Aufnahmen des Schiffsoffiziers Julius Hagenah
Titelbild: Barackenbau in Hot Springs, NC, Richtfest (?), Foto aus dem Album von Julius Hagenah, Winter 1917/1918; Aufnahme in Privatbesitz, mit freundlicher Genehmigung der Familie
Dieser Artikel ist eine Fortsetzung der Erlebnisse des Schiffsoffiziers Julius Hagenah, der den Ersten Weltkrieg zunächst im Hafen von New York und später in den Internierungslagern Hot Springs, NC und Fort Oglethorpe, GA verbringen musste.
Zum besseren Verständnis lesen Sie seine Geschichte von Beginn an:
Der Offizier, Kapitän und Hafenlotse Julius Hagenah
Julius Hagenah – Internierung in New York und Ankunft in Hot Springs, North Carolina
Unterbringung im Lager
Das Mountain Park Hotel in Hot Springs verfügte über 200 Zimmer. Selbst bei einer Belegung von drei Mann pro Zimmer sind das immer erst 600 Personen, die darin untergebracht werden konnten. Insgesamt sollte das Lager aber etwa 2.300 internierte Seeleute aufnehmen. Das bedeutete, dass zusätzliche Baracken auf dem Gelände erstellt werden mussten.
Wie in fast allen Lagern, die während des Ersten Weltkriegs Gefangene aufnahmen, mussten die Zelte oder Baracken von den Internierten selbst aufgebaut werden. Nur das Material wurde gestellt. Das war in Hot Springs nicht anders.
Der Schiffsoffizier Julius Hagenah hat den Barackenbau dokumentarisch festgehalten und eine Reihe an Bildern in seinem Album zeigen uns, wie die Baracken entstanden sind. Den Schiffszimmerleuten mit ihrem wertvollen Fachwissen dürfte beim Bau eine koordinierende Funktion zugekommen sein.

Diese Baracke in unmittelbarer Nähe des Hot Springs Hotels entstand im Winter 1917/1918, dem einzigen Winter, den die Seeleute hier verbrachten. Zur Erinnerung: das Lager bestand von Juni 1917 bis August 1918.
Zahlreiche Gefangene sind mit dem Bau beschäftigt, andere, wie der Herr vorne in der Mitte, scheinen eine koordinierende Funktion zu haben. Die zum Bau notwendigen Holzplanken sind in der linken Bildhälfte vor dem Hotel gestapelt. Vor der überdachten Veranda des Hotels ist ein kleiner Schuppen zu erkennen, vielleicht die Bauhütte, in der Werkzeug und Material gelagert wurden.
Das nächste Foto zeigt den Baufortschritt der gleichen Baracke, was an dem markanten Baum, der direkt neben der Baracke steht, gut erkennbar ist. Von der Schneedecke, die auf dem Bild oben zu sehen war, sind nur noch Reste verblieben.
Die erste Seitenwand wurde in einem Stück gefertigt und dann mit vereinten Kräften aufgestellt.

Kurz darauf muss das nächste Bild entstanden sein: Die Seitenwand steht und ist mit Stützbalken vorläufig fixiert. Auffällig ist, dass reichlich Personen zur Begutachtung des Baufortschritts eingetroffen sind.

Wahrscheinlich einige Tage später, es hatte zwischenzeitlich wieder leicht geschneit, wurde die zweite Seitenwand aufgestellt. Hinter der ersten Seitenwand ist mittlerweile ein einfaches Gerüst zu erkennen.

Auf dem letzten Foto vom Bau, ist die Baracke bereits sehr weit fortgeschritten. Die Kopfwände stehen und auch der Dachstuhl ist errichtet. Im hinteren Teil der Baracke ist über den Arbeitern, die das Dach mit Holzplanken decken, ein Richtbaum zu erkennen.

Das letzte Foto aus der Reihe ist sicher beim Richtfest entstanden. Gut vierzig Männer (und ein Hund) haben sich im Inneren des Rohbaus versammelt und posieren für den Fotografen. Es ist eine bunte Mischung: Die meisten der Männer sind in Arbeitskleidung und haben zum Teil ihr Werkzeug in der Hand, andere elegant gekleidete Herren sind in Zivil, während andere ihre Offiziersuniform tragen.

Jede zusätzliche Baracke hat zur Entspannung der beengten Wohnverhältnisse im Lager beigetragen, von Wohnkomfort wollen wir an dieser Stelle nicht sprechen.
Die Baracken hatten einen Mittelgang, rechts und links davon standen eng aneinandergereiht die Betten, zum Teil doppelstöckig. Außerdem gab es einfache Kanonenöfen, die Sanitärbereiche lagen außerhalb.
Mit diesem Beitrag endet diese kleine Serie von fünf Artikeln über das Internierungslager Hot Springs in Nord Carolina, aber nicht die Geschichte der Gefangenschaft des Schiffsoffiziers Julius Hagenah.
Fort Oglethorpe
Im Sommer wurden alle Zivilgefangenen nach Fort Oglethorpe, Georgia gebracht, ein Lager unter Militärverwaltung mit weitaus strengeren regeln und deutlich weniger Annehmlichkeiten. Wegen der schwierigen Aussprache bekam es von den deutschen Seeleuten schnell den deutschen Namen Orgelsdorf.
Hagenah hat von diesem neuen Lager keine Aufnahmen mehr gemacht. Es ist zu vermuten, dass ihm die Kamera abgenommen wurde.
Was jedoch über das Lager existiert, sind Beschreibungen, offizielle Aufnahmen und Ausgaben zweier Lagerzeitungen, die von Internierten herausgebracht wurden. Die Titel: Orgelsdorfer Eulenspiegel und Die Bombe. Eine Ausgabe von „Die Bombe“ entstand zur Begrüßung der Seeleute aus Hot Springs. Diese Ausgabe hat Julius Hagenah in seinem Fotoalbum aufbewahrt.
Ein wertvolles Zeitdokument hier im Blog – bleiben Sie dran!
Weitere Artikel über das Internierungslager Hot Springs:
Gefangen in Hot Springs, NC – Lagerleben auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah
Hochwasser in Hot Springs 1917/18 – Auf Bildern des Schiffsoffiziers Julius Hagenah
