Archiv für den Monat Juli 2026

Hot Springs (NC) Internment Camp, topping out ceremony, 1917/1918

Gefangen in Hot Springs, NC – Der Bau der Lagerbaracken

Aufnahmen des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Titelbild: Barackenbau in Hot Springs, NC, Richtfest (?), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung der Erlebnisse des Schiffsoffiziers Julius Hagenah, der den Ersten Weltkrieg zunächst im Hafen von New York und später in den Internierungslagern Hot Springs, NC und Fort Oglethorpe, GA verbringen musste.

Zum besseren Verständnis lesen Sie seine Geschichte von Beginn an:

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah
Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Unterbringung im Lager

Das Mountain Park Hotel in Hot Springs verfügte über 200 Zimmer. Selbst bei einer Belegung von drei Mann pro Zimmer sind das immer erst 600 Personen, die darin untergebracht werden konnten. Insgesamt sollte das Lager aber etwa 2.300 internierte Seeleute aufnehmen. Das bedeutete, dass zusätzliche Baracken auf dem Gelände erstellt werden mussten.

Wie in fast allen Lagern, die während des Ersten Weltkriegs Gefangene aufnahmen, mussten die Zelte oder Baracken von den Internierten selbst aufgebaut werden. Nur das Material wurde gestellt. Das war in Hot Springs nicht anders.

Der Schiffsoffizier Julius Hagenah hat den Barackenbau dokumentarisch festgehalten und eine Reihe an Bildern in seinem Album zeigen uns, wie die Baracken entstanden sind. Den Schiffszimmerleuten mit ihrem wertvollen Fachwissen dürfte beim Bau eine koordinierende Funktion zugekommen sein.

Mountain Park Hot Springs, Internment Camp, building of a living quarter, 1917/1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Erstellung der Bodenplatte, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Diese Baracke in unmittelbarer Nähe des Hot Springs Hotels entstand im Winter 1917/1918, dem einzigen Winter, den die Seeleute hier verbrachten. Zur Erinnerung: das Lager bestand von Juni 1917 bis August 1918.

Zahlreiche Gefangene sind mit dem Bau beschäftigt, andere, wie der Herr vorne in der Mitte, scheinen eine koordinierende Funktion zu haben. Die zum Bau notwendigen Holzplanken sind in der linken Bildhälfte vor dem Hotel gestapelt. Vor der überdachten Veranda des Hotels ist ein kleiner Schuppen zu erkennen, vielleicht die Bauhütte, in der Werkzeug und Material gelagert wurden.

Das nächste Foto zeigt den Baufortschritt der gleichen Baracke, was an dem markanten Baum, der direkt neben der Baracke steht, gut erkennbar ist. Von der Schneedecke, die auf dem Bild oben zu sehen war, sind nur noch Reste verblieben.

Die erste Seitenwand wurde in einem Stück gefertigt und dann mit vereinten Kräften aufgestellt.

Hot Springs Internment Camp, 1917/1918 construction of living quarters
Barackenbau in Hot Springs, NC, Aufstellen einer Seitenwand, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Kurz darauf muss das nächste Bild entstanden sein: Die Seitenwand steht und ist mit Stützbalken vorläufig fixiert. Auffällig ist, dass reichlich Personen zur Begutachtung des Baufortschritts eingetroffen sind.

the internees build their living quarters, Hot Springs, North Carolina, 1917 / 1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, eine Seitenwand ist errichtet, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Wahrscheinlich einige Tage später, es hatte zwischenzeitlich wieder leicht geschneit, wurde die zweite Seitenwand aufgestellt. Hinter der ersten Seitenwand ist mittlerweile ein einfaches Gerüst zu erkennen.

living quarter in the Mountain park internment camp, winter 1917 / 1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Aufstellen der zweiten Seitenwand, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf dem letzten Foto vom Bau, ist die Baracke bereits sehr weit fortgeschritten. Die Kopfwände stehen und auch der Dachstuhl ist errichtet. Im hinteren Teil der Baracke ist über den Arbeitern, die das Dach mit Holzplanken decken, ein Richtbaum zu erkennen.

roofing and finishing, living quarters, Hot Springs, NC, internment camp 1917 / 1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Dacharbeiten, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Das letzte Foto aus der Reihe ist sicher beim Richtfest entstanden. Gut vierzig Männer (und ein Hund) haben sich im Inneren des Rohbaus versammelt und posieren für den Fotografen. Es ist eine bunte Mischung: Die meisten der Männer sind in Arbeitskleidung und haben zum Teil ihr Werkzeug in der Hand, andere elegant gekleidete Herren sind in Zivil, während andere ihre Offiziersuniform tragen.

Hot Springs (NC) Internment Camp, topping out ceremony, 1917/1918
Barackenbau in Hot Springs, NC, Richtfest (?), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Jede zusätzliche Baracke hat zur Entspannung der beengten Wohnverhältnisse im Lager beigetragen, von Wohnkomfort wollen wir an dieser Stelle nicht sprechen.

