde.

Gegen die Langeweile organisierten die Insassen zahlreiche Aktivitäten: Sport, Gärtnern, Schreiben, Malen, Schnitzen, Theater usw.

Großer Beliebtheit erfreute sich die „Oglethorpe University“, eine Art lagerinterne Volkshochschule, mit Kursen zu Fremdsprachen, Wirtschaft, Geschichte, Kunst sowie Ingenieur- und Naturwissenschaften. Insgesamt gab es 700 Einschreibungen für 36 Kurse. Die Biologiekurse von Professor Goldschmidt sollen 400 Interessierte gefunden haben.

Der „Orgelsdorfer Eulenspiegel“ und „Die Bombe“

Eine andere Aktivität war die Redaktion zweier Gefangenenzeitungen. Der in Camp A von Erich Posselt veröffentlichte Orgelsdorfer Eulenspiegel erhob literarischen und künstlerischen Anspruch, während „Die Bombe“ sich eher als kurzes und einfach gehaltenes Mitteilungsblatt präsentierte. Es entstand in Camp B.

Vom „Orgelsdorfer Eulenspiegel“ wurden zwischen Oktober 1918 und Mai 1919 zehn (zwölf?) Ausgaben mit je etwa dreißig Seiten gedruckt. „Die Bombe“ erschien zweiwöchentlich ab August 1918 und durfte auch nach dem Verbot des „Eulenspiegels“ durch die Lagerbehörden im Mai 1919 weiter produziert werden. Wie lange, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Selbstverständlich unterlagen beide Zeitungen einer strengen Zensur, bevor sie gedruckt und verteilt werden durften.

Die Extra-Ausgabe (Hot Springs-Nummer) von „Die Bombe“ zur Ankunft der Seeleute aus Hots Springs ist in Julius Hagenahs Fotoalbum erhalten. Sie datiert vom 31. August 1918.

Die Bombe, Fort Oglethorpe, August 1918
Gefangenenzeitung „Die Bombe“, Sonderausgabe vom 31. August 1918 anlässlich der Ankunft der Seeleute aus Hot Springs, Titelblatt; Quelle: Album von Julius Hagenah, in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Die eklatanten Unterschiede zwischen Hot Springs und Fort Oglethorpe illustrierte der Herausgeber mit einer satirischen Zeichnung. Sie zeigt zwei Gefangene aus beiden Lagern.

Wo ist der Diningroom? Die Bombe 1918, Zeichnung
Gefangenenzeitung „Die Bombe“, satirische Zeichnung in der Sonderausgabe vom 31. August 1918 anlässlich der Ankunft der Seeleute aus Hot Springs; Quelle: Album von Julius Hagenah, in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Der Neuankömmling aus Hot Springs wird bei dem Anblick des „Diningroom“ nicht begeistert gewesen sein.

Lagerkantine, Fort Oglethorpe, Camp B, 1919
Kantine des Gefangenenlagers Fort Oglethorpe, Camp B, Georgia; Fotograf: Sgt. McGarrigle, United States Army Signal Corps, Aufnahmedatum: 3. Mai 1919; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:War_prison_barracks_at_Fort_Oglethorpe,_Ga._Outside_view_of_the_large_mess_hall_of_the_Prison_camp_-_DPLA_-_0b413b56ccbedfc0f2ccffbbe1f405c0.jpg

Ein zweites Bild existiert vom Inneren und zeigt Gefangene beim Kaffee kochen.

Gefangene kochen Kaffee, Fort Oglethorpe, Lagerkantine 1919
Gefangene beim Kaffeekochen, Küche im Lager Fort Oglethorpe, Georgia; Fotograf: Sgt. McGarrigle, United States Army Signal Corps, Aufnahmedatum: 3. Mai 1919; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:War_prison_barracks_at_Fort_Oglethorpe,_Ga._Making_coffee_in_the_kitchen_-_DPLA_-_7228f1e9c8f3e07131ae65b8c72ff4a8.jpg

Schattenseiten

Mit den schwierigen Lagerbedingen kamen nicht alle Gefangen zurecht. Nicht verschwiegen werden soll, dass manche Lagerinsassen depressiv wurden oder den Lagerkoller bekamen. Die Zahl der Suizide und anderer Todesfälle ist nach meinem Kenntnisstand nicht überliefert. Etwa 50 starben durch einen Ausbruch der Spanischen Grippe.

Andere Insassen verfielen der Spiel- oder der Alkoholsucht. Illegales Schnapsbrennen gehörte in jedem Lager dazu und auf dem abschüssigen Gelände unter der Kantine hatten Gefangene in Fort Oglethorpe eine Art Spielkasino eingerichtet.

Den Nachruf auf einen trunksüchtigen Kameraden veröffentlichte „Die Bombe“ in der erwähnten Extra-Ausgabe:

Eine Grabinschrift.

Hier liegt der Levy-Nathan
Ein Huene von Gestalt
Es machte ihn sein Wesen
Beliebt bei Jung und Alt

Doch eines schoenen Tages
Fiel er in schlechte Haende,
Sank tiefer immer tiefer,
Rasch ging’s mit ihm zu Ende.

