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Männergruppe auf Ellis Island, Julius Hagenah hat hier wahrscheinlich eine Gruppe festgesetzter Seeleute am 6. Juli 1917 aufgenommen; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Titelbild: Männergruppe auf Ellis Island, Julius Hagenah hat hier wahrscheinlich eine Gruppe festgesetzter Seeleute im April 1917 aufgenommen; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Ellis Island, New York

Julius Hagenah lag mit seinem Dampfschiff „Harburg“ seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges in New York. SIEHE dazu: Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Ein zweites DADG-Schiff in New York war die „Magdeburg“. Mehr über die beiden Schiffe in New York finden Sie hier: Sabotage in New York (Teil 1)

Am 6. April 1917 traten die USA in den Ersten Weltkrieg ein.

An diesem Tag wurden die Mannschaften der deutschen Schiffe mit Booten der amerikanischen Regierung von ihren Schiffen nach Ellis Island gebracht. Auf Teilen der Insel war ein Internierungslager für enemy aliens eingerichtet worden. Insgesamt handelte es sich um etwa 1.300 Personen.

Die relative geringe Zahl an Besatzungsmitgliedern kommt dadurch zustande, dass nach zweieinhalb Jahren Liegezeit im Hafen nur noch kleine Rumpfmannschaften auf den Schiffen verblieben waren, die zum Betrieb der Dampfer unbedingt notwendig waren.

Ellis Island, New York City, Aufnahme aus dem Jahr 1905; Quelle: Library of Congress, Washington DC via https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ellis_Island_in_1905.jpg
Ellis Island, New York City, Aufnahme aus dem Jahr 1905; Quelle: Library of Congress, Washington DC via https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ellis_Island_in_1905.jpg

Durch die charakteristische Fassade des Hauptgebäudes auf Ellis Island mit den hellen Fensterumrandungen lässt sich das Titelfoto dieses Blogbeitrages gut der Insel zuordnen.

Zwei weitere Bilder aus dem Album Julius Hagenahs dürften ebenfalls auf Ellis Island entstanden sein. Sie zeigen die festgesetzten Seeleute, die auf einer umzäunten Wiese auf ihren Weitertransport warten.

Männer warten auf einer abgezäunten Wiese; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island am 6./7. April 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Männer warten auf einer abgezäunten Wiese; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island im April/Mai 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Eine andere Aufnahme vom gleichen Ort zeigt eine Reihe von Männern, die sich auf Schaukeln die Zeit vertreiben, während andere im Gras sitzen oder liegen.

Männer vertreiben sich Zeit auf Schaukeln; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island am 6./7. April 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Männer vertreiben sich Zeit auf Schaukeln; Aufnahme von Julius Hagenah, vermutlich auf Ellis Island im April/Mai 1917; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Die ersten Seeleute sollen am 8. Juni 1917 in Hot Springs angekommen sein. Das würde bedeuten, dass die Männer zunächst etwa zwei Monate auf Ellis Island verbringen mussten.

Von Ellis Island dürfte der Transport der Gefangenen per Fährschiff zu einem Bahnhof erfolgt sein, von wo aus die lange Reise nach Hot Springs, North Carolina erfolgte.

Die Distanz zwischen beiden Orten beträgt über 1000 Kilometer, die Zugfahrt dürfte mehr als einen Tag in Anspruch genommen haben.

Personen vor einem Bahngleis, Aufnahme von Julius Hagenah, Aufnahmeort unbekannt; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Personen vor einem Bahngleis, Aufnahme von Julius Hagenah, Aufnahmeort unbekannt; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Ankunft in Hot Springs, NC

Über das Internierungscamp Hot Springs, NC hatte ich hier berichtet. Angelpartie in Hot Springs. Der Artikel bildet eine gute Hintergrundinformation zu diesem Beitrag.

Die erste sichere Aufnahme von Hot Springs im Album von Julius Hagenah zeigt uns ein Panorama, dass aus zwei Fotos zusammengesetzt ist.

Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Die beiden Aufnahmen wurden auf einer Anhöhe gemacht, die sich auf der anderen Seite des French Broad Rivers befindet, den wir im rechten Bildteil sehen und der auf der Höhe der Baumwipfel von einer zweibogigen Brücke überquert wird. Die Straße in der Fortsetzung der Brücke teilt das Lager, das wir ebenfalls im rechten Bildteil am Fluss sehen, in zwei Teile: die engstehenden Baracken des neueren Lagers B von dem anderen, älteren Lagerteil A mit dem ehemaligen Hotel und einem von U-förmig angeordneten Baracken um einen großen Platz. Zum besseren Verständnis hier eine Ausschnittvergrößerung:

Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Ausschnitt des Lagerbereichs mit Barracken und dem Hotelkomplex (rechts oben) aus dem Foto von oben

Oberhalb des Lagers verläuft eine bogenförmige Bahnlinie, die den Lagerbereich am Fluss von dem Ort Hot Springs, NC abtrennt.