Die Baracken hatten einen Mittelgang, rechts und links davon standen eng aneinandergereiht die Betten, zum Teil doppelstöckig. Außerdem gab es einfache Kanonenöfen, die Sanitärbereiche lagen außerhalb.

Mit diesem Beitrag endet diese kleine Serie von fünf Artikeln über das Internierungslager Hot Springs in Nord Carolina, aber nicht die Geschichte der Gefangenschaft des Schiffsoffiziers Julius Hagenah.

Fort Oglethorpe

Im Sommer wurden alle Zivilgefangenen nach Fort Oglethorpe, Georgia gebracht, ein Lager unter Militärverwaltung mit weitaus strengeren regeln und deutlich weniger Annehmlichkeiten. Wegen der schwierigen Aussprache bekam es von den deutschen Seeleuten schnell den deutschen Namen Orgelsdorf.

Hagenah hat von diesem neuen Lager keine Aufnahmen mehr gemacht. Es ist zu vermuten, dass ihm die Kamera abgenommen wurde.

Was jedoch über das Lager existiert, sind Beschreibungen, offizielle Aufnahmen und Ausgaben zweier Lagerzeitungen, die von Internierten herausgebracht wurden. Die Titel: Orgelsdorfer Eulenspiegel und Die Bombe. Eine Ausgabe von „Die Bombe“ entstand zur Begrüßung der Seeleute aus Hot Springs. Diese Ausgabe hat Julius Hagenah in seinem Fotoalbum aufbewahrt.

Ein wertvolles Zeitdokument hier im Blog – bleiben Sie dran!

Weitere Artikel über das Internierungslager Hot Springs:

Angelpartie in Hot Springs

Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Hochwasser in Hot Springs 1917/18 – Auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Hot Springs North Carolina, Bridge over Fench Broad River, Flooding Winter 1917/1918

Hochwasser in Hot Springs 1917/18 – Auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Titelbild: Hochwasser des French Broad River in Hot Springs (North Carolina), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

In amerikanischer Gefangenschaft

Während seiner Internierung im Lager Hot Springs in North Carolina fertigte der Schiffsoffizier Julius Hagenah zahlreiche Aufnahmen an. Dieser Artikel setzt die fotografische Dokumentation seiner Gefangenschaft fort – diesmal mit Bildern eines Hochwasser-Ereignisses im Winterhalbjahr 1917/1918. Die Links zu weiteren Aufnahmen Julius Hagenahs, die ich hier im Blog zeigen konnte, finden Sie am Ende dieses Beitrages.

Regelmäßige Hochwasser

Der kleine Ort Hot Springs in North Carolina wird häufig von Überschwemmungen heimgesucht. Der French Broad River, an dem Hot Springs liegt, ist bekannt für seine zerstörerischen Hochwasserereignisse. Vor dem Bezug des Internierungslagers hatte im Jahr 1916 eine Jahrhundertflut den Nordwesten Carolinas heimgesucht.

Die Naturkatastrophe hatte am 6. Juli 1916 begonnen, als es sechs Tage lang ununterbrochen regnete. Der Boden war komplett mit Wasser gesättigt, als kurze Zeit später, am 14. Juli 1916, ein Hurricane auf North Carolina traf und es in einigen Gegenden in 24 Stunden zwischen 38 und 56 Zentimeter Wassersäule regnete.

Etwa 80 Menschen wurden Opfer der Fluten und der auf heutige Verhältnisse projizierte Schaden wird auf 480 Millionen Dollar geschätzt.

Hurricane Helen

Eine andere Jahrhundertflut ereignete sich in diesem Jahrhundert. Im September 2024 zerstörte der Hurricane Helen große Teile der Region North West North Carolina. Der Fluss French Broad River, der im September normalerweise einen Durchfluss von 2.000 Kubikfuß pro Sekunde hat, soll auf einen Durchfluss von in der Spitze unglaublichen 111.000 Kubikfuß pro Sekunde angeschwollen sein. Siehe: https://www.frenchbroadrafting.com/about/heartbreak-and-hurricane-helene

Hochwasser im Winter 1917/1918

Das Hochwasserereignis von 1917/1918, dass der Schiffoffizier Julius Hagenah dokumentiert hat, scheint ein recht „normales“ Hochwasser gewesen zu sein. Zumindest habe ich keine Quellen dazu finden können und auch eine Nachfrage vor Ort brachte zu diesem Hochwasser keine Informationen.

Das soll aber nichts von der Dramatik der Bilder nehmen, die eindrucksvoll die veränderte Landschaft am Fluss zeigen. Nachdem den Laubbäumen die Blätter fehlen, können wir das Ereignis auf Winter/Frühjahr 1917/1918 datieren. Nur in diesem Winter bestand das Camp. Es wurde bereits im Sommer 1918 wieder geräumt.

Die Fotodokumente des Julius Hagenah

Das Titelbild dieses Beitrags zeigt die Brücke über den French Broad River in deren Verlängerung die Bridge Street das Lager in zwei Hälften teilte. Zur Veranschaulichung dazu nochmal diese Panorama-Aufnahme Hagenahs.

