Die Fuerth in australischer Werbung

Jas. Marshall & Co.

Eine für uns heute sehr ungewöhnliche Anzeigenwerbung machte der erfolgreiche Kaufmann James Marshall in Adelaide. In seinen beiden Kaufhäusern verkaufte er Textilien, Eisenwaren und Möbel.

In der abgebildeten Anzeige kündigte er neue Waren für seinen Frühjahrsverkauf an (zur Erinnerung: in Adelaide auf der Südhalbkugel beginnt der Frühling im September). Er listete darin Schiffe auf, mit denen er neue Produkte geliefert bekommen hatte und nannte pro Schiff die Ladungsmenge. So hatte er von der kurz zuvor (am 30. August 1909) in Adelaide eingelaufenen „Fürth“ 32 Kisten neue Ware für seinen „SALE“ bekommen.

Jas. Marshall & Co. advertisement September 1909

Anzeige von Jas. Marshall & Co in: The Express and Telegraph, Adelaide, Fr 3. Sep 1909, S. 3.

Der Erfolg gab ihm recht: Der schottische Einwanderer hatte das größte Geschäft seiner Art in Südaustralien und beschäftigte bis zu 800 Mitarbeiter, quasi der „Gustav Schickedanz von Adelaide“. Für Nicht-Fürther: Gustav Schickedanz war der Begründer des Kauf- und Versandhauses Quelle in Fürth.

Außerdem war James Marshall Stifter und Wohltäter und engagierte sich in zahlreichen sozialen Einrichtungen seiner Stadt. Er verstarb im Jahr 1925 und hinterließ ein Vermögen von damals stattlichen £26.000.

Quelle: Marshall, James Waddell (1845-1925), Australian Dictionary of Biography, National Centre of Biography, Australian National University, http://adb.anu.edu.au/biography/marshall-james-waddell-4158/text6673, published first in hardcopy 1974, online abgerufen am 10. April 2018.

View looking down a street, with horse-drawn vehicles parked along the curb and pedestrians walking along the footpath. A sign on a building reads: 22. James Marshall & Co. 24-26.

Bild in die Rundle Street, Adelaide. Rechts vorne am Gebäude steht 22. James Marshall & Co. 24-26.
Quelle: State Library Victoria, Image H86.98/435, ca. 1900-1910

Am Straßenrand sehen wir parkende Pferdefuhrwerke und Verkaufsstände. Der aufmerksame Leser stellt fest: die Hausnummern in der Anzeige (34-38) stimmen nicht mit den Hausnummern am Gebäude überein (22-26).

In der Tat hat Jas. Marshall & Co. am 7. Dezember 1908 neue Verkaufsräume in der Rundle Street eröffnet, das oben stehende Foto muss also älter sein.

Rundle Street with shops, department stores and street traffic. Some of the shops from the extreme left are: Barlows Shoes; Coudrey's Chemist; E.S.Wigg & Son, Stationers; The Coliseum, Donaldson's and James Marshall department stores. People are patronising the street fruit and vegetable barrows and strolling past the shop windows. There is one motor car to be seen amongst the horse-drawn traffic (in front of Marshall's). [On back of photograph] 'Rundle street, looking east from King William Street / Nov. 1909 / Near side of Barlow's (on extreme left) is 30 yards east of King William St.'

Rundle Street, Adelaide, Aufnahme Nov. 1909. Quelle: State Library of South Australia, B3542.

In der zweiten Aufnahme der Rundle Street vom November 1909 ist das Kaufhaus von Jas. Marshall & Co. am neuen Ort und zwar einige Häuser weiter. Laut Angaben zum Foto ist das einzige Auto, das wir auf dem Foto im Hintergrund am linken Straßenrand sehen, vor dem Geschäft der Fa. Marshall geparkt. Es ist das Gebäude mit der imposanten Kuppel, das ehemalige Globe Hotel in Adelaide.

Aktenzeichen ungeloest! – Wo ist die Waratah?

Ungewöhnliches Medienecho erregte die Ankunft der „Fürth“
am 22. August 1909 in Fremantle.

Zeitungen in vielen Ländern bringen eine Meldung über die Ankunft der „Fürth“ in Australien.

Unavailing research, "Waratah", TARANAKI HERALD, VOLUME LV, ISSUE 13990, 23 AUGUST 1909

Zeitungsmeldung vom 23. August 1909 über die erfolglose Suche der „Fürth“ nach der „Waratah“, TARANAKI HERALD, Neuseeland, VOLUME LV, ISSUE 13990, 23 AUGUST 1909

Warum ist das so? Lesen Sie die ganze Geschichte jetzt im Blog: Die fünfte Australienfahrt der „Fürth“  vom 3. Juli bis zum 27. November 1909: Suche nach der Waratah

Außerdem:
Missgeschick in Adelaide: Die „Fürth“ läuft auf Grund!

German-Australian Steam Ship Company

Fundstueck

Alte Dinge haben manchmal verschlungene Wege hinter sich und man findet sie an Orten, an denen man sie nicht vermuten würde.

So konnte ich ein Buch aus dem Jahr 1933, gedruckt in Hamburg, in einem Antiquariat in Connecticut an der amerikanischen Ostküste ausfindig machen. Stefan Baer betreibt dort seinen Complete Traveller Antiquarian Bookstore, allerdings seit 2015 nicht mehr als Ladengeschäft, sondern nur noch online. Laut seinen Angaben war er der erste Buchladen in den USA, der ausschließlich auf Reiseliteratur spezialisiert war. Unter anderem hat er Baedeker-Reiseführer aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert bis 1945 im Programm.