Er ward dem Trunk ergeben
Balance ging zum Teufel
„Es ist der Levy-Nathan
Versoffen ohne Zweifel.“

Anmerkung: Der Nachruf ist maschinengeschrieben. Umlaute gab es auf der Maschine nicht.

Krankenstation, Internierungslager Fort Oglethorpe, Georgia, 1919
Krankenstation im Lager Fort Oglethorpe, Georga; Fotograf: Sgt. McGarrigle, United States Army Signal Corps, Aufnahmedatum: 3. Mai 1919; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:War_prison_barracks_at_Fort_Oglethorpe,_Ga._Hospital_in_prison_barracks_-_DPLA_-_36be418232a45d9540c15c0264645db8.jpg

Ungewissheit

Eine schwierige Situation entstand nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918.

Der Krieg war vorbei, aber die Gefangenen wussten nicht, wie lange ihre Inhaftierung noch andauern würde. Diesen Zustand mussten deutsche Internierte in allen Erdteilen aushalten, da die Organisation des Rücktransportes Zeit in Anspruch nahm und schlicht die Schiffskapazitäten für die Rückführung nicht vorhanden waren.

Von den 4000 Inhaftierten konnten 3600 im Sommer 1919 Fort Oglethorpe verlassen, nachdem sie zustimmten, nach Deutschland bzw. Österreich-Ungarn ausgeschifft zu werden.

Etwa 400 Gefangene wollten in den USA bleiben und suchten schriftlich nach Fürsprechern. Nach und nach wurden sie auf Bewährung entlassen. Das Lager Fort Oglethorpe wurde offiziell im April 1920 geschlossen.

Max von Recklinghausen, Holzschnitt, Strasse im Lager Fort Oglethorpe, 1917-1919
Fort Oglethorpe, Holzschnitt aus der Lagerzeitung Orgelsdorfer Eulenspiegel von Max von Recklinghausen, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:24-01-010-print.jpg

Für interessierte Leser

Erich Posselt, der Herausgeber des Orgeldorfer Eulenspiegels, hat 1927 einen Artikel über seinen Aufenthalt im Lager Fort Oglethorpe in der Zeitschrift American Mercury veröffentlicht.

Erich Posselt, Prisoner of War No. 3598, in American Mercury, 1927, V. 11, S. 313-323; University of California, abgerufen über Hathitrust https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=uc1.32106019601175&seq=321 am 23.07.2026

Hot Springs (NC) Internment Camp, topping out ceremony, 1917/1918

Gefangen in Hot Springs, NC – Der Bau der Lagerbaracken

Aufnahmen des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Titelbild: Barackenbau in Hot Springs, NC, Richtfest (?), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung der Erlebnisse des Schiffsoffiziers Julius Hagenah, der den Ersten Weltkrieg zunächst im Hafen von New York und später in den Internierungslagern Hot Springs, NC und Fort Oglethorpe, GA verbringen musste.

Zum besseren Verständnis lesen Sie seine Geschichte von Beginn an:

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah
Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Unterbringung im Lager

Das Mountain Park Hotel in Hot Springs verfügte über 200 Zimmer. Selbst bei einer Belegung von drei Mann pro Zimmer sind das immer erst 600 Personen, die darin untergebracht werden konnten. Insgesamt sollte das Lager aber etwa 2.300 internierte Seeleute aufnehmen. Das bedeutete, dass zusätzliche Baracken auf dem Gelände erstellt werden mussten.

Wie in fast allen Lagern, die während des Ersten Weltkriegs Gefangene aufnahmen, mussten die Zelte oder Baracken von den Internierten selbst aufgebaut werden. Nur das Material wurde gestellt. Das war in Hot Springs nicht anders.

Der Schiffsoffizier Julius Hagenah hat den Barackenbau dokumentarisch festgehalten und eine Reihe an Bildern in seinem Album zeigen uns, wie die Baracken entstanden sind. Den Schiffszimmerleuten mit ihrem wertvollen Fachwissen dürfte beim Bau eine koordinierende Funktion zugekommen sein.

Mountain Park Hot Springs, Internment Camp, building of a living quarter, 1917/1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Erstellung der Bodenplatte, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Diese Baracke in unmittelbarer Nähe des Hot Springs Hotels entstand im Winter 1917/1918, dem einzigen Winter, den die Seeleute hier verbrachten. Zur Erinnerung: das Lager bestand von Juni 1917 bis August 1918.

Zahlreiche Gefangene sind mit dem Bau beschäftigt, andere, wie der Herr vorne in der Mitte, scheinen eine koordinierende Funktion zu haben. Die zum Bau notwendigen Holzplanken sind in der linken Bildhälfte vor dem Hotel gestapelt. Vor der überdachten Veranda des Hotels ist ein kleiner Schuppen zu erkennen, vielleicht die Bauhütte, in der Werkzeug und Material gelagert wurden.

