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Koningin Emma sinking

Die abenteuerliche Reise des Kapitäns der „Fürth“, W. Richter, auf der „Koningin Emma“

Endstation Marseille

Aufbruch in Colombo

Bildnachweis Titelbild: Das Sinken der „Koningin Emma“,
© https://wrecksite.eu/wreck.aspx?74565

Kapitän W. Richter war eines der wenigen Besatzungsmitglieder, die im Hafen von Colombo (Ceylon) auf der, von den Briten beschlagnahmten „Fürth“, bleiben konnten.

Über diese Zeit im Hafen hatte ich ausführlich berichtet: Die „Fürth“ in Colombo: 11. bis 18. August 1914 und Wie ein bekannter deutscher Physikprofessor auf die „Fürth“ kam.

Anschließend berichtet Kapitän Richter weiter über seine Fahrt nach Europa
(Quelle: Hamburger Nachrichten, 16. Dezember 1914, S. 3, http://www.theeuropeanlibrary.com):

„Am 25. September erhielten ich sowie ein dritter Offizier einen Freipaß von der englischen Regierung in Colombo zugestellt, auf dem merkwürdigerweise ausdrücklich bemerkt war, daß wir auch an der Weiterreise durch Frankreich nicht gehindert werden durften. Gleichzeitig bei der Überreichung der Freipässe wurde uns befohlen, uns an Bord des inzwischen von Java zurückgekehrten holländischen Dampfers Konigin Emma zu begeben, um mit diesem nach einem neutralen Hafen abgeschoben zu werden. Die Reise dorthin mußten wir aber selbst bezahlen. Der holländische Dampfer sollte uns nach Genua bringen, und wir beide waren froh darüber, daß wir bald wieder in die Heimat gelangen sollten. Jedoch kam es ganz anders als wir dachten.“

Koningin Emma (1913)

„Koninigin Emma“, Aufnahme von 1913; Quelle: https://wrecksite.eu/wreck.aspx?74565

Mit dem Postschiff „Koningin Emma“ war bereits Prof. Hupka von Europa in Ceylon angekommen (Wie ein bekannter deutscher Physikprofessor auf die „Fürth“ kam). Jetzt war das Schiff auf dem Rückweg von Batavia, wo es am 17. September 1914 den Hafen Tandjoeng Priok verlassen hatte.

Vertrokken: Ned. ss. Koningin Emma, gez. Ouwehand, naar Singapore, Sabang en Amsterdam.
Het nieuws van den dag voor Nederlandsch-Indië, 18. Sep 1914

Die Abfahrt von Colombo erfolgte am 26. September 1914, einen Tag nach der Freilassung Kapitän Richters und des dritten Offiziers der „Fürth“, H. Wodarz.

Het ss. Koningin Emma, mailschip van de Stoomvaart Maatschappij „Nederland“, vertrok van Colombo op 26 dezer op weg naar Holland.
Het nieuws van den dag voor Nederlandsch-Indië, 28. Sep 1914

Im Mittelmeer

Kapitän W. Richter berichtet weiter:

„Unterwegs kamen wir durch den Suezkanal. Hier herrschte reges militärisches Leben, da eine Menge großer Transportschiffe in Port Said lag. Wir wurden daher wohl auch nicht weiter durch Anhalten belästigt, da die dort liegenden Kriegsschiffe genug mit den Transportschiffen zu tun hatten.“

Die „Koningin Emma“ hatte Suez am 6. Oktober 1914 passiert (Quelle: De Sumatra Post, 10. Okt. 1914).

„Als die Konigin Emma Port Said verließ, gingen etwa 25 große, mit farbigen Truppen besetzte Transportschiffe mit uns in See, den gleichen Kurs nach dem Westen mit uns aufnehmend. Bis zum 10. Oktober erfuhr die Weiterreise keine Unterbrechung, dann aber hielt uns südlich von Italien der französische Kreuzer Casa Bianca an.“

Die „Casabianca“ war ein älteres, zum Minenleger umgebautes, französisches Kriegsschiff (1895 fertiggestellt).