CTrarebooks.com

Frisch eingetroffen: Das Online-Antiquariat Complete Traveller Antiquarian Bookstore ist auf Reiseliteratur im weitesten Sinne spezialisiert.

Das von mir erstandene Buch trägt den Titel: Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft, Hamburg und den Untertitel Ihre Gründung und Entwicklung bis zum Kriege.

Erschienen ist das Buch bei Schröder & Jeve, Druckerei und Verlag, Hamburg 8. Verfasser ist Otto Harms, der bei der Gründung des Unternehmens am 18. September 1888 zum Vorstand bestellt wurde und dieses Amt lange Jahre begleitete.

German-Australian Steam Ship Company

Buchdeckel: Außer dem Buchtitel ist die Kontorflagge (Hausflagge) der Reederei in den Farben des Deutschen Reiches abgebildet.

Schwerpunkte des Buches sind allerdings die Gründungsphase und die ersten Jahre der Firma. Die „Fürth“ ist nur ein einziges Mal im Text erwähnt, aber in den tabellarischen Anlagen können wir doch die ein oder andere interessante Information finden. Auch ein Foto der „Fürth“ suchen wir vergeblich, lediglich das eines Schwesterschiffes und zwar der „Hagen“; das gleiche Bild, welches sich im Stadtarchiv Fürth befindet und hier im Blog schon veröffentlicht wurde.

Ein Bild, auf dem ein weiteres Schwesterschiff der „Fürth“, die „Reichenbach“ am Australiakai in Hamburg zu sehen ist, werde ich hier in Kürze vorstellen.

German-Australian Steam Ship Company, Foundation and Development until WW1

Buchtitel. Natürlich ist das Buch in Fraktur gedruckt, der damals üblichen Schriftart.

Nichtsdestotrotz gibt das Buch viele Details preis, die sich aus den Schiffsmeldungen der Zeitungen nicht erschließen und welche die Geschichte der „Fürth“ in den unternehmerischen Zusammenhang der Reederei stellen.

Das Buch ist übrigens in einem einwandfreien Zustand, außer ein paar Flecken und dem rostigen Abdruck einer Büroklammer (was vom Antiquariat genau so ausgeschrieben war). Es scheint ungelesen zu sein. Begeben wir uns auf Entdeckungsreise!

casks were used for shipping of various products

Scheepstijdingen – Die Fuerth in Amsterdam

Niederländisch für die Seefahrt

Herzlich willkommen zu unserer ersten Stunde des Kurses „Niederländisch für die Seefahrt“!

Spaß beiseite, aber um ein bisschen Niederländisch kommen wir bei der Rekonstruktion der Geschichte des Dampfschiffes „Fürth“ nicht herum. Neben den beiden Häfen Amsterdam und Rotterdam spielen auch die Häfens Niederländisch-Indiens, allen voran Batavia und Soerabaya als wichtige Handelsplätze eine Rolle.

De Stoomboot „Fürth“

Mittlerweile habe ich für mich neue, niederländische Quellen gefunden, deshalb heute ein Nachtrag zu den ersten vier Fahrten des Dampfschiffes „Fürth“. Das Archiv www.delpher.nl enthält unzählige Zeitungsartikel aus den Niederlanden sowie aus Niederländisch-Indien und ich bin erst am Anfang der Recherche. Unter anderem finden wir Frachtlisten der „Fürth“ zu den ersten vier Fahrten.

Frachtlisten

Diese Frachtlisten beschreiben minutiös jeden in die Niederlande eingehenden Artikel, unter anderem einmal ein Klavier. Sie sind daher eine wahre Fundgrube und zeigen wie vielfältig und kleinteilig die Ladung zur damaligen Zeit war. Bei einigen wenigen Ladungen bin ich mir nicht ganz sicher mit der Übersetzung. Diese Posten sind am Ende der Aufstellung aufgelistet.

Alvast bedankt!

Falls jemand die Originalquellen ohne Hilfe lesen kann, bitte melden, ich könnte noch ein wenig Unterstützung im Niederländischen gebrauchen. Alvast bedankt!

Hier ist die deutsche Zusammenfassung der Frachtlisten, die Transkription der Originale ist unten angehängt.

lead and lead concentrates, a common freight from Australia to Europe

Blei, Bleierze und -konzentrate waren eine häufige Fracht der „Fürth“ von Australien nach Europa

Blei- und Bleierze in großer Menge

Bleierze waren in großer Menge immer an Bord, je zweimal auch Zinkerze und Blei in Barrenform ebenfalls in bedeutenden Mengen. Jedes Mal dabei auch Kopra, Büffel- und Rinderhäute, Kapok sowie verschiedene Baumharze (Dammarharz, Kopal etc.), die zur Herstellung von Farben und Lacken eingesetzt wurden.

Verschiedene Hölzer wurden auch regelmäßig transportiert: Teak-, Sandel-, Arang- und Ebenholz; ohne Spezifizierung der Holzart auch Wurzelholz und Bahnschwellen. Als Balken, Planken, Bündel oder als Packungen. Daneben Rattan, Bambus je einmal Chinagras und „Semamboestokken“.

Neben den Büffel- und Rinderhäuten gibt es auch Ziegen- und Schaffelle, Hirsch- und Antilopenhäute, Häute ohne weitere Angabe und als Exotikum einmal eine Kiste Echsenhäute. Hinzu kamen Hörner von Rindern und Büffeln oder Hirschgeweihe.

Many commodities were transported in bags, ex: wheat

Viele Waren wurden in Säcken transportiert wie zum Beispiel Kaffee, Kopra, Mais, Nüsse usw.