Das nächste Foto zeigt den Baufortschritt der gleichen Baracke, was an dem markanten Baum, der direkt neben der Baracke steht, gut erkennbar ist. Von der Schneedecke, die auf dem Bild oben zu sehen war, sind nur noch Reste verblieben.

Die erste Seitenwand wurde in einem Stück gefertigt und dann mit vereinten Kräften aufgestellt.

Hot Springs Internment Camp, 1917/1918 construction of living quarters
Barackenbau in Hot Springs, NC, Aufstellen einer Seitenwand, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Kurz darauf muss das nächste Bild entstanden sein: Die Seitenwand steht und ist mit Stützbalken vorläufig fixiert. Auffällig ist, dass reichlich Personen zur Begutachtung des Baufortschritts eingetroffen sind.

the internees build their living quarters, Hot Springs, North Carolina, 1917 / 1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, eine Seitenwand ist errichtet, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Wahrscheinlich einige Tage später, es hatte zwischenzeitlich wieder leicht geschneit, wurde die zweite Seitenwand aufgestellt. Hinter der ersten Seitenwand ist mittlerweile ein einfaches Gerüst zu erkennen.

living quarter in the Mountain park internment camp, winter 1917 / 1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Aufstellen der zweiten Seitenwand, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf dem letzten Foto vom Bau, ist die Baracke bereits sehr weit fortgeschritten. Die Kopfwände stehen und auch der Dachstuhl ist errichtet. Im hinteren Teil der Baracke ist über den Arbeitern, die das Dach mit Holzplanken decken, ein Richtbaum zu erkennen.

roofing and finishing, living quarters, Hot Springs, NC, internment camp 1917 / 1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Dacharbeiten, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Das letzte Foto aus der Reihe ist sicher beim Richtfest entstanden. Gut vierzig Männer (und ein Hund) haben sich im Inneren des Rohbaus versammelt und posieren für den Fotografen. Es ist eine bunte Mischung: Die meisten der Männer sind in Arbeitskleidung und haben zum Teil ihr Werkzeug in der Hand, andere elegant gekleidete Herren sind in Zivil, während andere ihre Offiziersuniform tragen.

Hot Springs (NC) Internment Camp, topping out ceremony, 1917/1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Richtfest (?), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Jede zusätzliche Baracke hat zur Entspannung der beengten Wohnverhältnisse im Lager beigetragen, von Wohnkomfort wollen wir an dieser Stelle nicht sprechen.

Die Baracken hatten einen Mittelgang, rechts und links davon standen eng aneinandergereiht die Betten, zum Teil doppelstöckig. Außerdem gab es einfache Kanonenöfen, die Sanitärbereiche lagen außerhalb.

Mit diesem Beitrag endet diese kleine Serie von fünf Artikeln über das Internierungslager Hot Springs in Nord Carolina, aber nicht die Geschichte der Gefangenschaft des Schiffsoffiziers Julius Hagenah.

Fort Oglethorpe

Im Sommer wurden alle Zivilgefangenen nach Fort Oglethorpe, Georgia gebracht, ein Lager unter Militärverwaltung mit weitaus strengeren regeln und deutlich weniger Annehmlichkeiten. Wegen der schwierigen Aussprache bekam es von den deutschen Seeleuten schnell den deutschen Namen Orgelsdorf.

Hagenah hat von diesem neuen Lager keine Aufnahmen mehr gemacht. Es ist zu vermuten, dass ihm die Kamera abgenommen wurde.

Was jedoch über das Lager existiert, sind Beschreibungen, offizielle Aufnahmen und Ausgaben zweier Lagerzeitungen, die von Internierten herausgebracht wurden. Die Titel: Orgelsdorfer Eulenspiegel und Die Bombe. Eine Ausgabe von „Die Bombe“ entstand zur Begrüßung der Seeleute aus Hot Springs. Diese Ausgabe hat Julius Hagenah in seinem Fotoalbum aufbewahrt.

Ein wertvolles Zeitdokument hier im Blog – bleiben Sie dran!

Weitere Artikel über das Internierungslager Hot Springs:

Angelpartie in Hot Springs

Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Hochwasser in Hot Springs 1917/18 – Auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Hot Springs North Carolina, Bridge over Fench Broad River, Flooding Winter 1917/1918

Hochwasser in Hot Springs 1917/18 – Auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Titelbild: Hochwasser des French Broad River in Hot Springs (North Carolina), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

In amerikanischer Gefangenschaft

Während seiner Internierung im Lager Hot Springs in North Carolina fertigte der Schiffsoffizier Julius Hagenah zahlreiche Aufnahmen an. Dieser Artikel setzt die fotografische Dokumentation seiner Gefangenschaft fort – diesmal mit Bildern eines Hochwasser-Ereignisses im Winterhalbjahr 1917/1918. Die Links zu weiteren Aufnahmen Julius Hagenahs, die ich hier im Blog zeigen konnte, finden Sie am Ende dieses Beitrages.