Casabianca aviso-torpilleur

Das französische Kriegsschiff CASABIANCA, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CASABIANCA_MN_1w.jpg

Malta und Biserta (Bizerte)

„Der an Bord gekommene Marineoffizier nahm uns fast sämtliche Papiere ab und befahl dem Kapitän des holländischen Dampfers, weil angeblich Konterbande (Gummi) an Bord sei, nach Malta zu fahren. Von dort mußte die Konigin Emma nach Biserta gehen, und schließlich erhielt sie Befehl, nach Marseille zu fahren, wo sie am 19. Oktober eintraf.“

Als Konterbande wurden Waren bezeichnet, die mittelbar oder unmittelbar zur Kriegsführung eingesetzt werden konnten.

Die Aussage, dass das Schiff Biserta anlief, wird durch einen Zeitungsartikel bestätigt. Er listet noch mehrere Waren auf, die hier laut diesem Artikel beschlagnahmt wurden:

Het s.s. Koningin Emma werd genoodzaakt te Biserta (bfl Tunis) alles te lossen wat als voorwaardelflke contrabande wordt beschouwd: koffie, rubber, tapioca, huiden, mais, thee en lijnkoeken.
Het nieuws van den daag voor Nederlandsch-Indië, 19. Okt 1914

Übersetzung: Die SS Königin Emma wurde gezwungen, alles, was in Biserta als bedingte Schmuggelware gilt, zu entladen: Kaffee, Gummi, Tapioka, Häute, Mais, Tee und Ölkuchen.

Anm.: Bizerte (Biserta) ist eine tunesische Hafenstadt.
koningin emma (1913)

„Koninigin Emma“, Aufnahme aus der Zeit des Ersten Weltkrieges mit großem Schriftzug und großer niederländischer Flagge am Bug; Quelle: https://wrecksite.eu/wreck.aspx?74565

Eintreffen in Marseille

Das Eintreffen von Kapitän Richter und des, bislang in den Quellen nicht namentlich genannten dritten Offiziers, H. Wodarz, ist in der Passagierliste der „Koningin Emma“ beim Eintreffen in Marseille belegt:

PASSAGIERSLIJST.
Aangekomen passagiers.
St. Koningin Emma, vertrokken van Batavia d.d 17 September en gedeeltelijk te Marseille gedebarkeerd. Kapitein P. Ouwehand.
G. Bakker, mr. J. Barlagen Bussemaker, G. Boker, J. Blackburn, A. J. Blanckenhagen en echtg., W Blom, N. Bolijn en echtg., W. Brakel Jr., A. W. H. M. Bruning, B. Buizert, H. A. F. de Bijl Nachenius. en echtg., C. A. Carlier, G. I. Chapplo. mevr. F Cochins en kind, J. Couwenberg, F. A. W. Creutzberg, mevr. van Dijk. Orestie Fanoli, Ch. von Freyburg, mej. L. Gerlach, mevr. M. H. N. Gerth v. Wijk, kapt. F. H. R. Gronau, J. Haag, echtg. en 3 kind., J. v d. Haar. H. J. v. Hal, E. A. F. v. Hille, D. J. N. v. d Hoop, P. Kazen, mevr. Ch. Kokke en 3 kind., N. J. Koolemans Beyne, echtg. en 2 kind., J. C. Th. Kroesen, C. Kunst, mej. van der Linden, Ch. R. Mac Cubbin, J. L. Martens, J. van Merkenstein en kind, G. C Moody, mevr. Morris en 3 kind., kapt. W. Müller, A_ J. Pabbruwo en 2 kind., H. H. Pelster, H. S. Pitch, J. Poll, echtg. en kind, Th. Pool, I. Ramaswamy, F M. Razona Schultz, dr. C. Kichter en echtg. H. Richter, kapt. F. W. Richter, G. Rijnders, J. Scheltens. J. W. Sickemeijer, echtg. en kind, Th. J. Soeters, A C. Spek, jongejuffr. P. E. Taat, mevr. J. M. Veltkamp Helbach, N. van Vriesland, H. C. van Weeren, C. P. Weil, J. Wilson, H. Wodarz, J. J. C. de Wolff, benevens H. M. troepen en schepelingen.
Quelle: Het nieuws van den dag : kleine courant, 26. Okt 1914, Hervorhebungen durch den Autor