Als Lebens- und Genussmittel finden wir Kaffee, Tabak, Mais, Maniokwurzeln, Grießmehl, Kakao, Nüsse (ohne Angabe), Erdnüsse, Muskatnüsse, Macis, Pfeffer und auch Süßholz. Einmal Viehfutter.

Desweiteren (Muschel?-)schalen, Chinarinde, Rhizinussamen, Kassia und Kokosgarn.

Geringmengen und Kurioses

Die folgenden Posten sind Kleinstmengen: 1 Klavier, Paradiesvögel, Baumwolle, Gepäck, „Kuriositäten“, Tee, Muster, Diverses, Kokosöl, Guttapercha, Seife, Wermut, Thymianblätter, Ocker, Schildpatt und konservierte Früchte.

Nicht identifizieren konnte ich bislang die beiden folgenden Posten (ebenfalls Kleinmengen), auch nicht mit Hilfe von encyclo.nl oder der
Encyclopaedie van Nederlandsch West-Indië (1914-1917) – Herman Daniël Benjamins, Joh. F. Snellema (http://www.dbnl.org/tekst/benj004ency01_01/index.php):
„Agilzakken“, „Sagre“. Für sachdienliche Hinweise herzlichen Dank.

Und hier die Abschrift der Originalauszüge, in Zweifelsfällen gelten natürlich die ursprünglichen Zeitungstexte unter www.delpher.nl.

casks were used for shipping of various products

Die erste Fahrt der Fürth, Ankunft in Amsterdam am 15. Januar 1908:

Java. „Fürth“, s.s.: 60 b. Koffie, 17 b. Coprah, Maintz. & Co.; 460 stuks Buffelhuiden, 117 pak gebogen Rotting, v. Eeghen & Co.; eene partij losse Looderts 391,000 KG., 6271 blokken Lood 300,000 KG., 1595 b. Maïs, 5110 b. Coprah. 790 b. Kappok, 530 b. Koffie, 1 kist Koffie, 509 stuks Buffelhuiden, 210 stuks Koehuiden, 373 stuks Teakhout, 2544 manden Gom Copal, 240 k. Gom Copal, 1 kist Piano, 11 manden Buffelhoorns, 39 manden Hertehoorns, 80 k. Schelpen, 106 pak Sandelhout, 37 manden Sandelhout, 6 k. Paradijsvogels. 320 p. Cassia, 2 k. Kinabast, 3 zak Kinabast, 6 b. Agilzakken. 809 zak Gom Copal, 350 zak Gom Damar, 1125 zak Castorzaad, 1 k. Thee, 1 pak Aranghout, 11 pak Semamboestokken, 1930 zak Grondnoten, 17 pak Hertevellen, 42 manden Schelpen, 365 stuks Sandelhout, 1 kist Monsters, 3 zak Sagre, 28 pak Vellen, Order. Voor Rotterdam: C 274 b. Coprah, 1064 st. Koehuiden, 309 stuks Buffelhuiden, 115 pak Cassia.
Algemeen Handelsblatt, 16. Jan 1908, www.delpher.nl

Die zweite Fahrt der Fürth, Ankunft in Amsterdam am 10. Juli 1908:

CARGALIJST AMSTERDAM.
JAVA. „Fürth“, S. : 15 pak Kuehuiden, 1 pak Hagedisvellen, 2 bn. Kapas, Maintz & Co.; eene partij losse loodertz, 471,000 K.G., eene partij losse Zinkerts, 682,000 K.G., 1166 zkn. Coprah, 530 mnd Gom Copal, 275 zkn Gom Copal, 1 k. Diversen, 540 stuks Teakbalken, 1519 stuks Dwarsliggers, 4 bdls. Teakhout, 156 stuks Teakplanken, 763 z. Castorzaad, 13 pn. Koehuiden, 25 kn. Gom Copal, 79 pn. Geitevellen, 29 pn. Schapevellen, 100 kn. Gom Damar, 245 stuks Teakzwalpen, 5 vtn. Cocosolie, 30 bn. Veevoeder. Order.
Voor Rotterdam: 143 bn. Kapok, 1103 mnd. Gom Copal, 17 zkn. Gom Copal, 17 kn bom Copal, 2167 bn. Coprah, 50 zkn. Peper, 75 bn. Cocosgaren.
Algemeen Handelsblad, 10. Jul 1908, www.delpher.nl

Die dritte Fahrt der Fürth, Ankunft in Amsterdam am 26. Dezember 1908:

CARGALIJST AMSTERDAM.
„Furth”, S.S. 205 balen Tabak, 77 balen Peper, Maintz & Co.; eene partij losse Looderts 997.000 K.G.. 7449 blokken Lood 350,000 K.G., 5272 zakken Coprah, 2334 zakken Maïs, 1290 zakken Koffie, 67 balen Kapok, 330 zak, 68 kisten, 1351 manden Gom Copal, 351 kisten Foelie, 137 kisten. 35 zakken Nootmuscaat, 2537 stuks Koehuiden, 2270 stnks (sic), 14 pak Buffelhuiden, 3 pak Koehuiden, 611 zakkln (sic) Tapiocawortelen, 265 stuks zwalpen, 1471 pakken Cassia, 8 manden Hertehoorns, 1 kist Bagage, 3 pak, 6 vaten Hertehoorns, 5 kisten, 3 kratten Curiositeiten, 1 rol Bamboe, 3 pakken Ebbenhout, 249 stuks Wortelhout, 1 kist Getahpercha, 41 zak Cacao, 25 kn. Schelpen, 115 kisten Gom Benjamin; 1 kist Monsters, 12 manden Buffelhoorns, 25 kisten Cassia, 525 bundels Rotting, 20 kisten Vermouth, 5 kisten Zeep, 5 balen Thymbladeren, 1200 balen Griesmeel, 68 vaten Oker, alles Order.
Voor Rotterdam: 1438 balen Coprah, 784 stuks Koehuiden, 3496 stuks Buffelhuiden, 6 kisten Foelie, 66 kn. Noot, 1 zak Koffie, 6 kisten, 30 manden, 4 zakken Gom Copal, 100 kisten Gom Damar. 20 balen Rameh, 35 balen Zoethout, 6 pak Buffelhuiden.
Algemeen Handelsblad, 27. Dez. 1908, www.delpher.nl

