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Neumunster, German-Australian Line, August 1914

Schwesterschiffe der „Fürth“: Die „Neumünster“

Endstation Fremantle (Westaustralien)

Dieser Blogartikel fasst die Geschichte eines der Schwesterschiffe der „Fürth“ zusammen, dem Dampfschiff „Neumünster“.

Er setzt damit die Reihe fort, die mit der „Reichenbach“ begonnen wurde (Schwesterschiffe der „Fürth“: Die „Reichenbach“ ) und mit der „Plauen“ weitergeführt wurde (Schwesterschiffe der „Fürth“: die „Plauen“ ).

Die Geschichte jedes dieser Schwesterschiffe hat interessante Details zu bieten. Bei der „Neumünster“ ist bemerkenswert, wie viele Originaldokumente von diesem Schiff noch erhalten sind.

Aber beginnen wir mit dem Bau des Schiffes „Neumünster“.

Bildnachweis Titelbild: Das Dampfschiff “Neumünster” im Hafen von Fremantle, Zeitungssausschnitt (Western Mail, 21. Aug 1914), Quelle: National Library of Australia (trove.nla.gov.au)

Das Schiff

Die Bestellung der „Neumünster“ erfolgte nur einen Tag, nachdem die „Plauen“ bestellt worden war, nämlich am 1. Februar 1906. Der Baubeginn erfolgte dann mit einiger Verzögerung am 11. Oktober 1906, der Stapellauf am 16. April 1907 und die Lieferung an die Reederei am 18. Mai 1907. (Alle Angaben nach Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Otto Harms, Hamburg, 1933.)

Der Bau erfolgte damit zeitlich sehr synchron mit dem der „Plauen“, lediglich einen Monat nach hinten versetzt und auch dem der „Fürth“, die im Zeitplan drei Monate nach der „Neumünster“ lag. Erstaunlich finde ich die Tatsache, dass jedes dieser knapp 120 Meter langen Schiffe in einer Bauzeit von nur rund 200 Arbeitstagen fertiggestellt werden konnte. Das zeugt von einem hohen Organisationsgrad der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft.

Für die Maße und die Motorisierung des Schiffes verweise ich auf den Artikel der „Fürth“: Bau, Stapellauf und Probefahrt der „Fürth“ . Hier gibt es auch für die Neumünster nichts Neues. Lediglich das Vermessungsergebnis sei hier genannt, da dieses für jedes Schiff trotz gleicher Baupläne unterschiedlich ausfällt: Die „Neumünster“ hatte 4224 Bruttoregistertonnen („Fürth“ 4229). Der Baupreis war mit 1,255 Millionen Mark identisch mit dem der „Plauen“ und 17 tausend Mark unter dem der „Fürth“.

Neumünster in Norwegen

Das Schiff „Neumünster“ in Norwegen, © Reinhart Schmelzkopf, Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg, 1984.

Die Stadt Neumünster

Das kleine Städtchen Neumünster in Schleswig-Holstein hatte im 19. Jahrhundert die typische Entwicklung einer Industriestadt genommen. Durch die Textilindustrie wuchs die Stadt von 1867 als sie gerade einmal 9.000 Einwohner hatte auf 35.000 Einwohner im Jahr 1910. Zu diesem Zeitpunkt prägten Betriebe wie die Tuchfabrik Christian Friedrich Köster oder die Lederfabrik Emil Köster AG das Stadtbild; Neumünster wurde Holsteins „Manchester“ (Quelle: vimu.info).

Schafwolle war Australiens wichtigstes Exportprodukt und auch Tierhäute, Schaffelle und Gerbstoffe wurden in großer Zahl nach Europa exportiert, sicher auch über den Hamburger Hafen nach Neumünster. Zu den deutschen Importen australischer Produkte: Australische Exporte nach Deutschland

Aber auch in entgegengesetzter Richtung könnten Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen aus Neumünster und Australien bestanden haben, waren doch Kleidung und Textilien die wichtigsten Exporte des Deutschen Reichs nach Australien. Deutsche Exporte nach Australien

Mehr über die Industriegeschichte Neumünsters erfahren Sie in dem kleinen Prospekt der Stadt Neumünster „Route der Industriekultur, Neumünster, 25 Stationen der Industriegeschichte“, abrufbar auf der Seite metropolregion.hamburg.de

Neumünster Schleswig-Holstein 1895

Ansicht von Neumünster, 1895, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wd_b187.JPG

Auf Australienfahrt

Wie alle Schiffe der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG) bediente die „Neumünster“ bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Linien der Reederei nach Australien und Niederländisch Indien.