Regelmäßige Hochwasser

Der kleine Ort Hot Springs in North Carolina wird häufig von Überschwemmungen heimgesucht. Der French Broad River, an dem Hot Springs liegt, ist bekannt für seine zerstörerischen Hochwasserereignisse. Vor dem Bezug des Internierungslagers hatte im Jahr 1916 eine Jahrhundertflut den Nordwesten Carolinas heimgesucht.

Die Naturkatastrophe hatte am 6. Juli 1916 begonnen, als es sechs Tage lang ununterbrochen regnete. Der Boden war komplett mit Wasser gesättigt, als kurze Zeit später, am 14. Juli 1916, ein Hurricane auf North Carolina traf und es in einigen Gegenden in 24 Stunden zwischen 38 und 56 Zentimeter Wassersäule regnete.

Etwa 80 Menschen wurden Opfer der Fluten und der auf heutige Verhältnisse projizierte Schaden wird auf 480 Millionen Dollar geschätzt.

Hurricane Helen

Eine andere Jahrhundertflut ereignete sich in diesem Jahrhundert. Im September 2024 zerstörte der Hurricane Helen große Teile der Region North West North Carolina. Der Fluss French Broad River, der im September normalerweise einen Durchfluss von 2.000 Kubikfuß pro Sekunde hat, soll auf einen Durchfluss von in der Spitze unglaublichen 111.000 Kubikfuß pro Sekunde angeschwollen sein. Siehe: https://www.frenchbroadrafting.com/about/heartbreak-and-hurricane-helene

Hochwasser im Winter 1917/1918

Das Hochwasserereignis von 1917/1918, dass der Schiffoffizier Julius Hagenah dokumentiert hat, scheint ein recht „normales“ Hochwasser gewesen zu sein. Zumindest habe ich keine Quellen dazu finden können und auch eine Nachfrage vor Ort brachte zu diesem Hochwasser keine Informationen.

Das soll aber nichts von der Dramatik der Bilder nehmen, die eindrucksvoll die veränderte Landschaft am Fluss zeigen. Nachdem den Laubbäumen die Blätter fehlen, können wir das Ereignis auf Winter/Frühjahr 1917/1918 datieren. Nur in diesem Winter bestand das Camp. Es wurde bereits im Sommer 1918 wieder geräumt.

Die Fotodokumente des Julius Hagenah

Das Titelbild dieses Beitrags zeigt die Brücke über den French Broad River in deren Verlängerung die Bridge Street das Lager in zwei Hälften teilte. Zur Veranschaulichung dazu nochmal diese Panorama-Aufnahme Hagenahs.

Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Ausschnitt des Lagerbereichs mit Barracken und dem Hotelkomplex (rechts oben) in Hot Springs, Bildvergrößerung aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf der folgenden Aufnahme ist der French Broad River am Lager über die Ufer getreten. Nachdem das Bild von der gegenüberliegenden Flussseite aufgenommen wurde, konnte der Fotograf dazu das Lager verlassen. Vielleicht hat ihn eine Wache begleitet.

Rechts im Hintergrund das Mountain Park Hotel und eine Lagerbaracke. Davor hängt Wäsche zum Trocknen auf zwischen Bäumen gespannten Leinen. Eine kleine Hütte im unteren Lagerbereich ist nicht mehr trockenen Fußes zu erreichen. Ganz im Hintergrund sehen wir die Brücke über den Fluss.

Hot Springs North Carolina, Flooding Winter 1917/1918
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf dem folgenden Foto ist die kleine Hütte bereits zur Hälfte im Wasser versunken. Rechts angeschnitten erkennen wir den verglasten Eingangsbereich des Badehauses des ehemaligen Hotels.

Hot Sprins North Carolina, Flooding Winter 1917/1918
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Jetzt steht das Badehaus komplett im Wasser und im Hintergrund ist ebenfalls „Land unter“ im „Deutschen Dorf“ des Lagers (siehe dazu ausführlich den Artikel Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah).

Hot Springs North Carolina, Winter 1917/1918, flooding
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf der nächsten Aufnahme sehen wir zahlreiche Schaulustige, die sich das Hochwasser aus der Nähe betrachten. Es ist eine bunte Mischung aus Herren in Seemannsuniform und Männern in Zivil.

In der linken Bildmitte sehen wir einen großen, flachen und fensterlosen Schuppen, den wir auf den Bildern vom „deutschen Dorf“ bislang nicht erkennen konnten. Vielleicht ein Lagerplatz für Baumaterial und Werkzeuge.

German sailors in the German Village, Hot Springs, Winter 1917/1918, flooding
Schaulustige im Lagerdorf besehen sich das Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auch im Lagerdorf stieg das Wasser weiter an und erreichte bedrohliche Ausmaße. Die Kirche hatte die Seeleute offenbar auf einer kleinen Erhebung gebaut, so wie dies auch in vielen „echten“ Dörfern gemacht worden war.

German Village in Hot Springs, high water in winter 1917/1918
Land unter im Lagerdorf, Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Das Rätsel der Brücke

Auf einem Foto von Adolph Thierbach, der ebenfalls Aufnahmen in Hot Springs machte, ist eine zerstörte Brücke über den French Broad River zu sehen, an der Männer an einem Wiederaufbau arbeiten. Nach der Bauart der Stützpfeiler und der Bebauung im Hintergrund, dürfte es sich um die gleiche Stelle am Fluss handeln, die auf der Titelabbildung dieses Blogbeitrages zu sehen ist.

