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SS Tabanan

Rückkehr nach Deutschland mit dem Dampfschiff „Tabanan“

Der dritte Maschinist und ein Assistent der „Fürth“ auf dem Heimweg von Colombo

Bildnachweis Titelbild: © https://www.shipsnostalgia.com/gallery/showphoto.php/photo/969778/title/tabanan/cat/513

Freilassung aus dem Gefangenenlager Ragama

Das Dampfschiff „Fürth“ lag seit dem 11. August 1914 im Hafen von Colombo. Die meisten Mannschaftsmitglieder waren dann eine Woche später, am 18. August, von Bord geholt und in das Gefangenenlager Ragama transportiert worden. Über dieses Lager hatte ich in zwei Blog-Artikeln ausführlich berichtet: Gefangenschaft auf Ceylon – Mannschaftsmitglieder der „Fürth“ berichten und Das Lager Ragama auf Ceylon.

Zwei der Besatzungsmitglieder der „Fürth“ wurden am 1. Oktober 1914 freigelassen und konnten die Heimreise antreten (Quelle: Bericht eines Assistenten und des dritten Maschinisten der „Fürth“ aus Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle, 31. Okt 1914, S. 3).

„Am 1. Oktober durften wir beide endlich abreisen. Auch andere sind freigelassen worden, wie wir hörten. Aber ihnen ist es nicht geglückt, ihr Ziel zu erreichen. Angeblich sind sie trotz ihrer Papiere später von französischen Schiffen wieder festgenommen worden. Wir mußten vor unserer Abreise die schriftliche Versicherung geben, daß wir in diesem Kriege nicht gegen die Engländer kämpfen werden.“

Wie wir noch sehen werden, gehörten auch Kapitän W. Richter und der dritte Offizier H. Wodarz zu den weniger Glücklichen, denn die beiden gerieten auf der Rückreise für einige Zeit in französische Gefangenschaft.

Reise mit dem Dampfschiff „Tabanan“

Mit dem Dampfer „Tabanan“ des Holländischen Lloyd fuhren wir heim. Unterwegs wurde unser Schiff von einem japanischen Kriegsschiff angehalten, in Gibraltar eingeschleppt, im Kanal angehalten und in Dover wurden wir Deutsche auf ein Kriegsschiff gebracht, wo man uns die endgültige Freiheit gab. Wir bestiegen wieder die Tabanan“, die uns nach Rotterdam brachte, von wo wir die Reise nach Hamburg mit der Bahn zurücklegten.“

A BRITISH DESTROYER EXAMINING A DUTCH STEAMER.

Ein niederländisches Dampfschiff wird von einem englischen Zerstörer überprüft; Quelle: The Times history of the war, 1918, London (commons.m.wikimedia.org).

Das Schiff „SS Tabanan“ war ein 1908 fertiggestelltes Postschiff der Reederei „Rotterdamsche Lloyd“. Zusammen mit der Reederei „Stoomvaart Maatschappij Nederland“ stellte der „Rotterdamsche Lloyd“ einen wöchentlichen Passagier-, Post- und Frachtverkehr zwischen den Niederlanden und Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien sicher.

Die „Tabanan“ war von der Schiffsbau-Gesellschaft Koninklijke Maatschappij ‚De Schelde‘. Scheepswerf en Machinefabriek in Vlissingen erbaut worden. Das Schiff hatte ein 4000 PS starke Dreifach-Expansions-Dampfmaschine, die die „Tabanan“ auf 14 Knoten brachte. Die Maße des Schiffes waren: Länge 400,5 Fuß, Breite 49,1 Fuß und Tiefe 27,4 Fuß. Damit war die „Tabanan“ ähnlich groß wie das Dampfschiff „Fürth“. Die Ladekapazität betrug 3246 Netto-Registertonnen (5247 Brutto-Registertonnen). Die „Tabanan“ konnte 204 Passagiere aufnehmen.

Das Schiff lief bis 1930 unter holländischer Flagge, wurde dann in die Türkei verkauft und war unter dem Namen „Ege“ bei verschiedenen Reedereien in Fahrt. Die „Ege“, exTabanan wurde 1954 in Italien verschrottet.

Quelle der Schiffsdaten: Stiftung Maritimhistorische Datenbank (Stichting Maritiem-Historische Databank) http://www.marhisdata.nl/.