Das fehlende Laub auf den Bäumen und der fortgeschrittene Barackenbau deuten darauf hin, dass die Aufnahme nicht nach der Ankunft Hagenahs, sondern im Winter/Frühjahr 1917/1918 entstanden ist.

Eine weitere, aus drei Einzelfotos zusammengesetzte Aufnahme zeigt die U-förmig angeordneten Baracken des älteren Lagerteils mit dem ehemaligen Hotel im Hintergrund.

Panorama des älteren Lagerteils mit U-förmig um einen großen Platz angeordneten Baracken; das ehemalige Hotel ist im linken Foto im Hintergrund zu erkennen; Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Panorama des älteren Lagerteils mit U-förmig um einen großen Platz angeordneten Baracken; das ehemalige Hotel ist im linken Foto im Hintergrund zu erkennen; Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Außerhalb des Lagers ließen sich 27 deutsche Frauen mit neunzehn Kindern nieder, um in der Nähe ihrer Männer zu sein. Sie mieteten Häuser oder Wohnungen an und hatten freien Zugang zum Camp. Ihre Kinder besuchten die örtliche Schule.

Das Mountain Park Hotel

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte James Patton aus Asheville das Potential des Ortes für den Tourismus erkannt und kaufte die Thermalquellen im Jahr 1831. Sechs Jahre später hatte er ein erstes prestigeträchtiges Hotel mit 350 Zimmern errichtet. Dieses Hotel fiel 1884 einem Brand zum Opfer. Inzwischen hatte auch die Eisenbahn den Ort erreicht (1882), was weitere Entwicklungspotentiale bot.

Das Mountain Park Hotel wurde 1886 erbaut und gleichzeitig eine heißere Thermalquelle entdeckt. Der Ort änderte daraufhin seinen ursprünglichen Namen, Warm Springs in das heute noch gültige Hot Springs.

Mountain Park Hotel, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Mountain Park Hotel, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

In seiner Blütezeit galt das Mountain Park Hotel als eine der ersten Adressen des Landes. Es verfügte über 200 Zimmer, Stallungen, eine Scheune, ein Quell- und ein Badehaus mit sechzehn Marmorbecken. Zum Hotel gehörten ebenfalls Croquet- und Tennisplätze sowie der erste organisierte Golfclub im Südosten der USA mit einem 9-Loch-Platz.

1917 zog das in die Jahre gekommene Hotel immer weniger Gäste an und wurde an die Bundesregierung verpachtet, die es als Internierungslager nutzte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Mountain Park Hotel im Jahr 1920 durch Brandstiftung zerstört.

Quelle zur Geschichte von Hot Springs: https://www.hotspringsnc.org/about/#history

Die folgende Aufnahme zeigt das zum Mountain Park Hotel gehörige Badehaus.

Mountain Park Hotel, Badehaus, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Mountain Park Hotel, Badehaus, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

In den folgenden Blogartikeln kann ich weitere unveröffentlichte Fotos von Julius Hagenah in Hot Springs, NC präsentieren.

Das fotografische Interesse Hagenahs galt unter anderem dem „deutschen Dorf“, das wirklich beachtliche Ausmaße angenommen hatte, dem Barackenbau im Lager, einem Hochwasser (vermutlich im Winter/Frühling 1917/1918) und dem Lagerleben (Sport, Theater und anderer Zeitvertreib).

Bleiben Sie dran und gehören Sie zu den ersten, die diese historischen Aufnahmen zu Gesicht bekommen!

Hinweis für Interessierte: Ein zweiter Gefangener in Hot Springs, der Fotos vom Lager machte, war Adolph Thierbach. Seine Fotos finden Sie auf den Seiten der Madison County Public Library, Marshall, North Carolina. https://www.ibiblio.org/ww1gd/AboutThisProject.html

Ich hätte gerne einige der Aufnahmen Hagenahs und Thierbachs gegenübergestellt, eine Anfrage beim Rechteinhaber blieb aber leider unbeantwortet.