Die vierte Fahrt der Fürth, Ankunft in Amsterdam am 13. Juni 1909:

CARGALIJST AMSTERDAM.
Java, “Fürth“ ss. 29 balen kapok, Maintz & Co.; 744 stuks ebbenhout, 63 korven schelpen Moll. Hand. Venn.; 235 stuks en 8 manden sandelhout, v. Eeghen & Co. ; 32 kisten Gom Damar, 5 kisten foelie, Mackay; eene partij losse looderts 1.008.000 K.G. een partij losse zinkerts 763.000 K.G.; 10 kisten kaurigom, 185 balen kapok, 435 manden sandelhout, 2 kisten schildpad, 49 kisten foelie, 2786 balen mais, 475 manden gomcopal, 20 pak hertehoorns, 327 kisten gomcopal, 109 zak gomcopal, 1 kist paradiijsvogels, 84 kist schelpen, 30 balen elandsvellen, 542 zak coprah, 600 zak koffie, 354 manden gom damar, 25 pak buffelhuiden, 35 pak koehuiden, 7316 zak maniocwortelen, 1 kist vruchten in blik, 44 pak geitevellen, 162 zak grondnoten, 9 kisten koffie, 853 balen rotting, 367 pak cassia, 508 zak noot, 57 kisten gom damar, 762 stuks buffelhuiden, 420 stuks teakzwalpen, 5 manden schelpen, order.
Rotterdam: 20 kisten gom copal, 2 zak gom copal, 54 manden gom copal, 979 zak coprah, 462 bossen rotting, 324 stuks buffelhuiden, 585 stuks koehuiden, 1953 stuks koehuiden.
Algemeen Handelsblad, 15. Jun 1909, http://www.delpher.nl

Anm.: Die Frachten für Rotterdam waren in allen vier Fällen Umladungen, die „Fürth“ lief diesen Hafen nicht direkt an.
cases or boxes were used for a lot of different merchandise

Holzkisten wurden für den Transport der verschiedensten Waren verwendet (Bild Pixabay)

Explosion of the steamer Sultana, April 27, 1865

Gedenken an eine vergessene Katastrophe

Ungewöhnlicher Besuch

Am 27. April konnte ich eine ungewöhnlich hohe Aktivität auf meinem Blog feststellen. Kurioserweise kam aber fast der gesamte „Traffic“ aus den USA. Was mich im Zusammenhang mit der „Fürth“ gewundert hat, denn bislang habe ich noch nichts über die „Fürth“ in Amerika im Blog geschrieben. Schließlich arbeite ich die Geschichte der „Fürth“ chronologisch ab.

Ich will nicht zu viel verraten, denn wir müssen noch ein wenig warten, bis wir die „Fürth“ in New York antreffen werden (Juli/August 1913).

Andererseits war die Anzahl der Seitenaufrufe durch die Besucher der Webseite an diesem Tag sehr niedrig, die Besucher waren also irrtümlich auf die Seite gekommen. Warum?

Die SSHSA

Eine Mitteilung der SSHSA brachte dann die Erklärung dieses Phänomens.

Die SSHSA ist die Steamship Historical Society of America: www.sshsa.org, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Dampfschiff-Ära wachzuhalten („recording, preserving and disseminating the history of engine-powered vessels“). Allen (Dampf-)Schiffsfans sei die Seite der Gesellschaft zum Stöbern empfohlen.

Die Katastrophe

Helena, Arkansas. April 26,1865. Ill-fated Sultana

Die völlig überfüllte „Sultana“ am Anleger in Helena, Arkansas am 26. April 1865.
Quelle: Library of Congress, Washington DC (https://lccn.loc.gov.2013647457)

Am 27. April jährte sich die wahrscheinlich größte Schiffskatastrophe der Vereinigten Staaten zum 153sten Mal. Am 27. April 1865 explodierten die Kessel dieses Mississippi-Schaufelraddampfers, als er völlig überladen mit heimkehrenden Soldaten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg nach Norden unterwegs war.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unbekannt, die Angabe „weit über 1,000“ ist wohl die seriöseste, sie wird aber auch oft mit „über 1.700“ oder „über 1.800“ angegeben.

Erinnerung

Das Unglück hat in den USA als Symbol der Sezessionskriege einen hohen Stellenwert. Die Vereinigung Sultana Descendant’s Association gibt auf ihrer Webseite sultanarembered.com eine Vielzahl von Informationen über die Katastrophe und erinnert jedes Jahr an den Jahrestag des Unglücks.