Panorama von Hot Springs, North Carolina, Fotos von Julius Hagenah, 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Ausschnitt des Lagerbereichs mit Barracken und dem Hotelkomplex (rechts oben) in Hot Springs, Bildvergrößerung aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf der folgenden Aufnahme ist der French Broad River am Lager über die Ufer getreten. Nachdem das Bild von der gegenüberliegenden Flussseite aufgenommen wurde, konnte der Fotograf dazu das Lager verlassen. Vielleicht hat ihn eine Wache begleitet.

Rechts im Hintergrund das Mountain Park Hotel und eine Lagerbaracke. Davor hängt Wäsche zum Trocknen auf zwischen Bäumen gespannten Leinen. Eine kleine Hütte im unteren Lagerbereich ist nicht mehr trockenen Fußes zu erreichen. Ganz im Hintergrund sehen wir die Brücke über den Fluss.

Hot Springs North Carolina, Flooding Winter 1917/1918
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf dem folgenden Foto ist die kleine Hütte bereits zur Hälfte im Wasser versunken. Rechts angeschnitten erkennen wir den verglasten Eingangsbereich des Badehauses des ehemaligen Hotels.

Hot Sprins North Carolina, Flooding Winter 1917/1918
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Jetzt steht das Badehaus komplett im Wasser und im Hintergrund ist ebenfalls „Land unter“ im „Deutschen Dorf“ des Lagers (siehe dazu ausführlich den Artikel Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah).

Hot Springs North Carolina, Winter 1917/1918, flooding
Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auf der nächsten Aufnahme sehen wir zahlreiche Schaulustige, die sich das Hochwasser aus der Nähe betrachten. Es ist eine bunte Mischung aus Herren in Seemannsuniform und Männern in Zivil.

In der linken Bildmitte sehen wir einen großen, flachen und fensterlosen Schuppen, den wir auf den Bildern vom „deutschen Dorf“ bislang nicht erkennen konnten. Vielleicht ein Lagerplatz für Baumaterial und Werkzeuge.

German sailors in the German Village, Hot Springs, Winter 1917/1918, flooding
Schaulustige im Lagerdorf besehen sich das Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Auch im Lagerdorf stieg das Wasser weiter an und erreichte bedrohliche Ausmaße. Die Kirche hatte die Seeleute offenbar auf einer kleinen Erhebung gebaut, so wie dies auch in vielen „echten“ Dörfern gemacht worden war.

German Village in Hot Springs, high water in winter 1917/1918
Land unter im Lagerdorf, Hochwasser des French Broad River in Hot Springs, Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie

Das Rätsel der Brücke

Auf einem Foto von Adolph Thierbach, der ebenfalls Aufnahmen in Hot Springs machte, ist eine zerstörte Brücke über den French Broad River zu sehen, an der Männer an einem Wiederaufbau arbeiten. Nach der Bauart der Stützpfeiler und der Bebauung im Hintergrund, dürfte es sich um die gleiche Stelle am Fluss handeln, die auf der Titelabbildung dieses Blogbeitrages zu sehen ist.

Die Aufnahme Thierbach ist allerdings nicht zeitgleich zu den Aufnahmen Hagenahs: die Vegetation zeigt dichte Belaubung.

Wahrscheinlich ist, dass die Aufnahme Thierbachs vorher entstanden ist und die Fotografien Hagenahs eine neue Brücke zeigen, die von den Deutschen oder mit Hilfe der Deutschen errichtet wurde. Eine Rückfrage beim Touristenoffice in Hot Springs konnte den Sachverhalt jedoch nicht endgültig klären.

Weitere Bilder des Hochwassers oder dessen Folgen hat Thierbach nicht gemacht bzw. sind nicht überliefert.

Die zerstörte Brücke ist hier zu sehen: https://www.ibiblio.org/ww1gd/Bridge_Wrecked_G0026.html

So sind Hagenahs Aufnahmen die einzigen Zeitzeugen vom Hochwasser 1917/1918 im Camp von Hot Springs.

Im nächsten und letzten Beitrag über das Lager Hot Springs sehen wir uns an, wie die Baracken gebaut wurden, in denen die Mannschaften untergebracht waren. Sie hatten definitiv nicht den Komfort des ehemaligen Hotels, das den Offizieren vorbehalten war.

Bleiben sie dran!

Weitere Artikel über das Lager Hot Springs finden Sie hier:

Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah

Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina

Gefangen in Hot Springs, Nord Carolina – Das „deutsche Dorf“ auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah

Einen einführenden Artikel über das amerikanische Internierungslager Hot Springs finden Sie hier:

Angelpartie in Hot Springs

Hot Springs internment camp 1917
Angelpartie, Hot Springs, North Carolina, Aufnahme vermutlich aus dem (Spät-)Sommer 1917, Press Illus. Service über commons.wikimedia.org
Originaltext: A beautiful river forms the western boundary of the camp affording the German fishermen to try their luck.