Hot Springs internment camp 1917

Angelpartie in Hot Springs

Titelbild:
Angelpartie, Hot Springs, North Carolina, Aufnahme vermutlich aus dem (Spät-)Sommer 1917, Press Illus. Service über commons.wikimedia.org
Originaltext: A beautiful river forms the western boundary of the camp affording the German fishermen to try their luck

Nur fast ein Idyll

Die letzten beiden Blogartikel über Sabotageakte in New York handelten von Explosionen, Bränden und anderen massiven Zerstörungen.

SIEHE: Sabotage in New York (Teil 1) und Sabotage in New York (Teil 2)

Zum Ausgleich dazu zeige ich Ihnen heute ein sehr friedliches Bild: Eine Angelpartie dreier Herren an einem Fluss.

Und doch steht die Aufnahme der drei Angler in direkten Zusammenhang mit den beiden Artikeln über New York.

Dazu gleich mehr.

Lassen wir uns zunächst die malerische Flusslandschaft auf uns wirken:

Der Hintergrund lässt erahnen, dass wir uns in einer Hügellandschaft oder den Bergen befinden. Auch die vielen Steine weiter hinten im Flussbett lassen darauf deuten, dass es sich um den Oberlauf eines Flusses handelt. An der Stelle, die sich die Herren zum Angeln ausgesucht haben, scheint der Fluss etwas angestaut zu sein. Ganz rechts blitzt über dem kleinen Steilufer die helle Wand eines Gebäudes durch die Bäume hindurch.

Der vordere der drei Herren lässt an einen Schiffsoffizier denken, dem Alter nach sehr wahrscheinlich ein Kapitän. Das Hemd mit hochgekrempelten Armen deutet auf angenehme Temperaturen hin. In der einen Hand hält er seine Pfeife, in der anderen Hand seine Angel. Die Angel ist allerdings ein Provisorium. Ein einfacher Stock, den er sich bestimmt selbst von einem der zahlreichen Bäume und Sträucher geschnitten hat.

Bei den beiden Herren dahinter fällt die Einordnung schwer, beide sind in Zivil. Ihre Angeln sind deutlich kürzer. Auch sie bestehen nur aus einfachen Stöcken.

In den Blue Ridge Mountains

Der Ort an dem diese Angelpartie stattfindet ist Hot Springs im westlichsten Teil des amerikanischen Bundesstaat North Carolina nur wenige Meilen von der Grenze zu Tennessee.

Die Berge, in den sich der Ort auf etwa 400 Metern Meereshöhe befindet, sind die Blue Ridge Mountains.

Hot Springs hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Ferien- und Badeort entwickelt. Der Name Hot Springs geht auf warme Quellen zurück, die hier genutzt wurden und die einen Bade- und Ferienort entstehen ließen.

Der Fluss, an dem die drei Herren auf Fische hoffen, trägt den ungewöhnlichen Namen French Broad River, ein Hinweis, dass der Fluss früher einmal in französisches Gebiet westlich der Blue Ridge Mountains floss. Aber das war lange vor der Zeit, zu der diese Aufnahme entstand.

Hot Springs Mountain Park Hotel 1902

Mountain Park Hotel in Hot Springs, North Carolina, Aufnahme aus dem Jahr 1902; Quelle: Library of Congress, Washington D. C., https://www.loc.gov/resource/det.4a09534/

Das Mountain Park Hotel in Hot Springs

Das einst mondäne Mountain Park Hotel in Hot Springs war seit 1913 nicht mehr gut gelaufen und so entschied sich sein Besitzer es an den amerikanischen Staat zu verpachten.

Dieser nahm das Angebot per Entscheidung vom 26. Mai 1917 an und nutzte das Hotel und das großzügige Areal darum herum, um deutsche Zivilgefangene, zum großen Teil Seeleute der beschlagnahmten deutschen Handelsschiffe hier unterzubringen.

Die Schiffoffiziere wurden in dem ehemaligen Hotel einquartiert. Für die Mannschaften wurden auf dem Gelände, das früher einen der ersten Golfplätze der Region beheimatete, in Windeseile 16 Holzbaracken errichtet. Außerdem Küchen-, Sanitärgebäude, eine Speisehalle und andere Bauten.

Die ersten Gefangenen erreichten Hot Spings am 8. Juni 1917. Eine offizielle Zahl vom Folgejahr, genauer gesagt vom 29. Juni 1918, gibt für das Internierungslager Hot Springs die Zahl von 2314 Gefangenen an.

Diese waren aus amerikanischen Häfen wie New York, New Orleans, Boston, San Francisco nach Hot Springs gebracht wurden, aber auch aus Manila von den Philippinen, die damals eine amerikanische Kolonie waren.