Nederland, Rotterdamsche Lloyd

Abfahrten der Postschiffe ab Batavia, September bis Dezember 1914, Het nieuws van den dag voor Nederlandsch-Indië, 12. Sep 1914; Quelle: delpher.nl

Die Fahrtroute der „Tabanan“

Die „Tabanan“ legte einen Tag nach der Freilassung der beiden Besatzungsmitglieder der „Fürth“ in Colombo ab:

De „Tabanan“ van Java naar Rotterdam, vertrok 2 Oct. van Colombo
Haagsche courant, 5.
Okt 1914

Der weitere Fahrtverlauf: Port Said (13.10.), Gibraltar passiert (20.10.), Kap Finisterre passiert (Galizien, 21.10.) und Ankunft in Rotterdam am 24.10.1914 um 19.35 Uhr.

Quelle für alle niederländischen Tageszeitungen ist die Seite: http://www.delpher.nl
De ,,Tabanan“ van Java naar Rotterdam, vertrok 13 October van Port-Said
Haagsche courant, 15.
Okt 1914
De „Tabanan“ van Java naar Rotterdam, passeerde 20 October Gibraltar.
Haagsche courant, 22. Okt 1914
Het stoomschip Tabanan, van Java naar Rotterdam, passeerde 21 Oct. des namiddags Kaap Finisterre.
Rotterdamsch nieuwsblad, 23. Okt 1914
ZEETIJDINGEN.
BINNENLANDSCHE HAVENS
ROTTERDAM aangekommen.
24 Oct. namiddag:
… 7.35 s. TABANAN, Rott. Lloyd, Batavia. Lloydkade stukgoed.
Uren van aankomst in den Nieuwen Waterweg.
De Maasbode, 25. Okt 1914

Die im Bericht der beiden Mannschaftsmitglieder beschriebenen Verzögerungen der Fahrt können nicht von langer Dauer gewesen sein, denn nach einem Artikel des Bataviaasch Nieuwsblad kam die „Tabanan“ fahrplanmäßig in Rotterdam an.

Nederlandsch-Indië. Batavia, 26 Oct.
Onze Mailbooten. — De Rotterdatnsche Lloyd verzoekt ons mede te deelen, dat het s. s. Insulinde jl. Vrijdag te Rotterdam arriveerde, terwijl het s. s. Tabanan Zondag aldaar aankwam. De laatste boot is dus zeer waarschijnlijk niet door vreemde oorlogsschepen aangehouden, daar ze precies op tijd is binnengeloopen.
Bataviaasch nieuwsblad, 26. Okt 1914

Übersetzung: Der Rotterdamsche Lloyd bittet uns, Ihnen mitzuteilen, dass die „SS Insulinde“ am letzten Freitag in Rotterdam ankam, während die „SS Tabanan“ am Sonntag dort angekommen ist. Das letzte Schiff wurde daher wahrscheinlich nicht von fremden Kriegsschiffen festgehalten, da es genau nach Fahrplan ankam.

Keine Passagierliste für Colombo

In den niederländischen Medien (http://www.delpher.nl) sind bei Ankunft des Schiffes in Rotterdam leider nur die Passagiere aus Batavia aufgeführt, so dass keine Angaben über die in anderen Häfen zugestiegenen Passagiere vorliegen, was erlaubt hätte, die Passagierliste mit den Namen der Mannschaftsmitglieder der „Fürth“ abzugleichen.

Am Samstag, den 24. Okotober 1914 waren die beiden Seeleute am Abend in Rotterdam angekommen und haben dann nach eigenen Angaben den Zug nach Hamburg genommen.

Hendschel‘s Telegraph

Aus dem damals beliebten Kursbuch Hendschel‘s Telegraph können wir erfahren, dass eine direkte Zugfahrt von Rotterdam nach Hamburg möglich war: Fahrtzeit etwa 9,5 Stunden. Das Billet zweiter Klasse ist mit 16,40 Gulden, also 27,72 Mark angegeben. (Umrechungskurs: 1 Gulden entsprach 1,69 Mark).
Ausgabe Mai 1914, Quelle: http://www.deutsches-kursbuch.de/1914/917_hoch.htm

Hendschel‘s Telegraph war eine Übersicht der Eisenbahn-, Post-, Dampfschiff- und Telegraphen-Verbindungen und wurde seit etwa 1847 bis 1930 herausgegeben. Erster Herausgeber war Ulrich Friedrich Hendschel, Fürstlich Thurn und Taxis’scher Ober-Postamts-Secretär und Cours-Bureau-Beamter.