Die Aufnahme Thierbach ist allerdings nicht zeitgleich zu den Aufnahmen Hagenahs: die Vegetation zeigt dichte Belaubung.

Wahrscheinlich ist, dass die Aufnahme Thierbachs vorher entstanden ist und die Fotografien Hagenahs eine neue Brücke zeigen, die von den Deutschen oder mit Hilfe der Deutschen errichtet wurde. Eine Rückfrage beim Touristenoffice in Hot Springs konnte den Sachverhalt jedoch nicht endgültig klären.

Weitere Bilder des Hochwassers oder dessen Folgen hat Thierbach nicht gemacht bzw. sind nicht überliefert.

Die zerstörte Brücke ist hier zu sehen: https://www.ibiblio.org/ww1gd/Bridge_Wrecked_G0026.html

So sind Hagenahs Aufnahmen die einzigen Zeitzeugen vom Hochwasser 1917/1918 im Camp von Hot Springs.

Im nächsten und letzten Beitrag über das Lager Hot Springs sehen wir uns an, wie die Baracken gebaut wurden, in denen die Mannschaften untergebracht waren. Sie hatten definitiv nicht den Komfort des ehemaligen Hotels, das den Offizieren vorbehalten war.

Bleiben sie dran!

Weitere Artikel über das Lager Hot Springs finden Sie hier:

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Einen einführenden Artikel über das amerikanische Internierungslager Hot Springs finden Sie hier:

Angelpartie in Hot Springs

Hot Springs internment camp 1917
Angelpartie, Hot Springs, North Carolina, Aufnahme vermutlich aus dem (Spät-)Sommer 1917, Press Illus. Service über commons.wikimedia.org
Originaltext: A beautiful river forms the western boundary of the camp affording the German fishermen to try their luck.
Männergruppe auf Ellis Island, Julius Hagenah hat hier wahrscheinlich eine Gruppe festgesetzter Seeleute am 6. Juli 1917 aufgenommen; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Titelbild: Männergruppe auf Ellis Island, Julius Hagenah hat hier wahrscheinlich eine Gruppe festgesetzter Seeleute im April 1917 aufgenommen; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Ellis Island, New York

Julius Hagenah lag mit seinem Dampfschiff „Harburg“ seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges in New York. SIEHE dazu: Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Ein zweites DADG-Schiff in New York war die „Magdeburg“. Mehr über die beiden Schiffe in New York finden Sie hier: Sabotage in New York (Teil 1)

Am 6. April 1917 traten die USA in den Ersten Weltkrieg ein.

An diesem Tag wurden die Mannschaften der deutschen Schiffe mit Booten der amerikanischen Regierung von ihren Schiffen nach Ellis Island gebracht. Auf Teilen der Insel war ein Internierungslager für enemy aliens eingerichtet worden. Insgesamt handelte es sich um etwa 1.300 Personen.

Die relative geringe Zahl an Besatzungsmitgliedern kommt dadurch zustande, dass nach zweieinhalb Jahren Liegezeit im Hafen nur noch kleine Rumpfmannschaften auf den Schiffen verblieben waren, die zum Betrieb der Dampfer unbedingt notwendig waren.

Ellis Island, New York City, Aufnahme aus dem Jahr 1905; Quelle: Library of Congress, Washington DC via https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ellis_Island_in_1905.jpg
Ellis Island, New York City, Aufnahme aus dem Jahr 1905; Quelle: Library of Congress, Washington DC via https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ellis_Island_in_1905.jpg

Durch die charakteristische Fassade des Hauptgebäudes auf Ellis Island mit den hellen Fensterumrandungen lässt sich das Titelfoto dieses Blogbeitrages gut der Insel zuordnen.

Zwei weitere Bilder aus dem Album Julius Hagenahs dürften ebenfalls auf Ellis Island entstanden sein. Sie zeigen die festgesetzten Seeleute, die auf einer umzäunten Wiese auf ihren Weitertransport warten.

Männer warten auf einer abgezäunten Wiese; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island am 6./7. April 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Männer warten auf einer abgezäunten Wiese; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island im April/Mai 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Eine andere Aufnahme vom gleichen Ort zeigt eine Reihe von Männern, die sich auf Schaukeln die Zeit vertreiben, während andere im Gras sitzen oder liegen.

Männer vertreiben sich Zeit auf Schaukeln; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island am 6./7. April 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Männer vertreiben sich Zeit auf Schaukeln; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island im April/Mai 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Die ersten Seeleute sollen am 8. Juni 1917 in Hot Springs angekommen sein. Das würde bedeuten, dass die Männer zunächst etwa zwei Monate auf Ellis Island verbringen mussten.

Von Ellis Island dürfte der Transport der Gefangenen per Fährschiff zu einem Bahnhof erfolgt sein, von wo aus die lange Reise nach Hot Springs, North Carolina erfolgte.