Manila ist aus Sicht des Blogs, der sich mit der Geschichte der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG) befasst, besonders interessant, da nach Kriegsausbruch auch drei DADG-Schiffe in Manila Schutz gesucht hatten: „Bochum“, „Elmshorn“ und „Esslingen“ (insgesamt waren es in Manila 18 deutsche Schiffe).

450 Personen, wahrscheinlich die Seeleute der 1917 beschlagnahmten Schiffe, kamen im Dezember 1917 im Immigrationszentrum Angel Island (San Francisco) an und wurden einen Monat später weiter nach Hot Springs gebracht.
Quelle: National Archives, When the „Enemy“ landed at Angel Island, Maria Sakovich, publications 2009, Vol. 41, No. 2

Ein anderes interessantes Detail ist, dass sich im Ort Hot Springs 27 deutsche Frauen mit 19 Kindern einmieteten, die in der Nähe ihrer internierten Männer sein wollten.

Neben den vielen Seeleuten war auch das komplette kaiserliche Orchester des dritten Seebataillon aus dem chinesischen Protektorat Tsingtao im Jahr 1918 in Hot Springs angekommen. Ihre Konzerte brachten den Gefangenen einige Abwechslung, waren aber auch bei der einheimischen Bevölkerung äußerst beliebt (die den Konzerten von der Plattform des Bahnhofs außerhalb des Lagers zuhören und zusehen konnten). In dem kleinen Ort, der aus nicht einmal 500 Einwohnern bestand, dürfte es sonst nur wenig kulturelle Angebote gegeben haben.

Eine sehr ausführliche Abhandlung über das Orchester finden Sie bei dem Musikwissenschaftler Paul Banks:
http://pwb101.me.uk/mahler-in-china-1907-2/ (in englischer Sprache)

Die Gefangenen bauten in der Zeit ihrer Internierung etliche Holzhäuser, die vom Stil an die Alpen erinnerten. Eine Kirche und auch eine Kapelle, ebenfalls aus Holz komplettierten die Szenerie. Besonders stolz dürften die Deutschen auf ein selbst gebautes Karussell gewesen sein. Eine Abbildung zeigt eine Gruppe der Gefangenen, die vor dem Fahrgeschäft posieren. Darunter sind auch einige Frauen, die offenbar zeitweise Zugang zum Lager hatten.

Eine andere Abbildung zeigt das Lager in verschneiter Winterlandschaft, es muss hier im Winter 1917/1918 also recht kalt geworden sein.

Trotzdem muss man Hot Springs im Vergleich zu vielen anderen Internierungslagern, als absolute Ausnahme ansehen. Zumindest war es in einen sehr idyllischen Rahmen gebettet und viele Bilder lassen eher an einen Ferienaufenthalt, als an ein Lager denken.

Begrenzte Idylle

Im Frühjahr 1918 entschied sich die amerikanische Regierung jedoch, alle Zivilgefangenen dem Verteidigungsministerium zu unterstellen. Für das Lager Hot Springs, das vom Arbeitsministerium geleitet worden war, bedeutete dies die Auflösung noch vor Kriegsende.

Alle Gefangenen sollten dann im Sommer 1918 nach Fort Oglethorpe im Bundesstaat Georgia gebracht werden. Den Internierten war klar, dass sie dort nicht die angenehmen Rahmenbedingungen vorfinden würden, wie in Hot Springs.

Ein Typhusausbruch verzögerte die Verlagerung und so dauerte es bis zum 31. August 1918, als alle Internierten mit Ausnahme der Erkrankten nach Fort Oglethorpe gebracht worden waren. Insgesamt waren 26 Todesfälle durch Typhus zu beklagen, 13 weitere Gefangene starben in Hot Springs an anderen Ursachen.

Hot Springs French Broad River 1902

French Broad River bei Hot Springs, Aufnahme von 1902; Quelle: Library of Congress, Washington D. C., https://www.loc.gov/resource/det.4a09538/

Kurzporträts von Gefangenen

Adolf Thierbach

Einer der Internierten war Adolf Thierbach. Er wurde am 17. Mai 1883 in Berlin geboren. Seit etwa 1908 war er Hoboisten-Unteroffizier im Orchester des III. Seebataillons.

Anmerkung: Hoboist war der Name eines Musikers in Infanterie und Marine unabhängig vom gespielten Instrument.

Thierbach hatte eine Plattenkamera und offenbar die Rolle eines (inoffiziellen) Lagerfotografen übernommen. Er machte während seiner Gefangennahme zahlreiche Fotoaufnahmen in Hot Springs. Ihnen ist es zu verdanken, dass heute noch ein visueller Eindruck des Lagers überliefert ist.

