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Das Unterscheidungssignal der „Fürth“

Richard – Paul – Nanny – Jott

Die Registrierung der „Fürth“

In den letzten Wochen hatte ich einige Dokumente der „Fürth“ vorgestellt, die das Unterscheidungssignal des Dampfschiffes beinhalteten. Nicht jeder hat nautische Kenntnisse und deswegen möchte ich heute die Frage klären, was es mit diesem Unterscheidungssignal auf sich hat.

Das Unterscheidungsmerkmal wird bei der Registrierung eines Schiffes von der Registerbehörde vergeben. Die Registrierung der „Fürth“  hatte die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft im August 1907 bei der zuständigen Registerbehörde in Hamburg beantragt und zu diesem Zweck die sogenannte Anzeige und den Bielbrief an die Behörde gesandt: Der Bielbrief der „Fürth“ und die Eintragung ins Schiffsregister

Einen Tag später erhielt die Registerbehörde Post aus Berlin. Das Kaiserliche Schiffsvermessungsamt hatte den Schiffsmessbrief nach Hamburg geschickt (Die Vermessung der Fürth). Das Begleitschrieben dazu ist unten abgebildet.

Darin heißt es:

„Mit bezug auf Artikel 32 der Instruktion zur Schiffsvermessung vom 26. März 1895 wird anliegend des Schiffsmeßbrief nebst Abschrift für das Dampfschiff „Fürth“ welches in das Schiffsregister eingetragen werden soll, zur gefälligen weiteren Veranlassung ergebenst übersandt.“

Und weiter:

„Das erteilte Unterscheidungssignal bitte ich in den Meßbrief nachzutragen und hierher mitzuteilen.“

Unterzeichnet hatte der Beamte Schunke.

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Schreiben des Kaiserlichen Schiffsvermessungsamtes vom 14. August 1907 © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Das Unterscheidungssignal

Was hat es nun mit diesem Unterscheidungssignal auf sich?

„Jedes Schiff erhält bei seiner Eintragung in das Schiffsregister ein Unterscheidungssignal, das es auch behält, wenn es innerhalb des Reiches seinen Heimatshafen wechselt. Schiffe verschiedener Flagge führen häufig dasselbe Unterscheidungssignal, Schiffe derselben Flagge niemals.“ (Quelle: Hilfsbuch für die Schiffsführung, J. Müller & J. Krauß, Springer-Verlag, 1925)

Das Unterscheidungssignal ist damit in Verbindung mit der Nationalflagge am Heck ein eindeutiges Erkennungsmerkmal eines Schiffes im internationalen Verkehr.

Dieses Unterscheidungssignal wurde von der Schiffsregister-Behörde in das Anzeige-Formular eingetragen, ebenso wie eine fortlaufende Registernummer, im Falle der „Fürth“  die 3656.

Die „Fürth“ bekam von der Registerbehörde in Hamburg das Signal R P N J.

„Die Signalgruppen GQBC – GWVT wurden zur Bezeichnung der Schiffe der Kriegsmarine und die Gruppen HBCD – WVTS zur Bezeichnung der Handelsmarine bestimmt, weshalb sie den Namen Unterscheidungssignale führen.“

Anm: Die Buchstabenfolge RP.. wurde von der Registerbehörde in Hamburg von 1906 bis mindestens 1907 vergeben. Neuere Schiffe der DADG führen dann die ersten Buchstaben RQ.., RS.., RT.. usw.

Im Hilfsbuch für die Schiffsführung sind die Flaggen des Internationalen Signalbuchs abgebildet und ihre Benennung in der Reichsmarine aufgeführt. Die Benennung für die „Fürth“ lautete demnach:

Richard – Paul – Nanny – Jott

Quelle: Hilfsbuch für die Schiffsführung, J. Müller & J. Krauß, Springer-Verlag, 1925

Auf einem Schiff werden die Flaggen in ihrer Reihenfolge untereinander gesetzt und von oben nach unten abgelesen. Sie dienten in Zusammenhang mit der jeweiligen Landesflagge bei der Kommunikation zwischen zwei Schiffen oder mit einer Einrichtung an Land zur eindeutigen Ansprache eines Schiffes.

Die vier Flaggen sind gleichzeitig auch das funktelegrafische Rufzeichen, was für die „Fürth“ jedoch ohne Bedeutung war, da sie keine Funkanlage an Bord hatte.

RPNJ

Bei einem kurzen Schiffsnamen wie der „Fürth“ könnten Sie jetzt sagen, warum man den Namen des Schiffes nicht im Klartext wiedergibt. Wenn Ihr Schiff aber beispielsweise „Bürgermeister Smidt“ oder „Kronprinzessin Cecile“ heißt, leuchtet sicher sofort ein, dass ein Unterscheidungssignal, bestehend aus nur vier Flaggen-Buchstaben, sehr sinnvoll ist.

Verfügung

Die Registrierung eines Dampfschiffes war ein Verwaltungsakt und damit natürlich auch mit Kosten verbunden.