Anmerkung: Viele aus Übersee ankommende Passagiere legten ab Marseille den Weg in die Niederlanden mit dem Zug zurück.

Weitere Leidensgenossen

„Hier wurden außer mir und dem dritten Offizier, noch zwei an Bord befindliche Kapitäne der Bremer Hansa-Linie und Professor Dr. Kahle, der von Ägypten kam, von Bord geholt.“

Die zwei Kapitäne der Hansa-Linie sind in der Passagierliste aufgeführt, sie kamen ebenfalls aus Colombo. Prof. Kahle hingegen fehlt in der Liste, was darauf zurückzuführen sein dürfte, dass er erst in Ägypten auf das Schiff kam und die Meldung bereits vorher telegrafisch übermittelt wurde.

Die Kapitäne der Hansa-Linie waren laut Passagierliste der „Koningin Emma“ F. H. R. Gronau, Kapitän des Dampfers „Rappenfels“ und W. Müller, Kapitän der „Moltkefels“. Beide Schiffe der Bremer Hansa-Linie waren ebenfalls von den Briten aufgebracht worden und lagen in Colombo: Die „Fürth“ in Colombo: 11. bis 18. August 1914

Bei Prof. Kahle dürfte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Theologen und Orientalisten Prof. Dr. Paul Kahle handeln (1875-1964). Dieser war von 1903-1908 Pfarrer der Deutschen Evangelischen Gemeinde Kairo gewesen.

„Nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt war, unterrichtete Kahle an der Universität in Halle (1909-1914) und erwarb im Jahr 1914 in Gießen den Titel ordentlicher Professor.“ http://www.paulkahle.unito.it/index.php/About/biography_kahle?lang=de

Eventuell kam er von einer Studienreise, als er von der „Koningin Emma“ geholt wurde, was ich aber nicht weiter recherchiert habe. Falls jemand sicher sagen kann, dass es nachweislich dieser Prof. Kahle war, der mit Kapitän Richter gereist ist, wäre ich für einen Hinweis auf den Beleg dankbar.

Eine Quelle besagt, dass der deutsche Professor einen Pass vom englischen Oberbefehlshaber hatte und sich daher in Sicherheit wog und auf die Rückreise nach Deutschland über Genua gewagt hatte (De Sumatra Post, 16. Dez 1914).

Gefangennahme

Setzen wir den Bericht von Kapitän Richter fort:

„Mit unserem übriggebliebenen Gepäck mußten wir in einem selbst gemieteten Wagen zur Polizeiwache fahren, wo unsere Papiere und die auf den Pässen befindlichen Personalbeschreibungen geprüft wurden. Wir mußten bis gegen Mitternacht in dem Untersuchungsraum der Wache bleiben. Auf unser Bitten gestattete man uns, von einem in der Nähe befindlichen Gasthaus Essen kommen zu lassen, da wir keine Speisen von der Polizei erhielten. In der Nacht wurden wir noch auf den holländischen Dampfer zurückgebracht, auf dem wir bis zum 22. Oktober blieben, der dann, nachdem er die für Genua bestimmte Ladung gelöscht hatte, Marseille verließ, um nach Amsterdam weiterzufahren.“