Die Aufnahmen befinden sich im Archiv der Madison County Public Library, der Hauptstadt des Countys, in dem sich der Ort Hot Springs befindet. Über die Seite http://ibiblio.org/ww1gd/Index.html sind sie online abrufbar.

Ein Porträt des Fotografen Adolf Thierbach gibt es hier: http://ibiblio.org/ww1gd/AboutThisProject.html

Thierbach wohnte nach dem Krieg in Berlin, der Adresseintrag weist ihn als Musiker aus. Zuletzt wohnte er am Prenzlauer Berg, er starb am 18. Februar 1956.

Mehr Informationen zu Adolf Thierbach: http://www.tsingtau.info/

Charles August Polack

Stellvertretend für die vielen internierten Kapitäne deutscher Handelsschiffe stelle ich hier Charles Pollack kurz vor. Der aus Grimma stammende Kapitän der „Kronprinzessin Cecilie“ war ein angesehener Handelsschiffskapitän des Norddeutschen Lloyd in Bremen.

Polack hatte New York am 28. Juli 1914 mit Ziel Bremerhaven verlassen. An Bord des NDL-Dampfers waren 1216 Passagiere und Gold im Wert von rund 15 Millionen Dollar. Nach Kriegsausbruch ließ Polack das Schiff auf dem Atlantik wenden und fuhr in die USA zurück um den Schutz des neutralen Landes zu suchen. Um der Kaperung durch britische Schiffe zu entgehen lief die „Kronprinzessin Cecilie“ zunächst nach Bar Harbor (Maine). Vor dem Winter wurde sie dann nach Boston gebracht.

Ein ausführlicheres Porträt von ihm finden Sie bei dem allseits bekannten Online-Lexikon.

Charles August Polack 1914 Norddeutscher Lloyd

Kapitän Charles August Polack (*1860 †1934) war Nautiker und Kapitän des Norddeutschen Lloyd (NDL) und für die Führung einiger der bedeutendsten Transatlantik-Passagierdampfer vor dem Ersten Weltkrieg verantwortlich. Er gehörte in jener Zeit zu den bekanntesten und angesehensten deutschen Handelsschiffsführern, Aufnahme von 1914; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Charles_Polack_by_Bain.jpg

Die Brüder Johann Orgel und Siegfried Orgel

Insgesamt müssen die Besatzungen (oder zumindest ein Teil davon) von sechs Schiffen der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG) in Hot Springs gewesen sein:

„Harburg“ und „Magdeburg“ wurden in New York beschlagnahmt, die Schiffe „Esslingen“, „Elmshorn“ und „Bochum“ in Manila. Hinzu kam noch der Frachtdampfer „Kiel“, der in Southport, North Carolina, lag.

Wie es der Zufall will, waren unter den Kapitänen dieser Schiffe zwei Brüder: Johann Orgel, Kapitän der „Bochum“ und sein Bruder, Siegfried Orgel, Kapitän der „Magdeburg“.

Die beiden Brüder waren Söhne des Kapitäns Johann Christian Orgel aus Zingst.

Johann Orgel wurde 1870 in Zingst geboren und starb 1936 in Hamburg.

Das Familiengrab befindet sich auf dem Peter-Pauls-Friedhof in Zingst. Auf der Seite der Gemeinde finden Sie auch kurze Lebensläufe der Familie Orgel.

https://www.ev-kirche-zingst.de/friedhof/lebenslaeufe_orgel_johann-christian_und_charlotte.html

https://www.ev-kirche-zingst.de/friedhof/lebenslaeufe_orgel_liesbeth_johann.html

Demnächst im Blog

Wie von den Gefangenen bereits geahnt, bot Fort Oglethorpe nicht mehr die Annehmlichkeiten des Lagers Hot Springs.

Der für deutsche Zungen schwer auszusprechende Name Oglethorpe wurde von seinen deutschen Bewohnern schnell zu Orgelsdorf verballhornt.

Zeitdokumente, die Informationen über das Lager Oglethorpe und seine Bewohner bewahrt haben, sind Ausgaben der Lagerzeitugen Die Bombe und Orgelsdorfer Eulenspiegel.

Schlussbemerkung

Ich bin dabei, eine Genehmigung der Madison County Public Library einzuholen, um hier weitere Bilder aus Hot Springs zeigen zu können. Wenn ich diese bekommen sollte, wird ein zweiter Artikel über dieses Internierungslager folgen.