Explosion of the steamer Sultana, April 27, 1865

Explosion des Dampfschiffes „Sultana“ am 27. April 1865. Quelle: Library of Congress, Washington DC (https://lccn.loc.gov/2002699583)

Ein Buchstabe macht den Unterschied

Der Name des Schiffes war also „Sultana“ und damit kommen wir zum eingangs erwähnten ungewöhnlichen Besuch auf meinem Blog. Die „Fürth“ hieß ja ab 1915 „Kerman“ und dann ab dem Jahr 1920 „Sultania“. Wir sind also nur einen einzigen Buchstaben von dem amerikanischen Unglücksschiff entfernt, was die hohe Frequenz zum Jahrestag des Untergangs der „Sultana“ erklärt, denn nicht jeder wird die Schreibweise des Schiffes genau kennen.

Gerne schließe ich mich dem Gedenken an die Opfer der „Sultana“ zum 153sten Jahrestag an.

Wo bleibt Dr. Howard?

Warum der Kapitän der „Fürth“, Kapitän C. B. Saegert, bei der Ankunft in Melbourne (Australien) reichlich angefressen war, lesen Sie jetzt im Blog. Die vierte Fahrt der „Fürth“ vom 23. Januar bis 18. Juni 1909 ist online: Aerger in Melbourne

Erfahren Sie außerdem: Was stehlen Diebe von der „Fürth“?

wool was by far the most important export product from Australia

Australische Exporte nach Deutschland

Wolle als wichtigste Handelsware

Vor einigen Wochen haben wir uns die deutschen Exporte nach Australien zu Beginn des 20. Jahrhundert angeschaut: Deutsche Exporte nach Australien 1908. Heute geht es um die Waren, die Australien nach Deutschland exportiert hat. Viele davon haben wir bereits als Ladung auf der „Fürth“ gesehen oder werden sie bei den nächsten Fahrten noch antreffen.

In einer Ausgabe der Australischen Zeitung von 1907 finden wir folgende veröffentliche Handelsstatistik:

Handel zwischen Australien und Deutschland im Jahr 1905
„gemäß den genauen statistischen Aufstellungen, die von der deutschen Regierung veröffentlicht und uns [der Australischen Zeitung] vom Kaiserlich Deutschen Generalkonsulat zugestellt worden sind“.

Wichtigste Güter aus Australien (Wert in £)

  1. Wolle und Wollenwaren, 5.724.750
  2. Erze, Metalle, Asbest usw., roh u. verarbeitet, 1.089.000
  3. Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, 378.800
  4. Blei und Bleiwaren, 165.500
  5. Holz und Holzwaren, 144.250
  6. Edel- und andere Steine, roh, geschliffen und gefaßt, 81.200
  7. Zinn und Zinnwaren, 73.200
  8. Oele und Fette, 54.800
  9. Kupfer und Kupferwaren, 33.450
  10. Häute und Felle, 31.750
  11. Kohlen, Koks und Petroleumschiefer, 26.900
  12. Tierische Erzeugnisse, 26.150
    Sonstiges, 79.150
    Zusammen: 7.908.900

Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12. Jun 1907, S. 10

Cartering Wool, Hahndorf, 1901

Mit Wolle beladenes Fuhrwerk in Hahndorf bei Adelaide; Hahndorf ist eine der ältesten deutschen Siedlungen Australiens, Aufnahme 1901, © State Library of South Australia, B-18258.

Wolle, Erze und Getreide

Wolle war also das mit großem Abstand wichtigste Handelsgut, dass nach Deutschland exportiert wurde, gefolgt von Erzen, Metallen und Getreide (überwiegend Weizen). Allerdings sind die Belege für Wolle als Handelsware auf der „Fürth“ vergleichsweise selten. Ganz anders ist dies für Erze und Metalle.

Die Einfuhren australischer Güter nach Deutschland haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts die deutschen Exporte wertmäßig stark überwogen, es gab also einen großen Handelsüberschuss, der nach den deutschen Quellen (s.o.) für das Jahr 1905 £ 5.566.400 betrug.

Dies sollte sich auch den nächsten Jahren nicht ändern, wie eine Quelle aus dem 1910 belegt:

„Nach den jüngsten in den Besitz des hiesigen deutschen Konsuls Herrn H.C.E. Mücke gelangten Handelsberichten ist Australiens Ausfuhr nach Deutschland gerade ungefähr viermal so groß als Deutschlands Einfuhr nach der Commonwealth. Die Einfuhr australischer Waren nach Deutschland betrug während der von dem Bericht behandelten zwölf Monaten £ 15 092 600, die Einfuhr deutscher Waren nach der Commonwealth dagegen nur £ 4 482 394.“
Australische Zeitung, Adelaide, Mi 3. Aug 1910, S. 14

the steamer Furth often transported ores from Australia to Europe

Die „Fürth“ transportierte regelmäßig Erze von Australien nach Europa

Gold

Einen großen Anteil an diesem Ungleichgewicht hatten die großen Edelmetall-Einfuhren des Deutschen Kaiserreiches aus Australien. So bezog Deutschland im Jahr 1910 Gold- und Silberbarren im Wert von £5.799.150 von Australien, oder mengenmäßig betrachtet 53 Tonnen (gleiche Quelle).

Auf diese Gold- und Silberimporte kommen wir noch einmal gesondert zurück. Interessant ist auch, dass die Edelmetalle in der eingangs zitierten Statistik des Deutschen Generalkonsulates nicht ausgewiesen wurden.

Eine weitere Frage ist, wie das Gold transportiert wurde. Auf Handelsschiffen in großen Kisten mit der Aufschrift „GOLD“? Sicher nicht. Weiß jemand dazu mehr?