„Der Sohn Emil Heinrich Ulrich H. (1835-1909), ein jüngerer Bruder von Albert H., setzte nach dem Tod des Vaters 1862 das Reisekursbuch unter dem eingeführten Titel fort, das dann bis 1930 – zuletzt allerdings nicht mehr unter familiärer Beteiligung – regelmäßig erschien.“
Zitat: https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2553

Die Spur verliert sich

Genau eine Woche später erschien dann das Interview der beiden Mannschaftsmitglieder der „Fürth“ in der Hamburger Tageszeitung Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle (ohne Nennung der Namen).

Weiter habe ich die Spuren nicht verfolgt, was auch schwierig oder gar unmöglich sein dürfte. Die Namen der beiden sind nicht gesichert: A. Herrde  (3. Maschinist der „Fürth“, zuletzt dokumentiert in Sydney am 14. Juli 1914; der „Assistent“: eventuell J. Ernst, Maschinen-Assistent der „Fürth“, ebenfalls dokumentiert in Sydney am 14. Juli 1914).

Als nächstes werde ich über die Heimreise von Kapitän Richter und dem dritten Offizier der „Fürth“, H. Wodarz, berichten, die weit weniger reibungslos verlief.

HMS Espiegle

Die Kaperung der „Fürth“

10. August 1914,
100 Seemeilen südlich von Ceylon im Indischen Ozean

Zwei Augenzeugenberichte

Von der Kaperung der „Fürth“ und den folgenden Geschehnissen gibt es zwei Augenzeugenberichte, die beide in deutschen Tageszeitungen erschienen sind. Sie enthalten einander ergänzende oder auch widersprüchliche Informationen und ich werde sie in der Folge auszugsweise und kommentiert wiedergeben. Dazu kommen noch andere Dokumente und Fotos, die die Geschehnisse komplettieren und besser veranschaulichen.

Ernst oder Heidepriem?

Der Bericht „Erlebnisse in Colombo“ erschien am 31. Oktober 1914 in der Zeitung Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle auf Seite 3. Die Augenzeugen sind im Artikel nicht namentlich genannt. Es ist nur vom 3. Maschinisten der „Fürth“ und einem Assistenten die Rede. Hier müssen wir auf andere Quellen zurückgreifen: Der 3. Maschinist der „Fürth“ war laut Mannschaftsliste in Sydney vom 14. Juli 1914 A. Herrde, 34 Jahre alt (Drei Mannschaftslisten der „Fürth“ aus dem Jahr 1914).

Mit dem Assistenten verhält es sich etwas schwieriger. Als Assistenten wurden eigentlich immer nur die Maschinisten-Assistenten bezeichnet. Von diesen Maschinisten-Assistenten gab es deren zwei auf der „Fürth“, es könnte sich daher also entweder um J. Ernst, Alter 24 oder um den jungen W. Heidepriem, 18 Jahre, handeln.

Allerdings taucht der Name Heidepriem später in Tasmanien als Gefangener in der Quarantänestation Bruny Island als Besatzungsmitglied der „Oberhausen“ auf, einem anderen Schiff der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft:

„Heidepriem, William Henrich, geb. 1896. Maschinist. Am 05. November 1914 unter Auflagen entlassen und am 01. März 1915 wieder interniert. Repatriiert am 09. Juli 1919 auf der Tras os Montes.“
https://geschimagazin.wordpress.com/2014/07/14/die-mannschaft-der-ss-oberhausen-im-ersten-weltkrieg/

Es liegt also nahe, dass Heidepriem in Sydney das Schiff gewechselt hat. Eingehend in Sydney am 17. Juli 1914 war er noch nicht Besatzungsmitglied der „Oberhausen“ (http://marinersandships.com.au/), jedoch am 14. Juli 1914 auf der „Fürth“. Ein Initiale des Vornamens (W.) und das Alter (18) stimmen überein und Heidepriem ist kein häufiger Nachname. Es sollte sich also um dieselbe Person handeln.

Der zweite Augenzeuge in diesem Bericht ist also mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit J. Ernst.

Kapitän W. Richter

Der zweite Augenzeugenbericht ist von Kapitän W. Richter selbst, erschienen unter dem Titel „In französischer Gefangenschaft“ am 16. Dezember 1914 in den Hamburger Nachrichten auf Seite 3.

Beide Artikel sind abrufbar unter www.theeuropeanlibrary.com.

Die „HMS Espiegle“

Der Assistent und der dritte Maschinist berichten:

„Wir waren am 30. Juli von Fremantle nach Colombo abgefahren und befanden uns am 9. August etwa 100 Seemeilen südlich Colombo, als wir von einem englischen Kriegsschiff, der etwa 30 Jahre alten, 1500 Tonnen großen Panzerdeckskorvette „Espigle“ gekapert wurden.“

Statt 9. August muss es richtig heißen 10. August, das geht aus der Schilderung des Kapitäns und auch aus anderen Dokumenten eindeutig hervor. Der Name des englischen Schiffes lautet richtig geschrieben „HMS Espiegle“.