Die Distanz zwischen beiden Orten beträgt über 1000 Kilometer, die Zugfahrt dürfte mehr als einen Tag in Anspruch genommen haben.

Personen vor einem Bahngleis, Aufnahme von Julius Hagenah, Aufnahmeort unbekannt; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Personen vor einem Bahngleis, Aufnahme von Julius Hagenah, Aufnahmeort unbekannt; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Ankunft in Hot Springs, NC

Über das Internierungscamp Hot Springs, NC hatte ich hier berichtet. Angelpartie in Hot Springs. Der Artikel bildet eine gute Hintergrundinformation zu diesem Beitrag.

Die erste sichere Aufnahme von Hot Springs im Album von Julius Hagenah zeigt uns ein Panorama, dass aus zwei Fotos zusammengesetzt ist.

Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Die beiden Aufnahmen wurden auf einer Anhöhe gemacht, die sich auf der anderen Seite des French Broad Rivers befindet, den wir im rechten Bildteil sehen und der auf der Höhe der Baumwipfel von einer zweibogigen Brücke überquert wird. Die Straße in der Fortsetzung der Brücke teilt das Lager, das wir ebenfalls im rechten Bildteil am Fluss sehen, in zwei Teile: die engstehenden Baracken des neueren Lagers B von dem anderen, älteren Lagerteil A mit dem ehemaligen Hotel und einem von U-förmig angeordneten Baracken um einen großen Platz. Zum besseren Verständnis hier eine Ausschnittvergrößerung:

Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Ausschnitt des Lagerbereichs mit Barracken und dem Hotelkomplex (rechts oben) aus dem Foto von oben

Oberhalb des Lagers verläuft eine bogenförmige Bahnlinie, die den Lagerbereich am Fluss von dem Ort Hot Springs, NC abtrennt.

Das fehlende Laub auf den Bäumen und der fortgeschrittene Barackenbau deuten darauf hin, dass die Aufnahme nicht nach der Ankunft Hagenahs, sondern im Winter/Frühjahr 1917/1918 entstanden ist.

Eine weitere, aus drei Einzelfotos zusammengesetzte Aufnahme zeigt die U-förmig angeordneten Baracken des älteren Lagerteils mit dem ehemaligen Hotel im Hintergrund.

Panorama des älteren Lagerteils mit U-förmig um einen großen Platz angeordneten Baracken; das ehemalige Hotel ist im linken Foto im Hintergrund zu erkennen; Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Panorama des älteren Lagerteils mit U-förmig um einen großen Platz angeordneten Baracken; das ehemalige Hotel ist im linken Foto im Hintergrund zu erkennen; Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Außerhalb des Lagers ließen sich 27 deutsche Frauen mit neunzehn Kindern nieder, um in der Nähe ihrer Männer zu sein. Sie mieteten Häuser oder Wohnungen an und hatten freien Zugang zum Camp. Ihre Kinder besuchten die örtliche Schule.

Das Mountain Park Hotel

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte James Patton aus Asheville das Potential des Ortes für den Tourismus erkannt und kaufte die Thermalquellen im Jahr 1831. Sechs Jahre später hatte er ein erstes prestigeträchtiges Hotel mit 350 Zimmern errichtet. Dieses Hotel fiel 1884 einem Brand zum Opfer. Inzwischen hatte auch die Eisenbahn den Ort erreicht (1882), was weitere Entwicklungspotentiale bot.

Das Mountain Park Hotel wurde 1886 erbaut und gleichzeitig eine heißere Thermalquelle entdeckt. Der Ort änderte daraufhin seinen ursprünglichen Namen, Warm Springs in das heute noch gültige Hot Springs.

Mountain Park Hotel, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Mountain Park Hotel, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

In seiner Blütezeit galt das Mountain Park Hotel als eine der ersten Adressen des Landes. Es verfügte über 200 Zimmer, Stallungen, eine Scheune, ein Quell- und ein Badehaus mit sechzehn Marmorbecken. Zum Hotel gehörten ebenfalls Croquet- und Tennisplätze sowie der erste organisierte Golfclub im Südosten der USA mit einem 9-Loch-Platz.

1917 zog das in die Jahre gekommene Hotel immer weniger Gäste an und wurde an die Bundesregierung verpachtet, die es als Internierungslager nutzte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Mountain Park Hotel im Jahr 1920 durch Brandstiftung zerstört.

Quelle zur Geschichte von Hot Springs: https://www.hotspringsnc.org/about/#history

Die folgende Aufnahme zeigt das zum Mountain Park Hotel gehörige Badehaus.

Mountain Park Hotel, Badehaus, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Mountain Park Hotel, Badehaus, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

In den folgenden Blogartikeln kann ich weitere unveröffentlichte Fotos von Julius Hagenah in Hot Springs, NC präsentieren.

Das fotografische Interesse Hagenahs galt unter anderem dem „deutschen Dorf“, das wirklich beachtliche Ausmaße angenommen hatte, dem Barackenbau im Lager, einem Hochwasser (vermutlich im Winter/Frühling 1917/1918) und dem Lagerleben (Sport, Theater und anderer Zeitvertreib).