Unterschiedliche Zahlen

Wenn man einen Blick in die Exportstatistiken des Commonwealth wirft, fällt sofort ins Auge, dass dort die Exportzahlen deutlich niedriger sind. Zum Beispiel für das Jahr 1905:

Während das deutsche Generalkonsulat die australischen Einfuhren nach Deutschland mit £7.908.900 beziffert, weist die Commonwealth-Statistik für das gleiche Jahr nur einen Wert von £3.888.170 aus, also nur etwa die Hälfte.

Zur Erklärung des Unterschieds beider Statistiken hier das Zitat aus dem Originaltext.

„Wie schon früher erklärt, ergibt sich der Unterschied der beiden statistischen Aufstellungen aus der Miteinschließung von indirekt angekauften oder verkauften Waren, denn Deutschland kauft einen erheblichen Teil seiner australischen Einfuhr auf den Londoner Auktionen usw., und Australien erhält einen Teil seiner deutschen Waren durch Vermittlung Londoner Verschiffer. Der Unterschied der beiden statistischen Einschätzungen stellt daher den Wert des indirekten Handels zwischen beiden Ländern dar. Gleichviel wie man die obigen Aufstellungen vergleicht, ergibt sich die unwiderlegliche Tatsache, daß Deutschland um rund 5 Millionen mehr von Australien kauft, als es an Australien verkauft, und daß dieser gewaltige Unterschied von Jahr zu Jahr zunimmt.“
(Deutsch- Australischer Handelsbericht, Australische Zeitung, Adelaide, Mi 12.Jun 1907, S. 10)

Der deutsch-australische Handel floriert

Zusammenfassend bleibt festzustellen: Der deutsch-australische Handel hat sich im Zeitraum vor dem Ersten Weltkrieg prima entwickelt. Das belegt auch ein Blick in das australische statistische Jahrbuch:

Für den Zeitraum 1902-1906 sind für Großbritannien inklusive aller Besitzungen 71,20% aller australischen Exporte ausgewiesen, als wichtigste nicht britische Exportnation ist Frankreich mit 7,59% gelistet, dann folgt Deutschland mit 6,17%.

Bemerkenswert sind dann die Zahlen für 1908: Alle britischen Exportländer machen dann nur noch 60,22% der Exporte aus und Nummer zwei wird Deutschland mit einem Sprung auf 14,32%, also mehr als eine Verdoppelung. Frankreich ist nur noch dritte Exportnation auf wenig veränderten 8,01%.

Quelle: Official Year Book of the Commonwealth of Australia No. 3 – 1910. Australia. Commonwealth of Census and Statistics, 1201 S.

Diese positive Entwicklung wird erst durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914 jäh unterbrochen.

Bild: Pixabay

Die „Hagen“: Schwesterschiff der „Fürth“

Bilder von Frachtschiffen sind relativ selten, vor allem wenn es um Schiffe vor dem Ersten Weltkrieg geht, als die Fotografie noch eine aufwändige Angelegenheit war.

Umso mehr freue mich über ein Foto eines Schwesterschiffes der „Fürth“ und zwar der „Hagen“, die gut neun Monate vor der „Fürth“ in Dienst gestellt wurde (10. November 1906). Der Hersteller für beide Schiffe ist die Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft und auch die Abmessungen der Schiffe sind identisch.

German-Australian Liner "Hagen", sister vessel of the steamer Fürth

Das Schwesterschiff „Hagen“ des Dampfers „Fürth“ auf der Elbe bei Oevelgönne/Hamburg, 13. März 1909.
Quelle: Stadtarchiv Fürth, Signatur A4718

Der Dank geht an Herrn Salimi von FürthWiki, der mir freundlicherweise das Foto herausgesucht hat und an das Stadtarchiv Fürth für dessen Zustimmung, das Bild hier im Blog zu zeigen.

Anm.: Dieses Foto wurde mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Fürth veröffentlicht. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass sämtliche Bildrechte beim Stadtarchiv Fürth liegen und jegliche Nutzung dieses Bildes der Genehmigung des Rechteinhabers bedarf!

Mehrere Schwestern

Weitere baugleiche Schwestern der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft waren die „Reichenbach“, die „Plauen“, die „Neumünster“, die „Osnabrück“ und die „Hanau“. Diese Aufzählung ist jedoch nicht vollständig, es muss mindestens noch eine weitere baugleiche „Schwester“ geben. Wie sie heißt, finde ich noch heraus.

„… Diese 7 Dampfer geben uns bislang für das laufende Geschäftsjahr noch nicht volle Beschäftigung, weshalb wir uns entschlossen haben, den Bau eines Frachtdampfers von folgenden Dimensionen: Länge 387 Fuss, Breite 50 Fuss 10 Zoll, Tiefe 27 Fuss 9 Zoll, für eigene Rechnung in Angriff zu nehmen.“
Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft, Flensburg, Geschäftsbericht für das Betriebsjahr 1906/07, Quelle: Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle, 06. Sep 1907, S. 15

Man war in Flensburg also sehr optimistisch, dieses Schiff dann ebenfalls an die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft  oder einen anderen Reeder verkaufen zu können. Das spricht für den Erfolg dieser Baureihe!

 

Auf dem Weg nach Newcastle (New South Wales, Australien)

Die dritte Fahrt der „Fürth“ nach Australien vom 8. August 1908 bis 1. Januar 1909 ist jetzt im Blog online.

Das erste Mal ist die „Fürth“ Newcastle angelaufen, den bedeutendsten Kohle-Exporthafen Australiens. Passend dazu werden wir der Frage nachgehen, wie viel Kohle unser Frachtdampfer „Fürth“ auf seinem Weg nach Australien verbraucht hat.

