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Explosion of the steamer Sultana, April 27, 1865

Gedenken an eine vergessene Katastrophe

Ungewöhnlicher Besuch

Am 27. April konnte ich eine ungewöhnlich hohe Aktivität auf meinem Blog feststellen. Kurioserweise kam aber fast der gesamte „Traffic“ aus den USA. Was mich im Zusammenhang mit der „Fürth“ gewundert hat, denn bislang habe ich noch nichts über die „Fürth“ in Amerika im Blog geschrieben. Schließlich arbeite ich die Geschichte der „Fürth“ chronologisch ab.

Ich will nicht zu viel verraten, denn wir müssen noch ein wenig warten, bis wir die „Fürth“ in New York antreffen werden (Juli/August 1913).

Andererseits war die Anzahl der Seitenaufrufe durch die Besucher der Webseite an diesem Tag sehr niedrig, die Besucher waren also irrtümlich auf die Seite gekommen. Warum?

Die SSHSA

Eine Mitteilung der SSHSA brachte dann die Erklärung dieses Phänomens.

Die SSHSA ist die Steamship Historical Society of America: www.sshsa.org, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Dampfschiff-Ära wachzuhalten („recording, preserving and disseminating the history of engine-powered vessels“). Allen (Dampf-)Schiffsfans sei die Seite der Gesellschaft zum Stöbern empfohlen.

Die Katastrophe

Helena, Arkansas. April 26,1865. Ill-fated Sultana

Die völlig überfüllte „Sultana“ am Anleger in Helena, Arkansas am 26. April 1865.
Quelle: Library of Congress, Washington DC (https://lccn.loc.gov.2013647457)

Am 27. April jährte sich die wahrscheinlich größte Schiffskatastrophe der Vereinigten Staaten zum 153sten Mal. Am 27. April 1865 explodierten die Kessel dieses Mississippi-Schaufelraddampfers, als er völlig überladen mit heimkehrenden Soldaten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg nach Norden unterwegs war.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unbekannt, die Angabe „weit über 1,000“ ist wohl die seriöseste, sie wird aber auch oft mit „über 1.700“ oder „über 1.800“ angegeben.

Erinnerung

Das Unglück hat in den USA als Symbol der Sezessionskriege einen hohen Stellenwert. Die Vereinigung Sultana Descendant’s Association gibt auf ihrer Webseite sultanarembered.com eine Vielzahl von Informationen über die Katastrophe und erinnert jedes Jahr an den Jahrestag des Unglücks.

Explosion of the steamer Sultana, April 27, 1865

Explosion des Dampfschiffes „Sultana“ am 27. April 1865. Quelle: Library of Congress, Washington DC (https://lccn.loc.gov/2002699583)

Ein Buchstabe macht den Unterschied

Der Name des Schiffes war also „Sultana“ und damit kommen wir zum eingangs erwähnten ungewöhnlichen Besuch auf meinem Blog. Die „Fürth“ hieß ja ab 1915 „Kerman“ und dann ab dem Jahr 1920 „Sultania“. Wir sind also nur einen einzigen Buchstaben von dem amerikanischen Unglücksschiff entfernt, was die hohe Frequenz zum Jahrestag des Untergangs der „Sultana“ erklärt, denn nicht jeder wird die Schreibweise des Schiffes genau kennen.

Gerne schließe ich mich dem Gedenken an die Opfer der „Sultana“ zum 153sten Jahrestag an.

fireman or stoker

The Steamship “Fürth” Blog – Summary in English

The Ship’s History from 1907 to 1933

This blog documents the “life” of the steamship “Fürth”*, built in Germany in 1907 and then scrapped in 1933. This cargo vessel was given the name of my home town Fürth (Bavaria, Germany) and that is why I am researching it.

German-Australian Liner

At first, the steamer was in the service of the German Australian Steam Ship Co. (G.A.S.S. Co), Hamburg, until 1914 and docked at harbours in Europe, the Cape Colony, Australia, South East Asia, British-India and Northern Africa. This is the reason why many sources exist in English and I’m hoping to get information from the Internet community to broaden my knowledge about the history of this vessel. In August 1914 the “Fürth” shared the destiny of many German ships seized by the Royal Navy; captured in the Indian Ocean she was brought as a prize to England the same year, leaving cargo and crew in Ceylon.

The „Kerman“

From 1915 onwards, the ship’s history became 100 % British and was one of the first vessels in the British Tanker Corporation (later BP), where she was renamed “Kerman”. In this time the vessel was managed by the Strick Line. The “Kerman”, ex-“Fürth”, travelled from London to Persia, British-India and other destinations.

The „Sultania“

But the ex-“Fürth” went through more changes: In 1920 she was sold to British-India, was renamed “Sultania”, and was used as a liner in the Persian Gulf. I found evidence that in 1925 she came back to Europe (Hamburg and London). The last owner of the (floating) vessel was a steamship company in Rangoon (Burma) before it was broken up in 1933.

boiler detail

International Trade

During her life this cargo vessel transported very different freight. This gives an insight into international trade in the beginning of the 20th century between Europe, Australia, the Netherlands East Indies and British India. Accidents, incidents and offences will also be included to illustrate life in this period, too.