Und weiter heißt es im gleichen Dokument:

„Nachdem ein Offizier und 30 Mann zu uns an Bord gekommen waren, wurden wir am anderen Morgen, gefolgt vom „Espigle“ in den Hafen von Colombo eingebracht, wo bereits 4 Dampfer der Hansa-Linie lagen. Der „Espigle“ und der Kreuzer „Fox“, den wir bereits am Tage vorher auf See gesichtet hatten, verließen bald wieder den Hafen, nachdem sie sich mit Kohlen und Wasser versehen hatten. Die englischen Marinesoldaten auf unserem Schiff waren durch indisches Militär und dieses nach einer Weile durch schwarze Polizeitruppen abgelöst worden. Uns wurde jede Verbindung mit dem Lande untersagt. Am nächsten Tage wurden wichtige Maschinenteile auf der „Fürth“ entfernt. Jeden Morgen und Abend wurden wir gezählt. Am 12. August gesellten sich der ebenfalls gekaperte Dampfer „Australia“ und der Hansadampfer „Rappenfels“ zu uns.“

Die „Australia“ habe ich hier im Blog ausführlich vorgestellt (Bordkonzert in Port Pirie). Sie wurde ebenfalls am 10. August 1914 gekapert und von der „HMS Fox“ nach Colombo gebracht (siehe unten). Zu den „wichtigen Maschinenteilen“ gibt es im folgenden Auszug mehr Informationen. Nachdem sich die Augenzeugen bereits bei den vorangegangenen Daten um einen Tag vertan hatten, ist die Ankunft der „Australia“ und der „Rappenfels“ auf den 11. August 1914 zu datieren.

HMS Espiegle

HMS Espiegle, eine für die Royal Navy von 1900-1903 gebaute Sloop; Quelle: commons.wikimedia.org/wiki/File:HMS_Espiegle_(1900).jpg

Der Kapitän berichtet

Und hier die Schilderung des Kapitäns W. Richter:

Ich hatte mit meinem Dampfer Fürth am 30. Juli Fremantle in Australien verlassen, um über Colombo die Heimreise anzutreten. Ohne jegliche Kenntnis des Kriegsausbruches zwischen Deutschland und England war ich bereits bis in die Nähe der Insel Ceylon gekommen, als am Mittag des 10. August ein Kriegsschiff unbekannter Nationalität – es zeigte seine Nationalität nicht – in unsere Nähe kam. Ich tauschte mit dem Schiffe Grüße aus, worauf von diesem ein blinder Schuß abgegeben wurde, der mich zwang, die Fahrt meines Schiffes zu stoppen. Gleich darauf setzte das Kriegsschiff das Flaggensignal: Krieg zwischen England und Deutschland. Da mein Schiff aber immer noch etwas Bewegung hatte, gab das fremde Kriegsschiff, das als der englische Kreuzer Espigels erkannt wurde, jetzt zwei scharfe Schüsse ab, von denen der eine vor dem Bug vorüber- und der andere über die Kommandobrücke meines Schiffes hinüberging. Gleich darauf kam ein Boot längsseit, auf dem ein Kapitänleutnant und 15 bewaffnete Matrosen zu mir an Bord kamen. Der Offizier erklärte das Schiff als beschlagnahmt und befahl mir, dem Kriegsschiff zu folgen. Am 11. August traf ich im Hafen von Colombo ein, wo mein Schiff vertäut wurde. Die Schieber und Reserveschieber wurden aus der Maschine genommen und dadurch diese unbrauchbar gemacht. Ich bekam dann Polizeimannschaften zur Bewachung an Bord.“

Auch in diesem Bericht ist der Name des englischen Schiffes „HMS Espiegle“ nicht richtig wiedergegeben.

Der Schieber sitzt bei einer Dampfmaschine im Schieberkasten und steuert den Dampfstrom wechselweise von oben oder von unten in den Zylinder. Fehlt der Schieber, ist das Schiff fahruntüchtig.

Interessant ist auch, dass die Angaben beider Augenzeugen durchaus Unterschiede aufweisen: im ersten Bericht ist von 30 Mann die Rede, die auf die „Fürth“ kommen, der Kapitän spricht von nur 15 „bewaffneten Matrosen“. Der dritte Maschinist sagt, dass die „HMS Espiegle“ der „Fürth“ folgte, der Kapitän berichtet, dass er dem Kriegsschiff folgte.