Entscheidend für das weitere Schicksal des einzelnen Schiffes war die geografische Position Ende Juli/Anfang August 1914 beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Wie alle Schiffe der Kleinserie war auch die „Neumünster“ noch nicht mit einer Telegrafenanlage ausgestattet und musste sich daher von den politischen Entwicklungen im nächsten Hafen überraschen lassen.

Die „Neumünster“ hatte Hamburg am 30. Juni und Antwerpen am 4. Juli 1914 verlassen und war für den 14. August 1914 in Fremantle an der Westküste Australiens angekündigt. Danach sollte die „Neumünster“ die südaustralischen Hafenstädte Adelaide und Port Pirie anlaufen.

Anm.: Normalerweise waren die Schiffe der DADG auf ihrer Reise zwischen Europa und Australien (mindestens) einen Hafen in der Kapkolonie bzw. Südafrikanischen Union angelaufen. Das war bei dieser Reise nicht der Fall. Die „Neumünster“ hatte den Bedarf an Bunkerkohle für die ganze Fahrt nach Australien in Europa gedeckt. Oft waren die Schiffe bei der Ausreise nach Australien nicht voll beladen, so dass genug Platz für Bunkerkohle vorhanden war.

Am 16. August 1914 um 6.30 Uhr wurde die „Neumünster“ unter Führung von Kapitän Carl Herrmann vor der australischen Westküste in der Nähe von Rottnest Island von dem Kreuzer HMAS „Pioneer“ gestoppt und anschließend in den Hafen von Fremantle gebracht.

Die Mannschaft wurde auf Rottnest Island interniert. Zu diesem Lager gibt es hier noch einen eigenen Artikel, denn ich will auch das Schicksal der deutschen Seeleute und das der deutschstämmigen Einwohner Australiens im Ersten Weltkrieg nicht vergessen.

Gerichtsverhandlung

Gegen die Beschlagnahmung der „Neumünster“ wurde von Kapitän Herrmann im Namen der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft Einspruch erhoben. Es ging darum, ob die „Neumünster“ eine rechtmäßige Prise (“prize“) war oder ob sie nur festgehalten werden konnte (“detention“). Zentraler Streitpunkt war die Frage, ob die Kaperung noch auf hoher See stattfand, oder ob sich das Schiff zum Zeitpunkt der Kaperung bereits im Hafengebiet von Fremantle befand. Details dazu unter anderem in: The Daily News, Perth, Fr. 4. Dez. 1914, S. 8, THE NEUMUNSTER (Quelle: trove.nla.gov.au).

Das Urteil fiel dann erwartungsgemäß aus: Die „Neumünster“ wurde in der Urteilsverkündung am 22. Dezember 1914 als rechtmäßige Prise anerkannt. Auch dazu gibt es mehrere Zeitungsartikel, unter anderem sehr ausführlich in The West Australian, Perth, Mi 23. Dez 1914, S. 7-8, PRIZE COURT (Quelle: trove.nla.gov.au).

Unabhängig von der Gerichtsentscheidung war die „Neumünster“ bereits ab Ende Oktober wieder auf See und brachte eine Woll-Lieferung nach England.

Cooee, Neumünster

„Cooee“, exNeumünster; Quelle: © Maritime Museum of Tasmania, https://ehive.com/collections/3906/objects/620489/cooee

„C3“, „Cooee“ und „Bomarsund“

Ab Januar erhielt das Schiff den provisorischen Namen „C3“, bevor es später in „Cooee“ umgetauft wurde. Es blieb bis Ende 1925 im Verkehr zwischen Australien und England.

Im Januar 1926 wurde die „Cooee“, ex-Neumünster für £ 190.000 an die Fa. A/B Naxos Prince des finnischen Reeders und Geschäftsmanns Robert Mattson in Helsinki verkauft und umbenannt in „Bomarsund“.