Über die Ausstellung des Schiffszertifikats der „Fürth“, des Auszuges aus dem Zertifikat und die Mitteilung der Eintragung an die Klassifikationsgesellschaften, wie zum Beispiel Lloyd’s, wurden Verwaltungsgebühren in Höhe von 12 Mark fällig. Darüber gibt folgende Urkunde vom 17. August 1907 Auskunft. Auch darin ist wieder das Unterscheidungs-Signal des Schiffes aufgeführt.

registration steam ship Furth, Hamburg

Verfügung, Eintragung der „Fürth“ ins Schiffsregister, © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Zusätzlich wurde die Baupolizei-Behörde über die Eintragung des Schiffes informiert (siehe Punkt 3b der Verfügung). Diese war zuständig für die Genehmigung und die regelmäßige Kontrolle von Dampfkesselanlagen an Land und auf Schiffen:

„Die Genehmigung der Baupolizei-Behörde erfolgt erst nach Einreichung aller erforderlichen Papiere. Dem Antragsteller wird eine Genehmigungs-Urkunde, mit welcher die Zeichnungen und Beschreibungen durch Schnur und Siegel verbunden sind, ausgehändigt.
Bevor der Kessel in Betrieb genommen werden darf, ist eine Bauprüfung, eine hydraulische Druckprobe und eine Abnahme-Prüfung erforderlich.“
Quelle: Die gesetzlichen Bestimmungen betreffend die Genehmigung und Untersuchung der Schiffsdampfkessel mit erläuternden Bestimmungen nebst Material- und Bauvorschriften, 7. veränd. Auflage. Im Auftrage der Baupolizei-Behörde herausgegeben im April 1909, Carl Hartmann, Eckart und Messtorff, Hamburg (abgerufen unter books.google.fr am 21.4.2019)

Carl Hartmann war Bau-Inspektor und Vorstand des Dampfkessel-Revisionsbureaus.

Der Betrieb von Dampfkesselanlagen war durch die hohen Drücke und die hohe Energie der Dämpfe nicht ohne Gefahren, was eine Genehmigung der Behörde und regelmäßige Inspektionen erforderlich machte, um Unfälle zu reduzieren.

Lloyd’s Register

Das Unterscheidungssignal wurde und wird nicht nur in das Schiffszertifikat eingetragen, sondern war und ist auch fester Bestandteil der Schiffsbeschreibungen in international gebräuchlichen Verzeichnissen, wie im Germanischen Lloyd und allen voran in Lloyd’s Register.

Die „Fürth“ trug das Unterscheidungs-Signal RPNJ bis Anfang 1915. Nach Verkauf des Schiffes, seiner Umbenennung und Neu-Registrierung in London wurde auch das Unterscheidungs-Signal neu vergeben.

Auf das bedeutende Lloyd’s Register komme ich noch einmal zurück und stelle hier im Blog vor, wie der Eintrag der „Fürth“ in einer Originalausgabe aus dem Jahr 1909/10 ausgesehen hat.

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Das Schiffszertifikat der „Fürth“

Schraubendampfer aus Stahl erbaut

Glückliche Fügung

Die Tatsache, dass ein Schiffszertifikat der „Fürth“ zusammen mit einem Auszug aus dem Schiffs-Zertifikat der „Fürth“ bei der Registerbehörde in Hamburg erhalten blieb und damit heute im Staatsarchiv Hamburg vorliegt, haben wir dem Umstand zu verdanken, dass die Vermessung der „Fürth“ nachträglich korrigiert wurde. Die Vermessung der Fürth

Ohne diese nachträgliche Korrektur des Schiffsmessbriefes wäre auch kein zweites, korrigiertes Exemplar des Zertifikates und dessen Auszuges angefertigt worden und beide Urkunden wären höchstens in einem Firmenarchiv der Deutsch-Australischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft zu finden, falls denn ein solches noch existieren würde.

Die Rücksendung des nach der Korrektur ungültigen Zertifikats und dessen Auszuges an die Registerbehörde erklärt auch, dass beide Urkunden durchgestrichen wurden.

„Ein neues Schiffszertifikat oder ein neuer Auszug aus dem Schiffszertifikate darf außer im Falle des § 15 Abs. 3 FlaggG nur dann ausgestellt werden, wenn das frühere Zertifikat oder der frühere Auszug eingereicht oder der Verlust glaubhaft gemacht ist. Die eingereichten Urkunden sind unbrauchbar zu machen; …“

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Schiffszertifikat der „Fürth, Seite 1, © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Das Schiffs-Zertifikat

Sehen wir uns zunächst einmal an, was ein Schiffszertifikat überhaupt ist:

„Über die Eintragung des Schiffes in das Seeschiffsregister wird von dem Registergericht eine mit dem Inhalte der Eintragung übereinstimmende Urkunde, das sogenannte Schiffszertifikat, ausgestellt. § 10 Abs. 1 FlaggG.“

Die darauf folgenden Sätze sind dann eher für den juristisch interessierten Leser interessant:

„Die Einrichtung des Schiffszertifikats ergibt sich aus dem Muster, das der Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend die Ausführungsbestimmungen zum § 25 FlaggG vom 10. November 1899 (Z.Bl. f. fr. Ger. S. 380) beigefügt ist. Das Zertifikat ist unter dem Siegel oder dem Stempel des Amtsgerichts und unter der Unterschrift des Richters – nicht auch des Gerichtsschreibers – auszufertigen; Lack ist zu dem Siegel nicht zu verwenden. Werden mehrere Bogen zu einem Schiffszertifikat verwendet, so sind sie mit Seide zu heften und die Enden sind mit dem Ausfertigungssiegel festzulegen. § 42 Abs. 1 und 3 Allg Vfg vom 11. Dezember 1899.“

Nach diesen juristischen Details wird der nächste Satz wieder praxisbezogener:

„Nur durch das Schiffszertifikat wird das Recht des Schiffes zur Führung der Reichsflagge nachgewiesen. § 11 Abs. 1 FlaggG.“

Flagge Deutsches Kaiserreich

Flagge Deutsches Kaiserreich

Im Schiffszertifikat der „Fürth“ heißt es entsprechend:

„Zugleich wird bezeugt, daß dem Schiffe „Fürth“ nach dem Gesetze vom 22. Juni 1899 (Reichs-Gesetzbl. S. 319) das Recht, die Reichsflagge zu führen, nebst allen Rechten, Eigenschaften und Privilegien eines deutschen Schiffes zusteht“.

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Schiffs-Zertifikat der „Fürth“, Seite 2, © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Im Zertifikat ist als alleiniger Eigentümer die Aktien-Gesellschaft Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft eingetragen (1/1) wobei auf der letzten Seite unter Pfandrechten vermerkt ist:

„Laut Protokoll vom 1. Mai 1897 ist eine Vorrechtsanleihe aufgenommen worden.“

Unterzeichnet wurde das (erste) Schiffszertifikat der „Fürth“ am 17. August 1907. Unterzeichner ist die Schiffsregister-Behörde, der Name des unterzeichnenden Beamten ist Kähne.

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Schiffs-Zertifikat der „Fürth“, Seite 3, Pfandrechte, © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Der Auszug aus dem Schiffszertifikat

Ein zweites Dokument, das die Reederei beim Registergericht beantragt hatte, war der sogenannte Auszug aus dem Schiffszertifikat.

Über den Auszug aus dem Schiffszertifikat gibt die gleiche Quelle Auskunft:

„Auf Antrag des Reeders oder des Schiffers hat ferner das Registergericht, daß das Schiffszertifikat ausgestellt hat, einen beglaubigten Auszug aus dem Schiffszertifikate zu erteilen.“

Diesmal erspare ich Ihnen die formellen Details und komme gleich zum praktischen Nutzen dieses Auszugs:

„Der beglaubigte Auszug vertritt vielfach die Stelle des Schiffszertifikats selbst. Nach § 11 Abs. 3 FlaggG genügt es nämlich auch, wenn statt des Schiffszertifikats ein solcher beglaubigter Auszug während der Reise an Bord des Schiffes mitgeführt wird.“

Sie kennen das Prinzip vom Kraftfahrzeug. Der Auszug aus dem Schiffszertifikat entspräche also dem Fahrzeugschein, während das Schiffszertifikat dem Fahrzeugbrief gleichzusetzen wäre. Die Eigentumsverhältnisse an unserem Dampfschiff „Fürth“ sind entsprechend auch nur im Schiffszertifikat wiedergegeben, nicht aber im Auszug aus demselben.

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Titelblatt des Auszuges aus dem Schiffs-Zertifikat der „Fürth“

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Auszug aus dem Schiffs-Zertifikat der „Fürth“, © Staatsarchiv Hamburg, Schiffsregisterakte Schraubendampfer Fürth, Registernr. 3656, Ref. 231-4_3005

Falls Sie Probleme beim Lesen der Kurrentschrift haben: Unter dem Punkt 2. Gattung heißt es: „Schraubendampfer aus Stahl erbaut“, unter Punkt 4 wurde nach dem „vollständigen Verfahren“ vermessen, unter 4b sind die Zahlen des Netto-Raumgehalts noch einmal in Worten wiedergegeben und ganz unten unter dem Datum heißt es: Die Schiffsregister-Behörde. Unterzeichner ist ein Beamter namens Kähne.

Alle Zitate zu Schiffszertifikat und Auszug stammen aus:

Die Registersachen in der gerichtlichen Praxis, 2. Aufl.; Dr. A. Brand & Theodor Meyer zum Gottesberge, S. 407, Springer Verlag 1927 (abgerufen unter play.google.com am 3.4.2019)

Ich glaube übrigens nicht, dass allzu viele deutsche Schiffszertifikate aus der Zeit vor 1914 noch erhalten sind. In dem Fall der „Fürth“ ist es einer nachträglichen Korrektur des Messbriefes zu verdanken. Eine echte Rarität also?

Falls Sie Quellen mit anderen Schiffszertifikaten aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs kennen oder vielleicht selbst eines haben, freue ich mich über Hinweise!