Bleiben Sie dran und gehören Sie zu den ersten, die diese historischen Aufnahmen zu Gesicht bekommen!

Hinweis für Interessierte: Ein zweiter Gefangener in Hot Springs, der Fotos vom Lager machte, war Adolph Thierbach. Seine Fotos finden Sie auf den Seiten der Madison County Public Library, Marshall, North Carolina. https://www.ibiblio.org/ww1gd/AboutThisProject.html

Ich hätte gerne einige der Aufnahmen Hagenahs und Thierbachs gegenübergestellt, eine Anfrage beim Rechteinhaber blieb aber leider unbeantwortet.

Die Offiziere der "Harburg" am 25. Juni 1914 in Savannah, Georgia

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Beitragsbild: Die Offiziere der „Harburg“ am 25. Juni 1914 in Savannah, Georgia. Julius Hagenah, der dritte Decksoffizier, ist in der hinteren Reihe in der Mitte, rechts hinter Kapitän Bettaque (vorne in der Mitte)

Steuermann auf der „Harburg“ und Gefangener in Hot Springs, North Carolina

Die schönste Anerkennung für mich als Verfasser dieses Geschichtsblogs über das Dampfschiff „Fürth“, über die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG) und die Internierung deutscher Seeleute während des Ersten Weltkrieges ist es, wenn mir Blogleser persönliche Dokumente anvertrauen und mir erlauben, sie hier im Blog zu veröffentlichen.

In diesem Fall handelt es sich um ein ganzes Fotoalbum mit rund neunzig (!) Aufnahmen, sowie zusätzlichen Dokumenten des Schiffsoffiziers Julius Hagenah, der auf dem Frachtdampfer „Harburg“ seinen Dienst tat, bevor er den Ersten Weltkrieg zuerst als Gestrandeter und später als Gefangener in den Vereinigten Staaten von Amerika verbringen musste.

Doch der Reihe nach.

Die frühen Jahre

Julius Hagenah wurde am 13. Juni 1890 in Kollmar an der Elbe (Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein) geboren.

Nach seiner Schulzeit, die 1906 endete, durchlief er eine klassische Ausbildung auf See als Junge, Leichtmatrose und Matrose. Am 30. Januar 1912 bestand er seine Prüfung als Steuermann und erhielt auch eine Stellung als solcher, bevor er im Oktober des gleichen Jahres in den einjährigen Wehrdienst eintrat.

Am 1. Dezember 1913 schließlich heuerte Hagenah bei der DADG an und wurde vierter Steuermann auf dem Frachtdampfer „Harburg“. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt eines der älteren Dampfer der DADG. Es gehörte zur sogenannten Meißen-Klasse, die sich durch einen doppelten Schornstein von allen anderen Schiffen der Reederei unterschied. Die Schiffe dieser Kleinserie von sieben Frachtern waren bewährt und so sollten noch fünf der sieben „Zweischornsteiner“ bis zum Ersten Weltkrieg bei der DADG in Fahrt sein.

Hagenahs erste Reise auf der „Harburg“ unter Kapitän Stahl dauerte bis zum 28. Mai 1914, insgesamt 4 Monate und 28 Tage. Seine Heuer betrug 110 Mark monatlich.

Hier die Seite der Anmusterung aus Hagenahs Seefahrtsbuch und darunter diejenige der Abmusterung:

Seefahrtsbuch von Julius Hagenah, Seite 10, Anmusterung als vierter Offizier auf dem Frachtdampfer „Harburg“ am 1. Dezember 1913; in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Seefahrtsbuch von Julius Hagenah, Seite 10, Anmusterung als vierter Offizier auf dem Frachtdampfer „Harburg“ am 1. Dezember 1913; in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Seefahrtsbuch von Julius Hagenah, Seite 11, Abmusterung als vierter Offizier auf dem Frachtdampfer „Harburg“ am 28. Mai 1914; in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Seefahrtsbuch von Julius Hagenah, Seite 11, Abmusterung als vierter Offizier auf dem Frachtdampfer „Harburg“ am 28. Mai 1914; in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Hagenah sollte dem Schiff treu bleiben und wurde jetzt zum dritten Steuermann unter dem neuen Kapitän Bettaque befördert. Seine Heuer stieg leicht auf jetzt 120 Mark.

Viel Zeit in der Heimat blieb Hagenah nicht, denn er musste bereits am 3. Juni seinen Dienst antreten. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, dass es über fünf Jahre dauern sollte, bis er wieder nach Hamburg zurückkehren konnte.