Anm.: Quelle für den Verkaufspreis: Daily Mercury, Mackay (Queensland), Mo 18. Jan 1926, S. 5, COMMONWEALTH SHIPS)

Mehr Informationen über die „Bomarsund“, ex-Neumünster sowie Bilder finden Sie auf der sehr informativen Webseite über die finnische Schifffahrt Äänimeri: https://www.aanimeri.fi/piwigo/index.php?/category/89

Im Oktober 1935 wurde die „Bomarsund“ zum Abbruch an die Fa. Van Heyghen ins belgische Gent verkauft.

Falls Sie mal ein altes Schiff los werden wollen: Van Heyghen Recycling gibt als Teil der belgischen Galloo-Gruppe noch heute. Schiffe werden im Hafen von Gent abgewrackt und der Schrott anschließend verkauft.

Spannende Originaldokumente

Zu den eingangs erwähnten Originaldokumenten: Der Festsetzung des Schiffes in Fremantle ist es zu verdanken, dass zahlreiche Schiffsdokumente im nahegelegenen Perth erhalten geblieben sind (heute ist Fremantle Teil des Ballungsraumes Perth).

Man ist dort sehr sorgfältig mit den Unterlagen der beschlagnahmten Schiffe umgegangen, da die Beschlagnahmungen jeweils Gerichtsprozesse nach sich zogen. Neben Dokumenten der „Neumünster“ sind auch zahlreiche Unterlagen der ebenfalls im August 1914 beschlagnahmten Schiffe „Greifswald“ und „Thüringen“ des Norddeutschen Lloyd (Bremen), archiviert worden.

Von der „Thüringen“ liegt sogar ein alter Schlüssel im Archiv: http://sro.wa.gov.au/blogs/key-prize-war-ww1-wa

Der Schlüssel und all diese historisch sehr interessanten Papiere finden sich im State Records Office of Western Australia in Perth. Für das Schiff „Neumünster“ sind das

– das Schiffszertifikat
– der Messbrief
– die Musterrolle
– ein Gesundheitspass vom Britischen Generalkonsulat in Antwerpen
– ein Gesundheitspass vom Generalkonsulat der Niederlande in Antwerpen
– eine Bescheinigung vom Hafenarzt in Hamburg
– ein „Sailing und Arrival Code“ der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft für telegrafische Nachrichten
– eine Bescheinigung von Lloyd’s Register, ausgestellt in Rotterdam
– eine Liste der Schiffs-Vorräte für den australischen Zoll (Getränke & Lebensmittel; Öle, Lacke etc.)
– eine Inventarliste der Schiffsausstattung
– das Logbuch (Schiffstagebuch, ab 20. Juni 1914)

Demnächst mehr zu einem Teil dieser Dokumente hier im Blog!

Logbuch Neumünster 1914, log book

Schiffstagebuch der „Neumünster“, Juni bis August 1914, © State Records Office of Western Australia, Perth, Cons. 4230/1.2

Merseyside Maritime Museum, Liverpool

Ein Logbuch der „Fürth” in Liverpool

April bis November 1914

Ein schiffshistorischer Archivschatz

An einem sehr unerwarteten Ort hat sich ein Schiffstagebuch (Logbuch) des Dampfschiffes „Fürth“ durch die Wirren der Zeit erhalten: im Archiv des Merseyside Maritime Museums in Liverpool.

Wie es dazu kam, erzählt dieser Blogartikel.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1830.

Bildnachweis zum Titelbild: Das Merseyside Maritime Museum in Liverpool; Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Merseyside_Maritime_Museum,_Albert_Dock,_Liverpool_-_geograph.org.uk_-_633029.jpg; Bildwiedergabe in Sepia

Das Schifffahrtsunternehmen Thomas und James Harrison

1830 trat Thomas Harrison als Lehrling in die Reederei Samuel Brown & Son & Co. ein, acht Jahre später dann sein Bruder James Harrison. Die Firma importierte Cognac und Wein aus der Charente in Südwest-Frankreich nach England. Mit den Jahren wurden beide Harrisons Teilhaber der Firma.

Im Jahr 1853, als der Sohn Samuel Browns, George, starb, übernahmen Thomas und James das Unternehmen und nannten es Thos. & Jam. Harrison.