Im September können wir dann in der englischen Presse folgenden Artikel über die Erfolge der „HMS Espiegle“ finden:

WARSHIP CAPTURES
PORTSMOUTH CREW’S WORK.

The mail from Colombo brings news of two important captures of German merchant shipsby the British sloop Espiegle, a Portsmouth manued vessel on the East Indies Station, in command of Com. W. Nunn.
The first capture was the Rappenfels, which had a valuable cargo of merchandise; and some days later the Espiegle succeeded in making the German ship Furth a prize of war.
Both the prizes were taken to Colombo.
Hampshire Telegraph, Fr 25. September 1914, S. 14; Quelle: British Newspaper Archive

Damit haben wir auch den Namen des Schiffsführers der HMS Espiegle:
Commander W. Nunn, als auch den Heimathafen des Schiffes: Portsmouth.

Die „HMS Fox“

Am 10. August war noch ein anderes englisches Kriegsschiff von Colombo aus auf Patrouille gegangen: die „HMS Fox“.

Die „HMS Fox“ kaperte an diesem Tag, dem 10. August 1910, ebenfalls ein Schiff der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft: die „Australia“.

Von dieser Kaperung gibt es sogar noch einen Logbucheintrag. Darin heißt es unter anderem für den 10. August 1914:

From Colombo on patrol
Lat 5.0, Long 80.2
12.10pm: sighted smoke on port bow; proceeded to intercept
1.06pm: Stopped along side German SS AUSTRALIA, Dutch Australian Lloyd Line; Sent officer on board to take possession; Sent prize crew to take vessel to Colombo;
2.25pm: proceeded
Quelle: https://www.naval-history.net/OWShips-WW1-05-HMS_Fox.htm

Logbook, HMS Fox, August, 10th 1914

Logbuchseite der „HMS Fox“ vom 10. August 1914; aus: Royal Navy Log Books of the World War 1 Era HMS FOX – November 1913 to April 1915, Persian Gulf, East Indies Station, German East African Campaign (Part 1 of 2); Edited by Don Kindell, Naval History Researcher, Ohio, USA; Quelle: https://www.naval-history.net/OWShips-WW1-05-HMS_Fox.htm

 

Trotz Funkanlage gekapert

Die „Australia“ hatte im Gegensatz zur „Fürth“ bereits Funk an Bord. Das Schiff hatte Suez am 29. Juli 1914 verlassen und war auf dem Weg nach Colombo und nach Java. Im Roten Meer hatte das Schiff Nachricht vom Krieg aufgefangen. Daraufhin wollte Kapitän Hellerich Ceylon südlich umfahren und direkt Java anlaufen. Allerdings hatte er die Route nicht südlich genug gewählt und wurde daher von der „HMS Fox“ gekapert. (Quelle: Otto Harms, 1933).

Port Pirie, Australia

Die „Australia“ in Port Pirie: Aufnahmedatum nicht bekannt; wahrscheinlich zwischen dem 27. Februar und dem 20. März 1913; Quelle: State Library of South Australia, Referenznummer B9524/3

Telegramm nach London

Ein Dokument der Kaperung der „Fürth“ gibt es im Britischen Nationalarchiv in Kew (London). Es ist ein Telegramm des Obersten Kommandeurs von Ostindien an die Britische Admiralität vom 16. August 1914. Darin heißt es:

[HMS] Fox and [HMS] Espiegle captured [German] Australian Line ships Australia and Furth off Ceylon 10th August and took them to Colombo

Quelle: https://discovery.nationalarchives.gov.uk/details/r/C12813014

Commander-in-Chief von Ostindien war zu dieser Zeit Richard Henry Peirse, der zu dieser Zeit den Rang eines Konteradmirals („rear-admiral“) innehatte. Er sollte also der Absender des Telegramms sein. „Sollte“ deshalb, da mir von diesem Telegramm bislang nur die obenstehende Archiv-Beschreibung des Britischen Nationalarchivs vorliegt. Ein Besuch in Kew würde das Original selbst wieder an Licht bringen. Über die Dokumente im Nationalarchiv, die die „Fürth“ betreffen, werde ich demnächst hier im Blog noch einen eigenen Artikel machen.

Insgesamt gibt es im Britischen Nationalarchiv nämlich über einhundert (!) Dokumente, in denen das Dampfschiff „Fürth“ erwähnt wird. Eine echte Goldgrube!

Bildquelle Titelbild des Artikels, HMS Espiegle:
http://www.naval-history.net/PhotoWW1-18slEspiegle1PS.JPG