„Wir Deutsche freuten uns schon, der Gefangensetzung entronnen zu sein, als kaum eine halbe Stunde vor Ausgang der Konigin Emma wir Fünfe den Befehl erhielten, unsere noch übriggebliebenen wenigen Habseligkeiten zusammenzupacken, um abgeführt zu werden. Unter den übrigen Fahrgästen befanden sich noch zwei Deutsche, die aber aus Java in der holländischen Kolonialtruppe gediet [sic!] hatten und sich in ihrer Uniform auf der Heimreise nach Amsterdam befanden. Sie sollten gleichfalls gefangen genommen werden. Sie waren mit uns bereits zum Verlassen des Schiffes angetreten, als der holländische Konsul erschien und unter Hinweis auf die Uniform die Freilassung der beiden Kolonialsoldaten verlangte, worauf diese auch freigegeben wurden. Wir fünf wurden nun auf einen kleinen Schleppdampfer gebracht, der uns nach dem Fort Nicolas übersetzte.“

Bestätigte Angaben

Die Angaben von Kapitän Richter im letzten Paragraphen werden von einem anderen Passagier des Schiffes bestätigt (Zeitungsartikel De reis van de „Koningin Emma”, De Sumatra Post, 16. Dez 1914). Im Artikel muss es statt „der holländische Konsul“ wohl richtig heißen „der holländische Kapitän“.

Der Artikel De reis van de „Koningin Emma” gibt auch über das weitere Schicksal der beiden Deutschen im Dienst der holländischen Kolonialtruppen Auskunft (Artikel im Original im Niederländischen):

„Der Kapitän der „Emma“ protestierte energisch und sagte, er würde nicht zulassen, dass diese beiden holländischen Soldaten in Uniform von Bord eines holländischen Schiffes gebracht würden. Sie wurden dann allein gelassen, aber in Gravesend wurde dasselbe wiederholt. An den Docks, zu denen das Schiff abgeschleppt worden war, wurden die beiden Soldaten von bewaffneten Engländern bewacht. Einer von ihnen war krank und nicht in der Lage war, aus seinem Bett zu gehen, und schließlich wurde angeordnet, die beiden an Land zu bringen. Die Bahre wurde vom Schiffsarzt der „Emma“ zur Verfügung gestellt.

Der Kapitän protestierte vergeblich, wandte sich aber sofort an das niederländische Generalkonsulat in London, was dazu führte, dass der Gesandte Van Swinderen sich mit der englischen Regierung in Verbindung setzte. Am Tag vor der Abfahrt des Schiffes wurde einer der beiden Soldaten wieder an Bord gebracht, der andere blieb im Krankenhaus, wurde aber nach der Genesung wieder freigelassen.“

Anmerkung: Gravesend ist eine englische Hafenstadt am Unterlauf der Themse und wurde auf der Rückreise nach Amsterdam fahrplanmäßig angelaufen.

Auch zur Verhaftung der fünf Deutschen, inklusive Kapitän Richters, gibt der Augenzeuge eine Einschätzung:

„Insbesondere die französischen Behörden befanden sich in völliger Unsicherheit über die Gründe und die Rechtmäßigkeit der von ihnen selbst vorgenommenen Festnahme. Sie ignorierten englische Pässe und misstrauten den Frachtbriefen, auf denen „Order to Rotterdam“ durchgestrichen und durch „Order to London“ ersetzt wurde.“

Unsicherheit hin oder her – die fünf Deutschen waren verhaftet.

Lange Verzögerung

Die „Koningin Emma“ erreichte Amsterdam schließlich mit viel Verzögerung am 5. November 1914.

SCHEEPVAART.
Het ss. Koningin Emma is 5 dezer te Amsterdam aangekomen.
De Preanger-bode, 11. Nov. 1914

Insgesamt war das Schiff fast drei Wochen länger und damit fast doppelt so lang unterwegs wie die „Tabanan“, mit der zwei andere Besatzungsmitglieder der „Fürth“ von Colombo nach Rotterdam gefahren waren (Rückkehr nach Deutschland mit dem Dampfschiff „Tabanan“). Die „Tabanan“ war eine Woche später aus Colombo ausgelaufen (2. Okt 1914) und erreichte die Niederlanden 12 Tage vor der „Koningin Emma“, nämlich bereits am 24. Okt 1914.