Bald kamen neue Schiffe dazu, die in der Regel nach Berufen und Handel benannt wurden, eine Eigenart der Reederei. Das erste Schiff hieß „Philosopher“, andere bekannte Schiffsnamen waren zum Beispiel „Botanist“ oder „Astronomer“.

In den 60-er Jahren kamen zu den Importen aus Frankreich regelmäßige Verkehre nach Indien, dem Fernen Osten sowie Mittel- und Südamerika hinzu und 1871 wurde das Eigentum an den Schiffen in ein neugegründetes Unternehmen, die Charente Steamship Co. übertragen, mit den beiden Harrisons als Geschäftsführer.

Charente Steamship Co., T & J Harrison, Liverpool

Hausflagge, Charente Steamship Co. Ltd (AAA0249), Royal Museums Greenwich, https://collections.rmg.co.uk/collections/objects/249.html

Zwanzig Jahre später, im Jahr 1891, hatte die Reederei bereits 29 Dampfschiffe. In diesem Jahr starb der zweite Gründer, James Harrison, nachdem Thomas Harrison bereits 1888 verstorben war.

Aber auch dem Tod der beiden Harrisons sollte das Unternehmen nicht aufhören zu wachsen: 1910 wurde eine Niederlassung in London gegründet, im Dock House in der Billiter Street, einer Seitenstraße der Fenchurch Street unweit von Lloyd’s Register.

Diese Niederlassung war von den britischen Behörden mit der Abwicklung der Ankunft des Dampfschiffes „Fürth“ im November 1914 betraut worden. SIEHE: Kapitän R. J. Thomson überführt das Dampfschiff „Fürth“ von Ceylon nach England

Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte T & J Harrison über 70 Schiffe in Verkehr, im Vergleich dazu hatte die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg als fünft größte deutsche Reederei 55 Schiffe.

Das Unternehmen war danach noch bis in die 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts sehr aktiv, musste dann seine Flotte stark reduzieren und gab im Oktober 2000 die Schifffahrt ganz auf.

Eine Nachfolgegesellschaft, die Charente Limited wurde vor wenigen Jahren (2013) aufgelöst. Quelle https://www.thegazette.co.uk/notice/L-60466-1794750.

Eine sehr viel detailliertere Firmengeschichte findet sich hier (in englischer Sprache): MARITIME ARCHIVES AND LIBRARY, INFORMATION SHEET 69, T & J HARRISON LTD

Ein Schatz im Firmenarchiv

Im Jahr 2002 nach der Veräußerung des Firmengebäudes von T & J Harrison wurden viele Dinge, wie zum Beispiel Schiffsmodelle versteigert; das Firmenarchiv dagegen wurde dem Merseyside Maritime Museum in Liverpool übergeben, das heute Teil des National Museums Liverpool ist.

Anm.: Merseyside ist der Name des Countys, zu der auch die Stadt Liverpool gehört. Der Mersey ist ein Fluss, der sich vor seiner Mündung weit öffnet und an dem die Stadt Liverpool liegt. Häfen befinden sich auf beiden Seiten des Merseys in Liverpool (Ostseite) und Birkenhead (Westseite).

In diesem Merseyside Maritime Museum konnte ich einen wahren Schatz für die Rekonstruktion des Dampfschiffes „Fürth“ ausmachen.

Unter dem Referenzcode B/HAR/11/1 – 5, 4/1 ist ein Logbuch des Frachtdampfers „Fürth“ archiviert.

Logbuch

Das Logbuch ist das Tagebuch eines Schiffes, das für jeden Tag der Fahrt routinemäßige Einträge zu Wetter, Fahrtstrecke etc. enthält. Alle Ankünfte und Abfahrten in den Häfen sind darin ebenso zu finden, wie alle ungewöhnlichen oder zumindest berichtenswerten Ereignisse zu Fahrtgebiet, Schiff oder Mannschaft. Das Logbuch hat für alle späteren Rekonstruktionen der Fahrt Beweiskraft, zum Beispiel zur Beurteilung von Havarien vor dem Seegericht. Verantwortlich für das Logbuch ist der Kapitän, der die Führung des Buches aber an eine andere Person übergeben kann. In beiden Fällen bürgt der Kapitän mit seiner Unterschrift auf den Seiten für die Richtigkeit der Angaben.