Contributions welcome

The blog started in March 2018 with some information but will continue to grow. Further information will follow as soon I have gathered more historical evidence and have had the time to put it online. The project of this blog is purely private and non-commercial driven by interest in history, trade, geography, politics, society, travel and much more. All contributions are welcome and will help to get a better picture of the history of the steamer “Fürth” and her crew.

Most of the content will be in German as the city of Fürth (Northern Bavaria) is a German town; however, all quotations of non-German sources, mainly English, will be kept in the original language. Even if you don’t speak German, don’t hesitate to contact me. I’d be happy to get in touch with you.

* In English sources you’ll find in most cases the spelling “Furth”, sometimes “Fürth” or “Fuerth”.

rigging

 

Das Titelfoto des Blogs

Das Titelfoto des Blogs zeigt die Sultania in Port Said im September 1925. Das ©opyright liegt beim National Maritime Museum, Greenwich, London.

Die Angaben des Museums zum Bild sind spärlich:

“General cargo vessel ‚Sultania‘ (Br, 1907), anchored and moored at Port Said”
(http://prints.rmg.co.uk/art/689816/general-cargo-vessel-sultania-br-1907-anchored-and-moored-at)

Der Fotograf ist unbekannt, das Bild ist datiert mit September 1925.

Auch wenn es zugegebenermaßen kein „schönes“ Bild ist, fasst es doch die Geschichte der „Fürth“ sehr gut zusammen und zeigt das Schiff, als es nach langer Zeit das erste Mal nach Hamburg, also in seinen ursprünglichen Heimathafen zurückkehren sollte, wenn auch „inkognito“.

Port Said

Außerdem ist Port Said in Ägypten einer der ganz wenigen Häfen, in dem das Schiff mit allen drei Schiffsnamen angelegt hat, zum ersten Mal als „Fürth“ im Dezember 1907 auf der Heimreise von Sydney nach Hamburg. Die Deutsche Kohlen Depot GmbH unterhielt hier eine Niederlassung und die Schiffe der Deutsch-Australischen Dampfschiff-Gesellschaft konnten in Port Said Kohle bunkern (zur Deutsche Kohlen Depot GmbH zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr). Später kehrte das Schiff auch als „Kerman“ zum Beispiel im September 1915 auf dem Weg von Liverpool nach Kalkutta nach Port Said zurück.

Hinweise

Können wir aber sicher sein, dass es sich bei der „Sultania“ wirklich um die „Fürth“ handelt? Ja, denn:

– Das Schiff hatte über die gesamte Lebensdauer die gleiche Identifikationsnummer, nämlich 136777, diese blieb von 1907 bis 1933 immer gleich, egal wie das Schiff hieß.

– In den Registern der Britischen Handelsmarine, in denen das Schiff geführt wird, ist immer erwähnt, wie ein Schiff vorher hieß. Beim Eintrag der „Sultania“ ist stets der Vermerk angegeben:

Formely the „Kerman“. Foreign name „Furth“.
zum Beispiel in:
Mercantile Navy List, 1931, pp. 338-535, Memorial University of Newfoundland,
(http://collections.mun.ca/cdm/compoundobject/collection/mha_merchant/id/29638/rec/51)

– Das gleich gilt auch für die Schiffsregister von Lloyd’s:

Lloyd's register 1930, Sultania, exKerman, exFürth

Erster Teil des Eintrags der „Sultania“ im Lloyd’s Register von 1930. Unter der laufenden Registernummer sieht man die Identifikationsnummer 136777 und die Zusätze exKerman, exFürth.

– Das angegebene Baujahr 1907 ist ebenfalls ein Hinweis. Es findet sich mit dem Produktionsort Flensburg ebenfalls stets in den Schiffsregistern.

– Im September 1925 war die „Sultania“ auf einer Fahrt von Bombay nach London mit Zwischenstopp in Hamburg, wo sie am 23. Oktober 1925 abends im Hafen ankam. Ein Aufenthalt im Hafen von Port Said ist Ende September 1925 somit auch plausibel.

Weitere Hinweise?

An alle Seebären da draußen: Gibt es auf dem Foto Details, die diese Aussagen stützen? Wer kennt die Deckaufbauten der „Fürth“ oder deren Schwesterschiffe? Welche Veränderungen wurden eventuell von den späteren Eigentümern vorgenommen? Gerne stelle ich dazu auch Ausschnittsvergrößerungen zur Verfügung.

Für alle Hinweise (auch auf weitere Fotos oder Zeichnungen der „Fürth“ oder deren Schwesterschiffe) an dieser Stelle schon im Voraus herzlichen Dank!