Seefahrtsbuch von Julius Hagenah, Seite 12, Anmusterung als dritter Offizier auf dem Frachtdampfer „Harburg“ am 3. Juni 1914; in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Seefahrtsbuch von Julius Hagenah, Seite 12, Anmusterung als dritter Offizier auf dem Frachtdampfer „Harburg“ am 3. Juni 1914; in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Gestrandet und interniert in den USA

Am 4. Juni 1914 verließ die „Harburg“ in der Nacht um 2.45 Uhr den Hamburger Hafen. In der Zeitungsmeldung wird noch Kapitän Stahl genannt. Es dauerte oft einige Zeit, bis die Kapitänswechsel in den Redaktionen der Hamburger Zeitungen bekannt wurden. Als Reiseziel war Australien angegeben, jedoch sollte die Fahrt der „Harburg“ zunächst in die Vereinigten Staaten gehen und erst von dort um das Kap der Guten Hoffnung in Richtung Niederländisch-Indien und Australien.

„Harburg“, abgegangen von Hamburg am 4. Juni 1914 um 2.45 Uhr; Quelle: Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsenhalle vom 5. Juni 1914; Quelle: europeana.eu
„Harburg“, abgegangen von Hamburg am 4. Juni 1914 um 2.45 Uhr; Quelle: Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsenhalle vom 5. Juni 1914; Quelle: europeana.eu

Eine auf den 25. Juni 1914 datierte Aufnahme eines Fotografen zeigt die Offiziere der „Harburg“ in Savannah, Georgia (siehe Titelabbildung dieses Blogartikels). Das Schiff dürfte diesen für die DADG durchaus ungewöhnlichen Hafen mit einer Zwischenfracht angelaufen sein, bevor es am 17. Juli 1914 in New York eintraf, um für Java zu laden (Quelle: Harms, 1933). Grundlage für die Linie New York – Java war ein Vertrag mit der Standard Oil Co. über die Lieferung von Petroleum nach Java. Siehe: Im Auftrag Rockefellers.

Der erste Weltkrieg bricht aus

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges Ende Juli/Anfang August 1914 waren alle deutschen Schiffe in den USA gezwungen, dort zu verbleiben, um nicht im Atlantik von den Alliierten aufgebracht zu werden.

Der Frachtdampfer „Harburg“, Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich am Liegeplatz in New York mit Segler an Backbord, 1914/1915; Quelle: privates Album, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Der Frachtdampfer „Harburg“, Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich am Liegeplatz in New York mit Segler an Backbord, 1914/1915; Quelle: privates Album, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Laut einem Dokument des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg vom 16. Mai 1955 über die „Festsetzung des Diäten- u. des Besoldungsdienstalters für den Hafenlotsen Julius Hagenah“ war Hagenah bis zum 6. April 1917 Offizier auf der „Harburg“. An diesem Tag begann auch seine Internierung in den USA, die bis zum 15. Juli 1919 dauern sollte.

Zunächst wurde Hagenah in das Internierungslager Hot Springs, North Carolina und später nach Fort Oglethorpe, Georgia gebracht.

Hagenah hat diese Zeit in zahlreichen, bisher unveröffentlichten Fotografien festgehalten. Diese spannenden Zeitdokumente kann ich Ihnen in den nächsten Blogbeiträgen präsentieren.

Über seine Zeit bei der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft ist Hagenahs Zeugnis erhalten. Die DADG hatte nach dem Krieg mit der Dampfschifffahrtsgesellschaft Kosmos fusioniert. Mehr dazu hier: Schiffsregister: Löschung des Dampfschiffes „Fürth“

Zeugnis der Deutsch-Austral und Kosmos Linien für Hermann Julius Hagenah vom 28. Juli 1925; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Familie
Zeugnis der Deutsch-Austral und Kosmos Linien für Hermann Julius Hagenah vom 28. Juli 1925; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Familie

Rückkehr nach Deutschland und Arbeit als Hafenlotse

Viele Seeleute hatten nach dem Ersten Weltkrieg Schwierigkeiten wieder eine Anstellung zu bekommen, schließlich war Deutschland gezwungen, seine Flotte als Reparationszahlung an die Alliierten abzugeben. Hagenah konnte bereits ab August 1920 wieder als Offizier arbeiten und erwarb am 5. Februar 1921 das Befähigungszeugnis zum Schiffer auf großer Fahrt. Er arbeitete in der Folge als Kapitän und erster Offizier auf verschiedenen Schiffen, bevor er am 28. November 1929 als Hilfslotse auf Probe in die Dienste der Hansestadt Hamburg eintrat.

Die Lotsentätigkeit in Hamburg sollte er viele Jahre begleiten. Ein Kuriosum: Bei seiner Pensionierung im Jahr 1955 stellte man fest, dass man über all die Jahre vergessen hatte, ihn zu befördern und so wurde Hagenah erst am Ende seiner Berufslaufbahn offiziell vom Hilfslotsen zum Hafenlotsen.

Hermann Julius Hagenah war verheiratet und hatte zwei Söhne, er starb am 19. November 1976 im Alter von 86 Jahren in Hamburg.

Demnächst im Blog:

Julius Hagenah wurde nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg im April 1917 zunächst auf Ellis Island (New York) und anschließend in Hot Springs (North Carolina) interniert.

Er hat dies in bisher unveröffentlichten Aufnahmen fotografisch festgehalten. Einmalige Zeitdokumente hier im Blog! Bleiben Sie dran!