Über diese Verzögerung machte auch der bereits zitierte Passagier seinem Unmut Luft:

„Fünf Deutsche und fünfzig Kisten Gummi – schließlich alles, warum das neutrale Handelsschiff von einem Hafen zum anderen geschleppt, tagelang aufgehalten, durchsucht, behindert und in jeder Hinsicht beeinträchtigt wurde.“ (De reis van de „Koningin Emma”, De Sumatra Post, 16. Dez 1914).

Koningin Emma sinking

Das Sinken der „Koningin Emma“ am 22. September 1915, Quelle und weitere Informationen: https://wrecksite.eu/wreck.aspx?74565

Der Untergang der „Koningin Emma“

Fast ein Jahr später hätte dieser Passagier dann ernsteren Grund zur Klage gehabt: Am 22. September 1915 lief die „Koningin Emma“ auf der Fahrt von Batavia nach Amsterdam vor der englischen Südost-Küste in der Nähe der Themsemündung auf eine (vom U-Boot SM UC-7 der Kaiserlichen Marine gelegte) Mine und sank. Alle Personen an Bord konnten gerettet werden (Quellen: https://wrecksite.eu/wreck.aspx?74565 und http://www.stoomvaartmaatschappijnederland.nl/ss-koningin-emma-ii-phmfp-1913-1915/)

Gefangenschaft in Marseille

Nächste Woche hier im Blog: Das Schicksal von Kapitän Richter, dem dritten Offizier der „Fürth“, H. Wodarz, den beiden anderen deutschen Kapitänen Gronau und Müller sowie von Professor Kahle in Marseille: Gefangenschaft im Fort Nicolas.

SS Tabanan

Rückkehr nach Deutschland mit dem Dampfschiff „Tabanan“

Der dritte Maschinist und ein Assistent der „Fürth“ auf dem Heimweg von Colombo

Bildnachweis Titelbild: © https://www.shipsnostalgia.com/gallery/showphoto.php/photo/969778/title/tabanan/cat/513

Freilassung aus dem Gefangenenlager Ragama

Das Dampfschiff „Fürth“ lag seit dem 11. August 1914 im Hafen von Colombo. Die meisten Mannschaftsmitglieder waren dann eine Woche später, am 18. August, von Bord geholt und in das Gefangenenlager Ragama transportiert worden. Über dieses Lager hatte ich in zwei Blog-Artikeln ausführlich berichtet: Gefangenschaft auf Ceylon – Mannschaftsmitglieder der „Fürth“ berichten und Das Lager Ragama auf Ceylon.

Zwei der Besatzungsmitglieder der „Fürth“ wurden am 1. Oktober 1914 freigelassen und konnten die Heimreise antreten (Quelle: Bericht eines Assistenten und des dritten Maschinisten der „Fürth“ aus Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle, 31. Okt 1914, S. 3).

„Am 1. Oktober durften wir beide endlich abreisen. Auch andere sind freigelassen worden, wie wir hörten. Aber ihnen ist es nicht geglückt, ihr Ziel zu erreichen. Angeblich sind sie trotz ihrer Papiere später von französischen Schiffen wieder festgenommen worden. Wir mußten vor unserer Abreise die schriftliche Versicherung geben, daß wir in diesem Kriege nicht gegen die Engländer kämpfen werden.“

Wie wir noch sehen werden, gehörten auch Kapitän W. Richter und der dritte Offizier H. Wodarz zu den weniger Glücklichen, denn die beiden gerieten auf der Rückreise für einige Zeit in französische Gefangenschaft.

Reise mit dem Dampfschiff „Tabanan“

Mit dem Dampfer „Tabanan“ des Holländischen Lloyd fuhren wir heim. Unterwegs wurde unser Schiff von einem japanischen Kriegsschiff angehalten, in Gibraltar eingeschleppt, im Kanal angehalten und in Dover wurden wir Deutsche auf ein Kriegsschiff gebracht, wo man uns die endgültige Freiheit gab. Wir bestiegen wieder die Tabanan“, die uns nach Rotterdam brachte, von wo wir die Reise nach Hamburg mit der Bahn zurücklegten.“

A BRITISH DESTROYER EXAMINING A DUTCH STEAMER.