Was meinen Sie? Wie viel Kohle brauchte die „Fürth“ oder ein anderes Dampfschiff in der damaligen Zeit, also um das Jahr 1910, um einmal von Hamburg nach Australien zu fahren:

50 Tonnen, 500 Tonnen oder vielleicht sogar mehr als 1500 Tonnen? Die Antwort lesen Sie hier: Die Sache mit der Kohle

Loading Coal, Newcastle Harbour NSW, about 1900-1910

Verladung von Kohle im Hafen von Newcastle NSW, aufgenommen ca. 1900 – 1910,
© State Library of New South Wales, REFERENCE CODE 413801, CALL NUMBER PXE 711/480

Zwei Eisbären

Die Eisbären der „Fürth“

Auf der zweiten Australienfahrt hatte die Fürth ungewöhnliche Passagiere an Bord: zwei Eisbären und zwei Nandus. Begeben wir uns auf Spurensuche:

Der Zoo in Adelaide ist der zweitälteste in Australien nach Melbourne. Die Anschaffung von Eisbären als Besucherattraktion wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts überlegt, dann aber aus Geldgründen wieder verworfen. So dauerte es bis 1907, bis erneut darüber diskutiert wurde und Bären gekauft wurden:

POLAR BEARS FOR THE ZOO.
At a meeting of the Zoological Society on Friday a letter was received from Mr. C. Hagenbeck, of Hamburg, offering various kinds of animals and birds. Among the former is a pair of Polar bears. The council being of opinion that a pair of these bears would be a great attraction in the gardens. The finance committee, with Messrs. H. Chesson and J. M. Reid, were asked to visit the Gardens with the view to select a site for their housing. Mr. Hagenbeck stated in his letter that be hoped to forward shortly a male cheetah as a mate for the one now in the Gardens.
The Register, Adelaide, Mo 17. Jun 1907, S. 4

Polar Bears Taronga Park Zoo Sydney 1925

Eisbären im Taronga Park Zoo in Sydney 1925, aus dem Zoo in Adelaide habe ich leider keine Eisbärenfotos gefunden; Foto ca. 1925
© State Library of South Australia, Ref. B 58973/150.

Ein neues Bärenhaus

Auch über das neue Gehege können wir etwas lesen:

„The polar bear house was finished on Thursday morning, and two of those white animals which love the ice and the snow arrived in the afternoon to occupy the swell abode. The new stonehouse, which, adjoins the cage which contains the brown bear, is 18 ft. 7 in. square. It has tiled arched walls and a magnificent ferro-concrete dome. The bath in the centre is 9 ft. 6 in. square and 3 ft. 6 in. dep. There is a shower which will sprinkle the walls when hot weather prevails, and two retiring houses. The Polar bears, which are half-grown, are a male and a female, and were purchased from Hagenbeck, Hamburg. The house cost £550 and the bears landed £170.”
The Register, Adelaide, Fr 17. Apr 1908, S. 4, TWO POLAR BEARS FOR THE ZOO.

Anm: 18 ft. 7 in. square entspricht ca. 32 m2; 9 ft. 6 in square sind knapp 8,5 m2

Dass es sich um Männchen und Weibchen handelte, war wohl verbunden mit der Hoffnung auf Nachwuchs, entsprach aber nicht Realität, denn in letzten Meldung (s. u.) heißt es „Both were males“.

Bear (?) pit and refreshment rooms Adelaide Zoo, Fotograf: Trengove, Arthur M, © State Library of South Australia [PRG1480/4/29]

Zoo Adelaide, es handelt sich eventuell um das Bärenhaus, diese Angabe ist aber mit einem Fragezeichen versehen; © State Library of South Australia [PRG1480/4/29]

Tragischer Zwischenfall

1920 kam es zu einem tragischen Zwischenfall, als die Bären einen Wärter attackierten, der unvorsichtigerweise versucht hatte, beim Reinigen des Geheges einen darin hineingeratenen Wasserschlauch zurückzuholen. Dabei wurde er von einem Bären angegriffen, der ihm den Arm am Ellbogen abriss:

ATTACK BY POLAR BEAR.
Keeper’s Arm Torn Off.

ADELAIDE, Sunday.
Samuel May, aged 65 years employed at the Adelaide Zoological Gardens as a keeper, had a sensational and painful experience this morning. At about 7 o clock he was engaged in hosing out the polar bears‘ house from outside the enclosure. The attention of the director (Mr. A. C. Minchin) and others was attracted by terrible screams. Mr. Minchin rushed to investigate and found May lying on the cement flooring outside the quarters of the two large white bears with his right arm torn off at the elbow. The unfortunate man was taken to hospital in the police ambulance. He subsequently explained that he was hosing when one of the bears, which were in the exercising yards, grabbed the hose and his hand and, pulling him against the iron bars, tore his arm asunder. May has been at the Zoo for 36 years, and was regarded as a capable man with wild animals. He is a widower with a family. His arm above the elbow was badly lacerated. The other part could not be found. The bathing pool was emptied, but in vain. It was reported from the hospital to-night that May’s condition was serious, and that he was suffering from shock. It is not yet known whether the remaining portion of the man’s arm will have to be amputated.
The Argus, Melbourne, Mo 16. Feb 1920, S. 6,  ADELAIDE ZOO SENSATION.

Ein Todesfall

Noch in einer Meldung vom gleichen Tag erfahren wir, dass der Wärter die Attacke nicht überlebte:

ADELAIDE, Monday.
Samuel May, whose arm was torn off at the elbow yesterday morning by a polar bear while hosing out the cage, died early this morning. He was a widower with a family.
The Herald, Melbourne, Mo 16. Feb 1920, S. 7,  Victim of Polar Bear

General view of the Adelaide Zoo, approx. 1910. State Library of South Australia, Ref. B 68807.