Beispiel einer (englischen) Logbuchseite (nicht von der „Fürth“, sondern von der HMS „Fox“, siehe dazu auch Die Kaperung der „Fürth“):

Logbook, HMS Fox, August, 10th 1914

Logbuchseite der „HMS Fox“ vom 10. August 1914; aus: Royal Navy Log Books of the World War 1 Era HMS FOX – November 1913 to April 1915, Persian Gulf, East Indies Station, German East African Campaign (Part 1 of 2); Edited by Don Kindell, Naval History Researcher, Ohio, USA; Quelle: https://www.naval-history.net/OWShips-WW1-05-HMS_Fox.htm

Der Zeitraum dieses in Liverpool archivierten Logbuches umfasst den langen Zeitraum vom 25. April 1914 bis 29. November 1914.

Am 25. April 1914 war die „Fürth“ von Hamburg zu ihrer letzten Australienreise aufgebrochen: siehe Unvollendete Fahrt. Hier noch einmal die Stationen:

steam ship Furth, April to August 1914, until captured off Ceylon August 10th, 1914

Die vierzehnte und letzte Australienfahrt der „Fürth“ vom 25. April 1914 bis zur Kaperung und dem anschließenden Einlaufen in den Hafen Colombo am 10./11. August 1914

Kapitän R. J. Thomson von T & J Harrison hat dann offensichtlich das vorhandene Logbuch der „Fürth“ übernommen und weitergeführt bis das Schiff am 26. November 1914 in London ankam. Drei Tage später hat er wohl das Schiff verlassen, an diesem Tag, dem 29. November 1914 endet das Logbuch.

Ein Logbuch mit zwei Teilen

Das Besondere an dem Logbuch ist also, dass es zwei komplett unterschiedliche Phasen des Schiffes umfasst: Der erste Teil der Einträge muss von Kapitän W. Richter oder einer von ihm beauftragten Person stammen und beschreibt eine Australienreise der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG), zumindest bis Ceylon auf der Rückreise. Der zweite Teil des Logbuches ist dann von dem britischen Kapitän R. J. Thomson nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges geführt worden.

Hier noch einmal die Kurzbeschreibung des Archivs zu dem Logbuch, die ich bereits veröffentlicht hatte. Siehe: Kapitän R. J. Thomson überführt das Dampfschiff „Fürth“ von Ceylon nach England. Diese bezieht sich naturgemäß nur auf den für T & J Harrison relevanten zweiten Teil des Logbuchs:

“The SS Fürth was captured by the Royal Navy and subsequently manned by Harrison Line’s officers and crew from the Diplomat. The Diplomat was captured on 13 September 1914 by the German commerce raider, Emden in the Bay of Bengal, and after the crew were transferred to the prison ship Kabinga, the Diplomat was sunk. Upon release in Calcutta, Captain Thomson and most of the crew went to Colombo (16 September 1914) and took over the captured SS Fürth and sailed to London.”

Auf nach Liverpool

Hier die Archivangabe für mich oder jede andere Person, die diesen Schatz im National Museums Liverpool einmal heben möchte:

National Museums Liverpool, Maritime Archives & Library, T & J Harrison Ltd, Ref.code B/HAR, Acc. No.: MMM.2005.59,
Reference code B/HAR/11/1 – 5, 4/1 – 6, 1
abgerufen unter https://discovery.nationalarchives.gov.uk/ am 9. Oktober 2019.

Das Museum bietet leider keinen Recherche-Dienst an, aber vielleicht fällt mir ja noch etwas ein, wie ich an das Logbuch komme, ohne selbst nach Liverpool zu fahren.

Allerdings muss man wissen, dass der Vordruck eines Schiffstagebuchs der DADG hundertvierundachtzig (184) Seiten umfasste und für jeden „bürgerlichen Tag“ eine der durchnummerierten Journalseiten auszufüllen war. Es wartet also viel Arbeit auf den „Schatzsucher“.

Anm.: Auf die Schiffstagebücher der DADG und die darin vorkommenden Begriffe wie „bürgerlicher Tag“ komme ich noch zurück.

 

Liverpool, George's Dock, 1897

Liverpool, George’s Dock, 1897, Postkarte, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:George%27s_Dock_1897.jpg