Ein niederländisches Dampfschiff wird von einem englischen Zerstörer überprüft; Quelle: The Times history of the war, 1918, London (commons.m.wikimedia.org).

Das Schiff „SS Tabanan“ war ein 1908 fertiggestelltes Postschiff der Reederei „Rotterdamsche Lloyd“. Zusammen mit der Reederei „Stoomvaart Maatschappij Nederland“ stellte der „Rotterdamsche Lloyd“ einen wöchentlichen Passagier-, Post- und Frachtverkehr zwischen den Niederlanden und Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien sicher.

Die „Tabanan“ war von der Schiffsbau-Gesellschaft Koninklijke Maatschappij ‚De Schelde‘. Scheepswerf en Machinefabriek in Vlissingen erbaut worden. Das Schiff hatte ein 4000 PS starke Dreifach-Expansions-Dampfmaschine, die die „Tabanan“ auf 14 Knoten brachte. Die Maße des Schiffes waren: Länge 400,5 Fuß, Breite 49,1 Fuß und Tiefe 27,4 Fuß. Damit war die „Tabanan“ ähnlich groß wie das Dampfschiff „Fürth“. Die Ladekapazität betrug 3246 Netto-Registertonnen (5247 Brutto-Registertonnen). Die „Tabanan“ konnte 204 Passagiere aufnehmen.

Das Schiff lief bis 1930 unter holländischer Flagge, wurde dann in die Türkei verkauft und war unter dem Namen „Ege“ bei verschiedenen Reedereien in Fahrt. Die „Ege“, exTabanan wurde 1954 in Italien verschrottet.

Quelle der Schiffsdaten: Stiftung Maritimhistorische Datenbank (Stichting Maritiem-Historische Databank) http://www.marhisdata.nl/.

Nederland, Rotterdamsche Lloyd

Abfahrten der Postschiffe ab Batavia, September bis Dezember 1914, Het nieuws van den dag voor Nederlandsch-Indië, 12. Sep 1914; Quelle: delpher.nl

Die Fahrtroute der „Tabanan“

Die „Tabanan“ legte einen Tag nach der Freilassung der beiden Besatzungsmitglieder der „Fürth“ in Colombo ab:

De „Tabanan“ van Java naar Rotterdam, vertrok 2 Oct. van Colombo
Haagsche courant, 5.
Okt 1914

Der weitere Fahrtverlauf: Port Said (13.10.), Gibraltar passiert (20.10.), Kap Finisterre passiert (Galizien, 21.10.) und Ankunft in Rotterdam am 24.10.1914 um 19.35 Uhr.

Quelle für alle niederländischen Tageszeitungen ist die Seite: http://www.delpher.nl
De ,,Tabanan“ van Java naar Rotterdam, vertrok 13 October van Port-Said
Haagsche courant, 15.
Okt 1914
De „Tabanan“ van Java naar Rotterdam, passeerde 20 October Gibraltar.
Haagsche courant, 22. Okt 1914
Het stoomschip Tabanan, van Java naar Rotterdam, passeerde 21 Oct. des namiddags Kaap Finisterre.
Rotterdamsch nieuwsblad, 23. Okt 1914
ZEETIJDINGEN.
BINNENLANDSCHE HAVENS
ROTTERDAM aangekommen.
24 Oct. namiddag:
… 7.35 s. TABANAN, Rott. Lloyd, Batavia. Lloydkade stukgoed.
Uren van aankomst in den Nieuwen Waterweg.
De Maasbode, 25. Okt 1914

Die im Bericht der beiden Mannschaftsmitglieder beschriebenen Verzögerungen der Fahrt können nicht von langer Dauer gewesen sein, denn nach einem Artikel des Bataviaasch Nieuwsblad kam die „Tabanan“ fahrplanmäßig in Rotterdam an.