Ansicht des Zoos in Adelaide, ca. 1910, © State Library of South Australia, Ref. B 68807.

1933

Wieder dauert es lange, bis wir von den Bären neues erfahren, und zwar bis 1933, als einer der beiden starb. Offensichtlich wurde der kurze Artikel von einem Journalisten der Wirtschaftsredaktion verfasst, denn der Verlust wird sofort in Pfund beziffert:

POLAR BEAR DIES
ADELAIDE. Friday.
A Polar bear at the Adelaide Zoological Garden died to-day after 25 years in captivity. It was worth at least £50.

Newcastle Morning Herald and Miners‘ Advocate, Sa 4. Mrz 1933, S. 10

Etwas ausführlicher diese Meldung, in der noch einmal auf den tragischen Zwischenfall von 1920 eingegangen wird und in dem mitgeteilt wird, das nur drei Bären länger in Gefangenschaft überlebt hätten.

Death of Aged Polar Bear
ADELAIDE, Friday
One of the Polar bears in Adelaide Zoo died last night after having been in captivity for 25 years. It is believed that it died in its sleep. During the bear’s long stay at the Zoo, it had never been ill and had taken food regularly. – There is still one Polar bear left at the Zoo. Twelve years ago the two were responsible for the death of a keeper named May. He had been cleaning out their cage when one of the bears took hold of a hose. May put his hand inside to regain the hose, and quick as lightning one of the animals ripped an arm off. May died shortly after from the injury. According to records only three other bears have lived longer in captivity. The oldest died in London Zoo after 33 years and two others lived in captivity for 27 and 26 years respectively.
Recorder, Port Pirie, Sa 4. Mrz 1933, S. 1

Tückisch, jähzornig und unsympathisch – „Tiger und Löwen sind freundlich dagegen“

Im Jahr 1934 gibt es einen weiteren Bericht über den Zoo. Das Prewalski-Pferd Jimmy wird als ältester Zoobewohner vorgestellt, gefolgt von dem zweitältesten Zoobewohner, dem verbliebenen Eisbären der „Fürth“.

Der Zoodirektor Minchin äußert sich über den Charakter der Bären und beschreibt sie als tückisch, jähzorning und unsympathisch. Kein Wunder, neben dem Vorfall mit den zwei Eisbären gab es Adelaider Zoo noch einen Vorfall mit einem Schwarzbären, der ebenfalls einen Wärter angefallen hatte und daraufhin erschossen wurde.

Wenn der Name Minchin in allen Zooartikeln wieder erscheint, ist dies darauf zurückzuführen, dass diese Familie 1934 schon in vierter Generation den Zoo leitete.

The oldest inhabitant of the Zoo at present is the wild horse, Prjevalski—Jimmie for short—who has been an inmate for 26 years, and is still a wild horse, permitting no familiarities. Next to him in point of long residence is the Polar bear, which arrived in 1908.
Animal Temperament
„Of all animals I have ever dealt with,“ said Mr. Minchin „the most treacherous and evil-tempered and unlikeable is the Polar bear. Tigers and lions are friendly in comparison. The only fatal accidents we have known in the gardens were attacks by bears—a Polar bear that ripped an attendant’s arm out one morning while he was feeding it, and a black American bear that mauled one of the keepers—leaving him unrecognisable – aghastly business that I shall never forget. The bear had to be shot before we could come to the man’s assistance, and then it was too late.“
The Advertiser, Adelaide, Do 14. Jun 1934, S. 19,  BIRDS AND BEASTS IN ADELAIDE ZOO

A bear in a cage at the Adelaide Zoological Gardens, ca. 1915, © State Library of South Australia [B 61609]

Bär im Zoo Adelaide, ca. 1915; es muss sich um den im Text beschriebenen amerikanischen Schwarzbären handeln, der einen Wärter anfiel.

1935

Die letzte Meldung betrifft dann den Tod des zweiten Eisbären der „Fürth“. Der Bär war zum Zeitpunkt des Todes jetzt der älteste Zoobewohner in Adelaide und der dokumentiert drittälteste Eisbär in Gefangenschaft, allerdings seit einiger Zeit nicht mehr in guter gesundheitlicher Verfassung.

LOSS TO ZOO.
ZOO’S POLAR BEAR DIES
Brought To Adelaide In 1908
The polar bear, the oldest inhabitant of the Adelaide Zoo, died yesterday morning. It lived for 27 years at the Zoo—a period of captivity which ranks high in the world’s zoological records. The director of the Zoological Gardens (Mr. Ron Minchin) said that the bear arrived from Hagenbach’s (sic) animal park, Hamburg, on April 18, 1908. The animal was then about two years old and was thus about 29 years of age at its death. The bear had not been well for some time: its teeth had decayed and generally it was not in good condition. The other bear, which came out at the same time, died on March 3, 1933. Both were males. The record age for a polar bear living in captivity was 33 years, this age having been attained by one at the London Zoo. Another had lived at the Dublin Zoo for 27 years. The local animal had attained third place with regard to longevity, and in view of the warm climate of Australia, the zoo had attained an excellent record. The oldest animal in the zoo is now the wild horse of Mongolia, which arrived in Adelaide in February, 1910, and was presented by the Duke of Bedford, the only person who had tried to cross the wild horse with the domestic animal.
The Advertiser, Adelaide, Di 15. Okt 1935, S. 14

Damit endet die Geschichte der Eisbären, die im Jahr 1908 mit dem Dampfschiff „Fürth“ nach Adelaide kamen.