Nederlandsch-Indië. Batavia, 26 Oct.
Onze Mailbooten. — De Rotterdatnsche Lloyd verzoekt ons mede te deelen, dat het s. s. Insulinde jl. Vrijdag te Rotterdam arriveerde, terwijl het s. s. Tabanan Zondag aldaar aankwam. De laatste boot is dus zeer waarschijnlijk niet door vreemde oorlogsschepen aangehouden, daar ze precies op tijd is binnengeloopen.
Bataviaasch nieuwsblad, 26. Okt 1914

Übersetzung: Der Rotterdamsche Lloyd bittet uns, Ihnen mitzuteilen, dass die „SS Insulinde“ am letzten Freitag in Rotterdam ankam, während die „SS Tabanan“ am Sonntag dort angekommen ist. Das letzte Schiff wurde daher wahrscheinlich nicht von fremden Kriegsschiffen festgehalten, da es genau nach Fahrplan ankam.

Keine Passagierliste für Colombo

In den niederländischen Medien (http://www.delpher.nl) sind bei Ankunft des Schiffes in Rotterdam leider nur die Passagiere aus Batavia aufgeführt, so dass keine Angaben über die in anderen Häfen zugestiegenen Passagiere vorliegen, was erlaubt hätte, die Passagierliste mit den Namen der Mannschaftsmitglieder der „Fürth“ abzugleichen.

Am Samstag, den 24. Okotober 1914 waren die beiden Seeleute am Abend in Rotterdam angekommen und haben dann nach eigenen Angaben den Zug nach Hamburg genommen.

Hendschel‘s Telegraph

Aus dem damals beliebten Kursbuch Hendschel‘s Telegraph können wir erfahren, dass eine direkte Zugfahrt von Rotterdam nach Hamburg möglich war: Fahrtzeit etwa 9,5 Stunden. Das Billet zweiter Klasse ist mit 16,40 Gulden, also 27,72 Mark angegeben. (Umrechungskurs: 1 Gulden entsprach 1,69 Mark).
Ausgabe Mai 1914, Quelle: http://www.deutsches-kursbuch.de/1914/917_hoch.htm

Hendschel‘s Telegraph war eine Übersicht der Eisenbahn-, Post-, Dampfschiff- und Telegraphen-Verbindungen und wurde seit etwa 1847 bis 1930 herausgegeben. Erster Herausgeber war Ulrich Friedrich Hendschel, Fürstlich Thurn und Taxis’scher Ober-Postamts-Secretär und Cours-Bureau-Beamter.

„Der Sohn Emil Heinrich Ulrich H. (1835-1909), ein jüngerer Bruder von Albert H., setzte nach dem Tod des Vaters 1862 das Reisekursbuch unter dem eingeführten Titel fort, das dann bis 1930 – zuletzt allerdings nicht mehr unter familiärer Beteiligung – regelmäßig erschien.“
Zitat: https://frankfurter-personenlexikon.de/node/2553

Die Spur verliert sich

Genau eine Woche später erschien dann das Interview der beiden Mannschaftsmitglieder der „Fürth“ in der Hamburger Tageszeitung Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle (ohne Nennung der Namen).

Weiter habe ich die Spuren nicht verfolgt, was auch schwierig oder gar unmöglich sein dürfte. Die Namen der beiden sind nicht gesichert: A. Herrde  (3. Maschinist der „Fürth“, zuletzt dokumentiert in Sydney am 14. Juli 1914; der „Assistent“: eventuell J. Ernst, Maschinen-Assistent der „Fürth“, ebenfalls dokumentiert in Sydney am 14. Juli 1914).

Als nächstes werde ich über die Heimreise von Kapitän Richter und dem dritten Offizier der „Fürth“, H. Wodarz, berichten, die weit weniger reibungslos verlief.